{"id":9787,"date":"2024-02-27T12:35:01","date_gmt":"2024-02-27T11:35:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=9787"},"modified":"2024-12-03T16:39:16","modified_gmt":"2024-12-03T15:39:16","slug":"der-lehrer-anton-bruckner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/02\/27\/der-lehrer-anton-bruckner\/","title":{"rendered":"Der Lehrer Anton Bruckner"},"content":{"rendered":"Schon am ersten Tag des Jubil\u00e4umsjahres wurde der heute weltbekannte Komponist beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker mit der Auff\u00fchrung einer Orchestrierung seiner <i>Quadrille, WAB 121 <\/i>gew\u00fcrdigt. Der am 4. September 1824 geborene gro\u00dfe Sinfoniker hat viele Jahre an der Vorg\u00e4nger-Institution der mdw unterrichtet und wird anl\u00e4sslich seines 200. Geburtstages 2024 auch an der mdw besonders pr\u00e4sent sein, wenn das nach ihm benannte Anton Bruckner Institut f\u00fcr Chor- und Ensembleleitung sowie Tonsatz in der Musikp\u00e4dagogik seinen Namensgeber mit einem umfassenden Programm ehrt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9790\" aria-describedby=\"caption-attachment-9790\" style=\"width: 618px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9790 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-10-618x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"618\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-10-618x1024.jpg 618w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-10-181x300.jpg 181w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-10-768x1273.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-10-927x1536.jpg 927w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-10-1236x2048.jpg 1236w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-10-850x1408.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image1-10.jpg 1367w\" sizes=\"auto, (max-width: 618px) 100vw, 618px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9790\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 \u00d6NB Wien Pf 373:B(1) (Anton Bruckner)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Anton Bruckner wurde schon fr\u00fch gleicherma\u00dfen p\u00e4dagogisch wie musikalisch gepr\u00e4gt. Bereits Vater und Gro\u00dfvater waren als Landschullehrer in Ober\u00f6sterreich t\u00e4tig, und Anton Bruckner folgte ihnen in diesem Beruf nach. Das Amt des Landschullehrers im 19. Jahrhundert umfasste auch kirchenmusikalische T\u00e4tigkeiten, wodurch die Leidenschaft f\u00fcr die Musik bei Bruckner bereits fr\u00fch entfacht wurde. Nach verschiedenen Ausbildungsstationen \u2013 wie etwa als S\u00e4ngerknabe im Augustiner-Chorherrenstift St.\u00a0Florian \u2013 wurde er im Jahr 1841 Schulgehilfe in Windhaag bei Freistadt und begann nach bestandener Lehrerpr\u00fcfung selbst zu unterrichten. Nach dem Abschluss von Weiterbildungskursen erlangte er die Unterrichtsberechtigung auch an h\u00f6heren Schulen. Seine eigentliche und st\u00e4ndig wachsende Faszination galt aber der Musik und ihrer Komposition und Improvisation. Zahlreiche fr\u00fche Werke, wie etwa die <i>Windhaager Messe<\/i> aus dem Jahr 1842 belegen schon fr\u00fch Bruckners Schaffensdrang. Im Jahr 1868 \u00fcbersiedelte Bruckner schlie\u00dflich nach Wien und unterrichtete ab Herbst am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde, der Vorg\u00e4nger-Institution der heutigen mdw. Im selben Jahr erfolgte auch die Erstauff\u00fchrung seiner <i>1. Sinfonie, WAB 101 <\/i>im Redoutensaal in Linz, die Akzeptanz seiner Musik blieb ihm im von Johannes Brahms und Eduard Hanslick dominierten musikalischen Wien allerdings lange Zeit versagt. Ab 1875 trat er eine vorerst unbesoldete Stelle als Lektor f\u00fcr Harmonielehre und Kontrapunkt an der Universit\u00e4t Wien an.<span id='easy-footnote-1-9787' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/02\/27\/der-lehrer-anton-bruckner\/#easy-footnote-bottom-1-9787' title='Vgl. Zeittafel von Alexandra Jud und Damaris Leimgruber in Hans-Joachim Hinrichsen (Hrsg.): Bruckner-Handbuch, Stuttgart, 2010'><sup>1<\/sup><\/a><\/span> Am Konservatorium lehrte Bruckner angehende Musiker_innen, an der Universit\u00e4t Wien hingegen Studierende, die kein musiktheoretisches Wissen hatten, und er passte in seinen Vorlesungen die Vermittlung derselben Inhalte entsprechend den Kenntnissen der Studierenden an. Er unterrichtete dar\u00fcber hinaus auch weiterhin Privatsch\u00fcler_innen.