{"id":936,"date":"2017-05-02T11:15:55","date_gmt":"2017-05-02T09:15:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=936"},"modified":"2018-01-18T11:00:30","modified_gmt":"2018-01-18T10:00:30","slug":"nicht-verstellung-ist-die-aufgabe-des-schauspielers-sondern-enthuellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2017\/05\/02\/nicht-verstellung-ist-die-aufgabe-des-schauspielers-sondern-enthuellung\/","title":{"rendered":"\u201eNicht Verstellung ist die Aufgabe des Schauspielers, sondern Enth\u00fcllung.\u201c"},"content":{"rendered":"<strong>Was wie ein Gebot an den W\u00e4nden des Max Reinhardt Seminars in Penzing geschrieben steht, hat von seiner G\u00fcltigkeit bis heute nichts eingeb\u00fc\u00dft. Auf der B\u00fchne wie vor dem Auge der Kamera gilt es authentisch und echt zu sein, um das Publikum zu fesseln. Ein Blick in die Unterrichtspraxis an der mdw zeigt: Die Studierenden des Max Reinhardt Seminars werden darauf gut vorbereitet.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_1014\" aria-describedby=\"caption-attachment-1014\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1014\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/schauspiel_beitragsbild.jpg\" alt=\"Kamera\" width=\"800\" height=\"462\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/schauspiel_beitragsbild.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/schauspiel_beitragsbild-300x173.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/schauspiel_beitragsbild-768x444.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1014\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9shutterstock \/ ponsulak<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Unterscheidung zwischen Theater- und FilmschauspielerInnen, die nach Aufkommen des Stumm- beziehungsweise Tonfilms oft vorgenommen wurde, gilt heute als obsolet. Nicht nur aus finanziellen Gr\u00fcnden bedienen alteingesessene sowie junge SchauspielerInnen heute beides und kommen um audio(-visuelle) Medien meist nicht herum. \u201eDas wird in Zukunft noch st\u00e4rker werden\u201c, ist auch der Wiener Autor und Regisseur Sebastian Brauneis \u00fcberzeugt, der seit 2014 am Max Reinhardt Seminar das Fach Arbeit vor der Kamera leitet. \u201eWir haben alle einen Screen in der Tasche, arbeiten die meiste Zeit vor Bildschirmen und sogar das klassische Plakat wird abgel\u00f6st. All das sind leere Fl\u00e4chen, die Content brauchen, und diesen Content muss jemand plausibel r\u00fcberbringen.\u201c Dabei geht es nicht darum, die Leistung von der B\u00fchne direkt auf den Bildschirm zu\u00a0\u00fcbertragen. W\u00e4hrend der Moment auf der Theaterb\u00fchne unwiederbringlich ist, h\u00e4lt die Kamera Vorg\u00e4nge auf Dauer fest. Das wirkt sich auch auf die Personen vor der Linse aus. \u201eDie Kamera am Set kann schon mal wie ein schwarzes Loch wirken, in das man nicht hineinschauen kann\u201c, so Brauneis. \u201eAuf der B\u00fchne bleibt die Geste unreproduzierbar \u2013 es ist ein momentanes Ereignis. Wenn ich vor der Kamera einen Fehler mache, speichert diese das f\u00fcr immer ab. Beim Film arbeiten zudem eine Menge hochspezialisierte Leute, komplexe Technik kommt zum Einsatz und das alles kostet extrem viel Geld. Es kann ein riesiger Druck sein, wenn man wei\u00df, man macht etwas f\u00fcr die Ewigkeit.\u201c Gleichzeitig bringe die Kamera aber durchaus auch etwas Befreiendes mit sich, ist er \u00fcberzeugt: \u201eSie ist ein ehrlicher Partner und nimmt uns so wie wir sind. Im Gegensatz zum Menschen ist die Kamera frei von Bewertung. Sie ist eine Wahrheitenmaschine, vor allem aber eine M\u00f6glichkeitenmaschine.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_1015\" aria-describedby=\"caption-attachment-1015\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1015\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/istvan_szabo.jpg\" alt=\"Istv\u00e1n Szab\u00f3\" width=\"400\" height=\"527\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/istvan_szabo.jpg 400w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/istvan_szabo-228x300.jpg 228w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1015\" class=\"wp-caption-text\">Istv\u00e1n Szab\u00f3 \u00a9privat \/ zur Verf\u00fcgung gestellt<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der ungarische Regisseur und Oscarpreistr\u00e4ger Istv\u00e1n Szab\u00f3 zeichnet f\u00fcr das Seminar Fernseh- und Filmarbeit verantwortlich und auch er kennt die Herausforderungen, denen sich die Studierenden stellen m\u00fcssen: \u201eDie Kamera bietet die M\u00f6glichkeit, die Gedanken und Gef\u00fchle aus der N\u00e4he zu zeigen, die auf dem menschlichen Gesicht, im Blick der Augen entstehen. Und auch wie sich diese in andere, neue Gedanken und Gef\u00fchle wandeln. Was im Theater eine Geste erfordert, daf\u00fcr kann vor der Kamera vielleicht ein Blick oder dessen \u00c4nderung reichen. Das erfordert vom Schauspieler pers\u00f6nliche Gef\u00fchle, starke Anwesenheit, st\u00e4ndige Intensit\u00e4t. Das Spiel in Filmen erfordert die vollkommene Nat\u00fcrlichkeit, die Kraft des Schweigens, Geheimnisse, den Besitz von Mitteln des Ohne-Mittel-Spieles.