{"id":9420,"date":"2023-11-23T18:55:06","date_gmt":"2023-11-23T17:55:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=9420"},"modified":"2023-11-27T13:19:07","modified_gmt":"2023-11-27T12:19:07","slug":"musiktherapie-und-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2023\/11\/23\/musiktherapie-und-gesellschaft\/","title":{"rendered":"Musiktherapie und Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<h1>Ein Forschungsschwerpunkt am Wiener Zentrum f\u00fcr Musiktherapie-Forschung (WZMF)<\/h1>\n<p>Musiktherapeutische Praxis, Forschung und Lehre sind stets in gr\u00f6\u00dfere Kontexte eingebunden, mit welchen sie in wechselseitiger Beziehung stehen. Dieses Verh\u00e4ltnis kann auf unterschiedlichen Ebenen untersucht werden: Auf der Makroebene sind es gesamtgesellschaftliche Normen und Strukturen, die Einfluss darauf nehmen, wie Musiktherapie konzipiert und praktiziert wird. Auf der Mesoebene treffen in den Institutionen, in denen Musiktherapie praktiziert wird, die Wertesysteme unterschiedlicher Professionen aufeinander. Auf der Mikroebene schlie\u00dflich werden all diese Einflussfaktoren in der direkten Begegnung von Menschen deutlich: von Therapeut_innen und Klient_innen, aber auch Kolleg_innen in multiprofessionellen Teams.<\/p>\n<p>Diesem Themenspektrum widmet sich ein neu eingerichteter Forschungsschwerpunkt am WZMF. Mit finanzieller Unterst\u00fctzung des Gender|Queer|Diversit\u00e4t-Call_mdw 2022 der Plattform Gender_mdw wurde im Rahmen einer Lehrveranstaltung, geleitet von Julia Fent, ein \u00f6ffentliches Symposium im Juni 2023 durchgef\u00fchrt, das den Auftakt f\u00fcr einen Austausch zwischen Studierenden, Lehrenden, Forschenden und Praktiker_innen aus der Musiktherapie und angrenzenden Bereichen zu den umrissenen Themenfeldern bildete. Allgemeine Grundprinzipien des Forschungsschwerpunkts Musiktherapie und Gesellschaft sind erstens die Verdeutlichung unterschiedlicher epistemologischer Grundannahmen musiktherapeutischen Forschens und resultierender Evidenzbegriffe, zweitens die kritische Reflexion unterschiedlicher Positioniertheiten aller Beteiligten hinsichtlich gesellschaftlicher Machtverh\u00e4ltnisse, drittens der Einbezug organisationaler Faktoren wie etwa verschiedener Wertesysteme im Gesundheitswesen und deren hierarchischer Verh\u00e4ltnisse und viertens die Kooperation und Vernetzung zu relevanten Stakeholder_innen der Gesellschaft.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9579\" aria-describedby=\"caption-attachment-9579\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9579 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/musiktherapie_c-stp_web-038-9917-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/musiktherapie_c-stp_web-038-9917-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/musiktherapie_c-stp_web-038-9917-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/musiktherapie_c-stp_web-038-9917-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/musiktherapie_c-stp_web-038-9917-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/musiktherapie_c-stp_web-038-9917-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/musiktherapie_c-stp_web-038-9917-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9579\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>In verschiedenen Forschungsprojekten am WZMF konkretisiert sich dies unter anderem in den folgenden Fragestellungen:<\/p>\n<h5>Welche gesellschaftlichen Normen wirken in der Musiktherapie und wie zeigt sich das?<\/h5>\n<p>Die Reflexion dieser Frage soll der (Re-)Produktion stereotyper Zuschreibungen in der eigenen Praxis entgegenwirken. Im aktuellen Forschungsprojekt <i>REFLEaCT<\/i> (Leitung: Julia Fent) wird der Frage nachgegangen, welche Anforderungen und Potenziale f\u00fcr die Musiktherapie der bewusste Einbezug der gesellschaftlichen Dimension psychischer Probleme (etwa Armut, Diskriminierung, Stigmatisierung) mit sich bringt.<\/p>\n<h5>Wie entwickelt sich die berufliche Situation von Musiktherapeut_innen im Verlauf der Zeit?