KEYNOTE
Martin Zierold
„Erfolg heißt Erfolg, weil er Folgen hat" – so pflegte es Götz Werner, Gründer der Drogeriemarktkette dm, zu sagen. Dieser Satz mag etymologisch fragwürdig sein, für Startups hat er eine tiefe Wahrheit: Jedes Gründungsprojekt – ob Unternehmen, Musikfestival oder auch akademische Fachgesellschaft – das nicht in den ersten Jahren scheitert, steht irgendwann vor den Folgen des eigenen Erfolgs. Wie geht es weiter, wenn nicht mehr alles neu ist? Wie kann man die eigenen Strukturen entwickeln, stabilisieren und professionalisieren, ohne die Flexibilität und Dynamik der Gründungszeit zu verlieren? Nicht zuletzt: Wie geht man damit um, dass man womöglich zunehmend selbst zu dem Establishment wird, von dem man sich einst jung und wild abzugrenzen suchte? Kurzum: Was geschieht mit einem Startup, wenn es erwachsen wird?
Die Keynote nähert sich dieser Frage aus der Perspektive des Kulturmanagements und versucht so bewusst fachfremd einige Impulse für den Prozess der akademischen Selbstreflexion und Selbstvergewisserung der Instrumental- und Gesangspädagogik zu geben, den die Konferenz insgesamt eröffnen möchte. Dabei nimmt die Keynote eine doppelte Unsicherheit in den Blick: Das Fach befindet sich in einer Phase des „Erwachsenwerdens" und damit der Neuorientierung – und dies zu einem Zeitpunkt, an dem die Zukunft besonders fragil und ungewiss erscheint. Gerade dann, wenn strategische Orientierung am dringendsten gebraucht wird, fällt sie am schwersten.
Der Vortrag lotet aus, welche Strategien und Haltungen in dieser Übergangsphase hilfreich sein können: zwischen erreichter Agenda und neuer Offenheit, zwischen Konsolidierung und Neuerfindung, zwischen Verunsicherung und gestalterischem Anspruch.
Fotocredit: Christina Körte
Martin Zierold ist Professor am Institut für Kultur- und Medienmanagement der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Dort befasst er sich mit Fragen der Strategie und Organisationsentwicklung angesichts der großen gesellschaftlichen Transformationsprozesse der Gegenwart. Er ist Initiator des "Cultural Leadership Stipendienprogramms" und seit März 2020 Gastgeber des Podcasts „Wie geht's? Kultur in Zeiten der Transformation", der in mehr als 100 Gesprächen mit Kulturmanager:innen, Künstler:innen sowie Expert:innen aus Kulturpolitik und Wissenschaft über Kultur und Gesellschaft im Wandel reflektiert (www.wiegehts-kultur.de). Martin Zierold ist u.a. Mitglied des Vorstands der Kulturpolitischen Gesellschaft und wurde 2023 in den Beirat "Vielfalt Kultureller Ausdrucksformen" der Deutschen UNESCO-Kommission berufen. Er arbeitet zudem freiberuflich als systemischer Coach, Lehrtrainer und Berater. Nach Studium und Promotion arbeitete er u.a. zwei Jahre als Pressesprecher des Tonkünstler Orchesters und des Internationalen Musikfestivals Grafenegg in Österreich. Vor seiner Tätigkeit in Hamburg war er Professor für Kulturmanagement an der Karlshochschule Karlsruhe sowie Wissenschaftlicher Geschäftsführer des International Graduate Centre for the Study of Culture der Universität Gießen. Weitere Informationen: www.martinzierold.de
Wege aus der Fachlichkeit - oder: wie Professionalität Probleme bearbeiten muss, die durch Professionalisierung entstanden sind.
Wolfgang Lessing
Jegliches institutionalisierte pädagogische Handeln muss mit der Tatsache umgehen, dass das Unterrichtsgeschehen für die Schüler:innen notwendigerweise eine „Fremdrahmung“ darstellt (vgl. Bohnsack 2022). Die Inhalte und Methoden sowie die Planung der einzelnen Stundenphasen unterliegen auch im Instrumentalunterricht fachdidaktischen Erwägungen, die zwar – wie es bereits das berühmte didaktische Dreieck Johann Friedrich Herbarts postulierte – die Personen der Schüler:innen berücksichtigen müssen, aber dennoch einen eigenen Raum bilden, der sich von den Erfahrungsräumen, in denen sich die Schüler:innen sonst bewegen, prinzipiell unterscheidet. Gerade eine professionalisierte Unterrichtspraxis erzeugt also eine Distanz, die dann ihrerseits professionell bearbeitet werden muss.
