{"id":9443,"date":"2023-11-27T14:59:41","date_gmt":"2023-11-27T13:59:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=9443"},"modified":"2023-11-27T15:41:46","modified_gmt":"2023-11-27T14:41:46","slug":"ins-exil-und-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2023\/11\/27\/ins-exil-und-zurueck\/","title":{"rendered":"Ins Exil und zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"Im Jahr 2016 wurde der Verein exil.arte als Forschungszentrum Exilarte in die mdw eingegliedert. <a href=\"https:\/\/exilarte.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Exilarte<\/a> ist ein Zentrum f\u00fcr die Rezeption, Bewahrung, Erforschung und Pr\u00e4sentation von Komponist_innen, Interpret_innen, Musikwissenschaftler_innen und Theaterk\u00fcnstler_innen, die in den Jahren des NS-Regimes als \u201eentartet\u201c gebrandmarkt sowie aufgrund der N\u00fcrnberger Rassengesetze der Nationalsozialisten verfolgt wurden. Heute ist das Zentrum in der Lage, Nachl\u00e4sse zu sammeln, zu archivieren und auf vielf\u00e4ltige Weise zu pr\u00e4sentieren: mittels Ausstellungen, Symposien, Konzerten, CDs und Publikationen sowie bei internationalen Konferenzen. Die Aktivit\u00e4ten dienen nicht nur dem dokumentarischen Zweck der Holocaust-Forschung, sondern erreichen durch ihren p\u00e4dagogischen Charakter auch j\u00fcngere Generationen \u2013 die Schaffung eines globalen Bewusstseins f\u00fcr die Komplexit\u00e4t dieses Themas ist dem Zentrum und allen Beteiligten ein besonderes Anliegen. Dieses Ziel wurde von Anfang an von der internationalen \u00d6ffentlichkeit anerkannt und mit dem Golden Stars Award der Europ\u00e4ischen Kommission und dem Bank Austria Kunstpreis International ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Durch die Eingliederung in die Universit\u00e4t wurden die Aktivit\u00e4ten von Exilarte als Forschungszentrum auf eine neue, breitere Ebene gehoben: Die Aufgaben haben sich vervielfacht und die internationale Pr\u00e4senz hat zugenommen. Exilarte verf\u00fcgt aktuell \u00fcber B\u00fcror\u00e4ume, einen Ausstellungsbereich sowie ein Archivmagazin, das in den letzten sieben Jahren seit der Gr\u00fcndung nun bereits \u00fcber 30 Nachl\u00e4sse aufgenommen hat. Schlie\u00dflich gibt es auch einen Mehrzweckraum, der zum einen als Lesesaal f\u00fcr externe Besucher_innen und zum anderen als Seminarraum f\u00fcr jene Kurse dient, die Studierenden und Forschenden angeboten werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9445\" aria-describedby=\"caption-attachment-9445\" style=\"width: 789px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9445 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image0-7-789x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"789\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image0-7-789x1024.jpg 789w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image0-7-231x300.jpg 231w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image0-7-768x997.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image0-7-1183x1536.jpg 1183w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image0-7-1578x2048.jpg 1578w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image0-7-850x1103.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/post-1_image0-7.jpg 1742w\" sizes=\"auto, (max-width: 789px) 100vw, 789px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9445\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Katharina Reischl<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aufgrund der internationalen Vernetzung der Mitarbeiter_innen und den Kontakt zum Bundesministerium f\u00fcr europ\u00e4ische und internationale Angelegenheiten (BMEIA) sowie insbesondere zu den weltweit aktiven \u00f6sterreichischen Kulturforen, k\u00f6nnen erste Kontakte mit Rechtsnachfolger_innen aufgenommen werden. Solche Kontaktnahmen f\u00fchren selten zur sofortigen \u00dcbergabe des Nachlasses. Der intensive Austausch kann sich durchaus \u00fcber Jahre hinweg ausdehnen. Es ist ein \u00e4u\u00dferst sensibler Vorgang, durch den man den Nachfahr_innen die M\u00f6glichkeit gibt, \u00fcber eine sichere Verwahrung und professionelle Verbreitung nachzudenken. Oftmals werden Argumente laut, die die R\u00fcckkehr der Materialien in ein Land oder auf einen Kontinent infrage stellen, da von diesem die Bedrohung und die Flucht ausgegangen waren und dort auch Verwandte ums Leben kamen oder ermordet wurden. Anderseits empfinden es viele Rechtsnachfolger_innen als \u201eHeimkehr\u201c, als R\u00fcckkehr in jenes Land der M\u00fctter und V\u00e4ter, das diese Menschen gepr\u00e4gt hat. Interessant ist, dass es gerade die \u00fcberlebenden Holocaust-Opfer sind, die einen positiven Aspekt in dieser R\u00fcckkehr erkennen.