
Fritz Kreisler - Ein Kosmopolit im Exil
Vom Wunderkind zum „König der Geiger“
Die aktuelle Ausstellung im Exilarte Zentrum veranschaulicht mit zahlreichen Bildern, Notenmaterialien und Lebensdokumenten sowie dem parallel erscheinenden Katalog Kreislers Familiengeschichte, seine Wiener Zeit sowie seine besondere Fähigkeit mit den Medien zu kommunizieren (Plattenfirmen, Zeitungen, Rundfunk). Auch sein Geigenstil (in Zusammenhang mit den großen Konzerten und den Beethoven-Sonaten) wird thematisiert, wie auch seine Bearbeitungen und seine Kompositionsweise. Ebenso wird die historische Komponente der auf „rassischen“ Gründen beruhenden Ausweisung durch den NS-Staat aufgezeigt und – wie dies bei Exilarte-Ausstellungen schon Tradition ist – die Einbeziehung von weiteren vertriebenen und verfemten GeigenvirtuosInnen und Streichquartetten jener Zeit (Alma und Arnold Rosé, Carl Flesch, Bronislaw Hubermann, Ferdinand Adler, Busch Quartett, Rostal Quartett etc.) betrachtet.
Fritz Kreisler (Wien, 1875 – 1962, New York) wurde zuerst von seinem Vater unterrichtet, bevor er 1882 am Conservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (heute mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) bei Josef Hellmesberger jun. und Anton Bruckner studierte. Im Alter von sieben Jahren war er das jüngste Wunderkind an dieser Ausbildungsstätte. Nach einem Studium in Paris ging er 1888 mit dem Pianisten Moriz Rosenthal auf eine erfolgreiche Amerikatournee.
Ein Probespiel bei den Wiener Philharmonikern verlief erfolglos, trotzdem wurde er als Solist eingeladen mit dem Orchester zu musizieren. Weitere Erfolge verzeichnete er unter anderen mit den Berliner Philharmonikern unter Arthur (Artúr) Nikisch. Damit begann eine der brillantesten und lukrativsten Solistenkarrieren der damaligen Zeit. 1910 hob Kreisler das ihm gewidmete Violinkonzert von Edward Elgar aus der Taufe.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialst:innen in Deutschland waren die Auftritte des Stargeigers aufgrund seiner jüdischen Herkunft von Störungen und Boykottaufrufen begleitet. Auch seine Kompositionen wurden nicht mehr gespielt. Kreisler beendete somit jede weitere Konzerttätigkeit in Deutschland, wohnte aber mit seiner Frau und Managerin, der Amerikanerin Harriet Lies, die durchaus ein gutes Verhältnis zum NS-Regime pflegte, weiterhin in der gemeinsamen Villa in Berlin. 1935 wurde Kreisler mit dem Ehrenring der Stadt Wien ausgezeichnet.
Mit dem sogenannten „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland im März 1938 war Kreislers österreichischer Reisepass ungültig geworden. Nach erfolgreichen Bemühungen um die französischen Staatsbürgerschaft gelang im September 1939 der Weg ins amerikanische Exil, wo Kreisler sich mit seiner Frau in New York niederließ und 1943 eingebürgert wurde. Kreislers letzter öffentlicher Auftritt fand 1947 statt. Deutschland hat der Stargeiger nach seiner Emigration nie wieder betreten. Er verstarb 1962 in New York.
Programm
Öffnungszeiten:
17. September – 17. Dezember 2022
10. Jänner – 31. Mai 2023
Dienstag – Freitag: 15:00 – 19:00
Samstag: 13:00 – 17:00
Feiertage: geschlossen