{"id":9468,"date":"2023-11-23T18:32:00","date_gmt":"2023-11-23T17:32:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=9468"},"modified":"2023-11-27T13:27:41","modified_gmt":"2023-11-27T12:27:41","slug":"die-grundlagen-fuer-starke-schauspielpersoenlichkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2023\/11\/23\/die-grundlagen-fuer-starke-schauspielpersoenlichkeiten\/","title":{"rendered":"Die Grundlagen f\u00fcr starke Schauspielpers\u00f6nlichkeiten"},"content":{"rendered":"<h5>Was ist die Basis des Schauspielhandwerks? Anja Thiemann, seit M\u00e4rz 2023 Professorin am Max Reinhardt Seminar, gibt im <i>mdw-Magazin <\/i>Einblicke in ihre Arbeit mit den Schauspielstudierenden des ersten Jahrgangs, ihre vielseitige Karriere und ihre Strategie, um verdr\u00e4ngte Autorinnen zur\u00fcck ins \u00f6ffentliche Licht zu bringen.<\/h5>\n<figure id=\"attachment_9471\" aria-describedby=\"caption-attachment-9471\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9471 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image1-9-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image1-9-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image1-9-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image1-9-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image1-9-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image1-9-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image1-9-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9471\" class=\"wp-caption-text\">Arbeit mit den Studierenden Julius D\u00f6rner, Bernadette Leopold, Gabriel Fernandes Genebra, Anja Thiemann (v. l. n. r.) \u00a9 J Wernisch<\/figcaption><\/figure>\n<h5>Die Basisfertigkeiten<\/h5>\n<p>Wahrnehmung und Beobachtung sch\u00e4rfen ist im Fach Grundlagen der Rollengestaltung zentral. Was f\u00e4llt den Studierenden an sich selbst, an anderen Menschen, an der Welt um sie herum auf und wie k\u00f6nnen sie es beschreiben? Die Studierenden werden darauf aufmerksam, was es \u00fcberhaupt zu sehen und in weiterer Folge darzustellen gibt. \u201eDas Handwerkszeug daf\u00fcr ist die Sprache. Im Unterricht wird die Fertigkeit der differenzierten Beschreibung des Beobachteten erweckt und trainiert\u201c, sagt Thiemann. Ein wesentlicher Anteil des Schauspielberufs ist, \u00fcber die Darstellung jenseits von privatem Geschmack zu sprechen. Daf\u00fcr ist es notwendig, den Unterschied zwischen der Beschreibung des Gesehenen und dessen Deutung zu verstehen. Thiemann: \u201eAuf die Fakten, also was man gerade auf der B\u00fchne gesehen hat, kann man sich einigen. Die Deutung h\u00e4ngt von der jeweiligen sozialen Pr\u00e4gung, der Generation oder der Lebenserfahrung ab.\u201c Durch die Erkenntnisse zu Beschreibung und Deutung werden die Schauspielstudierenden auf ihre sp\u00e4tere Arbeit mit der Regie vorbereitet, denn \u201ewenn die Regie etwas beschreibt, sollen Schauspieler_innen es in ihr Spiel \u00fcbersetzen k\u00f6nnen.\u201c Frei von Wertung zu beschreiben, ist f\u00fcr die Studierenden im Unterricht eine Herausforderung, \u201eweil wir in einer Gesellschaft leben, in welcher es leicht und \u00fcblich ist, Dinge oder Verhalten zu ,liken\u2018 und\/oder zu bewerten\u201c, meint die Schauspielprofessorin.<\/p>\n<h5>Stationen einer Karriere<\/h5>\n<p>Unterrichtet hat Thiemann bereits an der Hochschule f\u00fcr Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin, der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater \u201eFelix Mendelssohn Bartholdy\u201c in Leipzig, am Mozarteum in Salzburg und an der Otto Falckenberg Schule in M\u00fcnchen. \u00dcber die Professur am Max Reinhardt Seminar und die damit einhergehende M\u00f6glichkeit, im kulturell vielf\u00e4ltigen Wien zu leben, freut sie sich besonders. Ihr eigener Weg zum Schauspiel begann im Kindertheater in der DDR, wo Thiemann aufgewachsen ist. Die Leiterin des Kindertheater faszinierte sie und weckte in ihr schon fr\u00fch den Wunsch, selbst Schauspielerin zu werden. Da sp\u00e4ter die Aufnahme ins Schauspielstudium zun\u00e4chst nicht klappte, studierte sie Ethnografie und Geschichte an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin. Nach der Wende bewarb sich Thiemann erneut f\u00fcr das Schauspielstudium und wurde an der Hochschule f\u00fcr Schauspielkunst Ernst Busch aufgenommen \u2013 ein Traum ging in Erf\u00fcllung. Die Studien Ethnografie und Geschichte waren Thiemann in ihrer Karriere weiterhin n\u00fctzlich als \u201ewichtiger Quell f\u00fcr Wissen, Toleranz und Vorstellungskraft beim Unterrichten und in Projekten\u201c. Ihre Schauspielengagements f\u00fchrten sie an zahlreiche B\u00fchnen. An Improvisation als Schauspielkunst hatte sie immer schon gro\u00dfes Interesse und war Mitglied des Deutschen Instituts f\u00fcr Improvisation. Im Grundlagenunterricht am Max Reinhardt Seminar lernen die Schauspielstudierenden die Techniken, um etwas zu reproduzieren, dennoch m\u00f6chte ihnen Thiemann den Mut zur Improvisation mitgeben, denn \u201edas Gef\u00fchl zu scheitern begegnet Schauspieler_innen in fast jeder Produktion. Es ist wichtig und m\u00f6glich, sich durch Improvisation darin zu \u00fcben, mit der Angst umzugehen.