SONIC INTERSECTIONS
MUSIK, MINDERHEITEN UND GESCHLECHT/SEXUALITÄT

Marko Kölbl

Ein strategisches Zurückgreifen auf ein essentialistisches Verständnis von Identität kann es ethnischen und religiösen Minderheiten erleichtern, im Sinne antihegemonialer Strategien politische Repräsentation und soziale Teilhabe einzufordern. Die kulturelle Identität steht im Vordergrund – dabei bleibt manchen Individuen innerhalb ihrer Communities oft wenig bis kein Raum für alternative Konzepte von Geschlecht oder Sexualität. Insbesondere Musik und Tanz respektive Klang und Bewegung sind oft an ein minderheitliches Identitätsnarrativ gekoppelt und können sowohl ihre komplexen Verwobenheiten mit normativen und hierarchischen Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität als auch ihr subversives Potential im geltend-Machen von geschlechtlicher und sexueller Handlungsmacht illustrieren. Der Vortrag behandelt die Fragen, wie heteronormative Zweigeschlechtlichkeit in Musik und Tanz ethnische oder religiöse Bedeutsamkeiten erlangt und – gröber betrachtet – wie im Diskurs zu Klang und Bewegung intersektionale queer-feministische Standpunkte und Theoretisierungen minderheitlicher Handlungsmacht und Souveränität Rechnung tragen können. Die Ausführungen werden durch Audio-und Videobeispiele von Musik und Tanz aus eigenen Feldforschungen mit Minderheiten und migrantischen Gruppen in Österreich kontextualisiert.

Marko Kölbl ist Universitätsassistent am Institut für Voksmusikforschung und Ethnomusikologie der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, wo er auch zu burgenlandkroatischen und kroatischen Totenklagen promoviert hat. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Musik von Minderheiten, insbesondere Burgenlandkroat_innen; Musik und Migration/Flucht, insbesondere Afghanistan; Stimme; Tanz; Tod, Trauer und Musik; Gender/Queer. Wissenschaftliche und musikpraktische Unterrichtstätigkeit.