{"id":9838,"date":"2024-02-27T11:39:14","date_gmt":"2024-02-27T10:39:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=9838"},"modified":"2024-02-27T11:40:42","modified_gmt":"2024-02-27T10:40:42","slug":"amenca-ketane","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/02\/27\/amenca-ketane\/","title":{"rendered":"Amenca ketane"},"content":{"rendered":"\u201eAmenca ketane\u201c ist ein Leitspruch der Romabewegung in \u00d6sterreich und hei\u00dft \u201egemeinsam, zusammen\u201c. Die <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/musicandminorities\/lecture-2023\/\">MMRC Lecture<\/a> am 16. November 2023 im Joseph Haydn-Saal der mdw verwendete diese Worte in Romanes als Motto f\u00fcr die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Traumata dieses Volkes und der \u00dcberwindung derselben mit den Mitteln der Musik: <i>amenca ketane. Histories of Trauma, Music and Romani Empowerment<\/i>.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9841\" aria-describedby=\"caption-attachment-9841\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9841 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-19-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-19-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-19-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-19-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-19-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-19-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-19-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9841\" class=\"wp-caption-text\">Duo Mindj Panter (Sandra &amp; Simonida Selimovi\u0107), \u00a9 Hanna Fasching<\/figcaption><\/figure>\n<p>Urspr\u00fcnglich ist amenca ketane der Anfang eines Liedes, das die KZ-\u00dcberlebende Ceija Stojka 1990 in der \u00d6ffentlichkeit bekannt gemacht hat: Amenca ketane sam zurale \u2013 gemeinsam, zusammen sind wir stark. Ceija Stojka war eine Pionierin der Romabewegung in \u00d6sterreich, ihr Buch <i>Wir leben im Verborgenen<\/i> (1988) war die erste Ver\u00f6ffentlichung einer Romni, die ihr KZ-Trauma schreibend aufarbeitete. Ab diesem Zeitpunkt traten die Roma\/Romnja heraus aus dem \u201eVerborgenen\u201c, 1989 wurde der erste Romaverein in Oberwart ger\u00fcndet, 1991 folgten zwei Wiener Vereine. Ein gemeinsames politisches Ziel war die Anerkennung der Roma\/Romnja als sechste \u00d6sterreichische Volksgruppe, ein Ziel das nur gemeinsam zu erreichen war. Ein Gro\u00dfteil der \u00f6sterreichischen Roma\/Romnja starb in den Vernichtungslagern der Nazis. Nach dem Krieg wurde ihnen Wiedergutmachung verweigert und erst 1988 wurden die Romalager Lackenbach und Wals als Konzentrationslager anerkannt. In der \u00f6sterreichischen Gesellschaft war au\u00dfer negativen Vorurteilen kaum etwas \u00fcber Roma\/Romnja bekannt. Historiker_innen wie Selma Steinmetz und Erika Thurner hatten begonnen, die KZ-Geschichte der Roma\/Romnja aufzuarbeiten, die Sprachwissenschaft begann sich in den fr\u00fchen 1990er-Jahren intensiv mit den verschiedenen in \u00d6sterreich gesprochenen Romanes-Varianten zu besch\u00e4ftigen (Mozes Heinschink, Dieter Halwachs) und die Ethnomusikologie leistete ihren Beitrag in der Erforschung und Ver\u00f6ffentlichung der vielf\u00e4ltigen musikalischen Ausdrucksformen von Roma\/Romnja in \u00d6sterreich (Christiane Fennesz-Juhasz, Ursula Hemetek). Dies waren notwendige Voraussetzungen f\u00fcr die Anerkennung als Volksgruppe. Diese ist in \u00d6sterreich mit bestimmten kollektiven Rechten verkn\u00fcpft, u.\u2009a. Unterricht in der Muttersprache, die Einrichtung eines Beirates im Bundeskanzleramt und der Anspruch auf finanzielle F\u00f6rderung. Das Ziel wurde am 16.\u00a0Dezember 1993 erreicht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9946\" aria-describedby=\"caption-attachment-9946\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9946 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/abb-1-MDW_amenca-ketane_075_c_hannafasching-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/abb-1-MDW_amenca-ketane_075_c_hannafasching-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/abb-1-MDW_amenca-ketane_075_c_hannafasching-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/abb-1-MDW_amenca-ketane_075_c_hannafasching-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/abb-1-MDW_amenca-ketane_075_c_hannafasching-850x567.