AKTUELLE FORSCHUNGSBEREICHE


Resultierend aus den Interessen der dem MMRC verbundenen Forscher_innen, als Reaktion auf politische Realitäten und aufgrund der Expertise, die im Laufe der Jahre bei mdw entwickelt wurde, zeichnen sich derzeit mehrere Forschungsbereiche ab:
 


Geflüchtete Menschen

Manchmal werden Themen durch politische Entwicklungen bestimmt, und dann ist es die Aufgabe der Wissenschaft, darauf entsprechend zu reagieren. In der Ethnomusikologie bedeutet dies, sich mit genau den Personengruppen zu befassen, die von bestimmten politischen Bewegungen als unerwünscht dargestellt werden. Die Ergebnisse der Feldforschung liefern wesentliche Informationen, die im öffentlichen Diskurs eine Rolle spielen können. Migration und erzwungene Migration sind heutzutage zentrale Themen in der Ethnomusikologie. In aktuellen Fachdiskursen wird sogar angeregt, aufgrund gesellschaftspolitischer Umstände weltweit die Disziplin als eine „Ethnomusikologie der Migration“ (im Gegensatz zur früheren Auffassung als „Ethnomusikologie der Nation“) zu verstehen.


Die musikalische Vielfalt Wiens (städtischer Raum)

Das MMRC hat seinen Sitz in Wien, und es gibt mehrere Gründe, sich mit dem, was wir „vor der Haustüre“ vorfinden, zu befassen. Zum einen kann die die Forschung zur migrantischen Musikszene in Wien, die am Institut für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie eine lange Tradition hat, als Ausgangspunkt dienen. Zweitens ist das Aufkommen des Forschungsbereiches Urban Ethnomusicology (1970er Jahre) eng mit Minderheitenforschung verknüpft, da städtische Zentren immer von Migration geprägt sind. Drittens zieht Wien, das weithin als „Stadt der Musik“ bezeichnet wird, seit langem Musiker_innen aus allen Teilen der Welt an und dient somit als Ort musikalischer Begegnungen. Forschungsprojekte zu lokalen Szenen haben zudem den Vorteil, dass sie die Möglichkeit bieten, mit lokalen NGOs zusammenzuarbeiten. Das Zentrum wird die urbanen Soundscapes Wiens in ihren verschiedenen Erscheinungsformen näher beleuchten.


Roma

Ursula Hemeteks 30-jährige Forschung zu Roma-Musik wird als Ausgangspunkt dienen, um Roma als eine weltweite Minderheit (ohne ein „Herkunftsland“, das als Schutzmacht dient) näher zu betrachten. Das Volk der Roma ist weltweit verschiedenen Formen der Diskriminierung ausgesetzt, und in Europa wurde und wird Roma die Rolle des personifizierten "Anderen" zugewiesen. Außerdem wird den Roma stereotyp Musikalität zugeschrieben. Diese Faktoren führen zu Vergleichsmöglichkeiten, die kaum bei anderen Minderheitengruppen vorhanden sind.


Theoretischer Hintergrund: Vergleichende Studie zu Minderheitenkonzepten und Terminologie

Die Verwendung eines Begriffes wie Minderheit ist stark von lokalen Diskursen und politischen Systemen beeinflusst. Im internationalen Kontext führt dies zu intensiven Diskussionen. Diese werden seit langem in der ICTM Study Group on Music and Minorities geführt, was im Laufe der Jahre zu mehreren Änderungen in der Definition von Minderheiten führte. Es wäre sinnvoll, eine internationale Vergleichsstudie zu Minderheitenkonzepten in der Ethnomusikologie durchzuführen, um zum theoretischen Hintergrund der Music and Minority Studies beizutragen. An der geplanten Studie sollen Expert_innen aus verschiedenen Teilen der Welt teilnehmen.