»We were queer way before gay liberation was invented.« So Mogamat Kafunta Benjamin anlässlich einer kleinen, inzwischen breit rezipierten Ausstellung 2019 in Cape Town. Wie viele andere, die an Dirty Dragging beteiligt waren, erlebt Mogamat diese Publikation nicht mehr. Heute fühlt sich unsere Begegnung an wie aus einer anderen Welt. Wir hatten uns bei seiner Führung durch das District Six Museum kennengelernt, als ich dort zum Karneval und der Globalgeschichte von Blackface recherchieren wollte. Von dort aus hat er mich nach nebenan zu Kewpie: Daughter of District Six geschleppt und mir jene Drag-Fotos gezeigt, mit denen dieses völlig anders geplante Buch nun fünf Jahre später in einer veränderten weltpolitischen Situation beginnt. Mogamats Absage an queere Fortschrittserzählungen aus dem Globalen Norden warf meinen bisherigen Ansatz nachhaltig über den Haufen. Von da an entwickelte sich meine Arbeit dank Mogamat in eine andere Richtung und rückte damit vielleicht näher an die Fragen, die uns heute beschäftigen — Fragen nach dem Bezugnehmen, trotz alledem.
Texte entstehen über Umwege, nehmen unvorhersehbare Wendungen — oft durch zufällige Begegnungen, die quer zur eigenen Perspektive liegende Blickwinkel ermöglichen, das Forschungsdesign durcheinanderbringen und das Arbeiten entsprechend zu einer kollektiven Angelegenheit machen. An Dirty Dragging haben in diesem Sinn sehr viele Leute aus ganz unterschiedlichen Kontexten in verschiedenen Stadien der Recherche, des Textes auf verschiedenste Weise mitgeschrieben — lesend, diskutierend, Infrastruktur ermöglichend, Kontakte herstellend, Impulse gebend, Gedankensprünge provozierend …
Dank an alle für den Luxus, über Grenzen und Differenzen hinweg gemeinsam mit mir über dieses Projekt nachzudenken: Chris Standfest, Kai van Eikels, Adam Czirak, Wolfgang Struck, Sebastian Kirsch, Bettine Menke, Ulrike Haß, Zimitri Erasmus, Stephan Geene, Bafta Sarbo, Nitzan Lebovic, Kathrin Peters, Susanne Lettow, Isabell Lorey, Gerhild Steinbuch, Isabel Kranz, Bernhard Jensen und viele andere; ebenso an die Teilnehmenden meines mdw-Colloquiums, das für mich zu einer der schönsten Univeranstaltungen der letzten Jahre zählt: Isabel Frey, Caroline Heider, Kyra Krauss, Constantin Luger, Ginan Seidl, Clarissa Thieme, Arne Vogelgesang, Abby Wagner, Sophie Zehetmayer und an alle anderen, die immer mal wieder dazugestoßen sind; außerdem an die Studierenden diverser Seminare zum Thema an meiner Home Base, der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw) sowie an der University of Cape Town, der FU Berlin, der LMU München und der Ruhr-Universität Bochum. Danke auch an das Team des gerade an der mdw gegründeten International Research Center Gender and Performativity (ICGP), an Philipp Hohmann, Thari Jungen, Marina Rauchenbacher, Kyra Schmied und Raz Weiner sowie an das frühere IKM-Gender-Team Mariama Diagne, Susanna Hufsky, Silke Felber und Julia Ostwald.
Viele Kolleg:innen, etwa Aurélie Godet, Zimitri Erasmus, Kim Vaz-Deville, Nadia David, Mark Fleishman, Susann Lewerenz, Qondiswa James, Jack Lewis, Heike Becker und Denis-Constant Martin, haben ihre Forschungen und ihr Material mit mir geteilt. Darüber hinaus ist mein Nachdenken von drei ganz unterschiedlichen universitären Zusammenhängen, gewissermaßen von drei akademischen ›Müttern‹ geprägt — in alphabetischer Reihenfolge: von der theaterwissenschaftlichen Chorforschung um Ulrike Haß an der Ruhr-Universität Bochum, von den damals historisch orientierten Gender Studies am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU Berlin um Karin Hausen und vom literaturwissenschaftlichen, an Fragen des Auftretens interessierten Forschungscolloquium der Universität Erfurt um Bettine Menke, das inzwischen Wolfgang Struck, Dietmar Schmidt und viele andere Kolleg:innen fortführen.
