{"id":9753,"date":"2024-02-27T15:00:54","date_gmt":"2024-02-27T14:00:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=9753"},"modified":"2024-02-27T15:25:47","modified_gmt":"2024-02-27T14:25:47","slug":"spielmachtraummariabecker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/02\/27\/spielmachtraummariabecker\/","title":{"rendered":"Maria Becker\ufeff: Schauspielerin und Reinhardt-Seminaristin"},"content":{"rendered":"<h1>mdw-Inspiratorin und Wegbegleiterin des Saals und zugleich digitale Wissensressource spiel|mach|t|raum im Studienjahr 2023\/24<\/h1>\n<p>2017 beging die mdw \u2013 Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien, die 1817 als Singschule f\u00fcr Buben und M\u00e4dchen der Gesellschaft der Musikfreunde gegr\u00fcndet worden war, ihren 200. Geburtstag. Das nahmen Andrea Ellmeier von der Stabstelle f\u00fcr Gleichstellung, Gender Studies und Diversit\u00e4t und Doris Ingrisch, Professorin f\u00fcr Gender Studies am Institut f\u00fcr Kulturmanagement und Gender Studies, zum Anlass, die Ausstellung zum 100.\u00a0Frauentag \u2013 spiel|mach|t|raum \u2013, die 2011 in der Aula der mdw pr\u00e4sentiert worden war und an der 14 Kolleg_innen des Hauses mitgewirkt hatten, gemeinsam mit Birgit Huebener und alien productions in eine Web- und Wissensressource \u00fcber Frauen*<span id='easy-footnote-1-9753' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/02\/27\/spielmachtraummariabecker\/#easy-footnote-bottom-1-9753' title='Das Gender-Sternchen bei Frauen* dient als Verweis auf den Konstruktionscharakter von \u201eGeschlecht\u201c. Frauen* deutet auf das Spektrum jenseits des bin\u00e4ren Systems hin sowie auf geschlechtliche Vielfalt.'><sup>1<\/sup><\/a><\/span> an der mdw von 1817 bis 2017<sup>plus<\/sup> zu verwandeln und diese als stetig wachsende Wissensressource weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Anzumerken ist, dass im Bereich der h\u00f6chsten k\u00fcnstlerisch-musischen (Aus-)Bildung M\u00e4dchen\/Frauen im 19. Jahrhundert anders als in der Bildungsinstitution Universit\u00e4t nicht qua Geschlecht ausgeschlossen waren\/wurden. Gleichzeitig ist aber darauf hinzuweisen, dass sich seit Beginn des Konservatoriums eine geschlechtertypische Instrumentenwahl von M\u00e4dchen\/Frauen und Buben\/M\u00e4nnern zeigt, die, trotz einiger Ver\u00e4nderungen in ihren Grundz\u00fcgen bis heute erhalten geblieben ist. Argumentiert wurde sie mit der b\u00fcrgerlichen Geschlechterideologie, in der von maximal unterschiedlichen\/differenten Geschlechtercharakteren von M\u00e4nnern und Frauen ausgegangen wird. Demnach gelten beispielsweise s\u00e4mtliche Streichinstrumente als weiblich, Blechblasinstrumente wie Trompete, Posaune und Tuba hingegen als m\u00e4nnlich konnotiert, was sich bis heute in den Studierendenzahlen dieser Instrumente widerspiegelt.<\/p>\n<p>Das Konzept des realen mdw-Saals und der digitalen Webressource spiel|mach|t|raum sieht vor, dass j\u00e4hrlich eine andere Frau* aus der Geschichte der mdw zur Inspiratorin und Wegbegleiterin f\u00fcr das Studienjahr ernannt und portraitiert wird, um sie auf diese Weise nachhaltig in das Ged\u00e4chtnis der Institution mdw einzuschreiben. Mit Blick auf alle K\u00fcnste der mdw begannen wir mit der bekannten Salonni\u00e8re <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/spielmachtraum\/artikel\/fanny-von-arnstein\">Fanny von Arnstein<\/a>, die 1811\/12 als Mentorin, Managerin und Kommunikatorin wesentlich zur Gr\u00fcndung der Gesellschaft der Musikfreunde beigetragen hatte. Danach war die \u201eerste Professorin\u201c des Konservatoriums \u2013 die Gesangslehrerin <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/spielmachtraum\/artikel\/anna-froehlich\">Anna Fr\u00f6hlich<\/a> in einem grundlegenden Text gew\u00fcrdigt worden. 2020 folgte die 1938 von der mdw vertriebene und 1942 in Maly Trostinec ermordete Pianistin und Klavierlehrerin <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/spielmachtraum\/artikel\/erna-kremer\">Erna Kremer<\/a>. Die erste Tanzprofessorin der mdw \u2013 <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/spielmachtraum\/artikel\/gertrud-bodenwieser\">Gertrud Bodenwieser<\/a>, die 1920 berufen wurde und die auch 1938 aufgrund ihrer j\u00fcdischen Herkunft von der mdw vertrieben wurde, war die Inspiratorin und Wegbegleiterin des Studienjahres 2020\/21. Um die verschiedenen an der mdw gelehrten K\u00fcnste sichtbar zu machen, fiel die Entscheidung danach auf die Filmregisseurin <a href=\"https:\/\/mdw.ac.at\/spielmachtraum\/artikel\/karin-brandauer\">Karin Brandauer<\/a>, die an der Filmakademie Wien studiert hatte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9755\" aria-describedby=\"caption-attachment-9755\" style=\"width: 773px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9755 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image0-5-773x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"773\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image0-5-773x1024.jpg 773w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image0-5-226x300.jpg 226w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image0-5-768x1018.