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_9472\" aria-describedby=\"caption-attachment-9472\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9472 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image2-6-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image2-6-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image2-6-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image2-6-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image2-6-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image2-6-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image2-6-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9472\" class=\"wp-caption-text\">Filmstill aus ,Vergessene\u2018 Autorinnen zur\u00fcck ins Licht \u00a9 Anja Thiemann<\/figcaption><\/figure>\n<h5>\u201e,Vergessene\u2018 Autorinnen\u201c<\/h5>\n<p>Ein gro\u00dfes Anliegen ist Thiemann das Projekt <i>\u201e,Vergessene\u2018 Autorinnen\u201c<\/i>. Mit Studentinnen begann sie w\u00e4hrend der Corona-Lockdowns mit der Suche nach Werken von Dramatikerinnen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die aus der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung verdr\u00e4ngt worden waren. Thiemann: \u201eIch habe mich gefragt, warum es f\u00fcr diese Autorinnen kein Bewusstsein in der Theaterwelt gibt.\u201c In ihren eigenen Recherchen fand sie unter anderem heraus, dass die Autorinnen und ihre St\u00fccke in Lexika, die zum Beispiel als Grundlage f\u00fcr die St\u00fcckauswahl der Theater dienten, zwar anfangs erw\u00e4hnt waren, in folgenden Auflagen jedoch nach und nach wieder verschwanden. \u201eEs war ein schleichender Vorgang, wie sie \u2013 anders als ihre m\u00e4nnlichen Kollegen, die wir heute noch kennen \u2013 in Vergessenheit gebracht wurden \u2013 letztendlich aufgrund patriarchaler Strukturen\u201c, sagt Thiemann. Hinzu kommt, dass St\u00fccke im 18. Jahrhundert oft anonym verfasst oder mit dem Verweis \u201evon einem Frauenzimmer\u201c ver\u00f6ffentlicht wurden. \u201eAutor_innenschaft war lange nicht \u00fcblich, weil St\u00fccke nur eine Auff\u00fchrung erlebten. Erst als sie wiederholt gespielt wurden, wurden die Urheber_innen relevant\u201c, erkl\u00e4rt Thiemann. Sie will das Thema weiter erforschen und ist \u00fcberzeugt, an der mdw daf\u00fcr den idealen Ort gefunden zu haben: \u201eDie Wahrnehmung von Komponistinnen aus der Vergangenheit ist ebenso l\u00fcckenhaft. An der mdw gibt es den Forschungsdrang und Kolleg_innen, die sich damit besch\u00e4ftigen und auseinandersetzen.\u201c F\u00fcr Thiemann steht fest: \u201eEs gibt so viele interessante Autorinnen und ihre St\u00fccke zu entdecken. Ich will dazu beitragen, dass sie jenseits der Archive zug\u00e4nglich und auf B\u00fchnen gespielt werden.\u201c Am Schauspielhaus Graz gelangte diesen Herbst unter dem Titel <i>Von einem Frauenzimmer<\/i> eines dieser St\u00fccke einer \u201evergessen gemachten\u201c Autorin nach 245 Jahren zu seiner Urauff\u00fchrung: <i>D\u00fcval und Charmille<\/i> von Christiane Karoline Schlegel.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist die Basis des Schauspielhandwerks? Anja Thiemann, seit M\u00e4rz 2023 Professorin am Max Reinhardt Seminar, gibt im mdw-Magazin Einblicke in ihre Arbeit mit den Schauspielstudierenden des ersten Jahrgangs, ihre vielseitige Karriere und \ufeffihre Strategie, um verdr\u00e4ngte Autorinnen zur\u00fcck ins \u00f6ffentliche Licht zu bringen.<\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":9472,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[1432,1444,810],"class_list":["post-9468","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-drama","tag-2023-4","tag-anjathiemann","tag-maxreinhardtseminar"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9468","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/34"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9468"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9468\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9596,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9468\/revisions\/9596"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9472"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9468"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9468"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9468"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}