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SenflNews 8 [For English version see below.]
Liebe Freund:innen und Kolleg:innen, Den zweiten Newsletter in diesem Jahre sende ich Ihnen – rechtzeitig vor Ostern – aus dem Centre d’études supérieures de la Renaissance (CESR) der Universität in Tours. Ich freue mich, in den kommenden Wochen mit Philippe Vendrix, Camilla Cavicchi, Philippe Canguilhem, Vincent Besson und Ailin Arjmand zusammenarbeiten und weitere Kooperationsmöglichkeiten für die New Senfl Edition entwickeln zu können.
[Bonnie J. Blackburn (1939–2026)] [Edition] [Blog] [Ausblick]
[Bonnie J. Blackburn (1939–2026)] Wie viele Kolleg:innen hat auch mich die Nachricht vom Tod Bonnie Blackburns tief getroffen. Bonnie war für mich einer der herzlichsten Menschen, die ich in unserem Fach kennenlernen durfte. Wie kaum eine andere Kollegin hat sie Generationen von Musikwissenschaftler:innen (mich eingeschlossen) durch ihr sanftes, führendes Wesen inspiriert und sie wurde für viele von uns in unterschiedlichster Hinsicht zum Vorbild schlechthin. Sie hat unser Leben bereichert – im persönlichen wie im beruflichen Sinn – und uns zu besseren Wissenschaftler:innen und Autor:innen erzogen. Bonnie begegnen zu dürfen bedeutete, einen Menschen zu treffen, der gütig, unaufdringlich, einfühlsam und freundlich war; der über einen ausgesprochen feinen (durchaus ironisch geprägten) Humor verfügte, ebenso wie über ein enzyklopädisches Wissen und einen scharfen wissenschaftlichen Intellekt. (Musik-)Geschichte zu erforschen und zurechtzurücken – durch das Sammeln von Kanon- oder Tacet-Anweisungen, Informationen zu jedem einzelnen Tag des Jahres, Briefen von Renaissancemusikern, Bibliografischem zu Hellinck, Josquin, Petrucci, zu Kontrapunkt, Musiktheorie, Quellen, Rezeption von Musik und so vielem anderen mehr – und dieses Wissen in großzügigem Ausmaß zu teilen, das machte Bonnie aus. Mit ihr im Austausch zu stehen hieß, auch über weite Distanzen unmittelbar zu kommunizieren, denn gefühlt war Bonnie immer am Schreibtisch – nicht zuletzt auch aufgrund ihrer unermüdlichen Lektoratstätigkeit. Sie war ein Vorbild an Perfektion, Präzision und in der Herangehensweise an Publikationen. Hatte man das Glück, Bonnie als Lektorin für eine Veröffentlichung zu gewinnen, konnte man getrost darauf vertrauen, dass die Publikation mustergültig gelesen, ja auch gemeinsam diskutiert und gegebenenfalls noch einmal zum Besseren verändert wurde. Ich selbst durfte Bonnie 2005 zum ersten Mal persönlich begegnen. Kurz darauf haben sie und Leofranc (Holford-Strevens) nicht nur maßgeblich zum Aussehen des gedruckten Senfl-Kataloges beigetragen; Bonnie und Leofranc haben bis zuletzt auch das Fremdsprachenlektorat der New Senfl Edition übernommen und waren eng mit dem „Projekt Senfl“ verbunden. Der Senfl-Katalog wie auch die Senfl-Ausgabe verdanken ihr viel. Sie war uns ein Fels in der Brandung, der Struktur und Halt geben konnte, und ich bin aufrichtig dankbar dafür, dass ich das Glück hatte, diese wundervollen Menschen kennengelernt zu haben und mit ihr arbeiten zu dürfen. Bonnies herzensgutes Wesen, ihr unermüdlicher Rückhalt und ihre stetige Unterstützung werden dem Fach, der New Senfl Edition und mir persönlich aufs Schmerzhafteste fehlen.
