{"id":968,"date":"2017-05-02T11:32:32","date_gmt":"2017-05-02T09:32:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=968"},"modified":"2017-05-02T11:38:30","modified_gmt":"2017-05-02T09:38:30","slug":"changing-mdw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2017\/05\/02\/changing-mdw\/","title":{"rendered":"\u201eChanging mdw\u201c \u2013 Klangwelten und ihre Konstruktion"},"content":{"rendered":"<strong>Ein wissenschaftlicher Beitrag zu mdw 200<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_969\" aria-describedby=\"caption-attachment-969\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-969\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Formenlehre_1925.jpg\" alt=\"Formenlehre 1925\" width=\"800\" height=\"462\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Formenlehre_1925.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Formenlehre_1925-300x173.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Formenlehre_1925-768x444.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-969\" class=\"wp-caption-text\">Fotografie der Formenlehre-Klasse Richard St\u00f6hr, 1925 \u00a9Privatbesitz: Hedi Ballantyne (Kopie im Archiv der mdw)<\/figcaption><\/figure>\n<p>200 Jahre mdw sind zweifellos ein Anlass, sich der Geschichte dieser Institution mit einem kritischen Blick zu n\u00e4hern: Geschichte wurde und wird ja meist \u201evon oben\u201c erz\u00e4hlt, Jubil\u00e4en werden daher zum Anlass genommen, um die eigenen Verdienste ins rechte Licht zu r\u00fccken. Die entsprechende Darstellung folgt dabei dem Muster einer \u201eHeldenerz\u00e4hlung\u201c, die unausgesprochen den Standpunkt von (meist m\u00e4nnlichen) Herrscherfiguren, F\u00fchrern und \u201eMeistern\u201c wiedergibt. Eine solche Perspektive gilt unter ExpertInnen aber in ihrer Einseitigkeit als veraltet und nicht sachgem\u00e4\u00df. Auch f\u00fcr die ruhmreiche Geschichte der mdw gilt, dass sie von vielen gestaltet wurde und wird \u2013 von Studierenden und Lehrenden, vom Verwaltungspersonal, von Personen unterschiedlicher geografischer und sozialer Herkunft sowie verschiedener kultureller Pr\u00e4gung \u2013 deren Befindlichkeiten, Eindr\u00fccke und Leistungen werden in auf Repr\u00e4sentation ausgerichteten historischen Darstellungen aber wenig bis kaum ber\u00fccksichtigt. Zudem fungierte die mdw im Laufe ihrer Entwicklung immer auch als Symbol kultureller Ideale, als Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr unterschiedliche Vorstellungen, W\u00fcnsche und Sehns\u00fcchte.<\/p>\n<p>Um die Identit\u00e4t der Institution beschreibbar zu machen und gleichzeitig aus der derart reflektierten, vielf\u00e4ltigen Tradition Anregungen f\u00fcr eine Diskussion zuk\u00fcnftiger Strategien zu bieten, werden im Rahmen eines vom Rektorat mit einj\u00e4hriger Laufzeit gef\u00f6rderten wissenschaftlichen Projekts diese vielf\u00e4ltigen Bilder und Zug\u00e4nge sichtbar gemacht. Eine Pr\u00e4sentation am 15. Mai bietet einen \u00dcberblick \u00fcber die Ergebnisse der Arbeit, die anschlie\u00dfend in Form von sechs \u201ePop-ups\u201c an verschiedenen Orten der mdw zug\u00e4nglich gemacht werden.