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image0-5-850x1127.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/post-1_image0-5.jpg 1100w\" sizes=\"auto, (max-width: 773px) 100vw, 773px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9755\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Staats- und Universit\u00e4tsbibliothek Hamburg, Theatersammlung, Fotoarchiv Rosemarie Clausen, Signatur: CL 1619, Nr. 4, bearb. mdw<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit der Schauspielerin Maria Becker (1920 Berlin \u2013 2012 Uster) wurde schlie\u00dflich f\u00fcr das Studienjahr 2023\/24 eine Vertreterin des Theaters ausgew\u00e4hlt, um neben Frauen* aus Musik und Film auch eine Frau* aus dem Bereich des Theaters zu w\u00fcrdigen. Die Bibliothekarin des Max Reinhardt Seminars, Christina Kramer, wurde gebeten eine f\u00fcr sie und den Professor f\u00fcr Dramaturgie und Leiter des Archivs des Max Reinhardt Seminars Peter Roessler wichtige Schauspielerin vorzuschlagen. Sie entschieden sich f\u00fcr Maria Becker, die durch ihr selbstbestimmtes und mutiges Auftreten sowie ihre Haltung \u00fcberzeugt hatte.<\/p>\n<p>Maria Becker war die Tochter der Schauspielerin Maria Fein, die 1936 mit ihrer Mutter aus Berlin \u00fcber Prag nach Wien geflohen war, da die nationalsozialistischen N\u00fcrnberger Rassengesetze ihrer Mutter die Arbeit als Schauspielerin verboten. In Wien begann Maria Becker 1936, mit erst 16 Jahren, Schauspiel am Max Reinhardt Seminar zu studieren, w\u00e4hrend ihre Mutter in dieser Zeit vor allem am Volkstheater spielte. Durch den \u201eAnschluss\u201c \u00d6sterreichs im M\u00e4rz 1938 fand ihr Studium ein j\u00e4hes Ende und Becker, von den Nazis als \u201ej\u00fcdischer Mischling\u201c klassifiziert, musste erneut fl\u00fcchten, zun\u00e4chst nach London, dann weiter nach Z\u00fcrich. Dort erhielt sie ein Engagement am Z\u00fcrcher Schauspielhaus und wurde von 1938 bis 1946 ein essenzielles und pr\u00e4gendes Ensemblemitglied des damals wichtigsten antifaschistischen Theaters. Maria Becker war eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Schauspielerin, bekannt f\u00fcr ihren Eigensinn, ihre k\u00fcnstlerischen und politischen \u00dcberzeugungen, die sie auch dann vertrat, wenn es nicht opportun war. Ihre lange Karriere wird im Beitrag von Christina Kramer im spiel|mach|t|raum nachgezeichnet.<\/p>\n<p>Weitere Infos zu <a href=\"https:\/\/mdw.ac.at\/spielmachtraum\">spiel|mach|t|raum<\/a>.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Konzept des realen mdw-Saals und der digitalen Webressource spiel|mach|t|raum sieht vor, dass j\u00e4hrlich eine andere Frau* aus der Geschichte der mdw zur Inspiratorin und Wegbegleiterin f\u00fcr das Studienjahr ernannt und portraitiert wird, um sie auf diese Weise nachhaltig in das Ged\u00e4chtnis der Institution mdw einzuschreiben. Mit der Schauspielerin Maria Becker (1920 Berlin \u2013 2012 Uster) wurde schlie\u00dflich f\u00fcr das Studienjahr 2023\/24 eine Vertreterin des Theaters ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n","protected":false},"author":357,"featured_media":9756,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[1453,1477,1476],"class_list":["post-9753","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-report","tag-2024-1","tag-mariabecker","tag-spielmachtraum"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9753","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/357"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9753"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9753\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9988,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9753\/revisions\/9988"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9756"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9753"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9753"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9753"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}