Knowing in Performing – Ringvorlesungen 2019/20


Artistic Research an der mdw


Knowing in Performing ©Daniel Henry

Die Vorlesungsreihe "Knowing in Performing" an der mdw geht in die zweite Saison und präsentiert und befragt die transdisziplinären Dynamiken von "Artistic Research" mit einem speziellen Fokus auf Musik und darstellende Kunst.

Zum Auftakt ins Studienjahr 2019/20 spricht Jagoda Szmytka (Frankfurt/Main) am Dienstag, 15. Oktober 2019 über Performance-Praxis in öffentlichen Räumen.

Zeit und Ort
Dienstag, 15. Oktober 2019, 18.00 – 20.00 Uhr
mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Fanny Hensel-Saal
Anton-von-Webern Platz 1, 1030 Wien

 

15. Oktober 2019 – Jagoda Szmytka: Performance-Praxis in öffentlichen Räumen

Abstract

Kunst ist für alle da. Die Komponistin und Performerin Jagoda Szmytka setzt sich in ihrer Lecture-Performance mit der Frage auseinander, wie man Kunst in den Alltag integrieren kann. Abseits großer Museen, High Society Galerien und Konzerthäuser stellt sie die Forderung auf, dass Kunst inklusiv und nicht exklusiv sein soll. Um das zu erreichen, erforscht Szmytka in ihrer Performance-Praxis Kunst als Kommunikationsmittel. Sie entwickelt spezifische, von der klassischen Kunstausbildung abweichende Werkzeuge für ihre Arbeit in öffentlichen Räumen, denn anders als auf einer Bühne gibt es dort oftmals nur Straßenbeleuchtung. Für die Performerin wird das Kunstwerk zum Spielplatz, auf den sie Menschen auf spielerische Art einlädt, Kunst zu entdecken. Das Publikum beteiligt sich am Kunstwerk wie an einem interaktiven Spiel. Das Wie? der Kommunikation ist wesentlich: Wie erreiche ich die Menschen in öffentlichen Räumen?


Jagoda SzmytkaCurriculum Vitae

Jagoda Szmytka ist eine polnisch-deutsche Künstlerin, Komponistin und Kuratorin in Frankfurt am Main. Sie arbeitet interdisziplinär in den Bereichen Bildende Kunst, Musik und Theater, schafft Installationen, Performances ("Box of Presence", "Box of Happy"), schreibt und inszeniert Opern, Musicals, Theaterstücke ("für Hände und Stimmen", "LIMBO LANDER", "LOST", "DIY or DIE", "JUSTICE"), komponiert elektronische und instrumentale Musik (Portraitalbum "BLOODY CHERRIES").

Nach dem Motto "Kunst sollte für die Menschen, mit den Menschen, über die Menschen sein" ist das Hauptthema der künstlerischen Arbeit von Szmytka "der Mensch" und "das Menschenleben in seiner Gegenwart". Um "Kunst zum Menschen zu bringen" und "Kunst mit Leben zu verbinden", erweitert Szmytka ihre Kunstwerke, Stücke und Musikkompositionen aus Galerien, Theatern und Konzertsälen in den öffentlichen Raum. Um den Alltag der Menschen zu durchdringen, nutzt sie nicht nur die Stadt als Bühne, sondern auch transmediale Techniken; sie kommuniziert Kunstinhalte über mehrere Kanäle und bezieht das Publikum in die Performance ein. So bleibt "Kunst spielerisch", "das Kunstwerk wird zum Spielplatz" und "das Publikum als Spieler gewinnt Präsenz".

Szmytka ist Gründerin und künstlerische Leiterin der Kulturplattform "PLAY" und Singer-Songwriter des Art-Pop-Ensembles "ENTER", beide im Jahr 2015 gegründet. Im Jahr 2018 wurde sie zur Vorsitzenden des Vereins "VERY" gewählt. Als Künstlerin und Komponistin wurde sie wiederholt von der Akademie der Künste und dem Deutschen Musikrat unterstützt. Sie war 2017 Artist-in-Residence in der Villa Serpentara (ADK) und über viele Jahre Artist-in-Residence am ZKM (Zentrum für Kunst und Medien). Im Jahr 2016 wurde sie mit dem Deutschen Musikautorenpreis (GEMA) ausgezeichnet.

