Lena Zechner und Melvyn Zeyns studieren Produktion an der Filmakademie Wien. Im November 2025 wurde ihnen der Deutsche Kurzfilmpreis verliehen, die wichtigste und höchst dotierte Auszeichnung für den Kurzfilm in Deutschland. In sechs Kategorien wird der Preis jährlich im Rahmen einer Zeremonie in Hamburg vergeben. Zechner war für die Produktion bei At Home I Feel Like Leaving verantwortlich, eine Kooperation der Filmakademie Wien mit der Filmakademie Baden-Württemberg. Zeyns war Produzent bei Garnelius, einer Kooperation mit der DFFB – Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin. Dank großer Eigeninitiative der Studierenden kamen diese erfolgreichen länderübergreifenden Filmkooperationen zustande – im Gespräch mit dem mdw-Magazin berichten Zechner und Zeyns von ihren Erfahrungen damit.

Garnelius überzeugte die Jury in der Kategorie „Bester mittellanger Film“: Der Film erzählt von zwei Brüdern und ihrem sehr verschlossen wirkenden Vater. Eines Tages passiert etwas Unerwartetes: Der ältere Bruder Karl erwacht auf einem Ei, aus dem ein sonderbares Wesen schlüpft, um das Karl sich nun kümmern muss. Die Jury des Deutschen Kurzfilmpreises sah darin „… einen Film, der metaphorisch und nachhaltig von sozialen Befindlichkeiten erzählt“.

Das Filmteam formte sich zum Teil aus bereits bestehenden Verbindungen: Melvyn Zeyns, selbst aus Berlin, hatte bereits aus früheren Projekten Kontakt mit der DFFB und wurde von der Regisseurin der DFFB Julia Ketelhut für die Produktion angefragt, als er schon in Wien studierte. Zeyns brachte Nina Slunsky ins Team, die an der Filmakademie Wien Digital Art Compositing studiert und die Arbeit der Special Effects am „Wesen“ übernahm.
In der Abwicklung der Kooperationen zeigt sich der Unterschied in den Rechtsformen der Ausbildungsstätten: Viele deutsche Filmhochschulen sind als GmbH organisiert, die Filmakademie Wien nicht. „An der Filmakademie Wien gehören uns Studierenden die von uns erstellten Filme rechtlich, somit haben wir die Hauptverantwortung. Eine deutsche Filmhochschule ist als GmbH selbst Produzentin der Filme“, erklärt Zeyns. „An der Filmakademie Wien lernen wir Produktionsstudierende schon früh im Studium, wie wir mit großer Eigenständigkeit mit den Filmen umgehen. Wir entscheiden etwa, welche Förderung wir beantragen und wie wir den Film verwerten“, ergänzt Lena Zechner.

Auch bei At Home I Feel Like Leaving gaben bestehende Kontakte zwischen den Studierenden den Anstoß für die Kooperation: Regisseur Simon Maria Kubiena studiert an der Filmakademie Baden-Württemberg und kannte Produzentin Zechner von anderen Projekten. At Home I Feel Like Leaving spielt in Österreich und begleitet eine junge Frau, die in ihr Heimatdorf gerufen wird, da ihr Vater immer wieder im Wald verschwindet und von Dorfbewohner_innen gesucht werden muss. Für die Jury beim Deutschen Kurzfilmpreis „… ein warmherziger Film von leiser, aber nachhaltiger Kraft, der zur Versöhnung mit der eigenen Biografie und Identität anregt“ und somit der Siegerfilm in der Kategorie „Bester Spielfilm von mehr als 15 Minuten bis 30 Minuten Laufzeit“.
Die Kooperationen mit den deutschen Filmhochschulen erforderten einen höheren bürokratischen Aufwand, der aufgrund ihrer Rechtsform jedoch nachvollziehbar ist, finden die beiden Studierenden der Filmakademie. Zechner nennt als Beispiel eine Filmszene, in der ein Sonnwendfeuer veranstaltet wird. Als Produzentin musste sie unter anderem die behördliche Genehmigung für das Feuer einholen, die Anwesenheit der Feuerwehr während des Drehs genügte der deutschen Partnerinstitution nicht. Die geforderte Sorgfältigkeit ist jedoch eine wichtige allgemeine Lernerfahrung meint Zechner: „Man schärft dadurch noch mehr das Bewusstsein für die eigene Verantwortung und für die Absicherung im Hinblick auf Verträge und Versicherungen.“
Internationale Kooperationen bieten Vorteile, beispielsweise die erweiterten Finanzierungsmöglichkeiten. Zechner konnte als in Wien ansässige Produzentin um Filmförderung in Wien ansuchen, ebenso Zeyns. Die Filmakademie Baden-Württemberg wiederum verfügt über sehr gute Verbindungen zu deutschen Fernsehsendern, wodurch für At Home I Feel Like Leaving eine Ko-Produktion mit Arte und SWR zu Stande kam.

„Koproduktionen werden in der Ausbildung als Königsdisziplin behandelt. Verständlicherweise muss man zuerst verstehen, wie man im eigenen Land arbeitet. Ich finde Koproduktionen besonders spannend, weil damit andere Finanzierungsmöglichkeiten und Märkte einhergehen“, sagt Zechner. Ein Angebot in der Ausbildung als angehende Produzent_innen zu lernen, wie Koproduktionen ablaufen, ist die „Alpenländische Kooperation“. Die Hochschule für Fernsehen und Film München, die ZeLIG – Schule für Dokumentarfilm Südtirol, die Zürcher Hochschule der Künste und die Filmakademie Wien organisieren jährlich einen gemeinsamen einwöchigen Produktionsworkshop, bei dem Studierende die Arbeit an einer internationalen Koproduktion üben, sich untereinander vernetzen sowie die Filmfördermodelle der jeweiligen Länder kennenlernen.
Wie viele Produktionsstudierende arbeitet Zeyns, der sich in der finalen Phase seines Masterstudiums befindet, schon in der Filmbranche, etwa bei einigen Projekten als Aufnahmeleiter. „Ich unterstütze gerne Visionen und ich habe immer wieder Freude daran, Teams zusammenzubringen“, erklärt er seine Motivation für den Beruf Produzent. „Mich interessiert besonders von Beginn bis zum Ende eines Projekts dabei zu sein. Als Produzentin kann ich mitentscheiden, welcher Stoff wie verhandelt wird“, sagt Zechner, die am Ende ihres Bachelorstudiums steht und ebenso bereits in der Branche arbeitet. Derzeit betreut sie bei FreibeuterFilm als Producerin einen Debütfilm im Rahmen des Talent LABs, der Nachwuchsförderung des Österreichischen Filminstituts.
Begrüßen würden beide, dass an filmischen Ausbildungsstätten mehr Möglichkeiten überlegt werden, wie die Studierenden einfacher länderübergreifende Projekte realisieren können. „Die Filmakademien zusammenzubringen war aufgrund ihrer unterschiedlichen Regularien teilweise schwierig, aber wir Studierenden haben es durchgesetzt und letztendlich waren alle sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, resümiert Zeyns.