Der Vortrag möchte anhand einschlägiger Beispiele das Bewusstsein für diese Rahmungen schärfen, zum anderen aber auch Wege aufzeigen, wie aus diesen Rahmungen heraus ein gemeinsamer, Lehrende und Schüler:innen verbindender Erfahrungsraum entstehen kann. In einem zweiten Schritt wird es dann darum gehen, den Begriff der Professionalisierung, der die Instrumentaldidaktik von Anbeginn an als Forderung begleitet, neu zu fassen.
Wolfgang Lessing ist Professor für Instrumental- und Gesangspädagogik an der Hochschule für Musik Freiburg. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen u.a.: soziale Rahmenbedingungen musikalischen Lernens, Grundbegriffe der Instrumentalpädagogik in historischer und systematischer Perspektive. Als Cellist musiziert er seit über dreißig Jahren im "Ensemble Phorminx" für zeitgenössische Musik. Im neu gegründeten Ensemble "Transit Place" konzipiert er mit Kolleg:innen der Musikhochschule Dresden innovative Konzertprogramme an der Schnittstelle von traditionellem Repertoire, Jazz, Improvisation und Text.
Mergers & Acquisitions: Zuschreibungen im musikpädagogischen Diskurs hinterfragen.
Bianka Wüstehube
Seit mehr als 20 Jahren leite ich das Institut für Musikpädagogik an der Bruckneruniversität in Linz und vertrete als Professorin das Fach Instrumental(Gesangs)pädagogik (IGP).
In meiner Rolle als Leiterin eines Instituts für Musikpädagogik förderte ich die Etablierung von musikpädagogischen Teildisziplinen, wie z.B. die Entwicklung im Fachbereich Elementare Musikpädagogik, der Disziplin Musikvermittlung, des Themas Inklusion etc. In dem Prozess des Findens eines Platzes im Kanon von Teildisziplinen ist es verständlich, wenn die jeweils neuen anfänglich die Tendenz aufweisen, durch einen starken Auftritt zunächst die eigenen grundsätzlichen Bedürfnisse und Kompetenzen und ihre Bedeutung für ein Curriculum herauszustreichen.
Als Vertreterin des Fachbereichs IGP überraschte mich aber, wie die IGP quasi als Kontrastfolie von den neuen Disziplinen teilweise eingeschränkt wahrgenommen und veraltet dargestellt wird. Dabei ist IGP ja längst nicht mehr nur mit Meisterlehre und Einzelunterricht gleichzusetzen. Über die letzten 30 Jahren hinweg hat sich IGP in Bezug auf vielfältige Arbeits- und Berufsfelder laufend thematisch erweitert.
In diesem Vortrag geht es um die Entwicklung der IGP im Kontext der sich vermehrenden musikpädagogischen Teildisziplinen. Am Ende stellt sich die Frage, ob bei einem modernen Verständnis von Studium und Musikschule Zuordnungen zu bestimmten Teildisziplinen in der curricularen Entwicklung überhaupt noch funktionieren können oder ob wir die Koordinaten unserer fachlichen Diskurse neu justieren müssen.
