„IN.TUNE steht für ein Europa, das offen, demokratisch, kooperativ und kulturell ambitioniert ist“
Die European Universities Alliance IN.TUNE – Innovative Universities in Music and Arts in Europe zelebrierte einen ihrer Meilensteine an der mdw – den ersten IN.TUNE-Summit. Vom 11. bis 13. Mai 2026 widmeten sich etwa 250 Teilnehmende der IN.TUNE-Partneruniversitäten in einem dichten Programm der langfristigen Weiterentwicklung der Allianz und dem vertiefenden Austausch untereinander.
Was ist IN.TUNE und worin liegt der besondere Stellenwert dieser European Universities Alliance? Bei „Get to know IN.TUNE“ im Konzertsaal des Future Art Lab der mdw waren Interessierte eingeladen gemeinsam mit Repräsentant_innen von IN.TUNE in die Arbeit und Zukunft der Allianz zu blicken.
Als musikalische Einstimmung trat das Gesangsensemble „Lybid“ aus Studierenden der Ukrainian National Tchaikovsky Academy of Music auf, einem Associate Partner von IN.TUNE.
Dem Event verlieh die Anwesenheit von Eva-Maria Holzleitner, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung, besondere Bedeutung. Gemeinsam mit mdw-Rektorin Ulrike Sych eröffnete sie die Veranstaltung. Bundesministerin Holzleitner strich die Rolle von IN.TUNE als einzige European Universities Alliance im Bereich Musik und Kunst hervor:
„IN.TUNE steht für ein Europa, das offen, demokratisch, kooperativ und kulturell ambitioniert ist. Universitäten sind nicht nur Orte des Lernens und der Forschung, sondern auch Orte, an denen Demokratie gelebt wird. Dies gilt insbesondere für Musik- und Kunstuniversitäten, an denen Meinungsfreiheit, Kreativität und Reflexion im Zentrum akademischer und künstlerischer Arbeit stehen.“
Für mdw-Rektorin Ulrike Sych geht IN.TUNE weit über eine Kooperation hinaus:
„IN.TUNE ist ein Veränderungsprozess, der die internationale Zusammenarbeit strukturell noch stärker auf allen Ebenen, in der Lehre, in der künstlerischen Forschung, in der Verwaltung, verankert.“ Zwischen den IN.TUNE-Partnerinstitutionen ist eine Loyalität entstanden, man unterstützt sich gegenseitig bei Gefahr von politischer Einflussnahme auf die Universitäten. „IN.TUNE trägt zur Stärkung der Demokratie und der demokratischen Werte bei. Wir teilen eine Haltung zur Wahrung der Würde und Rechte der Menschen, zur Gleichbehandlung, Transkulturalität, Diversität und zur Freiheit der Wissenschaft und Forschung“, betont Rektorin Sych.
mdw-Vizerektor für Internationales und Kunst Johannes Meissl präsentierte einige Fakten zu IN.TUNE, die eine von 73 European Universities Alliances (mit insgesamt 650 beteiligten Hochschuleinrichtungen verschiedenen Typs) ist. Die Partneruniversitäten bei IN.TUNE – Norwegian Academy of Music (Oslo), National University of Music Bucharest, Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris, Uniarts – Sibelius Academy (Helsinki), Escola Superior de Música de Catalunya (Barcelona), mdw, Royal Conservatoire (Den Haag), University of the Arts Belgrade – bündeln ihre Expertise gemeinsam mit 18 Associate Partners.
Bereits langfristig erprobte Kooperationen, eine exzellente Reputation als Institution der höheren Musikausbildung in ihren jeweiligen Ländern, die weite geografische Ausweitung, die für eine Vielzahl an Traditionen und Herangehensweisen steht, bilden die Grundlage für den Zusammenschluss dieser namhaften Partner. Jede Universität ist für eines der acht Work Packages zuständig. Die Entwicklung gemeinsamer Kurse und Studienangebote sowie neuartiger Lehr- und Lernformate, die Schaffung reibungsloser Wege für Studierende und Lehrende, damit sie sich zwischen den Partneruniversitäten bewegen können, Forschungskooperationen und die Entwicklung gemeinsamer Richtlinien sind die zentralen Themen der Arbeit von IN.TUNE.
Vizerektor Meissl hob hervor, dass IN.TUNE Teil der „institutionellen DNA“ der mdw wurde und die Universität diesen transformativen Weg weiter gehen will.
Das anschließende Panel mit Perspektiven von Studierenden, Lehrenden und Rektoratsmitgliedern moderierte Martin Prchal, Vizerektor des Royal Conservatoire Den Haag und IN.TUNE Co-Secretary General. Prchal betonte unter anderem die Rolle der Studierenden in der Allianz, die mit einem eigenen Student Council und mit Studierendenvertreter_innen auf allen Ebenen von IN.TUNE im Zentrum der Arbeit stehen.
