MARKO DEISINGER


Der gebürtige Wiener (*1971) studierte Geschichte an der Universität Klagenfurt und Musikwissenschaft an der Universität Wien. 2004 promovierte er mit einer Arbeit über den Wiener Hofkapellmeister Giuseppe Tricarico (1623–1697) und absolvierte während seines Doktoratsstudiums den Lehrgang für Tonsatz nach Heinrich Schenker an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Nach dem Doktorat erhielt er zwei Forschungsstipendien des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur am Historischen Institut beim Österreichischen Kulturforum in Rom. Seine zwischen 2005 und 2007 in Italien durchgeführten Studien knüpften an die Dissertation an und leisteten einen Beitrag zur Erforschung der musikgeschichtlichen Beziehungen zwischen Italien und der Kaiserstadt Wien im Barock.

Von 2007 bis 2010 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter des von Univ.-Prof. Dr. Martin Eybl geleiteten Projekts „Heinrich Schenker, Tagebücher 1918–1925: kommentierte Edition” an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Daran anschließend folgte bis Ende 2013 seine Mitarbeit am Forschungsprojekt „Heinrich Schenker as Theorist, Teacher and Correspondent, 1925–1930”, das unter der Leitung von Prof. Dr. William Drabkin stand und seinen Sitz an der University of Southampton in England hatte. Von 2014 bis 2017 war Deisinger im Projekt „Heinrich Schenker, Tagebücher 1912–1914 und 1931–1935: kommentierte Edition” an der Wiener Musikuniversität involviert. Seit 2019 ist er dort Leiter des Projekts „Heinrich Schenker, Tagebücher 1915–1919: kommentierte Edition“.

Alle vier Projekte entstanden in Kooperation mit dem von Prof. em. Dr. Ian Bent koordinierten internationalen Editionsprojekt „Schenker Documents Online“ (SDO), im Rahmen dessen die von Deisinger transkribierten und kommentierten Tagebücher Schenkers 1912–1935 erscheinen (www.schenkerdocumentsonline.org).

Deisinger war von 2010 bis 2016 Lehrbeauftragter für Musikgeschichte an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und ist seit 2013 Dozent an den Wiener Volkshochschulen, wo er musikhistorische Vorträge hält und Kurse für Musiktheorie leitet. Eine rege wissenschaftliche Vortragstätigkeit führte ihn nach Salzburg, Innsbruck, Graz, Bozen, Middelburg, Rom, Gallipoli, London, Nashville und New York.


PUBLIKATIONEN ZU HEINRICH SCHENKER:

Projekt „Heinrich Schenker, Tagebücher 1918–1925: kommentierte Edition”. Projektbeschreibung und erste Ergebnisse, in: Joseph Joachim (1831–1907): Europäischer Bürger, Komponist, Virtuose, hrsg. von M. Calella und Ch. Glanz (= Anklaenge. Wiener Jahrbuch für Musikwissenschaft, 2008), S. 270–273.

Heinrich Schenker as Reflected in His Diaries of 1918. Living Conditions and World View in a Time of Political and Social Upheaval, in: Journal of Schenkerian Studies 4 (2010), S. 15–34.

Heinrich Schenker und die Tiroler Volksmusik. Beobachtungen des Wiener Musiktheoretikers während seiner Sommeraufenthalte in Tirol, in: Rudolf von Ficker (1886–1954). Tagungsband zum Symposium anlässlich seines 125. Geburtstages und des 85-jährigen Bestehens des Innsbrucker Institutes für Musikwissenschaft, hrsg. von L. Christensen, K. Drexel und M. Fink (Innsbruck 2012), S. 183–197.

The Photogram Archive, in: Heinrich Schenker: Selected Correspondence, hrsg. von I. Bent, D. Bretherton und W. Drabkin (Woodbridge 2014), S. 187–207.

Heinrich Schenker, Anthony van Hoboken und das „Archiv für Photogramme musikalischer Meisterhandschriften an der Musiksammlung der Nationalbibliothek Wien”, in: Wiener Geschichtsblätter 69/3 (2014), S. 241–265.

Rekreation und Inspiration. Heinrich Schenker auf Sommerfrische, in: Ganz oben. Geschichten über Galtür und die Welt, hrsg. von Alpinarium Galtür und S. Berndt (Galtür 2014), S. 100-103.

Heinrich Schenker and the Photogram Archive, in: Music Analysis 34/2 (2015), S. 221–243.