<span id='easy-footnote-2-9787' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/02\/27\/der-lehrer-anton-bruckner\/#easy-footnote-bottom-2-9787' title='Vgl. Uwe Harten, Anton Bruckner: ein Handbuch, S. 389, Salzburg und Wien, 1996'><sup>2<\/sup><\/a><\/span>\n<p>Das Spannungsfeld zwischen Lehren und Studieren l\u00e4sst sich in vielerlei Hinsicht in Bruckners k\u00fcnstlerischem Lebenslauf erkennen. Seine Lernerfahrung beim Dirigenten Otto Kitzler und dem Musiktheoretiker Simon Sechter pr\u00e4gten seinen Unterrichtsstil nachhaltig: \u201eStets blieb der jeweilige Lehrer f\u00fcr Bruckner eine Autorit\u00e4t, der man sich zu f\u00fcgen hatte\u201c<span id='easy-footnote-3-9787' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/02\/27\/der-lehrer-anton-bruckner\/#easy-footnote-bottom-3-9787' title='Thomas Leibnitz, Bruckner und seine Sch\u00fcler, S. 31, in Hans-Joachim Hinrichsen (Hrsg.): Bruckner-Handbuch, Stuttgart, 2010'><sup>3<\/sup><\/a><\/span>, er\u00f6rtert etwa Thomas Leibnitz Bruckners Beziehung zu seinen Lehrern. Diesen \u201eGehorsam\u201c forderte er wohl auch von seinen eigenen Studierenden ein, trotz eines engen und vertrauten Verh\u00e4ltnisses, das \u00fcber Jahre bestehen blieb. Bruckners genialischer Lieblingssch\u00fcler Hans Rott, ein enger Freund Gustav Mahlers, wurde wie sein Lehrer vom akademischen Establishment nicht anerkannt und endete leider fr\u00fchzeitig und tragisch in einer psychiatrischen Anstalt. Zu Bruckners bekanntesten Sch\u00fcler_innen, die auch an Urauff\u00fchrungen und der Verbreitung seiner Werke beteiligt waren, z\u00e4hlen unter anderem die Br\u00fcder Joseph und Franz Schalk, Ferdinand L\u00f6we oder etwa Friedrich Klose. Vor allem dem Einsatz seiner Sch\u00fcler_innen ist es zu verdanken, dass Bruckners Werke \u00fcber die Grenzen Wiens hinweg aufgef\u00fchrt und bekannt werden konnten. Allerdings bleibt auch hier eine Spannung bestehen: Auch wenn Bruckner immer wieder selbst Rat bei seinen Sch\u00fcler_innen einholte, so \u201e\u00fcberarbeiteten\u201c etwa die Br\u00fcder Schalk Werke vor Urauff\u00fchrungen zum Teil auch ohne R\u00fccksprache mit dem Komponisten. Die Originalfassung Bruckners <i>5. Sinfonie in B-Dur, WAB 105<\/i> wurde beispielsweise erst in den 1930er-Jahren wiederentdeckt.<span id='easy-footnote-4-9787' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/02\/27\/der-lehrer-anton-bruckner\/#easy-footnote-bottom-4-9787' title='Thomas Leibnitz, Bruckner und seine Sch\u00fcler, S. 35 ff , in Hans-Joachim Hinrichsen (Hrsg.): Bruckner-Handbuch, Stuttgart, 2010'><sup>4<\/sup><\/a><\/span>\n<p>\u201eBruckners Werke sind gepr\u00e4gt von den Lebenswelten des 19. Jahrhunderts, die er durchschritt: vom ober\u00f6sterreichischen Dorf \u00fcber die wachsende Landeshauptstadt Linz in die Metropolen Europas; vom Dorfschulhaus \u00fcber die Lehrbildungsanstalt an das Konservatorium und die Universit\u00e4t [\u2026]\u201c.<span id='easy-footnote-5-9787' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/02\/27\/der-lehrer-anton-bruckner\/#easy-footnote-bottom-5-9787' title='Felix Diergarten, Anton Bruckner \u2013 Ein Leben mit Musik, Kassel, 2023'><sup>5<\/sup><\/a><\/span> Die Wechselwirkung aus dem Schaffen und dem Lehren von Musik und der stete Austausch mit seinen Studierenden in der akademischen und privaten Unterrichtst\u00e4tigkeit kennzeichneten Bruckners k\u00fcnstlerische Biografie und beeinflussten sein Werk nachhaltig.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wechselwirkung aus dem Schaffen und dem Lehren von Musik und der stete Austausch mit seinen Studierenden in der akademischen und privaten Unterrichtst\u00e4tigkeit kennzeichneten Bruckners k\u00fcnstlerische Biografie und beeinflussten sein Werk nachhaltig.<\/p>\n","protected":false},"author":261,"featured_media":9789,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[1453,1472,1473,854],"class_list":["post-9787","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2024-1","tag-20bruckner24","tag-antonbruckner","tag-special"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9787","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/261"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9787"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9787\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11520,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9787\/revisions\/11520"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9789"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9787"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9787"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9787"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}