Semesterstart

 

Der Plan und die Besetzung für das kommende Jahr stehen fest und der WebernKammerchor freut sich auf die kommenden Projekte! Mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen steht den Live-Proben nichts mehr im Wege.

Als erstes steht Haydns "Harmoniemesse in B-Dur" auf dem Programm, die wir gemeinsam mit dem pro arte-Orchester der mdw im Zuge einer Abendmesse und eines Hochamts (7. und 8. Dezember) im Stift Klosterneuburg aufführen werden.

 

Zum Werk:

Die Harmoniemesse in B-Dur komponierte der 70-jährige Haydn 1802 und ist seine letzte große Messe und zugleich seine letzte vollendete Komposition überhaupt. Ihren Titel verdankt die von allen kirchlichen Werken Haydns am reichsten instrumentierte Messe ihrer üppigen Bläserbesetzung, der sogenannten Harmoniemusik. Haydn dürfte sich bei der Komposition bewusst gewesen sein, dass die Harmoniemesse sein letztes grosses Werk werden würde. So kann man in ihr einen würdevollen Abschied sehen, auch eine Rückschau, die in manchen Tonfällen, Strukturen, ja sogar einzelnen Themen frühere Werke zitiert und integriert.

Eine verdichtete Expressivität – heftige Wechsel von laut und leise, Ruhe und Bewegung, Dur und Moll – prägt den Aufbau der Komposition. Symbolische, teils drastisch prägnante Textdeutung durchdringt die musikalischen Abläufe, und der Klangfarbenreichtum der grossen Bläserbesetzung wird meisterhaft eingesetzt. Vor allem aber ist es die Harmonik, die verstärkt mit Dissonanzen, chromatischen Wendungen und Modulationen in weit entfernte Tonarten arbeitet und der Messe ihre ans Romantische grenzende Färbung gibt. Dieses moderne Element ist dabei völlig verschmolzen mit der Bewahrung der barocken Züge, wie etwa der polyphonen Stimmführung: Die Schlussfugen vom Gloria und Credo gehören zu den »grandiosesten Sätzen solcher Art überhaupt, sie sind die goldene Ernte der europäischen kontrapunktischen Tradition« (Harenberg).

Eine ganz neue Art von Kyrie hat Haydn im Eröffnungssatz entworfen: ein einteiliger breit ausgeführter Adagio-Satz, im Kern komplex instrumental konzipiert, in den die Vokalstimmen wirkungsvoll eingebaut sind. Dieses riesige sinfonische Adagio breitet das in der instrumentalen Einleitung vorgestellte Ausdrucksspektrum von Messen von der erhabenen über die lyrische zur verzweifelten Anrufung in immer neuen Nuancierungen aus.

Noch verblüffender im Vergleich zu allen anderen Haydnschen Vertonungen ist das Benedictus: keine ergreifende, langsame Sopran-Arie, sondern ein aufgeregter Molto Allegro-Chorsatz.

Die Messe wurde am 8. September 1802, zum Namenstag der Fürstin Esterházy, in der Bergkirche zu Eisenstadt uraufgeführt.

 

Quelle: Folco Galli - Werkeinführung Joseph Haydn Harmoniemesse