Stefan Josipović, Studierender der University of Arts Belgrade, Mitglied des Student Council und des Executive Committee sprach von der wichtigen Bedeutung von IN.TUNE während der serbischen Studierendenproteste. Beim Zusammenbruch eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024 kamen 16 Menschen ums Leben. Studierende organisierten daraufhin Blockaden und Proteste, um die Korruption und Versäumnisse der Regierung und Behörden zu adressieren und Veränderungen herbeizuführen. Die Protestbewegung ist bis heute aktiv.
Die Rolle von IN.TUNE während dieser schwierigen Zeit ist für Josipović von großem Wert:
„IN.TUNE war da, um zu helfen – sowohl emotional als auch auf jede andere Weise, die möglich war.” Der Studierende thematisierte die Sicht aus einem Nicht-EU-Land: „Es ist schwierig, mit den europäischen künstlerischen Strömungen verbunden zu bleiben, die uns zwar nah sind, aber dennoch schwer greifbar und zugänglich erscheinen. Genau hier setzt die Allianz an. Sie schafft diese Verbindungen und Möglichkeiten und baut Brücken zu Orten wie dem unseren, die bislang nur in geringerem Maß vernetzt sind.“
Gerda Müller, mdw-Vizerektorin für Organisationsentwicklung und Diversität, Vorsitzende des Work Package 6 „Strengthening our Engagement with Society“ betonte, warum gesellschaftliches Engagement für Universitäten nicht optional, sondern existenziell ist
„Musik hat die besondere Fähigkeit, zu unserem gemeinsamen gesellschaftlichen Leben beizutragen. Sie kann Menschen aus unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergründen miteinander verbinden. IN.TUNE ermöglicht es uns, Wissen zu bündeln, Werte aufeinander abzustimmen und zusammenzuarbeiten, damit sich unsere Absolvent_innen künstlerisch und persönlich weiterentwickeln können und zugleich zu einem inklusiveren, nachhaltigeren kulturellen Ökosystem beitragen.”
Émilie Delorme, Rektorin des Conservatoire National Supérieur de Musique et de Danse de Paris, Mitglied des IN.TUNE Governing Board und des Executive Committee ist dankbar dafür, wie die IN.TUNE-Institutionen voneinander lernen können. Die politische und wirtschaftliche Instabilität sowie die Geschwindigkeit der Transformation haben Auswirkungen auf die Karrierewege der Studierenden. IN.TUNE bietet eine Chance den Herausforderungen unserer Zeit zu begegnen:
„Wir sind innerhalb von IN.TUNE strukturiert organisiert, wir kennen einander und teilen gemeinsame Werte und Ziele. Unsere größte Herausforderung wird nun darin bestehen, all das weiter auszubauen, was wir entwickelt haben. Ich glaube, wir alle lieben Herausforderungen.“
Enric Guaus, Professor am Department für Musiktechnologie und Management der Escola Superior de Música de Catalunya (ESMUC) Barcelona, Mitglied des Work Package 6 Committee blickt aus Lehrendensicht auf IN.TUNE und die bewirkten Veränderungsprozesse. Als Beispiel nannte er wie die Rektorin der ESMUC bei ihrem Antritt Diversitäts- und Inklusionsthemen mehr Fokus gab. Nach und nach wurde das für die Lehrenden selbstverständlicher. Ähnlich war es mit IN.TUNE:
„Mit IN.TUNE pflanzen wir gewissermaßen die Samen. IN.TUNE verändert die Denkweise der Institution, was ich für wichtig halte. Wenn sich die Denkweisen verändern, dann erzielen wir eine echte Wirkung.”
Lucie Lou Camps, Studierendenvertreterin der Norwegian Academy of Music Oslo, Mitglied des Student Council und des Governing Board machte deutlich, wie IN.TUNE in ihrem Studienalltag wirkt und gab als Beispiel ihren letzten Montag an. Bei genauerer Betrachtung stellte sie fest – „IN.TUNE ist überall”: Im Unterricht mit Lehrenden der IN.TUNE-Partneruniversitäten, beim Planen eines Trips zur Partneruniversität nach Den Haag oder wenn sie sich von einem Kollegen aus dem Student Council die korrekte katalanische Aussprache eines Liedes erklären lässt, das sie probt.
„IN.TUNE ist überall“ – dieses Credo ist Motivation und Inspiration für die Partnerinstitutionen gemeinsam die innovative Gegenwart und Zukunft der Allianz zu formen.
Text: Isabella Gaisbauer