<\/p>\n<p><strong>\u201eBi-Musikalit\u00e4t\u201c + \u201eBilderwelten\u201c = \u201eChanging mdw\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Geforscht wurde aus der Perspektive zwei verschiedener Fachrichtungen: Von musikethnologischer Seite lag der Schwerpunkt auf der Bi-\/Multimusikalit\u00e4t von Studierenden beziehungsweise AbsolventInnen, das hei\u00dft auf deren F\u00e4higkeit, sich in mehreren musikalischen Sprachen und Stilen zu artikulieren. Interviews und Tonaufnahmen lieferten Material, aus dem sich mittels (anonymisierter) Statements und Musikaufnahmen Einsichten zur Bedeutung dieser Qualit\u00e4t in Studium und Karriere sowie f\u00fcr das Selbstverst\u00e4ndnis als MusikerIn ableiten lassen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_970\" aria-describedby=\"caption-attachment-970\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-970\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Golnar_Shahyar.jpg\" alt=\"Golnar Shahyar\" width=\"400\" height=\"494\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Golnar_Shahyar.jpg 400w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Golnar_Shahyar-243x300.jpg 243w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-970\" class=\"wp-caption-text\">Golnar Shahyar \u00a9Ina Aydogan<\/figcaption><\/figure>\n<p>In einem weiteren Schritt ergibt sich aus der Betrachtung der so gewonnenen Befunde ein Zugang zur Pr\u00e4sentation einer musikalischen Vielfalt, die an der mdw in h\u00f6chster Qualit\u00e4t praktiziert und gelehrt werden k\u00f6nnte. Durch das individuelle \u00dcberschreiten von Grenzen und Durchqueren unterschiedlichster Vorstellungsr\u00e4ume werden Facetten der transkulturellen Verfasstheit der mdw deutlich \u2013 der Fokus auf Bi- und Multimusikalit\u00e4t ist somit ein Instrument zur Veranschaulichung des Potenzials musikalischer Vielfalt an der heutigen mdw.<\/p>\n<p>F\u00fcr den musikwissenschaftlichen Projektteil (Bilderwelten) wurden in Vergangenheit und Gegenwart agierende Personen, die sich in st\u00e4ndiger Wechselwirkung mit der mdw befanden und befinden und die damit auch das Selbstverst\u00e4ndnis der Institution mitbestimmt und gepr\u00e4gt haben, als Zeugen f\u00fcr mit der mdw verbundene Vorstellungen und Befindlichkeiten betrachtet. Ihre unterschiedlichen (musikalischen) Sozialisationen, pers\u00f6nlichen Sichtweisen, Werthaltungen und Vorstellungen sowie ihre Erfahrungen und Interaktionen an und mit der mdw wurden mittels Interviews erfasst. Deren Auswertung ergibt Einsichten in symbolische Bedeutungen, Identit\u00e4ten sowie in \u00e4sthetische und gesellschaftliche Bilder, die mit dem Schauplatz mdw verbunden und gleichzeitig f\u00fcr die jeweilige politische und soziokulturelle Situation charakteristisch sind: Die Institution wird dadurch im historischen Zusammenhang verortet. Die archivierten Interviewaufnahmen k\u00f6nnen als Grundbestand eines audiovisuellen Ged\u00e4chtnisspeichers der mdw angesehen werden und \u00fcber das laufende Projekt hinaus vielf\u00e4ltiger, interdisziplin\u00e4rer beziehungsweise kunstbasierter Auswertung zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Die inhaltliche N\u00e4he beider Projekte bedingt die gemeinsame Erarbeitung von \u201eInterventionen\u201c im \u00f6ffentlichen Raum der mdw. Die Ver\u00f6ffentlichung von Ergebnissen des Projekts erfolgt in Form von sechs thematisch konzentrierten Schlaglichtern, die jeweils an unterschiedlichen Orten der Institution zu sehen sein werden und die breite Auswertbarkeit des gesammelten Materials vor Augen und Ohren f\u00fchren:<\/p>\n<p><strong>1. \u201eGute Musik \u2013 wahre Kunst\u201c<\/strong><br \/>\nAn der mdw wurden und werden \u00e4sthetische Normen durchgesetzt. Die (gro\u00dfteils unreflektierte) Privilegierung des klassisch-romantischen Repertoires ist ebenso zu hinterfragen wie die Ausrichtung der Ausbildungsziele (Habitus, technische F\u00e4higkeiten, Geschmack, Repertoireauswahl, Stilistik) hinsichtlich der Angleichung an damit verbundene Standards.