Fotocredit: Hermann Wakolbinger
Bianka Wüstehube ist Professorin für Instrumental- und Gesangspädagogik und leitet das Institut für Musikpädagogik an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz. Sie ist international in der Lehrerfortbildung tätig und steht für einen Instrumental(Gesangs)unterricht, der sich als künstlerischer Musizierunterricht definiert. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Didaktik künstlerischen Musizierens; Musizieren und Lernen in Gruppen; Inklusion als Herausforderung für die Ausbildung an Musikhochschulen; Studienplanentwicklung
Zwischen künstlerischem Ideal und persönlichem Engagement: Dilemmata musikschulischer Lehrpraxis im Spiegel der MiKADO-Musik-Studie
Carmen Heß & Kerstin Weuthen
Im Rahmen des Crowd-Research-Projekts MiKADO-Musik (Bradler et al., i.V.) haben wir im Herbst 2024 eine Teilstudie an Musikschulen in Nordrhein-Westfalen durchgeführt, in deren Rahmen drei Gruppendiskussionen mit Musikschullehrkräften erhoben wurden. Ein zentraler Befund besteht darin, dass die Arbeit von Musikschullehrkräften von konstitutiven Spannungsverhältnissen geprägt ist, die sich in professionsspezifischen Dilemmata (Helsper. 2021, S. 173) verdichten. Die Ergebnisse bündeln sich insbesondere in zwei zentralen Dilemmata: dem Dilemma des künstlerischen Ideals und dem Dilemma des persönlichen Engagements. Während das künstlerische Ideal einerseits als Quelle von Motivation und Identifikation wirkt, kann es zugleich zur Abwertung von Unterrichtskontexten führen, in denen die künstlerische gegenüber der pädagogischen Komponente als untergeordnet empfunden wird, und somit letztlich die Anerkennung der Lehrtätigkeit gefährden. Auch das Dilemma des persönlichen Engagements verweist auf eine grundlegende Spannung im Berufsbild: Persönliches Engagement ist für die berufliche Identität von Musikschullehrkräften unverzichtbar und wird von ihnen selbst als Quelle von Sinn und Attraktivität erlebt. Zugleich führt es – in Spannung mit prekären Rahmenbedingungen – zu einer Verwischung der Grenzen zwischen Beruf und Privatleben, die die Arbeitsbelastung verstärkt, die Sichtbarkeit des Berufs schwächt und die Attraktivität für den Nachwuchs infrage stellen kann. Der Vortrag beleuchtet diese paradoxen Doppelbewegungen auf Grundlage unserer Teilstudie im Rahmen von MiKADO-Musik und verortet sie zugleich im Kontext der übergreifenden Forschungsergebnisse.
Bradler, K., Dartsch, M., Heß, C., Lessing, W., Welte, A. & Weuthen, K. (i.V.). [Titel wird nachgeliefert]. Üben & Musizieren Research, Sonderausgabe.
Helsper, W. (2021). Professionalität und Professionalisierung pädagogischen Handelns: Eine Einführung. Opladen & Toronto: Verlag Barbara Budrich.
Fotocredit: Martin Steinke
Carmen Heß ist seit 2019 Professorin für Instrumental-/Gesangspädagogik am Standort Wuppertal der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen im Bereich des instrumentalen Gruppenunterrichts, der konzeptionellen Weiterentwicklung von Kooperationen zwischen allgemeinbildender Schule und Musikschule sowie diversitätskritischen Fragestellungen. Neben ihrer Hochschultätigkeit unterrichtet sie Blechblasinstrumente und ist als Instrumentalistin, Sängerin und Co-Producerin in ihrer Band aktiv.
Fotocredit: Wilbert Schiffeler
Kerstin Weuthen ist Professorin für Musikpädagogik an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf. Zuvor war sie als Geigenlehrerin und Musikschulleiterin in Nordrhein-Westfalen tätig. Zu den Themenfeldern Lehr-Lern-Prozesse im Instrumental- und Gesangsunterricht, öffentlichen Musikschulen und Fachdidaktik für Streichinstrumente hält sie national und international Workshops und Vorträge.
Musikschule als Übergangsraum: Zwischen Ermöglichung, Gatekeeping und sozialer Öffnung
Michael Göllner
Musikschulen sind ambige Räume: Sie ermöglichen die frühe Entfaltung musikalischer Interessen und musikalische Breitenarbeit, definieren sich aber auch als Orte, in denen Wege in ein Musik- oder Musikpädagogikstudium gebahnt werden. Wie genau diese Übergangsarbeit gestaltet wird, ist trotz der Schlüsselposition, die Musikschulen bei der Anbahnung musikbezogener Berufstätigkeit einnehmen, bislang wenig erforscht. Der Beitrag greift dieses Desiderat auf: Auf der Grundlage einer explorativen Interviewstudie mit österreichischen Musikschullehrenden wird nachgezeichnet, wie Lehrende musikbezogene Studien- und Berufswahlprozesse ihrer Schüler:innen wahrnehmen sowie begleiten und mit welchen Herausforderungen sie sich dabei konfrontiert sehen. Im Zentrum steht die Spannung zwischen der Rolle als Türöffner:in und Aspekten des Gatekeepings, die im Zusammenspiel institutioneller Logiken entsteht. Im Rückgriff auf das Konzept der Statuspassage (Behrens & Rabe-Kleeberg, 2016) wird gezeigt, dass die Positionierung der Lehrenden in diesem Spannungsfeld nicht statisch ist, sondern Handlungsspielräume beinhaltet, deren flexible Nutzung als Ausdruck eines professionellen Umgangs mit Ambiguität verstanden werden kann. Vor diesem Hintergrund werden abschließend Impulse für eine ‚Talentförderung 2.0‘ diskutiert, die Fragen der strukturellen Anerkennung musikschulischer Übergangsarbeit und der sozialen Öffnung von Musikschulen verknüpft.
