{"id":952,"date":"2017-05-02T11:12:48","date_gmt":"2017-05-02T09:12:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=952"},"modified":"2017-12-11T15:04:03","modified_gmt":"2017-12-11T14:04:03","slug":"traditionen-des-klavierspiels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2017\/05\/02\/traditionen-des-klavierspiels\/","title":{"rendered":"Traditionen des Klavierspiels"},"content":{"rendered":"<strong>R\u00fcckschau: Im Mai 2006 fand die von Klara Harrer-Baranyi ins Leben gerufene Reihe Traditionen des Klavierspiels erstmals statt. Vortr\u00e4ge, Workshops, Meisterkurse, Podiumsdiskussionen und Konzerte sollten Synergien zwischen k\u00fcnstlerischem Musizieren, musikwissenschaftlicher Forschung und musikp\u00e4dagogischem Tun nach der Idee schaffen, l\u00e4nderspezifische Klavierspieltraditionen einzugrenzen und zu definieren. Dies impliziert Internationalit\u00e4t: Polen, Frankreich, Ungarn, Russland und Deutschland waren die in den vergangenen Jahren diskutierten Nationen.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_954\" aria-describedby=\"caption-attachment-954\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-954\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Elisabeth_Leonskaja_c_Jean_Mayerat.jpg\" alt=\"Elisabeth Leonskaja\" width=\"400\" height=\"317\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Elisabeth_Leonskaja_c_Jean_Mayerat.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Elisabeth_Leonskaja_c_Jean_Mayerat-300x238.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-954\" class=\"wp-caption-text\">Elisabeth Leonskaja \u00a9Jean Mayerat<\/figcaption><\/figure>\n<p>R\u00fcckblickend tun sich besondere Momente auf: Im Auftakt zu Polen (2006) erlebte man Mieczys\u0142aw Tomaszewski in der auf Rezeptionsdokumenten bezogenen Analyse Chopin\u2019scher Klaviermusik und fand das Erl\u00e4uterte gleichwie die von Regina Smendzianka veranschaulichte Interpretations\u00e4sthetik im Unterricht Andrzej Jasi\u0144skis wieder. Der Diskurs zur Idiomatik franz\u00f6sischer Musiktradition (2008) ist von der Abgrenzung Frankreichs zur deutschen Siegermacht im Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg (1870\/71) bestimmt. Dass jedoch viel mehr als nur reaktives Verhalten \u2013 provokant formuliert, ein Agieren aus \u201emusikalischem Notstand\u201c heraus \u2013 dem Wesen franz\u00f6sischer Musik gerecht wird, zeigt die weiter gefasste Werk- und Interpretationsgeschichte f\u00fcr Tasteninstrumente, die von den Clavecinisten (franz\u00f6sisch clavecin = Cembalo; Anm. der Redaktion) des 18. Jahrhunderts eine Br\u00fccke bis in das 20. Jahrhundert schl\u00e4gt. Olivier Baumont, Charles Timbrell und Georges Pludermacher demonstrierten dies eingehend.<\/p>\n<figure id=\"attachment_955\" aria-describedby=\"caption-attachment-955\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-955\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Alfred_Brendel_c_Philips_Benjamin_Ealovega.jpg\" alt=\"Alfred Brendel\" width=\"400\" height=\"541\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Alfred_Brendel_c_Philips_Benjamin_Ealovega.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Alfred_Brendel_c_Philips_Benjamin_Ealovega-222x300.jpg 222w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-955\" class=\"wp-caption-text\">Alfred Brendel \u00a9Philips &amp; Benjamin Ealovega<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Blick nach Ungarn (2010) zeigte Verkn\u00fcpfungen von Musikp\u00e4dagogik, Komposition und Klavierspiel. Eine Tradition, die in Bart\u00f3k, Ligeti und Kurt\u00e1g ihre Hauptvertreter findet und die im Symposions-Meisterkurs bei Ferenc Rados auf einer anderen Ebene wirksam werden konnte. Stalins Macht\u00fcbernahme markiert einen eklatanten Bruch in der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Eine Veranstaltung,\u00a0die der Frage zu k\u00fcnstlerischen Traditionen in Russland (2012) nachgeht, muss daher unweigerlich eine \u201epolitische\u201c werden. Wie weit Schostakowitsch und Prokofjew zwischen \u201ek\u00fcnstlerischer Autonomie und politischem Bekenntnis\u201c pendelten, beantwortete Dorothea Redepenning, w\u00e4hrend Stefan Weiss der Bedeutung Gubaidulinas Klavierkonzert <em>Introitus<\/em> nachging. Der Tradition des Moskauer Konservatoriums unter Nikolai Rubinstein widmete sich Eugenia Gurevich. Glanzpunkte setzte Elisabeth Leonskaja mit Konzert und Meisterkurs.