<\/p>\n<p><strong>2. (Un-)Gleichgewichte<\/strong><br \/>\nAngesichts der aktuellen Betonung von Diversit\u00e4t an der mdw wird die Vielfalt anhand von traditionell wirksamen hierarchischen Unterscheidungen thematisiert: (un)bewusste (Ab-)Wertungen von sozialen, geschlechtsspezifischen und ethnischen Merkmalen, aber auch von Stilen, Instrumenten etc.<\/p>\n<p><strong>3. Einschl\u00fcsse \u2013 Ausschl\u00fcsse<\/strong><br \/>\nDie mdw entwickelte sich aus einer ihrem Wesen nach exklusiven Musikkultur, die auf dem Ausschluss vieler zugunsten einer kleinen Elite basierte. Einschl\u00fcsse und Ausschl\u00fcsse aufgrund unausgesprochener Hierarchisierungen vollziehen sich auch heute noch im Rahmen diverser Auswahlverfahren (Zulassungs- und anderer Pr\u00fcfungen etc.) und manifestieren sich in der Zusammensetzung des Personals.<\/p>\n<p><strong>4. Import \u2013 Export<\/strong><br \/>\nDie mdw wurde vielfach als kulturelles Zentrum mit internationaler Anziehungskraft gesehen. So gab es immer wieder Ans\u00e4tze, die hier vertretene Kultur \u201emissionarisch\u201c in die Welt hinauszutragen. Die Gegen\u00fcberstellung \u00e4lterer und neuerer Beispiele zeigt dabei auftretende Kontinuit\u00e4ten und Ver\u00e4nderungen im Selbstverst\u00e4ndnis der mdw.<\/p>\n<p><strong>5. \u201eErnste\u201c Musik?<\/strong><br \/>\nSeit der Gr\u00fcndung der mdw spielt der Gegensatz von Bildung und Unterhaltung eine Schl\u00fcsselrolle. W\u00e4hrend die damit verbundene Wertung in der Fr\u00fchzeit unhinterfragte G\u00fcltigkeit besa\u00df, stellt sich angesichts wachsender musikalischer Diversit\u00e4t die Frage nach den vorgeblichen und tats\u00e4chlichen Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n<p><strong>6. Tradition \u2013 Innovation<\/strong><br \/>\nDie Verbindung der Schlagworte \u201eInnovation\u201c und \u201eTradition\u201c steht bis heute im Zentrum des Leitbildes der mdw. W\u00e4hrend einerseits Initiativen wie die F\u00f6rderung von Transkulturalit\u00e4t einen zeitgem\u00e4\u00dfen Ansatz verfolgen, l\u00e4sst sich das Spannungsfeld beider Begriffe an diversen Aspekten des t\u00e4glichen Betriebs erkennen (z. B.: \u201eAlte\u201c und \u201eNeue\u201c Musik, Fortschrittsdenken im Kompositionsunterricht \u2026).<\/p>\n<ul>\n<li>Projektleitung: Ursula Hemetek und Cornelia Szab\u00f3-Knotik<\/li>\n<li>Mitarbeit: Thomas Asanger, Lena Dra\u017ei\u0107, Alexander Flor, Wei-Ya Lin, Severin Matiasovits, Hande Sa\u011flam, Erwin Strouhal<\/li>\n<li>Kooperation: Julia Heimerdinger, Anita Mayer-Hirzberger<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein wissenschaftlicher Beitrag zu mdw 200 200 Jahre mdw sind zweifellos ein Anlass, sich der Geschichte dieser Institution mit einem kritischen Blick zu n\u00e4hern: Geschichte wurde und wird ja meist \u201evon oben\u201c erz\u00e4hlt, Jubil\u00e4en werden daher zum Anlass genommen, um die eigenen Verdienste ins rechte Licht zu r\u00fccken. 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