Dienstag, 15. Oktober 2019, 18.00 – 20.00 Uhr
mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Fanny Hensel-Saal
Anton-von-Webern-Platz 1, 1030 Wien

Foto: ©Arkandoz

12. November 2019 – Sandra Noeth: Aesthetic Matters: Artistic Practice and the Systemic (Non-)Representation of Bodies in Contemporary Politics

Abstract

This lecture treats bodies as the point of entry to interrogate contemporary politics: bodies that are characterized by their plurality, that are one and many at a time, and that exist in myriad articulations of themselves. Prompting that imagination and representation are at the core of arts and politics alike and based on the dramaturgical analyses of selected artistic case studies, it revisits the centrality and the ambivalent potential of bodies in current border technologies, in the strategic planning of warfare, and the experience and representation of collectivity in these contexts. It sets out to show how politics are constructed and negotiated through performative, choreographic, somatic, movement-based, and sensory strategies and processes and raises questions: how to develop notions of agency and responsibility that are immanently bound to bodies in relation? And, how can artistic practice and aesthetic practice contribute to counter the systemic non-representation of some bodies?


Sandra NoethCurriculum Vitae

Dr. Sandra Noeth ist Professorin am HZT-Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz Berlin und arbeitet international als Kuratorin und Dramaturgin in freien und institutionellen Kontexten. Als Leiterin der Dramaturgie- und Forschungsabteilung am Tanzquartier Wien (2009–2014) entwickelte sie eine Reihe von Recherche- und Veranstaltungsprojekten zu Konzepten und Praktiken von Verantwortung, Religion, Integrität und Protest in Verbindung mit Körpern.

Sandra Noeth beschäftigt sich im Schwerpunkt mit ethischen und politischen Perspektiven auf Körperpraxis und -theorie (u.a. Violence of Inscriptions, ein Projekt zu Körpern unter strukturellen Gewalterfahrungen, mit A. Zaides, 2016-18, HAU Hebbel am Ufer) und mit Dramaturgie im Kontext körper-basierter Darstellender Künste. Sie ist Mitherausgeberin mehrerer Bücher zum Thema, wie z.B. Bodies of Evidence: Ethics, Aesthetics and Politics of Movement (2018, mit G. Ertem, Passagen) oder des Periodikums SCORES (2010–16, mit Tanzquartier Wien).

2019 ist ihre Monographie Resilient Bodies, Residual Effects im transcript Verlag erschienen, in der sie sich mit der ineinandergreifenden Erfahrung von Grenze und von Kollektivität am Beispiel künstlerischer Arbeiten aus dem Libanon und aus Palästina beschäftigt. Als Dozentin ist Sandra Noeth u.a. an der DOCH/Stockholm University of the Arts (Senior Lecturer seit 2012) und dem HWP-Programm bei Ashkal Alwan, Beirut tätig (Gastprofessur 2015–16).

 

Dienstag, 12. November 2019, 18.00 – 20.00 Uhr
mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Fanny Hensel-Saal
Anton-von-Webern-Platz 1, 1030 Wien

Foto:©Sandra Noeth

21. Jänner 2020 – Timothy Ingold: Thinking through the Cello


Abstract

Why do we think that thought is silent? This is an essay about sound and silence, and their relation to thinking. Throughout, I draw on my experience of playing the cello. I show how what we often take to be silent, or at least tacit, is actually alive with sound and feeling; while to the contrary, what can be explicated is actually tacit.

In a printed musical score, notes are specified and articulated, but the score itself is silent. In performance, however, every note becomes a line of movement, and every sequence of notes a series of inflections in the line. This still begs the question of what we mean by sound, and I argue that sound is neither a physical impulse nor a mental sensation but a phenomenon of atmosphere brought about by the blending of the cosmic and the affective.

Like light, sound is generated by a fission/fusion reaction that unites us with the cosmos even as it divides us against ourselves. This explains the combination of sedentism and flight thanks to which I can be seated with my cello while the sound of my playing and thinking explodes into the furthest reaches of the auditory field. Thinking flies as, in my playing, sound does too. I conclude that thinking is not cognitive but atmospheric.