Fotocredit: Ralf Bauer
Michael Göllner ist seit 2022 Professor für Instrumental- und Gesangspädagogik an der mdw, wo er den Fachbereich IGP und die entsprechende Studienkommission leitet. In seiner Forschung interessiert er sich für das Zusammenwirken von Musikschulen und Schulen, für die Perspektiven von Lehrenden und Schüler:innen auf musikalische Bildungsangebote, für soziale Aspekte von Musizieren und Musiklernen sowie für die Ermöglichung musikkultureller Teilhabe in der Lebensspanne. Michael Göllner ist zudem Mitherausgeber des internationalen Journals Beiträge Empirischer Musikpädagogik.
Von „eierlegenden Wollmilchsäuen“ zu „Träger*innen des Gefüges“? Überforderungsbilder und neue Rollen in der Instrumental- und Gesangspädagogik
Natalia Ardila-Mantilla & Carla Moll
Im instrumentalpädagogischen Diskurs kursiert seit Jahren die Metapher der „eierlegenden Wollmilchsau“ (Röbke), die die Überforderung von Lehrkräften angesichts vielfältiger Anforderungen auf den Punkt bringt. Doch lässt sich die Situation von JeKits-Lehrenden allein so fassen – oder verweist diese vielmehr auf eine bislang wenig sichtbare, aber systemisch notwendige Rolle?
Der Beitrag basiert auf Zwischenergebnissen aus der qualitativen Studie AnmuT (2024–2026). Die Studie untersucht zum einen, wie JeKits-Kinder ihre Wege musik- und tanzkultureller Teilhabe gestalten; zum anderen, wie ihre Lehrkräfte ihre Rolle verstehen, wie sich ihre Überzeugungen im Spannungsfeld zwischen Programmzielen, institutionellen Erwartungen und eigenen Ansprüchen entwickeln und welche Professionalisierungsprozesse sich dabei anbahnen.
Die Zwischenergebnisse zeigen: JeKits-Lehrkräfte bewegen sich zwischen diffusen und oft unvereinbaren Erwartungen. Sie sollen programmatische Zielsetzungen umsetzen, Kinder individuell fördern, Eltern Orientierung geben und zugleich Schulen entlasten. Anspruchsmanagement und Kommunikation werden so zu zentralen Aufgaben – jedoch unter prekären Bedingungen, die ständige Aushandlung und Prioritätensetzung verlangen. Wer „allen gerecht werden“ will, läuft Gefahr, sich zu überlasten. Hier setzt die Metapher der „Träger*innen des Gefüges“ an: Lehrkräfte, die sich bewusst dem Balanceakt stellen, die auseinanderdriftenden Stränge von Eltern, Schulen, Kindern und Institutionen zusammenzuhalten – und damit eine unsichtbare, aber unverzichtbare Systemfunktion übernehmen.
Doch wie wird diese Vermittlungsarbeit geleistet – und was bedeutet das für die persönliche Belastung? Welche neuen Gestalten musikpädagogischer Professionalität entstehen dabei, und was heißt das für Aus- und Weiterbildung? Und schließlich: Was lässt sich aus dem Beispiel JeKits über die strukturelle Notwendigkeit von „Träger*innen“ in musikpädagogischen Netzwerken lernen?
