Inklusions- und Heilpädagogik, Diversität

 

Zur Geschichte:

In der Ausbildung zur Rhythmiklehrerin / zum Rhythmiklehrer hat die Arbeit mit Menschen mit Behinderung schon seit den 1920er Jahren Beachtung gefunden. Die Veränderung des Bildungswesens sowie der Paradigmenwechsel der sonderpädagogischen Arbeit in den 1960er Jahren führte 1972/73 an der damaligen Hochschule für Musik und darstellenden Kunst Wien im Rahmen des Rhythmik-Studiums zur Einführung von Lehrveranstaltungen "Rhythmik in der Sonderpädagogik". Nach der Umwandlung der Kunsthochschulen in Universitäten 2002 wird in der Studienrichtung Musik- und Bewegungspädagogik/Rhythmik an der mdw dieser Bereich sowohl im Bachelorstudium als auch im Masterstudium verankert. Er erfährt gleichzeitig eine Erweiterung und Umbenennung in "Inklusions- und Heilpädagogik".

Das Leben des Einzelnen ist immer das Leben der Gemeinschaft:

Diese Beziehung zwischen Individuum und Gruppe in künstlerisch-pädagogischen Gestaltungsprozessen wird in der Ausbildung Musik- und Bewegungspädagogik/Rhythmik seit Anbeginn in vielfacher wechselwirksamer Weise im Studium gelebt und in Lehre und Unterrichtspraxis vermittelt – immer auch schon mit und für Menschen mit Behinderung.

RhythmikMB eignet sich durch ihre Offenheit in den co-kreativen Prozessen in besonderem Maße dazu, inklusive Pädagogik zu realisieren, weil sie die individuellen Potenziale wahrnimmt, die jeder Mensch in ganz unterschiedlicher Weise zur Verfügung hat, und weil sie diese in den Gestaltungsprozessen als Entwicklungsimpulse wertschätzt. Dadurch werden sowohl die möglichen Gemeinsamkeiten als auch die Unterschiede in ihrer Vielfalt als Bereicherung wirksam. Die Reichhaltigkeit der künstlerisch-pädagogischen Prozesse mittels Musik, Bewegung, Sprache und Materialien schafft eine flexible Binnendifferenzierung der Angebote und erreicht so die Bedürfnisse der handelnden Personen. Dieser Zugang lässt Lernsituationen in fähigkeits–, alters– und kulturgemischten Gruppen mit unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten zu.

Die Studierenden erhalten generell im Bachelorstudium und gezielt im Schwerpunkt `Rhythmik in der Inklusions- und Heilpädagogik` sowie auch im Masterstudium durch spezifisch wählbare Module theoretische und praktisch-didaktische Ausbildung für die Arbeit mit Menschen mit Behinderung in differenzierten und inklusiven Settings der unterschiedlichen Lern– und Lebensbereiche.

Inklusion ist ein gesellschaftlicher Prozess, der niemanden ausgrenzt oder diskriminiert, allen gleiche Rechte zuspricht und jedem Mensch die Chance ermöglichen soll, die eigenen Potenziale in höchstmöglicher Weise in der Gemeinschaft zu entfalten.

Diesem Anspruch wird RhythmikMB auch dahingehend gerecht, als es die Veränderungen der künstlerisch-pädagogischen Anforderungen von Menschen mit Behinderung sowohl im gesellschaftlichen Kontext bewusst aufnimmt, als auch in den Curricula des Studiums weiterentwickelt und die Studierenden auf inklusive Lernsituationen in ihrer Berufspraxis vorbereitet.

Damit erfüllt RhythmikMB explizit die ethischen und fachlichen Vorgaben der 2008 von Österreich ratifizierten UN-Behindertenrechtskonvention (BGBl. III Nr. 155/2008), wie beispielsweise:

 

  • Art. 24 (1) b: „Menschen mit Behinderungen ihre Persönlichkeit, ihre Begabungen und ihre Kreativität sowie ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten voll zur Entfaltung bringen zu lassen“;
  • Art. 24 (4): „Die Vertragsstaaten treffen geeignete Vorkehrungen zur Schulung von Fachkräften sowie Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen auf allen Ebenen des Bildungswesens. Diese Schulung schließt die Schärfung des Bewusstseins für Behinderungen und die Verwendung geeigneter ergänzender und alternativer Formen, Mittel und Formate der Kommunikation sowie pädagogische Verfahren und Materialien zur Unterstützung von Menschen mit Behinderungen ein“;
  • Art. 30 (2): „Die Vertragsstaaten treffen geeignete Maßnahmen, um Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, ihr kreatives, künstlerisches und intellektuelles Potential zu entfalten und zu nutzen, nicht nur für sich selbst, sondern auch zur Bereicherung der Gesellschaft.“