\u201c Vor allem mittels Nahaufnahmen wird das in seinem Seminar ge\u00fcbt: \u201eDie besondere Herausforderung in der schauspielerischen Arbeit vor der Kamera ist, dass die darzustellende Wahrheit auch in den Details wirklichkeitstreu, real dargestellt werden soll. Auf der gro\u00dfen Leinwand duldet die Kamera keine Stilisierung. ,Gespielte\u2018 Gef\u00fchle oder ein leerer Blick werden von der Kamera sofort entlarvt. Die ZuschauerInnen im Kino folgen nur dann einer Leidenschaft, wenn sie sie als echt und glaubw\u00fcrdig empfinden. Zu dieser Erkenntnis sollen die Studierenden kommen.\u201c<\/p>\n<p>In beiden Seminaren werden mit dem 3. und 4. Jahrgang Szenen erarbeitet, ge\u00fcbt und schlie\u00dflich gefilmt und analysiert. \u201eEs geht auch darum, zu verstehen, dass der Film eine eigene Form hat, einem eigenen Rhythmus und speziellen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten folgt\u201c, so Brauneis. Neben einer theoretischen Einf\u00fchrung geht es vor allem darum, das Vokabular des Films zu kennen, zu verstehen wie ein Set funktioniert. Auch \u00dcbungen zum Umgang mit Emotionen, dem K\u00f6rper, der Haltung und der Sprache sind essentiell.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1016\" aria-describedby=\"caption-attachment-1016\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1016\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Sebastian_Brauneis.jpg\" alt=\"Sebastian Brauneis\" width=\"400\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Sebastian_Brauneis.jpg 400w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Sebastian_Brauneis-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1016\" class=\"wp-caption-text\">Sebastian Brauneis \u00a9privat \/ zur Verf\u00fcgung gestellt<\/figcaption><\/figure>\n<p>Richtig gedreht wird mit Sebastian Brauneis schlie\u00dflich in Kooperation mit der Filmakademie Wien in den Filmstudios am mdw-Campus am Anton-von-Webern-Platz. Eine\u00a0Zusammenarbeit, die ausgezeichnet funktioniere und das alles \u00fcberhaupt erst erm\u00f6gliche. Freiwillig arbeiten Studierende der Kameraklasse der Filmakademie Wien mit, und in einem fertig aufgebauten B\u00fchnenbild in einem hochprofessionellen Studio k\u00f6nnen die Schauspielstudierenden ihre Szenen aufnehmen, um diese anschlie\u00dfend zu analysieren.<\/p>\n<p>In diesem Jahr kam erstmals auch Mel Churcher, ein Acting- und Stimm-Coach aus England, ans Max Reinhardt Seminar, um mit den Studierenden zu arbeiten. Mel Churcher brachte selbst viele Jahre B\u00fchnen- und Schauspielerfahrung mit, bevor sie Coach wurde und mit internationalen Stars wie Benedict Cumberbatch, Milla Jovovich, Angelina Jolie, Jet Li uvm. arbeitete. Sie kennt somit beide Seiten \u2013 vor und hinter der Kamera. (Interview mit Mel Churcher von Florian Reiners \u2013 siehe unten!)<\/p>\n<p>Vor der Kamera \u201eauthentisch\u201c zu sein hat laut Sebastian Brauneis viel mit Mut zu tun. \u201eEs geht darum, mutig zu sein. Um mutig zu sein, muss man sich etwas trauen, und um sich zu trauen, muss man vor allem vertrauen\u201c, erkl\u00e4rt er im Interview mit dem <em>mdw-Magazin<\/em>. Ein allumfassendes Rezept daf\u00fcr gibt es nicht und das sei auch gut so. \u201eWir vom Lehrk\u00f6rper wollen ja st\u00e4ndig vor neue Herausforderungen gestellt werden und arbeiten mit Individuen, die wir immer wieder neu kennenlernen m\u00fcssen. Das Ziel darf kein Schema F sein.\u201c Eine \u201ehandwerkliche\u201c Grundausbildung sei trotzdem unerl\u00e4sslich. Erst wenn die Studierenden ihre \u201eWerkzeuge\u201c kennen, k\u00f6nnen Sie entscheiden, was sie damit machen.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr Istv\u00e1n Szab\u00f3 geht es vor allem um die Einzigartigkeit der Studierenden: \u201eDie Studierenden sollen die Freude kennenlernen, zu sich selbst zu stehen. Sie sollen niemand anderem \u00e4hnlich zu sein w\u00fcnschen, die Verhaltensform oder den Stil eines anderen nachahmen. Sie sollen sich freuen, dass sie \u2013 wie jeder Mensch \u2013 einzigartig sind, es gibt sie nur ein einziges Mal. Sie sollen ihr Gesicht mutig, frei und ehrlich als M\u00f6glichkeit wahrnehmen, es geh\u00f6rt ja nur ihnen, mit ihren Emotionen und Instinkten. In den von ihnen dargestellten Charakteren, sollen sie nach sich selbst suchen.\u201c","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was wie ein Gebot an den W\u00e4nden des Max Reinhardt Seminars in Penzing geschrieben steht, hat von seiner G\u00fcltigkeit bis heute nichts eingeb\u00fc\u00dft. 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