Der Horizont des Buchs ist bestimmt von allen möglichen Diskussionskontexten: zuletzt etwa vom Austausch am Centre for Dance, Theatre and Performance Studies der University of Cape Town und am Magnet Theatre (u. a. mit Mark Fleishman, Jacki Job, Mwenya Kabwe, Mbongeni Mtshali, Gerard M. Samuel); von der Facing Drag-Reihe mit nora chipaumire, Diedrich Diederichsen, Zimitri Erasmus, Elaine Frantz, Stephan Geene, Aurélie Godet, Karin Harrasser, Nanna Heidenreich, Katrin Köppert, Eric Lott, Fatima Naqvi, Mamela Nyamza, Jay Pather, meLê yamomo und Raz Weiner (einige Beiträge erscheinen nun zeitgleich in dem mit Raz Weiner herausgegebenen Facing Drag-Sammelband); von unserer universitätsübergreifenden Ringvorlesung Facing the Authoritarian Drift (gemeinsam organisiert u. a. mit Sofia Bempeza, Nanna Heidenreich, Isabel Frey, Katrin Köppert, Isabell Lorey, Kathrin Peters, Johanna Schaffer) und der mdw-Veranstaltungsreihe Populismus kritisieren (u. a. mit Therese Kaufmann, Susanne Lettow, Ralf von Appen und vielen mehr). Maßgeblich waren auch die Diskussionen am International Research Center Interweaving Performance Cultures der FU Berlin um Erika Fischer-Lichte, Matthias Warstat und Gabriele Brandstetter (Dank nicht zuletzt an meinen Office Buddy James Harding) sowie der FU-Theaterwissenschaft (Dank an Doris Kolesch), der LMU-Theaterwissenschaft und Christopher Balmes Global Theatre Histories-Forschungsnetzwerk.
Dank außerdem an die Recherchemöglichkeiten an der Tulane University in New Orleans (Elio Brancaforte) und der Rutgers University (Fatima Naqvi), an die Senses of the South-Konferenz von Alexandra Hui (Mississippi State University), die Konferenz De L‘esclavage aux Black Indians im Rahmen der von Steve Bourget in Zusammenarbeit mit Kim Vaz-Deville kuratierten Pariser Black Indian-Ausstellung und die von Franz Thalmair und Karin Harrasser organisierte MUMOK-Tagung mixed up with others before we even begin, an das von Julia Prager ins Leben gerufene DFG-Netzwerk Versammeln sowie an alle möglichen anderen Forschungszusammenhänge wie etwa die von Jenny Schrödl und Rosemarie Brucher organisierte AG Theater und Geschlecht und unsere Arbeitsgruppe Interdependenzen.
Dirty Dragging ist nicht nur eine akademische Angelegenheit in a room of one‘s own. In das Buch sind vor allem auch Feldforschungen in Cape Town, in New Orleans, in Bad Gastein und an anderen Orten eingegangen: Oshosheni Hiveluah und Adam Czirak waren in Cape Town dabei, Malik Iasis in New Orleans und Wolfgang Struck in Gastein; Friends and Family, zum Beispiel meine Eltern Hanne und Bert Annuß, jeweils am Telefon.
In Cape Town hat es vor allem Melvyn Matthews ermöglicht, dass ich monatelang am Karneval im Athlone Stadium teilnehmen konnte. Melvyn hat sowohl den Kontakt zu Kolleg:innen wie Denis-Constant Martin vermittelt als auch zu den am Karneval Beteiligten selbst, zu den Atjas, allen möglichen Klopse (Clubs), zu Nigel Scheepers und vielen anderen. Kenny Misroll und Mustafa Angel McCooper wiederum haben ihre Video- und Fotosammlung mit mir geteilt. Danke zudem an Linda Chernis vom GALA Archive von der University of Witwatersrand in Johannesburg sowie an die Archivar:innen des District Six Museum (u. a. Tina Smith, Chris Julie), der Iziko Social History Collection Archives (u. a. Esther Esmyol, Fatima February, Shanaaz Galant, Baheya Hardy, Lailah Hisham), der National Library of South Africa (u. a. Melanie Geustyn, Najwa Hendrickse, Clive Kirkwood) und der Western Cape Archives in Cape Town und Mossel Bay (u. a. Erika LeRoux sowie Erna Marx).
