SenflNews 9

[For English version see below.]

 

Liebe Freund:innen und Kolleg:innen,

Der dritte Newsletter erreicht Sie alle hoffentlich in der wohlverdienten Sommerpause, im Urlaub oder wenigstens zu einem Zeitpunkt, in dem das Leben ein wenig ruhiger von Statten geht. In Wien werden wir gerade von der zweiten großen Hitzewelle überrollt (mit mindestens 38°C) und wir vom Senfl-Team versuchen, so ökonomisch und hydriert wie möglich zu arbeiten. Wir hoffen, Sie machen das ebenso!

 

Herzliche Grüße und einen schönen Sommer
Stefan Gasch und das Team der New Senfl Edition

 

[Edition]

[Blog]

[Aktivitäten]

 


 

[Edition]

Wir freuen uns darüber berichten zu können, dass der FWF in der Kuratoriumssitzung des vergangenen Junis den Antrag auf Druckkostenförderung von Band 6 der NSE (Proprienvertonungen des Temporale) bewilligt hat. Die Zusammenarbeit mit dem Hollitzer Verlag hat bereits begonnen und wir hoffen, den Band noch in diesem Jahr als Band 163.6 der Denkmäler der Tonkunst in Österreich veröffentlichen zu können.

 

[Blog]

Die größten Diskussionspotentialen im Rahmen unserer Werkausgabe bieten (sowohl projektintern als auch im internationalen Austausch) einerseits die Textunterlegung und andererseits die Setzung von intendierten Vorzeichen, gemeinhin als musica ficta bekannt. Im Lauf des vergangenen Editionsprojektes, das ja Senfls Proprienvertonungen zum Inhalt hatte, haben wir uns vom Senfl-Team auf einige wenige und doch wichtige Regeln für die Setzung solcher Vorzeichen verständigt. August V. Rabe berichtet davon im jüngsten Blogeintrag.

Wenn Sie August noch ein wenig besser kennenlernen möchten, sei Ihnen der folgende Beitrag empfohlen, der im April im mdw-webmagazin erschienen ist. Er berichtet darin über seine Zeit vor und nach der Dissertation bzw. der Publikation seines Buches und über die verschiedenen Projekte, die ihn derzeit beschäftigen.

 

[Aktivitäten]

Im Rahmen unserer derzeitigen Projektarbeit haben Stefan Gasch, Matthias Guschelbauer und August V. Rabe eine Gasteinheit im Seminar „Lied und Liederbuch im 15. Jahrhundert von Dr. Michael Berger (Institut für Germanistik, Universität Wien) unterrichtet. Wir haben uns dabei mit der Entwicklung der Gattung im frühen 16. Jahrhundert aus Sicht der musikwissenschaftlichen Herangehensweise beschäftigt. Als Anschauungsobjekt diente dabei Senfls Es taget vor dem Walde, anhand dessen sich verschiedene Aspekte und Neuerungen erläutern ließen (Liedgruppen, Vertonungen, Aufführungsmöglichkeiten, …).

 

Seit dem 4. Juli 2026 ist unser Mitarbeiter Jonas Pfohl in Väterkarenz. Bis Ende November wird er sich seinen beiden Kindern widmen. Wir wünschen ihm dafür alles Gute.

 

Im Rahmen des ERASMUS+ Programms der Europäischen Kommission und in Kooperation der mdw mit Südafrika unterrichtet August diese Woche am South African College of Music der University of Cape Town. Er hält dort ein Blockseminar zum Thema „Performing Music from European 15th and 16th Century Sources.“ Rund herum wird es viele spannende Einblicke und Vernetzungsmöglichkeiten geben.

 

In seinem Vortrag „,Musical Marginalia‘ in Sixteenth-Century German Music Prints: Implications for a History of the Repertoire“ hat sich Stefan Gasch bei der Tagung Marking Music: The Use of Music Books in Early Modern Europe am King’s College London (5./6. Mai 2026) mit handschriftlichen Appendices am Beginn und Ende von Musikdrucken auseinandergesetzt – ein Forschungsbereich, in dem noch viel zu leisten sein wird (verwiesen sei hier nur auf die Arbeiten von Royston Gustavson und Torge Schiefelbein). Dabei wurde vor allem sichtbar, dass die Gefahr besteht, die handschriftlichen Ergänzungen, die seitens der Bibliotheken häufig mit eigenständigen Signaturen versehen wurden, als eigenständige Handschriften wahrzunehmen, was zum Verlust der Perzeption des eigentlichen Trägermediums führt. Umgekehrt werden die annotierten Musikdrucke oft als „Exemplar mit handschriftlichen Anmerkungen“ beschrieben, mit der Konsequenz, dass handschriftlichen Zusätze allzu leicht marginalisiert werden. In beiden Fällen geht der inhärente Zusammenhang der beiden Notationsformen innerhalb einer einzigen Quelle verloren. Gerade die Auffassung von Handschrift und Druck als eine Einheit eröffnet jedoch die Möglichkeit, unseren Blick auf die Musikgeschichte des 16. Jahrhunderts zu erweitern.

