{"id":9797,"date":"2024-02-27T13:36:13","date_gmt":"2024-02-27T12:36:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=9797"},"modified":"2024-02-27T13:38:05","modified_gmt":"2024-02-27T12:38:05","slug":"20bruckner24-ein-fest-fuer-den-unzeitgemaessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/02\/27\/20bruckner24-ein-fest-fuer-den-unzeitgemaessen\/","title":{"rendered":"20BRUCKNER24: Ein Fest f\u00fcr den Unzeitgem\u00e4\u00dfen"},"content":{"rendered":"\u201eDass es Bruckner gegeben hat, ist f\u00fcr mich das gr\u00f6\u00dfte Geschenk Gottes.\u201c<br \/>\nSergiu Celibidache<\/p>\n<p><i>Biographie eines Unzeitgem\u00e4\u00dfen<\/i> \u2013 so betitelte Wolfgang Johannes Bekh sein erhellendes Brucknerbuch von 2001 sehr trefflich. Das Unzeitgem\u00e4\u00dfe, die unverr\u00fcckbare Konstante im Zuge ernsthafter Auseinandersetzung, die ein hochkomplexes Lebens- und Schaffensgeb\u00e4ude zu erschlie\u00dfen sucht und sich nicht mit vergn\u00fcglichen Spazierg\u00e4ngen durch anekdotisch heitere Vorh\u00f6fe begn\u00fcgt \u2013 sie steht als Herausforderung und verst\u00f6rendes Fragezeichen am Beginn jeder profunden Ann\u00e4herung an Bruckner und rei\u00dft eine Kluft der Aporie in den Weg der Erkenntnis, die \u2013 auf vermeintlich bequemer, schnurgerader Bahn angepeilt \u2013 gerade bei diesem unergr\u00fcndlichen Protagonisten weitgehend sich versagt oder doch kaum ergiebige Konturen zu gewinnen scheint; vielmehr m\u00fcssen in geduldiger, sukzessiver \u201eSternwanderung\u201c von mehreren musikhistorischen, zeitperspektivischen und psychografischen Standorten her auf teils verschlungenen Pfaden Zug\u00e4nge versucht werden, die erst in Summe zu einem tieferen Verst\u00e4ndnis des K\u00fcnstlers und Menschen Anton Bruckner heranf\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9800\" aria-describedby=\"caption-attachment-9800\" style=\"width: 723px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9800 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-12-723x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"723\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-12-723x1024.jpg 723w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-12-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-12-768x1088.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-12-1084x1536.jpg 1084w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-12-1446x2048.jpg 1446w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-12-850x1204.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-12.jpg 1506w\" sizes=\"auto, (max-width: 723px) 100vw, 723px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9800\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Otto B\u00f6hler<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zu den vielen Gro\u00dfereignissen des Brucknerjahres gesellt sich \u2013 in gebotener Bescheidenheit und doch selbstbewusst \u2013 eine Veranstaltungsreihe des <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/abi\/\">Anton Bruckner Instituts f\u00fcr Chor- und Ensembleleitung sowie Tonsatz in der Musikp\u00e4dagogik<\/a> in Zusammenarbeit mit mehreren anderen Instituten der mdw. Wie sieht diese hauseigene \u201eSternwanderung\u201c zu Bruckner aus? Da ist zun\u00e4chst eine wissenschaftliche Vortragsreihe zu nennen, die den Versuch unternimmt, Bruckner als K\u00fcnstler, Lehrer, Mensch und Pers\u00f6nlichkeit von unterschiedlichen Perspektiven her anzustrahlen und auszuleuchten. Die Besonderheiten seiner Tonsprache, sein Wirken als Musikp\u00e4dagoge, seine Beziehung zu Wagner, sein Werk und dessen Rezeption im Hinblick auf politische Entwicklungen des sp\u00e4ten 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhunderts: All dies und mehr soll thematisiert, referiert und kritisch reflektiert werden. Eine Diskussion zweier renommierter Bruckner-Dirigenten wird dem Abenteuer der Interpretation ebenso wie dem Problem der Fassungen auf den Grund gehen. Mehrere Konzertveranstaltungen wollen Bruckners kompositorisches Werk au\u00dferhalb der omnipr\u00e4senten Sinfonik in Auswahl vorstellen und dazu einladen, auch den Chor-, Kammermusik-, Klavier- und Liedkomponisten, ja selbst den Blasmusikkomponisten Anton Bruckner n\u00e4her zu erkunden. Aber auch zur Begegnung mit der Sinfonik (in kammermusikalischer Reduktion) sowie zur Konfrontation Bruckner\u2019scher Motetten mit zeitgen\u00f6ssischer Chormusik wird Gelegenheit bestehen.