EDITIONEN

Heinrich Schenker, Tagebücher 1912 bis 1914 und Oktober 1917 bis 1935, in: Schenker Documents Online (2007-2018), www.schenkerdocumentsonline.org

Briefwechsel Heinrich Schenker mit Robert Haas, Julius Kromer und Anthony van Hoboken, in: Schenker Documents Online (2012), www.schenkerdocumentsonline.org



PUBLIKATIONEN ZU ANDEREN THEMEN

Giuseppe Tricarico – Ein Kapellmeister auf Reisen. Von Rom über Ferrara nach Wien, in: Römische Historische Mitteilungen 48 (2006), S. 359–394.

Eleonora II. und die Gründung ihrer Hofkapelle. Ein Beitrag zur Geschichte des kulturellen Lebens am Wiener Kaiserhof, in: Frühneuzeit-Info 18/1+2 (2007), S. 45–54.

Die Galerie Erzherzog Leopold Wilhelms und die Schatzkammer Kaiser Leopolds I. im Jahre 1659. Die Darstellungen eines italienischen Gesandten am Wiener Kaiserhof (kommentierte Edition), in: Jahrbuch des Kunsthistorischen Museums Wien 10 (Mainz 2008), S. 401–409.

Pompeo Sabbatini. Die Skandale um einen römischen Soprankastraten, in: Römische Historische Mitteilungen 51 (2009), S. 231–256.

Ein Leben zwischen Musik, höfischem Zeremoniell und Politik. Zur Biographie und Kompositionstechnik Giuseppe Tricaricos, in: Studien zur Musikwissenschaft 55 (2009), S. 7–52.

Tra Sollazzo e Morigeratezza. Studi sulla cultura delle feste alla residenza dei legati papali a Ferrara e presso la Corte imperiale di Vienna nel Seicento, in: Feste. Theophil Antonicek zum 70. Geburtstag, hrsg. von M. Eybl, St. Jena und A. Vejvar (= Studien zur Musikwissenschaft 56, 2010), S. 91–102.

Römische Oratorien am Hof der Habsburger in Wien in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Zur Einführung und Etablierung des Oratoriums in der kaiserlichen Residenz, in: Musicologica Austriaca 29 (2011), S. 89–114.

Il viaggio musicale di Giuseppe Tricarico da Gallipoli (1623–1697) fra Roma, Ferrara e la corte imperiale di Vienna I + II, in: Anxa 10/3-4 (März-April 2012), S. 21–23 und 10/5-6 (Mai-Juni 2012), S. 6f.

„Projekt Draghi: Italien-Österreich”. Wissenschaftlich begleitete Wiederaufführungen von Oratorien des Wiener Hofkomponisten Antonio Draghi (1634–1700), in: Singende Kirche. Zeitschrift für katholische Kirchenmusik 59/1 (Januar-März 2012), S. 31.

Antonio Tricarico – La carriera di un musicista gallipolino del XVII secolo, in: Anxa 11/1-2 (Januar-Februar 2013), S. 8–10.

Mäzenin und Künstlerin. Studien zu den Kunstbestrebungen der Kaiserin Eleonora II. am Wiener Hof (1651–1686), in: Acta Musicologica 85/1 (2013), S. 43–73.

Giuseppe Tricarico als Kapellmeister und Komponist sakraler Musik am Hof der Habsburger in Wien 1657–1662. Sepolcri, Kirchenmusik und Aufführungen von Oratorien im Auftrag der Kaiserin Eleonora II., in: Sakralmusik im Habsburgerreich 1570–1770, hrsg. von T. Erhardt (= Veröffentlichungen der Kommission für Musikforschung 29, 2013), S. 169–190.

Auf den Spuren des Violinisten Antonio Tricarico: Gallipoli – Rom – Ferrara – Wien, in: Wolfenbütteler Barock-Nachrichten 40/2 (2013), S. 167–177.

Wiener Aufführungen von Oratorien aus Ober- und dem nördlichen Mittelitalien 1665–1705. Zur höfischen Oratorienpflege unter den Habsburgern Eleonora II. und Leopold I., in: Musicologica Brunensia 49/1 (2014), S. 43–60.

Antonio Caldara, Vorresti il sò. Arie des Teodosio aus der Oper „L’Atenaide”, in: zweisprachiges Hardcover-Digibook zur CD „Favola in musica. Alte neue Musik” von Maria Weiss, Milleseicentosette und Wolfgang Mitterer (1607 Records, 2014), S. 74f und 184f.