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/abb-1-MDW_amenca-ketane_075_c_hannafasching.jpg 1350w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9946\" class=\"wp-caption-text\">Ursula Hemetek, Mirjam Karoly &amp; Ioanida Costache \u00a9 Hanna Fasching<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Music and Minorities Research Center (MMRC) an der mdw greift immer wieder gesellschaftspolitisch relevante Themen auf, in Forschungsprojekten, aber auch in Veranstaltungen, wie z.\u2009B. der seit 2019 j\u00e4hrlich stattfindenden MMRC Lecture. Die diesj\u00e4hrige MMRC Lecture nahm das 30-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um der Anerkennung der Roma\/Romnja zum Anlass, sich mit dem Thema Roma und Musik auseinanderzusetzen. Der Fokus lag auf den immerw\u00e4hrenden K\u00e4mpfen dieses Volkes und dem Umgang mit Traumata, ausgel\u00f6st durch eine lange Geschichte der Diskriminierung und des V\u00f6lkermords. Dass Musik als Mittel des Erinnerns und Heilens, aber auch des kollektiven Empowerments eine Rolle spielen kann, wurde sowohl in den Vortr\u00e4gen als auch im musikalischen Beitrag thematisiert. Die Protagonistinnen des Abends waren ausschlie\u00dflich Romnja, aus verschiedenen Teilen der Welt. Die Keynote <i>Sound, Race, and Romani Subjectivity<\/i> kam von der Ethnomusikologin Ioanida Costache (Standford University), die in den USA geboren ist, ihre Eltern stammen aus Rum\u00e4nien, was auch ihre bevorzugte Forschungsregion ist. Anhand von Beispielen rum\u00e4nischer Romamusik betrachtete sie die Rolle der musikalischen Performance bei der Schaffung intimer R\u00e4ume, in denen Prozesse der Zugeh\u00f6rigkeit, Heilung und Selbstbildung stattfinden k\u00f6nnen. Die beeindruckenden musikalischen Beispiele aus Feldforschungen wurden \u00fcberzeugend theoretisch eingebettet. F\u00fcr die Response mit dem Titel <i>The fight for justice and recognition of the Roma Holocaust<\/i> wurde Mirjam Karoly (Romano Centro) gewonnen, eine \u00f6sterreichische Politikwissenschaftlerin, die auch eine langj\u00e4hrige Roma-Aktivistin ist. Entlang historischer Entwicklungen und anhand von Beispielen aus Deutschland und \u00d6sterreich sprach sie \u00fcber die Bedeutung der K\u00e4mpfe um die Anerkennung des Roma-Holocaust f\u00fcr die Roma-B\u00fcrgerrechtsbewegung.<\/p>\n<p>Die k\u00fcnstlerische Performance kam diesmal vom Wiener Romnja-Rap-Duo Mindj Panter. Simonida und Sandra Selimovi\u0107 stammen aus Serbien, leben in Wien und performen meist in einem Sprachenmix (Romanes, Deutsch, Serbisch, Englisch). Ihre musikalische Botschaft ist feministisch, anti-rassistisch, widerst\u00e4ndisch und steht f\u00fcr Roma\/Romnja-Empowerment. Ihr Auftritt im Joseph Haydn-Saal war ungew\u00f6hnlich, denn das Ambiente ist nicht unbedingt f\u00fcr diese Art von Musik gemacht. Aber sie haben den Saal, als einen Ort, der f\u00fcr \u201eHochkultur\u201c, klassische Musik und Establishment steht, f\u00fcr sich \u201eerobert\u201c und das Publikum begeistert. Musikalische Orte und Institutionen wie die mdw haben eine starke Symbolkraft, und gerade deshalb ist es wichtig, sie f\u00fcr Minderheiten zu \u00f6ffnen. \u201eAmenca ketane\u201c als Botschaft dieses Abends wurde im Zusammenwirken von Romnja aus verschiedenen Teilen der Welt, mit den Mitteln von Wissenschaft und Kunst eindrucksvoll pr\u00e4sentiert. Ver\u00e4nderung ist m\u00f6glich, die Wirkungsmacht der Musik, sei es in der Performance selbst oder in ihrer wissenschaftlichen Kontextualisierung ist ein wesentliches Werkzeug auf dem Weg zur Beseitigung von Ungleichheit und zur Schaffung einer minderheitengerechten Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die MMRC Lecture kann in der <a href=\"https:\/\/mdw.vhx.tv\/videos\/mmrc-lecture-2023\">mdwMediathek<\/a> nachgesehen werden.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAmenca ketane\u201c ist ein Leitspruch der Romabewegung in \u00d6sterreich und hei\u00dft \u201egemeinsam, zusammen\u201c. Die MMRC Lecture am 16. November 2023 im Joseph Haydn-Saal der mdw verwendete diese Worte in Romanes als Motto f\u00fcr die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Traumata dieses Volkes und der \u00dcberwindung derselben mit den Mitteln der Musik:  amenca ketane. 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