<\/h5>\n<p>Das Projekt <i>Musiktherapie-Monitor \u00d6sterreich<\/i> (Leitung: Hannah Riedl und Eva Phan Quoc) untersucht alle zwei Jahre mittels Online-Fragebogenerhebung unter Musiktherapeut_innen, wie sich die berufliche Situation, die Arbeitsfelder, die finanzielle Situation u.a. darstellen. So k\u00f6nnen Ver\u00e4nderungen im Praxisfeld sichtbar und Wechselwirkungen mit gesellschaftlichen Entwicklungen nachvollziehbar gemacht werden.<\/p>\n<h5>Wie ist Musiktherapie im Gesundheitssystem verankert und welche \u00f6konomischen und ethischen Fragestellungen ergeben sich daraus?<\/h5>\n<p>Trotz gesetzlicher Anerkennung als Gesundheitsberuf ist eine Kassenverrechnung musiktherapeutischer Leistungen im niedergelassenen Bereich bisher nicht m\u00f6glich, was ungleiche Zugangsm\u00f6glichkeiten nach sich zieht. In einem aktuellen PhD-Projekt von Hannah Riedl liegt der Fokus auf dem interdisziplin\u00e4ren Feld \u201eMusiktherapie und Gesundheits\u00f6konomie\u201c als einer M\u00f6glichkeit, sich dieser Thematik anzun\u00e4hern.<\/p>\n<h5>Welche gesellschaftlichen Bed\u00fcrfnisse kann die Musiktherapie wahrnehmen, um positiv in die Gesellschaft hineinzuwirken?<\/h5>\n<p>Gesellschaftspolitisches Engagement kennzeichnet durch die Arbeit mit marginalisierten Personen (z.B. in Psychiatrie oder Sonder- und Heilp\u00e4dagogik) seit jeher die Wiener Musiktherapie-Tradition. Die Fokussierung auf bisher nur wenig ber\u00fccksichtigte Zielgruppen und Themenstellungen soll dies fortf\u00fchren und erweitern. W\u00e4hrend der Covid-19-Pandemie f\u00fchrte das WZMF in Kooperation mit dem Institut f\u00fcr Musiksoziologie das pr\u00e4ventive Online-Projekt <a>lieblingslied.at<\/a> (Leitung: Thomas Stegemann) durch. Aktuell werden in <i>SpielRaum schaffen<\/i> (Leitung: Julia Fent) die gesundheitsf\u00f6rdernden Potenziale von Musiktherapie im Kontext von Wohnungslosigkeit erforscht.<\/p>\n<h5>Wie kann musiktherapeutische Forschung m\u00f6glichst inklusiv gestaltet werden und die Perspektiven von Nutzer_innen angemessen einbinden?<\/h5>\n<p>Dies erfordert das Hinterfragen g\u00e4ngiger Wissensbegriffe, wie dies etwa durch partizipative Forschung geschehen kann. Im Rahmen von <i>My Tune<\/i> (Leitung: Julia Fent und Irene Stepniczka) sowie <i>SpielRaum schaffen <\/i>werden bzw. wurden Musiktherapie-Nutzer_innen und Praktiker_innen in verschiedener Weise als Co-Forschende eingebunden.<\/p>\n<p>Als weitere Schritte in der Konsolidierung des Forschungsschwerpunkts stehen der Aufbau externer Kooperationen sowie die noch st\u00e4rkere themenbezogene Vernetzung innerhalb der mdw an. So soll sich das WZMF k\u00fcnftig zu einem Kompetenzzentrum f\u00fcr eine diversit\u00e4tsreflektierte und machtkritische Musiktherapie im Bewusstsein ihrer gesellschaftlichen Situiertheit entwickeln.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musiktherapeutische Praxis, Forschung und Lehre sind stets in gr\u00f6\u00dfere Kontexte eingebunden, mit welchen sie in wechselseitiger Beziehung stehen. Dieses Verh\u00e4ltnis kann auf unterschiedlichen Ebenen untersucht werden.<\/p>\n","protected":false},"author":339,"featured_media":9579,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[1432,481,483],"class_list":["post-9420","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-report","tag-2023-4","tag-musiktherapie","tag-wzmf"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9420","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/339"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9420"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9420\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9582,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9420\/revisions\/9582"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9579"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9420"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9420"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9420"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}