In einer ersten Zusammenstellung von 100 Musikdrucken aus dem gesamten 16. Jahrhundert konnte Gasch ca. 3.000 Kompositionen (oder besser: handschriftliche Appendices) zusammenstellen, die von Fragmenten bis hin zu umfangreichen handschriftlichen Werksammlungen reichen. Sie geben nicht nur darüber Auskunft, welche Komponisten am beliebtesten waren – Senfl rangiert hier an zweiter Stelle, nach Lasso und vor Jacobus Clemens non Papa –, sondern es lassen sich auch „all time favourites“ extrahieren. Hier führen die Motetten Clemens non Papas die Rangliste an (Concussum est mare; Maria Magdalena et altera Maria; Venit vox de caeli), aber auch Josquins Praeter rerum seriemund Senfls Landsknechtlied Mein Fleiß und Müh ich nie hab gspart (SC S 230) zählen zu den immer wieder kopierten Stücken. Grundsätzlich aber bleibt die geistliche Musik die wichtigste Gattung. Schließlich wurde auch sichtbar, dass Georg Rhaus Symphoniae iucundae (RISM 1538/8) und Hans Otts Novum et insigne opus musicum (RISM 1537/1) die am weitest verbreiteten Drucke waren, und dass die Nürnberger Officin Gerlach (in ihren unterschiedlichsten Konstellationen) mit 42 musikalischen Druckerzeugnissen den Markt dominierte. Angesichts eines hohen Quellenverlustes müssen diese ersten Ergebnisse freilich mit der gebotenen Vorsicht verstanden werden und es wird eine spannende Aufgabe sein, diese faszinierenden Erkenntnisse zu erweitern und verfeinern.

 

In einem weniger auf Ludwig Senfl und stärker auf die Fachdisziplin fokussierten Kontext ist zu berichten, dass Stefan Gasch im ersten Halbjahr 2026 auch immer wieder in die Arbeitstreffen der Cost Action EarlyMuse – A New Ecosystem of Early Music Studies (CA 21161) eingebunden war, das von Philippe Vendrix (CESR, Université de Tours) geleitet wird. Nach dem Wiener Treffen im Februar dieses Jahres, das den Beitrag „Musicology and Artificial Intelligence“ zum Ergebnis hatte, werden demnächst auch die Resultate eines Treffens in Palermo veröffentlicht, das sich mit Fragen der „Musicology and Resilient Cultural Heritage“ und „Musicology and Virtual Worlds“ auseinandergesetzt hat. Alle Veröffentlichungen der COST Action finden sie kostenfrei downloadbar unter Zenodo.

 


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[English version]

 

Dear friends and colleagues,

We hope this third newsletter in 2026 reaches you during a well-earned summer break, on holiday, or at least at a moment when life proceeds a little more calmly. Vienna is currently experiencing its second major heatwave (with at least 38°C over the weekend), and the Senfl team is doing its best to work efficiently and stay well hydrated. We hope you will as well!

 

Warmest regards and wishing you a wonderful summer,
Stefan Gasch and the team of the New Senfl Edition

 

[Edition]

[Blog]

[Activities]

 


[Edition]

We are pleased to report that, at its meeting in June, the Austrian Science Fund (FWF) approved our application for publication funding for volume 6 of the NSE (Settings of the Proper for the Temporale). Collaboration with Hollitzer Verlag has already begun, and we hope to publish the volume later this year as volume 163.6 of Denkmäler der Tonkunst in Österreich.

 

[Blog]

Within our edition project, the areas that offer the greatest potential for discussion—both internally and in international exchange—are, on the one hand, text underlay and, on the other, the placement of intended accidentals, commonly referred to as musica ficta. Over the course of the most recent editorial project, which focused on Senfl’s settings of the Proper, our team agreed on a small number of key principles for the assignment of such accidentals. August V. Rabe reports on these in our latest blog post (in German).