<\/p>\n<p>Ein besonders eindrucksvolles und ber\u00fchrendes Erlebnis war die R\u00fcckkehr des Nachlasses von Hans G\u00e1l, dessen Tochter durch ihre pers\u00f6nliche Involviertheit in der Verbreitung des \u0152uvres ihres Vaters zehn Jahre gewartet hat, bevor sie einem Transport zugestimmt hat. Erst die Gr\u00fcndung des Forschungszentrums Exilarte im Jahr 2016 konnte sie von einer \u201e\u00dcbersiedlung\u201c nach Wien \u00fcberzeugen. Dennoch war die \u00dcbergabe nicht ohne Weiteres m\u00f6glich. Bei der Abholung hat die Tochter des Komponisten jede autografe Partiturseite umgebl\u00e4ttert, um sich gleichsam auf diese Weise vom Vater zu verabschieden. Selbstverst\u00e4ndlich bleibt auch nach dem Transport der Kontakt mit den Rechtsnachfolger_innen bestehen.<\/p>\n<p>Nach der \u00dcbernahme eines Nachlasses wird im Archiv des Exilarte Zentrums eine erste Sichtung des Materials durchgef\u00fchrt und eine erste Sortierung vorgenommen. In manchen F\u00e4llen sind die Best\u00e4nde bereits durch die Nachlasser_innen oder die Rechtsnachfolger_innen geordnet, hier wird die gegebene Reihenfolge respektiert und nicht ver\u00e4ndert. Diese erste Bestandsaufnahme gibt einen \u00dcberblick \u00fcber den Umfang des Materials und best\u00e4tigt die \u00dcbernahme der einzelnen Objekte. Sie ist f\u00fcr den internen Gebrauch gedacht und bildet die Basis f\u00fcr die weitere detaillierte Bearbeitung der Nachl\u00e4sse. Da das oberste Ziel die Auff\u00fchrung des gesammelten Musikmaterials ist, besteht der zweite wichtige Schritt in der Erstellung der Werklisten, die auf der Website des Zentrums zur Verf\u00fcgung gestellt werden sollen. Hier werden die im Nachlass enthaltenen Werke aufgelistet und jedes Musikst\u00fcck in seiner materiellen Form, jede Partitur, jede Instrumental- und Gesangsstimme dokumentiert und mit einer spezifischen Signatur versehen, damit sie jederzeit genau identifiziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Derzeit wird an der Erstellung einer Datenbank gearbeitet, die in erster Linie Musikst\u00fccke und Korrespondenz enthalten wird. Lebensdokumente und Fotos werden zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt hinzugef\u00fcgt, aber Informationen k\u00f6nnen jederzeit im Exilarte-Archiv eingeholt werden. Durch die Ausstellungen k\u00f6nnen themenbezogen die vorhandenen Nachl\u00e4sse vorgestellt werden. Durch die Kooperation mit international renommierten Verlagen (Boosey &amp; Hawkes, London sowie G. Schirmer\/Wise Music, New York) ist nun auch sichergestellt, dass die musikalischen Sch\u00f6pfungen, die nach dem Willen der Nationalsozialisten f\u00fcr immer ungenannt und ungeh\u00f6rt bleiben sollten, an Solist_innen, Ensembles und Dirigent_innen sowie Konzertveranstalter_innen und Opernh\u00e4user verbreitet werden k\u00f6nnen.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Jahr 2016 wurde der Verein exil.arte als Forschungszentrum Exilarte in die mdw eingegliedert. Exilarte ist ein Zentrum f\u00fcr die Rezeption, Bewahrung, Erforschung und Pr\u00e4sentation von Komponist_innen, Interpret_innen, Musikwissenschaftler_innen und Theaterk\u00fcnstler_innen, die in den Jahren des \ufeffNS-Regimes als \u201eentartet\u201c gebrandmarkt sowie aufgrund der N\u00fcrnberger Rassengesetze der Nationalsozialisten verfolgt wurden.<\/p>\n","protected":false},"author":209,"featured_media":9446,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[1432,1434,1435,952,854],"class_list":["post-9443","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2023-4","tag-exil","tag-exile","tag-exilarte","tag-special"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9443","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/209"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9443"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9443\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9614,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9443\/revisions\/9614"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9446"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9443"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9443"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9443"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}