Fotocredit: Tony Gigov
Natalia Ardila-Mantilla ist seit 2015 Professorin für Instrumental- und Vokalpädagogik an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Sie studierte Klavier und Instrumental(Gesangs)pädagogik an der Universidad Javeriana in Bogotá und an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw), wo sie im Fach Musikpädagogik promovierte. Neben Tätigkeiten als Klavier- und Improvisationslehrerin an Musikschulen in Kolumbien und Österreich war sie zwischen 2006 und 2015 Universitätsassistentin bzw. Senior Scientist an der mdw. In ihrer Forschung befasst sie sich mit der Beziehung zwischen formalem und informellem Musiklernen, Fragen musikkultureller Teilhabe, Professionalisierung in der Instrumental- und Gesangspädagogik, Musikschulentwicklung sowie der Rolle von Kooperation bei der Weiterentwicklung musikalischer Bildung. Sie ist Mitglied der Commission for the Education of the Professional Musician (CEPROM) der International Society for Music Education (ISME).
Fotocredit: privat
Carla Moll ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Musik und Tanz Köln im Forschungsprojekt AnmuT. Sie studierte an derselben Hochschule Instrumentalpädagogik und Elementare Musikpädagogik mit Hauptfach Horn (Bachelor) sowie Musikpädagogik (Master). Zurzeit promoviert sie an der Universität der Künste Berlin im Fach Musikpädagogik bei Prof. Dr. Johann Honnens und Prof. Dr. Natalia Ardila-Mantilla zu genderstereotypen Zuschreibungen und deren Auswirkungen auf jugendliche Instrumentalist:innen. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Gender in der Musikpädagogik, Professionalisierung in der Instrumental- und Gesangspädagogik sowie kulturelle Teilhabe. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit arbeitet sie als Hornlehrerin im JeKits-Programm und lehrt an der Hochschule für Musik und Tanz Köln, wo sie zudem als Gleichstellungsbeauftragte tätig ist.
Instrumental- und Gesangspädagogik im Spiegel von Fachkultur(en) - Impuls und Worldcafé
Natalia Ardila-Mantilla/Katharina Bradler/Michael Göllner
Fachdidaktik, Musikpädagogik oder künstlerische Expertise? Wer oder was macht Personen zu Expert:innen auf dem Gebiet der Instrumental- und Gesangspädagogik? Ein Blick auf die Entwicklung der noch jungen hochschulischen Disziplin zeigt, dass Professionalisierungstendenzen nicht immer klar nachzuzeichnen sind. Wann gilt jemand als fachlich ausgewiesen? Antworten auf diese Frage können je nach Kontext stark differieren. Nicht zuletzt spiegeln sich in ihnen unterschiedliche Fachlichkeitskonstruktionen (Stöger, 2021). In dem Beitrag wird der Versuch unternommen, diese in Bezug auf Instrumental- und Gesangspädagogik – zumindest ansatzweise – sichtbar zu machen. Dies geschieht anhand eines Rückblickes auf Berufungspraxen und Denominationen (ALMS, 2023; Bradler, 2025). Schnell kommt man Narrativen von „richtiger“ und „scheinbarer“ Fachexpertise bzw. „Kernen“ und „Rändern“ (Lessing, 2018) der Instrumental- und Gesangspädagogik auf die Spur. Doch wie entstehen diese? Und was bedeuten sie mit Blick auf Ausbildung an Hochschulen und Musikschulen? Diesen Fragen soll in dem Beitrag nachgegangen werden. Es wird Fachkulturen (Oravec & Weber-Krüger, 2018), Fachlogiken (Lessing, 2018) oder auch Frageformen (Nagel, 2024) nachgespürt. Dabei erweisen sich besonders Fragen der Perspektiveinnahme wie der Grenzziehung sowie deren Sicht- und Kommunizierbarkeit als relevant und weniger ein Abstecken vermeintlich fachspezifischer Inhalte.
Katharina Bradler studierte Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Philosophie und Musikpädagogik in München sowie Instrumentalpädagogik (Violine) in Osnabrück. Sie lehrte mehrere Jahre an Musikschulen sowie Kooperationsprojekten an allgemeinbildenden Schulen in und war als freischaffende Musikerin tätig. Nach ihrer Promotion über Streicherklassenunterricht an der UdK Berlin folgte sie einem Ruf an die BTU Cottbus-Senftenberg. Heute forscht und lehrt sie als Professorin für Musikpädagogik an der HfM Carl Maria von Weber Dresden, wo sie das Institut für Musikpädagogik leitet. Ihre Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte liegen auf ethischen Aspekten des Musizieren(lernens), Inklusion, Klassenmusizieren und der Fachgeschichte der Instrumental- und Gesangspädagogik.