If you would like to get to know August a little better, we recommend the following text (in German), published in April in the mdw web magazine. There he discusses the period before and after his doctorate and the publication of his book, as well as the various projects currently occupying him.

 

[Activities]

As part of our ongoing project work, Stefan Gasch, Matthias Guschelbauer and August V. Rabe delivered a guest session in Dr Michael Berger’s seminar ‘Song and Songbook in the Fifteenth Century’ (Department of German Studies, University of Vienna). We examined the development of the genre in the early sixteenth century from a musicological perspective. Senfl’s Es taget vor dem Walde served as an illustrative case study, through which various aspects and innovations could be explained (song groupings, settings, performance options, etc.).

 

Since 4 July 2026, our colleague Jonas Pfohl has been on paternity leave. He will be caring for his two children until the end of November. We wish him all the very best.

 

Within the framework of the European Commission’s ERASMUS+ programme and in cooperation between the mdw and South Africa, August is teaching this week at the South African College of Music, University of Cape Town. He is offering a block seminar on ‘Performing Music from European Fifteenth- and Sixteenth-Century Sources.’ There will be many exciting insights and opportunities for networking around the seminar.

 

In his paper ‘“Musical Marginalia in Sixteenth-Century German Music Prints: Implications for a History of the Repertoire,”’ delivered at the conference Marking Music: The Use of Music Books in Early Modern Europe at King’s College London (5–6 May 2026), Stefan Gasch examined handwritten music appendices at the beginning and end of music prints—a research area in which much remains to be done (see, by way of indication, the work of Royston Gustavson and Torge Schiefelbein). It became particularly clear that there is a risk of perceiving the handwritten additions—which libraries often catalogued under independent shelfmarks—as separate manuscripts, leading to the loss of the perception of the actual carrier medium. Conversely, annotated music prints are often described as ‘copies with manuscript annotations,’ with the result that the handwritten additions are all too easily marginalised. In both cases, the inherent connection between the two forms of notation within a single source is lost. Yet it is precisely the perception of manuscript and print as a single entity that opens up possibilities for broadening our view of sixteenth-century music history.

In an initial survey of 100 music prints from across the sixteenth century, Gasch was able to compile roughly 3,000 compositions (or, more precisely, handwritten appendices), ranging from fragments to substantial handwritten collections of works. These data not only indicate which composers were most popular—Senfl ranks second here, after Lassus and ahead of Jacobus Clemens non Papa—but they also allow ‘all-time favourites’ to be identified. Motets by Clemens non Papa top the list (Concussum est mare; Maria Magdalena et altera Maria; Venit vox de caeli), but Josquin’s Praeter rerum seriem and Senfl’s Landsknecht song Mein Fleiß und Müh ich nie hab gspart (SC S 230) also count among the pieces most frequently copied. Sacred music, however, remains the most important genre overall. Finally, the survey also revealed that Hans Ott’s Novum et insigne opus musicum (RISM 1537/1) and Georg Rhau’s Symphoniae iucundae (RISM 1538/8) were the most widely disseminated prints, and that the Nuremberg press of the Gerlach workshop (in its various configurations) dominated the market with 42 musical publications. Given the significant loss of sources, these initial findings must, of course, be interpreted with appropriate caution, and it will be an exciting task to extend and refine these fascinating insights.

 

In a context less focused on Ludwig Senfl and more on the discipline as such, it may be noted that, in the first half of 2026, Stefan Gasch was regularly involved in the working meetings of the COST Action EarlyMuse – A New Ecosystem of Early Music Studies (CA 21161), led by Philippe Vendrix (CESR, Université de Tours). Following the Vienna meeting in February of this year, which resulted in the contribution Musicology and Artificial Intelligence, the outcomes of a subsequent meeting in Palermo—addressing questions of Musicology and Resilient Cultural Heritage and Musicology and Virtual Worlds—will shortly be published. All publications of the COST Action are available for free download via Zenodo.

 

 

 
 
 
 

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Dr. Stefan Gasch
New Senfl Edition (FWF Grant DOI: 10.55776/PAT1898125)
Institut f. Musikwissenschaftund Interpretationsforschung
Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
(https://www.mdw.ac.at/imi/new-senfl-edition/)
Lothringerstrasse18
1030 Wien

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