[Edition] Die Wochen und Monate seit Beginn des Projektes im September 2025 waren sehr arbeitsintensiv und unter anderem gefüllt mit der inhaltlichen und infrastrukturellen Organisation der 88 Lieder (sowie deren Alternativfassungen), die in Band 9 enthalten sein werden. Trotz des bereits umfangreichen Bestandes an Quellen in unserem Archiv waren vor allem Nachdrucke der Liedersammlungen von Forster noch zu organisieren (sie werden diese dann auch bald kostenfrei online downloaden können), aber auch abgelegenere Quellen wie Fragmente oder eine bei vdm16 bereits vermutete unbekannte Neuauflage des Druckes RISM 1549-35 (der dritten Auflage von Forsters erstem Liederbuch) war zu verifizieren. Die von diesem Druck vorhandenen Exemplare in D-B, D-Ngm (T), CH-Zz (eines vollständig, von einem weiteren Exemplar ist nur ein Altus-Stimmbuch erhalten), D-FRVa (nur Altus), F-Pc, GB-Lbl und NL-DHgm (nur T) wurden daher überprüft und es lässt sich nun festhalten, dass ausschließlich das Nürnberger Tenorstimmbuch über ein Kolophon mit der Jahreszahl 1551 verfügt. Zwar wurde das gleiche Titelblatt wie 1549 verwendet, doch es ist bereits am Druckbild offensichtlich, dass für diese Auflage das Repertoire neu gesetzt wurde, ganz zu schweigen von den Abweichungen (Varianten und Fehler), die sich ebenfalls konstatieren lassen. Alle anderen Exemplare stammen aus dem Jahr 1549, bzw. lässt sich die Zugehörigkeit zur Auflage von 1551 vorerst nicht beweisen. Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg hat den Band in der Zwischenzeit digitalisiert. Ein zentraler Themenbereich, der uns ebenfalls sehr beschäftigt hat, waren die Richtlinien für die Edition der Liedtexte. Anfang März haben wir daher intensiv mit den Kolleg:innen unseres Advisory Boards (Cordula Kropik, Marc Lewon, Matthias Meyer, Stephan Müller, Nicole Schwindt), sowie Sonja Tröster und Michael Berger, die Anforderungen an eine moderne Textedition von Liedern der Frühen Neuzeit diskutiert. Anhand von Beispieleditionen haben wir dann Schritt für Schritt Richtlinien erarbeitet, mit denen wir nun hoffen, eine tragfähige Neuedition der Lieder in Angriff nehmen können. Allen Diskutant:innen sei an dieser Stelle nochmals herzlich für ihre Zeit und die lebendige Diskussion gedankt. Bei diesem Schritt der Projektarbeit wird uns nun auch unser neuer Mitarbeiter Philipp Leindl helfen, der ab Mitte Mai Teil unseres Projektteams sein wird und ebenfalls schon an den verschiedenen Diskussionen beteiligt war. Philipp schließt gerade seinen Master der Deutschen Philologie an der Universität Wien ab, wo er auch Musikwissenschaft im Master studiert. Daneben ist er vorerst noch in einer administrativen Funktion an der COST Action CLILNetLE (CLIL Network for Languages in Education) beteiligt. Nachdem er sich im Studium bereits mehrfach mit deutschsprachigen Liedern der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts beschäftigt hat, ist er schon sehr gespannt auf die Arbeit an der Textedition von Senfls Liedern! Wir haben Philipp nun schon bei verschiedenen Treffen Projekttreffen kennengelernt und freuen uns schon auf die gemeinsame Zusammenarbeit.
[Publikationen] Hiermit seien zwei Hinweise auf umfangreiche Besprechungen unserer Publikationen gegeben:
Wir danken den beiden Rezensent:innen herzlich für die überaus positive Rückmeldung.
