Eröffnung der Dauerausstellung "Geraubte Melodien – Provenienzforschung an der ub.mdw"

Anlässlich des Internationalen Tages der Provenienzforschung wird an der Bibliothek der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien am 08. April 2026 die Dauerausstellung "Geraubte Melodien – Provenienzforschung an der ub.mdw" eröffnet.

Wien, 31. März 2026

Die Ausstellung gibt Einblick in bereits erforschte Bestände und deren ehemaligen Eigentümer_innen und ist die erste permanente Ausstellung an einer österreichischen Universitätsbibliothek, die sich diesem Thema widmet.

In vier Vitrinen werden Restitutionsfälle, die Biografien der ehemaligen Besitzer_innen sowie Fälle präsentiert, die noch weiterer Recherchen bedürfen. Die Provenienzforschung an der ub.mdw setzt mit dieser Dauerausstellung ein aktives Zeichen der Erinnerungsarbeit und historischen Aufarbeitung als Teil ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zur aktiven Erinnerungskultur.

Rektorin Ulrike Sych:

"Die Provenienzforschung an der mdw macht sichtbar, dass auch Musikbestände eine Geschichte von Enteignung, Verfolgung und Verlust in sich tragen können. Diese Dauerausstellung ist deshalb mehr als ein Einblick in die Arbeit unserer Bibliothek: Sie ist ein Beitrag zur historischen Aufarbeitung und zur aktiven Erinnerungskultur an der mdw. Als Universität tragen wir Verantwortung dafür, die Schicksale der früheren Eigentümer_innen nicht aus dem Blick zu verlieren und dieses Wissen auch für künftige Generationen zugänglich zu machen."

Erich Fischhof und Helene Herschel
Zu den präsentierten Fällen gehören Musiknotendrucke von Erich Fischhof und Helene Herschel geb. Steiner. Der 1913 in Wien geborene jüdische Tenor Erich Fischhof flüchtete 1938 aus Österreich und musste seine Musiknotendrucke in Wien bei seinen Eltern zurücklassen. Sein Vater Berthold starb 1942 und seine Mutter Julie wurde nach ihrer Deportierung in das Ghetto Izbica ermordet. Über eine Schenkung kamen Erich Fischhofs Musiknotendrucke an die Bibliothek.
Die am 22. April 1875 in Tarnów geborene Helene Herschel geb. Steiner wurde vom NS-Regime ab März 1938 als Jüdin verfolgt. Als Pianistin und Klavierpädagogin besaß sie Musiknotendrucke, vermutlich vor allem Klavierstücke. Helene und ihr Ehemann Viktor Herschel wurden am 22. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt und von dort am 21. September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka deportiert. Beiden wurden im Holocaust ermordet. 2004 kamen die Notendrucke als Spende in den Bestand der ub.mdw.

Seit 2025 besteht an der MDW ein gemeinsames Provenienzforschungs-Projekt von Archiv, Bibliothek und IMI (Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung). Es widmet sich derzeit der Überprüfung der Bibliotheksbestände der ub.mdw.  

Veranstaltungshinweis

Ausstellungseröffnung am Internationalen Tag der Provenienzforschung

Programm
Begrüßung durch Vizerektorin Barbara Strack-Hanisch & den Leiter der ub.mdw Michael Staudinger

Vortrag & Lesung von Jutta Fuchshuber und Kathrin Hui-Gregorovič

Musikalische Begleitung Chanda VanderHart

Termin
8. April 2026, 11 Uhr
Lesesaal der ub.mdw
Anton-von-Webern-Platz 1, 1030 Wien

Eintritt frei!


 Foto

Erich Fischhof als Pietro in der Operette Boccaccio von Franz Suppé
Erich Fischhof als Pietro in
der Operette Boccaccio von Franz Suppé

© Archiv für Zeitgeschichte I ETH Zürich,
Nachlass Nanny und Erich Fischhof.

Über die mdw
Die mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien zählt zu den weltweit größten und renommiertesten Universitäten für Musik, Theater und Film. Rund 3.000 Studierende aus 72 Ländern genießen in 123 Studienrichtungen aus den Bereichen Musik, darstellende Kunst, Wissenschaft, Forschung und Pädagogik ihre Ausbildung. Zu den insgesamt 25 Instituten der mdw gehören u.a. das Max Reinhardt Seminar sowie die Filmakademie Wien.

Die mdw ist Teil von IN.TUNE - Innovative Universities in Music & Arts in Europe.

www.mdw.ac.at


Kontakt

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mdw Presse/Büro der Rektorin
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