<\/p>\n<p>Ein spezieller \u201eBruckner-Tag\u201c im Juni wird Vortr\u00e4ge, Themenspazierg\u00e4nge und Freiluftkl\u00e4nge mit Konzert- und Ausstellungsformaten verbinden. Im Herbst wird schlie\u00dflich in der Hofburgkapelle im Rahmen einer Feierstunde der 200. Geburtstag Anton Bruckners festlich begangen werden. Bruckners universit\u00e4re Antrittsrede von 1876, von Cornelius Obonya im Originalwortlaut vorgetragen, wird den Mittelpunkt einer musikalisch exquisit umrahmten Matinee bilden, die dem sch\u00f6pferischen Verm\u00e4chtnis des Jubilars in orts- und programmw\u00fcrdigem Gedenken begegnen will.<\/p>\n<p>In seiner Schrift <i>Vom Geist der Utopie<\/i> lieferte Ernst Bloch vor hundert Jahren ein sympathisches Pl\u00e4doyer f\u00fcr den einsamen Ober\u00f6sterreicher:<\/p>\n<p>\u201eEndlich ist mit Bruckner wieder Gesang in die Welt gekommen, ein gutes Gewissen dazu. Von Wagner hat er gelernt, aber das \u00fcberhitzte Wesen, die \u201ablutige\u2018 Partitur ist verschwunden. Es erscheint t\u00e4tige Beweglichkeit und sich in sich wandelnde Ausstrahlung geistiger Art, geistiger Wesenheiten, schwingende Ruhe, wenn von Bruckner auch mehr noch aus dem \u201akosmischen\u2018 denn aus dem \u201aintelligiblen\u2018 Reich gesch\u00f6pft. Doch ist er so sorgsam als er wechselreich und tief ist. Was wir an ihm lieben, das ist seine W\u00e4rme, Wohligkeit und die ganze verloren gewesene Freude am Unterwegs.\u201c<span id='easy-footnote-1-9797' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/02\/27\/20bruckner24-ein-fest-fuer-den-unzeitgemaessen\/#easy-footnote-bottom-1-9797' title='Ernst Bloch, Vom Geist der Utopie, Frankfurt am Main, 1923, TB-Ausgabe 1985, S. 93'><sup>1<\/sup><\/a><\/span>\n<p>Die wissenschaftlichen und k\u00fcnstlerischen Veranstaltungen des Anton Bruckner Instituts laden alle Interessierten und Empf\u00e4nglichen durch zehn Monate, von M\u00e4rz bis Dezember 2024, zur Erkundung und Auseinandersetzung ein, zur Ann\u00e4herung und kritischen Begegnung mit dem gro\u00dfen Unzeitgem\u00e4\u00dfen und nicht zuletzt zur Erfahrung seiner W\u00e4rme, Wohligkeit und Freude am Unterwegs.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die wissenschaftlichen und k\u00fcnstlerischen Veranstaltungen des Anton Bruckner Instituts laden alle Interessierten und Empf\u00e4nglichen durch zehn Monate, von M\u00e4rz bis Dezember 2024, zur Erkundung und Auseinandersetzung ein, zur Ann\u00e4herung und kritischen Begegnung mit dem gro\u00dfen Unzeitgem\u00e4\u00dfen und nicht zuletzt zur Erfahrung seiner W\u00e4rme, Wohligkeit und Freude am Unterwegs.<\/p>\n","protected":false},"author":353,"featured_media":9799,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[1453,1472,1473,854],"class_list":["post-9797","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2024-1","tag-20bruckner24","tag-antonbruckner","tag-special"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9797","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/353"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9797"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9797\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9969,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9797\/revisions\/9969"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9799"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9797"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9797"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9797"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}