„Gegen die Schlamperei“. Mahlers Fidelio an der Wienerhofoper 1904: Konzept, Kritik, Wirkung

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#Wissenschaftliche Vorträge & Symposien

am 22.10.2019 18 00

VORTRAGENDE/R: Glenn Stanley

VIENNA MAHLER LECTURE #4

In seiner Bemühung, eine moderne, vitale Aufführungspraxis des klassischen Opernrepertoires zu schaffen nahm Gustav Mahler, als Dirigent und de facto Regisseur, in seiner “Fidelio”-Produktion in Wien 1904 grundsätzliche Abweichungen von den in der Partitur vorgegebenen Nummerfolgen, Bühnenbild- und Regieanweisungen vor. Alfred Rollers Gestaltung der Bühne leistete dazu einen entscheidenden Beitrag. Auch, der journalistischen Kritik zufolge, brach Mahler grundlegend mit der herkömmlichen musikalischen Aufführungspraxis. Die Pro- und Kontralager in der Presse urteilten sonst nach ihren etablierten Einstellungen: Mahlers Ansatz war schon bekannt. Die unmittelbarste künstlerische Auseinandersetzung besorgte sein Nachfolger in Wien, Felix Weingartner, der eine restaurative Kampagne gegen Mahlers Interpretation führte. Die einflußreichste und spektakulärste “Mahlersche” Innovation – die Aufführung der Leonore Ouvertüre Nr. 3 vor dem Finale des 2. Aktes – war gar keine: Mehrere Dirigenten hatten schon Mitte des 19. Jahrhunderts die Praxis eingeführt. Doch dank Mahlers Autorität wurde es als seine Idee verstanden und etliche Dirigenten griffen (und greifen) darauf zurück. Ist es abwegig, Mahler als Urvater des Regietheaters zu betrachten? Gründe dafür gibt es schon!

Eintritt frei

Zeit & Ort der Veranstaltung

22.10. von 18:00 bis 19:30
Hauptgebäude, Bauteil S/Bankettsaal
Anton-von-Webern-Platz 1
1030 Wien
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