<\/p>\n<p>Besonders bei Deutschland (2014) w\u00e4re es aufgrund des Einwirkens vielf\u00e4ltiger k\u00fcnstlerischer Impulse von au\u00dfen verfehlt, von nur einer \u201eTradition\u201c des Klavierspiels zu sprechen. Und dies, obwohl gerade der Begriff der \u201eDeutschen Kultur\u201c markant konnotiert ist und die Musiksprache dieses Landes \u00fcber Jahrhunderte in Europa bestimmend war. Den im ausgehenden 18. Jahrhundert geformten Begriff der <em>Clavierschule<\/em> erl\u00e4uterte Mario Aschauer, Matthias Kirschnereit verdeutlichte die zuvor von Arnfried Edler skizzierte Differenzierung der \u00c4sthetik zwischen Schumann und Brahms, w\u00e4hrend Ellen Corver Stockhausen als Galionsfigur der Internationalen Ferienkurse in Darmstadt portr\u00e4tierte. Ausgehend von Wilhelm Heinrich Wackenroders Darstellungen setzte Christian Glanz dem so konstatierten \u201eunreflektierten Gebrauch\u201c der Kategorisierung <em>Romantik<\/em> ein griffiges Gegenargument gegen\u00fcber. Dass der 2016 verstorbene bedeutende P\u00e4dagoge Peter Feuchtwanger 2014 noch Gast der <em>Traditionen<\/em> war, gibt im R\u00fcckblick den Tagen zu Deutschland eine ganz besondere Note.<\/p>\n<h3>Vorschau<\/h3>\n<p>Mit der im Mai 2017 stattfindenden Veranstaltung <em>Traditionen des Klavierspiels \u2013 \u00d6sterreich<\/em> soll der Reihe nun ein Schlusspunkt gesetzt werden, der aufgrund der intensiven Verkn\u00fcpfung \u00f6sterreichischer Klavierspieltradition mit der mdw wunderbar in das Jubil\u00e4umsjahr der Universit\u00e4t passt und mit Sicherheit zu einem der Highlights z\u00e4hlt. Das Ludwig van Beethoven Institut freut sich \u00fcber eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Zusage: Alfred Brendel wird f\u00fcr zwei Vortr\u00e4ge am Haus zu Gast\u00a0sein und \u00fcber Mozarts Klavierspiel (Fr, 12. Mai) und Beethovens letzte Klaviersonaten (Sa, 13. Mai) sprechen. Als Besonderheit zeigt sich auch der Er\u00f6ffnungsabend am 4. Mai: Christopher Hinterhuber und Johannes Marian repr\u00e4sentieren konzertierend die beiden Klavierinstitute der mdw, Klara Harrer-Baranyi begibt sich gedanklich auf Spurensuche.<\/p>\n<figure id=\"attachment_957\" aria-describedby=\"caption-attachment-957\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-957\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/peter_feuchtwanger_c_Stefan_Blido.jpg\" alt=\"Peter Feuchtwanger\" width=\"400\" height=\"532\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/peter_feuchtwanger_c_Stefan_Blido.jpg 400w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/peter_feuchtwanger_c_Stefan_Blido-226x300.jpg 226w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-957\" class=\"wp-caption-text\">Peter Feuchtwanger \u00a9Stefan Blido<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dem Meisterkurs kommt die Bedeutung zu, Theorie in der Praxis wirken zu lassen. Auch hier konnte mit Paul Badura-Skoda eine signifikante Pers\u00f6nlichkeit gewonnen werden. Stefan Gottfried geht der Tragweite des Standortes Wien f\u00fcr den Klavierbau interpretatorisch und theoretischtechnisch nach, w\u00e4hrend Johann Sonnleitner die Trias <em>Hummel, Czerny und M\u00e4lzels Metronom<\/em> unter die Lupe nimmt. Aspekte der Zweiten Wiener Schule und deren Nachfolgegenerationen sind Stefan Litwin in die H\u00e4nde gegeben, Manon-Liu Winter wird aktuelle Tendenzen zu Klavier und Extended Piano erlebbar machen.<\/p>\n<p>Mit dem Grundsatzreferat <em>Clavierland Wien<\/em> er\u00f6ffnet Martin Eybl die wissenschaftlichen Beitr\u00e4ge. Diese untersuchen auch Gender-Aspekte: Ist \u00d6sterreichs Klavierlandschaft m\u00e4nnerdominiert? Ist eine mindere Pr\u00e4senz von Frauen in der k\u00fcnstlerischen Auseinandersetzung mit dem Klavier zu konstatieren, obwohl Frauen im p\u00e4dagogischen Bereich eine h\u00f6here Anzahl repr\u00e4sentieren als M\u00e4nner? Zwei Spezialistinnen referieren: Kordula Knaus er\u00f6rtert die Frage allgemein, um dannPianistinnen um 1800 vorzustellen und dabei auf Maria Theresia von Paradis zu fokussieren. Deren Zeitgenossin Marianna Martines z\u00e4hlt zu den weitgehend undokumentierten Protagonistinnen ihres Faches, hierzu wird Melanie Unseld neueste Forschungsergebnisse bringen.<\/p>\n<p>Und auch der Nachwuchs soll nicht vergessen sein: Eine Podiumsdiskussion mit G\u00e4sten aus den Bereichen Konzertveranstaltung, Nachwuchsf\u00f6rderung und Musikschulwesen wird k\u00fcnftige Strategien f\u00fcr und an die Jugend adressieren.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00fcckschau: Im Mai 2006 fand die von Klara Harrer-Baranyi ins Leben gerufene Reihe Traditionen des Klavierspiels erstmals statt. 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