Curriculum Vitae

Timothy Ingold Timothy Ingold is Professor Emeritus of Social Anthropology at the University of Aberdeen. He has carried out fieldwork among Saami and Finnish people in Lapland, and has written on environment, technology and social organisation in the circumpolar North, on animals in human society, and on human ecology and evolutionary theory. His more recent work explores environmental perception and skilled practice. Ingold’s current interests lie on the interface between anthropology, archaeology, art and architecture. His recent books include The Perception of the Environment (2000), Lines (2007), Being Alive (2011), Making (2013), The Life of Lines (2015), Anthropology and/as Education (2018) and Anthropology: Why it Matters (2018).




Timothy Ingold – Thinking through the Cello
Tuesday, 21 January 2020, 6.00 – 8.00 pm
Fanny Hensel Hall
mdw – University of Music and Performing Arts Vienna
Anton-von-Webern Platz 1, 1030 Vienna

 

Über Knowing in Performing

Artistic Research hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem für die Kunstuniversitäten zunehmend bedeutenden Feld entwickelt. Sowohl das steigende Interesse der Kunst an epistemologischen Fragen als auch die wissenschaftliche Befragung künstlerischer Praktiken unterstützen und initiieren künstlerische Forschungsprozesse als spezifische Formen der Wissensgenerierung. Kunst wird dabei zugleich als Gegenstand und als Medium der Forschung betrachtet. In der transdisziplinären Annäherung von Kunst und Wissenschaft spielt die Integration von verschiedenen Wissensformen wie "tacit knowing", "embodiment", prozessorientiertes Handlungswissen oder auditive Wissenspraxen eine zentrale Rolle und dient der Entwicklung neuer Methoden und Forschungsfragen.

Der Entwicklungsprozess von Artistic Research an der mdw, welcher in näherer Zukunft u.a. auch die Einrichtung eines künstlerischen Doktorats sowie des Artistic Research Centers zum Ziel hat, ist getragen von der Einsicht, dass es nicht ‚die‘ eine Form der künstlerischen Forschung gibt, sondern verschiedene Zugänge einen breiten Diskurs erfordern. In diesem Zusammenhang spielt auch die Fortsetzung der Vorlesungsreihe "Knowing in Performing" mit Fokus auf die darstellende Kunst eine wichtige Rolle. An sechs Terminen präsentieren die eingeladenen Künstler_innen und Theoretiker_innen ihre Modelle künstlerischen Forschens, analysieren aktuelle Praktiken und Diskurse und eröffnen eine kritische Diskussion über die Möglichkeiten und Bedingungen ihrer Umsetzung in Lehre und Forschung.

 

Programm Studienjahr 2019/20:

 

  • 15.10.2019: Jagoda Szmytka, Frankfurt/Main Performance-Praxis in öffentlichen Räumen Moderation: Angelika Silberbauer
  • 12.11.2019: Sandra Noeth, Berlin Aesthetic Matters: Artistic Practice and the Systemic (Non-)Representation of Bodies in Contemporary Politics Moderation: Susanne V. Granzer
  • 21.01.2020: Timothy Ingold, Aberdeen Thinking through the Cello Moderation: Annegret Huber
  • 17.03.2020: Jyoti Mistry, Göteborg Practice in Working through the Unknown Moderation: Therese Kaufmann
  • 21.04.2020: Daniel Henry, Vancouver The Human Body Moving as Analogy for Thought Unfolding Moderation: Johannes Kretz und Wei-Ya Lin
  • 05.05.2020: David Dolan, London Classical Improvisation as a Meeting Point of Structural Awareness, Spontaneity and Risk-Taking Moderation: Johannes Meissl

 

Koordinationsteam

Projektteam: Johannes Kretz, Therese Kaufmann, Annegret Huber, Doris Ingrisch, Johannes Meissl, Susanne V. Granzer, Gesine Schröder, Tasos Zembylas

Organisation: Michaela Baumgartner, baumgartner@mdw.ac.at

Koordination: Karoline Feyertag

Kontakt: knowinginperforming@mdw.ac.at