Nanako POHL, Piano

nanako.pohl@hotmail.de

 
Nanako POHL entstammt einer japanischen Adelsfamilie und ist die Urenkelin von Kentaro KANEKO (1853-1942), dem Mitbegründer der ersten japanischen Verfassung. Ihr Ururgroßvater Sahei OHASHI (1836-1901) gründete mit seinem Sohn Shintaro OHASHI (1862-1944) das bedeutende japanische Verlagshaus Hakubunkan. Dessen Frau, Nanakos Urgroßmutter Sumako OHASHI (1881-1949) war Vorbild für das Mädchen Omiya-san, die Hauptfigur im "Konjiki yasha" des populären Dichters Koyo OZAKI (1868-1903), einem der bekanntesten Romane der Meiji-Zeit (englisch: "The Golden Demon", 1905; deutsch: "Der Wucherer").
 
Ab dem zweiten Lebensjahr erhielt sie Klavierunterricht, ab dem fünften Lebensjahr studierte sie bei ihrem Großonkel Ikuma DAN (1924-2001),
dem berühmtesten Opernkomponisten Japans, dessen Werke z.B. im Jahre 1990 im Großen Musikvereinssaal in Wien von den Wiener Symphonikern aufgeführt wurden. Sie gab ihr erstes öffentliches Solo-Konzert im Alter von acht Jahren in der historischen Haupt- und Residenzstadt Kamakura (Japan), wobei sie u.a. die A-Dur-Sonate KV 331 mit dem "türkischen Marsch" von W. A. MOZART spielte. Dieses erfolgreiche Debut führte zu ihrer ersten Schallplatteneinspielung. Im Jahre 1968 errang sie den ersten Preis beim japanischen Jugendwettbewerb in Yokohama.
 
Sie studierte Klavier Konzertfach in der Klasse von Motonari IGUCHI und Kammermusik bei Hideo SAITO (dem Lehrer des Dirigenten Seiji OZAWA) an der von diesen beiden Professoren gegründeten Toho Musikhochschule in Tokio. 1973 Meisterkurs in Kammermusik bei Lorin MAAZEL. 1976 Studienabschluß mit Auszeichnung. Auf Empfehlung der Pianistin Mitsuko UCHIDA setzte sie ihre Studien ab 1976 an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Wien bei den Professoren Heinz MEDJIMOREC, Hans GRAF, Bruno SEIDLHOFER und Alexander JENNER fort und erwarb ihr Wiener Kozertdiplom 1979 ebenfalls mit Auszeichnung. Svjatoslav Richter, bei dem sie 1988 Privatunterricht nahm, erkannte und schätzte ihr außergewöhnliches Talent. Seit 1979 unterrichtet sie selber, so z.B. in St. Pölten (Österreich, 1979-85), am Konservatorium Ataulfo Argenta in Santander (Spanien, 1985). Als Pianistin und Pädagogin an der Hochschule (ab 1998 Universität) für Musik und Darstellende Kunst in Wien begleitet und fördert Nanako POHL die künstlerische Entwicklung vieler außergewöhnlicher junger Musiker. Sie unterrichtet(e) seit 1987 an der Abteilung für Streichinstrumente der Hochschule (Universität) für Musik und Darstellende Kunst in Wien bei den Professoren Siegfried FÜHRLINGER (Viola), Wolfgang KLOS (Viola), Josef NIEDERHAMMER (Kontrabaß), Hans Peter OCHSENHOFER (Viola), Gerhard SCHULZ (Violine), Dora SCHWARZBERG (Violine), Ludwig STREICHER (Kontrabaß) und Ilse WINCOR (Viola).
 
Als vielseitige und ausdrucksstarke Solistin gab und gibt Nanako POHL zahlreiche Klavierabende in aller Welt, vor allem in Österreich (z.B. Brahms-, Mozart- und Schubertsaal in Wien), aber auch in Ägypten, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Japan (z.B. Bunka Kaikan und Suntory Hall in Tokio), Rumänien, Spanien, Türkei und der ehemaligen USSR. Seit ihrem Orchesterdebut im Jahre 1982 reüssierte sie als Solistin mit wichtigen Orchestern in Japan (Nagoya Philharmoniker, Sapporo Philharmoniker, Yomiuri Symphonie Orchester). Sie begeisterte Publikum und Kritiker ihrer Heimat mit zwei großen Solo-Recitals in Tokio (1983, 1994). Auch im Rahmen vieler Musikfestspiele trat sie weltweit als Solistin auf (z.B. Saavonlinna International Music Festival, Finnland 1982; Konstanza Sommer-Musik-Festival, Rumänien 1984; Niederösterreichische Festwochen 1982-84; Kusatsu International Music Festival, Japan 2001 u.v.a). Mehrere Rundfunk- und Fernsehaufnahmen in Österreich ("Meister von Morgen"), Japan (NHK, TBS) und der ehemaligen USSR, mehrere CD-Aufnahmen und mehrere erfolgreiche Auftritte als Moderatorin im japanischen Fernsehen bzw. bei verschiedenen "Talk-Konzerten" runden ihre Tätigkeit ab. Im Juli 2002 hatte sie die große Ehre, in Wien vor dem japanischen Kaiserpaar zu spielen. In den letzten Jahren bildet Kammermusik mit Mitgliedern der bedeutendsten Orchester (Wiener Philharmoniker, Berliner Philharmoniker, Wiener Symphoniker, Österreichisches Rundfunkorchester) einen wesentlichen Schwerpunkt der künstlerischen Tätigkeit von Nanako POHL. Als Pianistin hat Nanako Pohl mit vielen Musikern von Weltruf gespielt, so z.B. mit Valentin Berlinsky (Borodin Quartett), Jōji Hattori, Wolfgang KLOS, Takeshi KOBAYASHI, Avo KOUYOUMDJIAN, Charlotte LEITNER, Takao OKAMURA, Dora SCHWARZBERG, Nabil SHEHATA, Anton SOROKOW und besonders mit Wiener Philharmonikern: Dieter FLURY, Christian FROHN, Martin GABRIEL, Tibor KOVAC, Rainer KÜCHL, Ernst OTTENSAMER, Erich SCHAGERL u.a. Sie gab mehrere Konzerte mit Rainer KÜCHL, dem Ersten Konzertmeister der Wiener Philharmoniker, nahm eine CD (EMI) mit ihm auf und spielte mit ihm in einer japanischen TV-Sendung anläßlich der Jubiläen 170 Jahre Wiener Philharmoniker und 200 Jahre Wiener Gesellschaft der Musikfreunde (BS-TBS, 06.10.2012).
11/2014