Die Vögel - Auf nach Retrotopia

nach Aristophanes 
in einer Bearbeitung von Hans-Christian Hasselmann mit Texten von Gerhild Steinbuch
Deutsch von Ludwig Seeger
Vor-Diplominszenierung
 

Pisthetairos Elias Krischke
Euelpides Laura Laufenberg
Vögel, Menschen, Götter Moritz Ilmer
  Aaron Röll
  Nina Lilith Völsch
  Anton Widauer
  Wiebke Yervis
   
Regie Hans-Christian Hasselmann
Bühnenbild Dominik Freynschlag
Kostüme Stefan Neuhold
Licht Gerhard Fischer
Choreografie Lisa Marielle Neuner
Sounddesign Bernhard Eder
Regieassistenz Miriam Neumann
Inspizienz Dávid Paška


Termine
Do 17. Jänner 2019 | Premiere
Fr 18. | Sa 19. | Mo 21. Jänner 2019
Beginn: jew. 19.30 Uhr

Aufführungsort
Alte Studiobühne im Max Reinhardt Seminar
Penzinger Straße 9 | 1140 Wien

Karten
Bestellung per E-Mail
oder Tel: 01 - 711 55 - 2802
Eintritt: freie Spende

Bild: Fajas P. Domingo


Wenn dir dein Staat nicht passt, dann gründe deinen eigenen! Weltweit gibt es zahlreiche selbsternannte Mikronationen. In ihren Auswüchsen verschieden, vereint sie alle der sehnsuchtsvolle Wunsch nach einer besseren Welt. In Die Vögel von Aristophanes folgen wir zwei gegenwartsmüden Athenern auf ihrer Suche nach dem idealen Staat, der sich weder menschlichen noch göttlichen Prinzipien unterwerfen soll. Im Zwischenreich der Vögel kann vorstellbar werden, was auf Erden unmöglich ist.

Als Die Vögel 414 v. Chr. uraufgeführt wurde, stand die griechische Demokratie vor einer Zerreißprobe, es herrschte gesellschaftliche Anspannung und Uneinigkeit. Der Fantasiereichtum und Parabelcharakter machen das Stück zur vollendetsten Komödie des Aristophanes und sie drängt sich mit ihren Fragen nach Massenverführung und Machtübernahme sowie Utopie und Umsturz gerade in unserer Zeit von neuem auf.
 
Die Zahl der Touristen, die das fremde Land der Zukunft erkunden wollen, ist rapide gesunken.

Weit verbreitet scheint heute der Eindruck, die eigene Gegenwart sei unfassbar und ein eingreifendes Handeln unmöglich geworden. Die Bedeutung von Zukunft hat sich fundamental verschoben: Statt als gesellschaftliche Projektionsfläche von Wünschen und Hoffnungen zu dienen, hat sie sich in ein Sammelbecken von Ängsten verwandelt. Wohin also entfliehen? „Make America great again“, lautet der Leitspruch des amtierenden US-Präsidenten. Nicht mehr „vorwärts“ soll es gehen, wie Barack Obama noch im Wahlkampf von 2012 versprochen hatte, sondern zurück zu alter Größe. So werden wir zunehmend von Gespenstern einer untoten Vergangenheit heimgesucht, die uns dazu verführen, ein nostalgisch verklärtes Vorgestern auf ein mögliches Morgen zu projizieren.

Der eigens für die Neu-Aufführung geschriebene Vogelchor von Gerhild Steinbuch nimmt eine sprachliche Befragung des alten Textes vor, um ihn im politischen Heute zu spiegeln.

Gerhild Steinbuch schreibt Theatertexte, Hörspiele, Essays, arbeitet als freie Dramaturgin und als Übersetzerin aus dem Englischen. Ihre Stücke werden vom Rowohlt Theater Verlag vertreten. Sie ist Gründungsmitglied von Nazis & Goldmund, einer AutorInneninitiative gegen die europäische Rechte, sowie des Autorinnenkollektivs „Institut für chauvinistische Weiterbildung“.