Danke ebenso an die Leute aus dem Mardi Gras-Umfeld von New Orleans, die mich aufgenommen und weitergereicht haben — an L. J. Goldstein und Antonio Garza, an die Baby Dolls, etwa an Cinnamon Brazil Black, zugleich Big Queen der Fi Yi Yi Black Indians, an Sylvester Francis vom Backstreet Cultural Museum und Ronald Lewis vom House of Dance and Feathers, an Luqman Kevin Bush und Kevin Goodman — Big Chiefs der Flaming Arrows, die mich zu den Practices der Monogram Hunters um die Big Chiefs Pie Tyrone und Jeremy und Big Queen Denise Stevenson geschickt haben, an Nicole vom First and Last Stop und an Darryl Montana — Big Chief der Yellow Pocahontas, der mir seine Stickarbeit an spektakulären Indian Suits gezeigt und mich ins Le Pavillon Hotel zu den Stuckarbeiten seines Vaters Tootie mitgenommen hat, an Regine und Randy Richter-McClain für ihr unerschöpfliches local knowledge und an die vielen Kolleg:innen wie etwa Rebecca Snedeker, Thomas Sakakeeny und Jonathan Morton. Dank auch an die Archivar:innen der Tulane University, vor allem der Carnival Collection, des Hogan Jazz Archive (Lynn Abbott) und des Amistad Research Center, an The Historical New Orleans Collection (Heather Green), an das Presbytère (Wayne Phillips) und das Louisiana State Museum, das Archiv der Public Library von New Orleans sowie an das Schomburg Center for Research in Black Culture und die Lincoln Center for the Performing Arts Archives in New York und zudem an Errol Laborde.
Peter Bassetti von der Bassetti Pass und Christel Sendlhofer wiederum haben es mir ermöglicht, an alpinen Perchten- und Krampuszügen sowie an Hausbesuchen im österreichischen Pongau teilzunehmen. Danke an die Perchten von Bad Gastein für ihre Gastfreundlichkeit, an die Leute vom Gasteiner Perchten- und vom Heimatmuseum sowie an Michael Greger vom Salzburger Landesinstitut für Volkskunde und an Elisabeth Egger vom Wiener Volkskundemuseum. Zudem möchte ich mich bei Peter Jammerthal von den Theaterhistorischen Sammlungen des Instituts für Theaterwissenschaft an der FU Berlin bedanken, ohne den ich nicht auf Traugott Müllers Material zu Ki sua heli gestoßen wäre. Ebenso an Peter Marx, Hedwig Müller und Nora Probst für ihre Unterstützung bei der Thingspiel-Recherche in der Theaterwissenschaftlichen Sammlung Schloss Wahn der Universität Köln.
Für Recherchen und Korrekturen herzlichen Dank vor allem an Kyra Schmied sowie an Susanna Hufsky, Paula Alamillo, Matti Renner-Motz, Stephanie Amarell, Dagmar Troestler, Benedikt Arnold, Karo Spöring und Simon Dornseifer. Dirty Dragging konnte zudem nur mithilfe der infrastrukturellen Unterstützung vieler IKM-Kolleg:innen an der mdw in Publikation gehen. Danke auch und gerade an Dagmar Abfalter, an Anita Hirschmann-Götterer, Slavomira Martiskova und Sarah Lang. Ebenso herzlichen Dank an das Team von mdwPress — vor allem an Max Bergmann für die so professionelle Begleitung des Buchs, an Kathrin Heinrich sowie an die mdw-Forschungsförderung: an Therese Kaufmann, die dieses Projekt maßgeblich unterstützt hat, und an Vitali Bodnar. Das umsichtige Lektorat haben Franziska Weber für die deutschsprachige, Michael Thomas Taylor für die englischsprachige Fassung übernommen, die für diesen Band so wichtige Bildbearbeitung Claudia von Funcke und Thari Jungen, die Covergestaltung Oliver Brentzel, den Satz Elisabeth Scheit. Aurélie Godet, L. J. Goldstein, Ryan Hodgson Rigsbee, Melvyn Matthews, Kenny Misroll und Elianira Riveros Piro haben zudem ihre Fotografien für dieses Buch zur Verfügung gestellt. Bei ihnen allen möchte ich mich gern bedanken — ebenso bei den vielen anderen Leuten, die zum Entstehen dieses Buchs auf verschiedenste Weise beigetragen haben. Gefördert wurde Dirty Dragging durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen meines Heisenberg-Projekts Grenzziehungen und performative Transpositionen an der FU Berlin (Dank auch für die infrastrukturelle Unterstützung durch Dorith Budich und viele andere) und nicht zuletzt durch die mdw (Danke auch an Ulrike Sych und Gerda Müller, die diese Arbeit vonseiten des Rektorats auch im gegenwärtigen Klimawechsel unterstützt haben).


