Zwischenpräsentation creative (mis)understandings - Methodologien der Inspiration

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#Wissenschaftliche Vorträge & Symposien

am 19.06.2020 16 00

Kreative (Miss)verständnisse – Methodologien der Inspiration
Ein Künstlerisches Forschungsprojekt von Johannes Kretz und Wei-Ya Lin
gefördert vom FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung)

Menschen – Kreativität – Solidarität – Inspiration
Was motivierte einen österreichischen Komponisten und eine Musikerin aus Taipei zur Zusammenarbeit mit den Tao, einer indigenen Community auf der Orchideeninsel (Lanyu)? Neugier? Oder die Faszination einer wunderschönen Insel oder eines Gesangsstils, der so speziell ist, dass westliche Notenschrift ihn nicht erfassen kann? War es die Suche nach Inspiration?

Seit 2005 besuchen Bratschistin Wei-Ya Lin, die später Ethnomusikologin wurde, und Johannes Kretz, ein Komponist mit Fokus auf elektronischer Klangproduktion, regelmäßig die Tao-Community. Sie sammeln Lieder, machen Interviews, versuchen, die Verbindung zwischen Singen und Leben der Tao zu verstehen.

2018 wurde durch eine Dreijahresförderung des FWF (PEEK Programm) ermöglicht, das künstlerische Forschungsprojekt Kreative (Miss)Verständnisse – Methodologien der Inspiration an der MDW. Ausgangspunkt ist dabei die Frage, ob das Verstehen immer geeignet ist, Menschen zu verbinden; oder umgekehrt, ob Missverständnisse immer trennend wirken müssen. Von 2018 bis 2021 verfolgt das Projekt mit mehreren wechselseitigen Besuchen der Projektteilnehmer_innen aus Taiwan und Österreich und gemeinsamen Workshops, künstlerischer Forschung, Improvisation, Komposition und Performance mehrere Ziele: Durch das Verbinden von Vergangenheit und Zukunft soll die Tao Community in ihrer kulturellen Identität gestärkt werden, der Bruch zwischen den Generationen dort gemildert werden und eine mögliche Basis dafür gelegt werden, das die Tao ihre Traditionen – auch durch etwaige Transformationen ihrer Praxen – vor dem völligen Verschwinden bewahren können.

Weiters werden Komponist_innen europäischer zeitgenössischer Kunstmusik Methodologien entwickeln, welche es ihnen erlauben, skalierbare Kompositionen zu realisieren, deren musikalische Ideen und Inhalte in verschiedenen Manifestationen umgesetzt werden können, welche dann in den verschiedenen Kontexten von Zuhörer_innen verstanden und geschätzt werden können. Durch die Förderung des FWF können diese Fragen in einem größeren Team von indigenen und nicht-indigenen aus Taiwan und Österreich künstlerisch Forschenden angegangen werden.

So kann der Raum zwischen Verstehen und Missverstehen in unterschiedlichsten Perspektiven ausgelotet werden, und dessen Bedeutung für das Leben der Menschen klarer verorten. Dies erfordert viel Reflexion, Sensibilität und das Einbeziehen von methodischen und ethischen Fragestellungen. Inspiration erhält hier eine modifizierte Bedeutung: wechselseitig wertgeschätzter, absichtlicher und reziproker künstlerischer Einfluss auf der Basis von Solidarität. Dabei wird durchaus auch zu kreativen Missverständnissen in der Interaktion zwischen Forschung und künstlerischen Praxen ermutigt. Beides, Verstehen und Missverstehen kann zu positiven Entdeckungen und Inspiration führen, nicht nur im Künstlerischen, sondern auch in Form von neuen Forschungsfragen und gesellschaftlich wirksamen Initiativen.

In den ersten beiden intensiven Workshop-Phasen im Januar 2019 in Wien und im August und September 2019 auf der Orchideeninsel ergaben sich bereits wichtige Erkenntnisse, Erfahrungen und Arbeitsfelder: Auf der Basis von Feldforschung mit Zugängen aus der Ethnomusikologie und künstlerischen Forschung gelang es, erste Bereiche des Tao-Repertoires zu identifizieren, welche sowohl für angewandte Ethnomusikologie als auch für allfällige künstlerische und soziomusikalische Transformationen verwendbar sein könnten. Erste Interventionen, welche die verschiedenen Tao-Generationen ebenso wie uns Musikschaffende aus Europa verbinden, führten zu vielversprechenden Ergebnissen.

weitere Infos hier

Eintritt frei

Zeit & Ort der Veranstaltung

19.06. von 16:00 bis 18:00
Hauptgebäude, Bauteil S/Bankettsaal
Anton-von-Webern-Platz 1
1030 Wien
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