[Blog] Falls Sie in letzter Zeit nicht mehr auf unserer Webseite waren oder unseren Blog noch nicht abonniert haben, dürfen wir Sie an dieser Stelle gleich auf zwei neue Blogeinträge hinweisen. Im Sommer letzten Jahres haben August Valentin Rabe und Matthias Guschelbauer versucht, den zweiten Teil unserer “großen und kleinen Rätsel der Liturgie des Stundengebets am Münchner Hof” und der Herausforderungen für die NSE anschaulich zu erklären. Im März 2026 war Matthias Guschelbauer virtuell auf einem Spaziergang bei Senfls Wohnort in München. Dabei hat er auch Senfls Nachbarschaft besucht. Schauen doch auch Sie wieder einmal vorbei. Bilder von damals und heute vermitteln einen guten Eindruck.
[Ausblick] Nach seinem Aufenthalt in Tours, wo er das bereits in der Pandemie begonnene Projekt zum Motette im deutschen Sprachraum, 1500–1550 weiterverfolgen wird, reist Stefan nach London weiter. Elisabeth Giselbrecht und ihr Team des DORMEME-Forschungsprojektes veranstalten dort am 11./12. Mai 2026 eine Tagung mit dem Thema Marking Music: The Use of Music Books in Early Modern Europe und Stefan wird versuchen, die musikalische Repertoiregeschichte des 16. Jahrhunderts aus der Perspektive von nachträglichen Repertoireeinträgen von ca. 100 Musikdrucken zu beleuchten. Das gesamte Programm finden Sie hier.
[Sonstiges] Und schließlich noch ein weiterer Hinweis in eigener Sache: Falls Sie unsere Weltkarte gut finden und Sie das schon immer einmal zum Ausdruck bringen wollten, können Sie jetzt im Rahmen des Digital Humanities Awards eine Stimme für unsere Arbeit abgeben. Aus den folgenden Kategorien kann jeweils ein Projekt gewählt werden:
Unsere Weltkarte finden sie gleich in der ersten Kategorie „DH Data Visualization“. Das Voting läuft noch bis zum 17. April und kostet nicht viel Zeit. Ganz nebenbei erhält man hier auch einen Überblick über derzeit andere spannende Projekte.
[English version]
Dear friends and colleagues, I am sending you this second newsletter of the year – just in time for Easter – from the Centre d’études supérieures de la Renaissance (CESR) at the University of Tours. Over the coming weeks, I look forward to collaborating with Philippe Vendrix, Camilla Cavicchi, Philippe Canguilhem, Vincent Besson, and Ailin Arjmand to develop further opportunities for cooperation for the New Senfl Edition.
[Bonnie J. Blackburn (1939–2026)] [Edition] [Blog] [Outlook]
[Bonnie J. Blackburn (1939–2026)] Like many of my colleagues, I was deeply saddened by the news of Bonnie Blackburn’s death. To me, Bonnie was one of the kindest people I ever had the privilege of knowing in our field. Like few others, she inspired generations of musicologists (myself included) through her gentle, guiding nature, becoming a role model in so many respects. She enriched our lives—both personally and professionally—and mentored us into becoming better scholars and authors. To encounter Bonnie was to meet a person who was truly kind, breathtakingly unassuming, empathetic, and friendly; someone who possessed a delightfully subtle (and often wry) sense of humour, alongside encyclopaedic knowledge, and a sharp intellectual mind. Researching and ‘setting the record straight’ on (music) history—by collecting canonic or tacet instructions, information for every single day of the year, letters from Renaissance musicians, bibliographical data on Hellinck, Josquin, Petrucci, counterpoint, music theory, sources, reception, and so much more—and sharing this knowledge with such generosity: this was the essence of Bonnie. To be in correspondence with her meant communicating across vast distances as if she were right there, for one felt Bonnie was always at her desk—not least due to her constant support and tireless editorial work. She was a paragon of perfection, precision, and scholarly approach. If one was fortunate enough to have Bonnie as an editor for a publication, one could rest assured that the work would be read exemplary, discussed collaboratively, and, where necessary, refined for the better. I first met Bonnie in person in 2005. Shortly thereafter, she and Leofranc (Holford-Strevens) not only contributed significantly to the design of the printed Senfl Catalogue, but they also undertook the foreign-language editing for theNew Senfl Edition until the very end, remaining closely associated with ‘Project Senfl’. Both the Senfl Catalogue and the Edition owe her a great deal. She was a rock for us, providing structure and stability, and I am sincerely grateful for the luck of having known this wonderful colleague and having worked with her. Bonnie’s kindest spirit, her unflagging encouragement, and her steady support will be missed most painfully by the discipline, the New Senfl Edition, and by me personally.