Begehren, Körper und Sex jenseits der Norm. Zur Geschlechtlichkeit der Gesangskastraten in der Frühen Neuzeit, in: Musik, Gender, Differenz: Intersektionale Perspektiven auf musikkulturelle Felder und Aktivitäten, hrsg. von R. Reitsamer und K. Liebsch (= Forum Frauen- und Geschlechterforschung 44, Münster 2015), S. 132–149.

Pederzuoli (Pederzolo, Petrazoli, Petricciolius), Giovanni Battista, in: Dizionario Biografico degli Italiani 82, online (Rom 2015).

Poglietti (Poglieti, Polietti, Pollietti, Boglietti), Alessandro (Alexander de), in: Dizionario Biografico degli Italiani 84, online (Rom 2015).

Musikalisches Wetteifern im Laufe der Geschichte, in: Online-Magazin des Music Information Center Austria - mica (10. 12. 2015).

Willfort, Manfred, in: Oesterreichisches Musiklexikon, online (2016).

Rezension: Hellmut Federhofer. Theorie als Brücke zur Praxis: Gesammelte musiktheoretische Aufsätze. Edited by Josef Karner. Hildesheim: Olms Verlag, 2013. ISBN 9783487150116. 474 + xiii pp., in: Music Theory and Analysis. International Journal of the Dutch-Flemish Society for Music Theory 3/1 (2016), S. 86–93.

Rezension: Andrea Sommer-Mathis/Daniela Franke/Rudi Risatti (Hg.): Spettacolo barocco! Triumph des Theaters, Petersberg: Michael Imhof Verlag 2016, 344 S., 414 Farbabb., ISBN: 978-3-7319-0347-5, in: Frühneuzeit-Info 27 (2016), S. 202–204.

Rezension: Spettacolo barocco! Triumph des Theaters. Bericht zur Ausstellung im Österreichischen Theatermuseum vom 3. März 2016 bis 30. Januar 2017, in: Frühneuzeit-Info 27 (2016), S. 218-220. (zusammen mit Sabrina-Victoria Deisinger)

The Music Chapel of Empress Eleonora II. Source-related Difficulties in Researching the History of an Italiandominated Institution in Vienna (1657-1686), in: Athens Journal of Humanities and Arts 3/3 (2016), S. 171–180.

Weltliches Vergnügen, die Jesuiten und ein spektakulärer Unfall im Theatersaal. Andrea D’Orsos Commedia dell’arte-Truppe am Wiener Kaiserhof 1660, in: Frühneuzeit-Info 27 (2016), S. 18–34.

Rezension: Jana Perutková: Der glorreiche Nahmen Adami. Johann Adam Graf von Questenberg (1678-1752) als Förderer der italienischen Oper in Mähren (= Specula Spectacula 4), Wien: Hollitzer Verlag, 2015, 784 S., ISBN 978-3-99012-199-3, in: Frühneuzeit-Info, Weblog des Instituts für die Erforschung der Frühen Neuzeit (Mai 2017) und Frühneuzeit-Info 28 (2017), S. 229–231.

Soziale und ökonomische Strategien einer privilegierten Migrantengruppe. Italienische Musiker am Habsburgerhof in Wien zur Zeit des Barock, in: Musik und Migration, hrsg. von W. Gratzer und N. Grosch (= Musik und Migration 1, Münster, London, New York 2018), S. 189–196.

Johann Jacob Frobergers Karriere als Organist Kaiser Ferdinands III. im Lichte neuer Quellen, in: „Avec discrétion“. Rethinking Froberger, hrsg. von A. Vejvar und M. Grassl (Wien, Köln, Weimar 2018), S. 149–162.

„Amor docet musicam“. Neue Funde und Spuren zu Sautter und Froberger, in: „Avec discrétion“. Rethinking Froberger, hrsg. von A. Vejvar und M. Grassl (Wien, Köln, Weimar 2018), S. 171–186. (zusammen mit Andreas Vevjar)

Musikbezogene Quellen aus der Korrespondenz zwischen Rom und dem Wiener Kaiserhof. Neues zu Antimo Liberati, Alessandro Stradella und anderen italienischen Musikern und Musikerinnen des Barock, in: Musicologica Brunensia 53, Supplementum (2018), S. 19–34.


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