Chanda Rule Bernroider im Gespräch mit dem mdw-Magazin

Was ist die PopVoxCon und an wen richtet sie sich?
PopVoxCon ist eine internationale Konferenz zum Thema Populargesang – wie wir ihn im Unterricht, in der Forschung und in der Praxis verstehen und erleben. Diese Konferenz richtet sich an Gesangslehrende, Sänger_innen, Künstler_innen, Forschende, Studierende, Musikpädagog_innen, Sprach- und Stimmfachleute sowie an alle, die sich für zeitgenössische Gesangspraxis interessieren.

Für mich geht es bei der PopVoxCon auch darum, einen Raum für dieses Thema zu schaffen, damit Populargesang ernst genommen wird. Nicht bloß als Randerscheinung oder etwas, das dem klassischen Gesang untergeordnet ist oder eine Materie, die durch die Linse bestimmter markenspezifischer Techniken wahrgenommen wird, sondern als ein reichhaltiges und wachsendes selbstständiges Feld mit eigener Forschung, künstlerischen Fragestellungen, pädagogischen Praktiken und kultureller Bedeutung.

Es wird zwei Keynote-Vorträge geben – was können Besucher_innen diesbezüglich erwarten?
Wir fühlen uns sehr geehrt, zwei großartige Hauptredner_innen begrüßen zu dürfen, die dank ihrer Expertise zwei völlig unterschiedliche, aber gleichermaßen wichtige Perspektiven einbringen werden. Dr. Trineice Robinson-Martin, Leiterin der Ensemble-Abteilung am Berklee College of Music und Gründerin von Soul Ingredients®, hält ihren Vortrag zum Thema Rhythmus, Intention und Überzeugung: Rhythm, Intention & Conviction: The Understanding and Application of Vocal Parameters for Soul Expression in Black American Music. Ihre Arbeit ist tief in den Traditionen der Black American Music verwurzelt. Dabei erforscht sie, wie Rhythmus, Storytelling, Improvisation, stimmliche Nuancen und persönliche Überzeugung das formen, was sie als „Soul Expression“ bezeichnet. Besonders freue ich mich auf ihre Keynote, die künstlerische Praxis, kulturelle Perspektiven und pädagogische Ansätze mit konkreten Impulsen für Sänger_innen, Gesangspädagog_innen und Ensembleleiter_innen verbindet.

Dr. Louisa Traser, Oberärztin am Freiburger Institut für Musikermedizin, bereichert die Konferenz mit ihrem wissenschaftlichen Ansatz. Ihr Vortrag Der Blick ins Innere: Neue Perspektiven auf moderne Stimmproduktion von Belting bis Growl mittels 3D-MRT gewährt uns einen Einblick in die Singstimme und beleuchtet die moderne Stimmbildung anhand modernster medizinischer Bildgebung und Stimmwissenschaft. Sie wird bahnbrechende neue Forschungsprojekte vorstellen, bei denen fortschrittliche 3D-MRT-Bildgebung eingesetzt wird, um Aspekte der modernen Stimmbildung aufzudecken, die noch nie zuvor auf diese Weise sichtbar gemacht wurden. Für die erste Ausgabe der PopVoxCon ist dies tatsächlich etwas ganz Besonderes.

Die Konferenz bringt Gesangslehrende, Sänger_innen, Künstler_innen, Pädagog_innen und Forschende zusammen – warum ist es Ihnen wichtig, so unterschiedliche Bereiche aus der akademischen Welt und darüber hinaus hier zu vernetzen und in Dialog miteinander zu bringen?
Seit Jahren wird der klassischen Gesangsausbildung viel institutionelle Aufmerksamkeit geschenkt. Natürlich ist diese Tradition wichtig. Aber viele Sänger_innen nutzen ihre Stimme heute nicht in erster Linie auf diese Weise. Sie singen Pop, Soul, Gospel, Jazz, Rock, R&B, Musical, experimentelle Musik und viele andere Stile, die sich nicht immer nahtlos in ältere akademische Strukturen einfügen. Es herrscht manchmal immer noch die Vorstellung, dass die klassische Technik die einzig wahre Grundlage sei und alles andere nur eine Ergänzung. Ich glaube, wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir die Forschung, die Sprache und die Pädagogik rund um den Populargesang systematischer zusammenführen, teilen und weiterentwickeln müssen. Populargesang ist nicht nur ein Stil oder eine Nische: Er kann uns so viel über Stimme, Körper, Identität, Kreativität, Kommunikation eröffnen und uns tiefe Einblicke darin gewähren, wie Menschen ihre Stimmen in unserer modernen Welt tatsächlich einsetzen. Deshalb halte ich es für so wichtig, unterschiedliche Menschen an einen Tisch zu bringen. Sängerinnen und Sänger haben dank ihrer eigenen Praxis einen unschätzbaren Wissensschatz. Lehrkräfte wissen, was im Studio passiert. Forschende helfen uns, bessere Fragen zu stellen. Fachleute für Sprache und Stimme bringen ihr Fachwissen über Gesundheit und Funktion ein. Künstlerinnen und Künstler erinnern uns daran, warum die Stimme überhaupt wichtig ist.

Was sind für Sie die besonderen Höhepunkte der Konferenz, bzw. worauf freuen Sie sich am meisten?
Ehrlich gesagt freue ich mich auf alles. Ich organisiere zum ersten Mal eine wissenschaftliche Konferenz, was aufregend und ein bisschen verrückt ist, aber ich liebe Konferenzen wirklich sehr. Im besten Fall sind sie inspirierend. Sie bringen Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären, dadurch entstehen neue Gespräche, Kooperationen und Gemeinschaften. Das „Open Classroom“ bzw. die „Learning Zone“ liegen mir sehr am Herzen, da wir dort lernen können, indem wir beobachten, wie Unterricht tatsächlich stattfindet. Ich freue mich auch sehr auf die Community-Sessions, denn ich hoffe, dass die PopVoxCon ein Ort ist, an dem Menschen sich vernetzen, wo neue Beziehungen entstehen und an dem wir uns gemeinsam damit befassen, wie die Pädagogik zu Populargesang im Hochschulbereich aussehen könnte. Und natürlich fühle ich mich zutiefst geehrt und freue mich sehr, unsere Hauptredner_innen und alle Referent_innen an der PopVoxCon begrüßen zu dürfen. Für mich ist es etwas ganz Besonderes, dass ich dazu beitragen darf, einen Raum zu schaffen, in dem diese Arbeit geteilt und gemeinsam erlebt werden kann.

PopVoxCon – The Popular Voice Conference
A meeting point for research, teaching, and the art of the popular voice
8.–10. Sept. 2026, mdw-Campus

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