[Edition] The weeks and months since the project began in September 2025 have been very labour-intensive, involving, among other things, the content and infrastructural organisation of the 88 songs (and their alternative versions) to be included in Volume 9. Despite our archive’s already extensive collection of sources, we still had to arrange reproductions of Forster’s song collections. We also had to verify more obscure sources, such as fragments or a previously suspected unknown new edition of the print RISM 1549-35 (the third edition of Forster’s first songbook) at vdm16. The extant copies of this print in D-B, D-Ngm (T), CH-Zz (one complete; of another, only an Altus partbook survives), D-FRVa (Altus only), F-Pc, GB-Lbl, and NL-DHgm (T only) were examined. It can now be established that only the Nuremberg Tenor partbook features a colophon with the date 1551. Although the same title page as 1549 was used, the typography makes it obvious that the repertoire was reset for this edition, to say nothing of the variants and errors that can also be observed. All other copies date from 1549, or at least their belonging to the 1551 edition cannot currently be proven. The Germanisches Nationalmuseum in Nuremberg has since digitised the volume. Another central area of focus has been the development of the guidelines for editing the song texts. In early March, we held intensive discussions with the colleagues on our Advisory Board (Cordula Kropik, Marc Lewon, Matthias Meyer, Stephan Müller, Nicole Schwindt), as well as Sonja Tröster and Michael Berger, regarding the requirements for a modern text edition of Early Modern songs. Using sample editions, we developed step-by-step guidelines that we hope will now allow us to tackle a sustainable new edition of the songs. Our sincere thanks go once again to all participants for their time and the lively discussion. We will now be assisted in this stage of the project by our new staff member Philipp Leindl, who will join the team in mid-May and has already been involved in various discussions. Philipp is currently completing his Master’s in German Philology at the University of Vienna, where he is also studying for a Master’s in Musicology. Additionally, he is currently involved in an administrative capacity with the COST Action CLILNetLE (CLIL Network for Languages in Education). Having already dealt with German-language songs from the first half of the 16th century several times during his studies, he is very much looking forward to working on the text edition of Senfl’s songs! We have already got to know Philipp at various project meetings and look forward to working together.
[Publications] We would like to draw your attention to two extensive reviews of our publications:
We are grateful to both reviewers for their exceedingly positive feedback.
[Blog] If you haven’t visited our website recently or haven’t yet subscribed to our blog, we would like to point out two new blog posts. Last summer, August Valentin Rabe and Matthias Guschelbauer attempted to clearly explain the second part of our ‘large and small mysteries of the Liturgy of the Hours at the Munich court’ and the challenges for the NSE. In March 2026, Matthias Guschelbauer took a virtual walk near Senfl’s house in Munich, visiting Senfl’s neighbourhood in the process. Why not stop by yourself? Images from then and now provide a vivid impression.
[Outlook] Following his stay in Tours, where he will continue the project begun during the pandemic on the Motet in German-speaking lands, 1500–1550, Stefan will travel on to London. Elisabeth Giselbrecht and her team from the DORMEME research project are hosting a conference there on 11–12 May 2026 titled Marking Music: The Use of Music Books in Early Modern Europe. Stefan will attempt to shed light on 16th-century musical repertoire history from the perspective of later repertoire entries in approximately 100 music prints. The full programme can be found here.
[Miscellaneous] Finally, a note on our own behalf: if you like Senfl’s World and have always wanted to express that, you can now cast a vote for our work as part of the Digital Humanities Awards. One project can be selected from each of the following categories:
You can find our world map in the very first category, ‘DH Data Visualization’. Voting is open until 17 April and does not take long. It also provides a great overview of other exciting projects currently underway. |
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Impressum & Offenlegung
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