{"id":9351,"date":"2023-11-27T17:57:30","date_gmt":"2023-11-27T16:57:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=9351"},"modified":"2023-11-24T10:55:27","modified_gmt":"2023-11-24T09:55:27","slug":"von-kabul-ins-exil-und-nach-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2023\/11\/27\/von-kabul-ins-exil-und-nach-wien\/","title":{"rendered":"Von Kabul ins Exil \u2013 und nach Wien"},"content":{"rendered":"<h1>Ein Studientag zur Musik Afghanistans<\/h1>\n<p>Der Studientag brachte am 2. Juni ein dringendes Thema an die mdw. <em>Afghan Music in Exile. Views on the Current Situation<\/em>, so der Titel der eint\u00e4gigen Veranstaltung, wurde von Marko K\u00f6lbl (Institut f\u00fcr Volksmusikforschung und Ethnomusikologie) und Peter Lell (Strukturiertes Doktoratsprogramm Music Matters) initiiert und stand ganz im Zeichen der Musik Afghanistans. Insbesondere die aktuelle Situation f\u00fcr Musiker_innen und die Musikszene war im Fokus und wurde dezidiert aus der Perspektive von afghanischen Expert_innen beleuchtet.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9368\" aria-describedby=\"caption-attachment-9368\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9368 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/4_IMG_7737-\u252c\u00ae-Peter-Lell-1024x768.jpg\" alt=\"\u00a9 Peter Lell\" width=\"850\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/4_IMG_7737-\u252c\u00ae-Peter-Lell-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/4_IMG_7737-\u252c\u00ae-Peter-Lell-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/4_IMG_7737-\u252c\u00ae-Peter-Lell-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/4_IMG_7737-\u252c\u00ae-Peter-Lell-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/4_IMG_7737-\u252c\u00ae-Peter-Lell-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/4_IMG_7737-\u252c\u00ae-Peter-Lell-850x638.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9368\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Peter Lell<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dies geschah vor dem Hintergrund, dass die radikal-islamistischen Taliban im August 2021 die Macht im Land \u00fcbernommen und jegliche Musikaus\u00fcbung verboten haben. Seitdem werden Musiker_innen diskriminiert, verfolgt und in einigen F\u00e4llen sogar ermordet. Die Taliban hatten das Land bereits von 1996 bis 2001 regiert und damals ebenfalls jegliche Musikaus\u00fcbung mit Ausnahme ihrer eigenen Lobges\u00e4nge (\u201eTaranas\u201c) vollst\u00e4ndig verboten. Viele Musiker_innen mussten damals in gro\u00dfen Scharen ins Exil nach Pakistan, in den Iran oder in den Westen fliehen. Mit der vorl\u00e4ufigen Niederlage der Taliban begann 2002 eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig friedliche und florierende Zeit f\u00fcr die afghanische Gesellschaft sowie die afghanische Musik. Viele Musikinstitutionen wurden gegr\u00fcndet oder wieder aufgebaut, darunter das Afghanistan National Institute of Music (ANIM), das Musikdepartment der Kabul University und die Aga Khan Music Initiative (AKMI). Mit der erneuten Macht\u00fcbernahme im August 2021 sind all diese Institutionen abermals geschlossen und ihre Mitglieder im Untergrund oder im Exil.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9367\" aria-describedby=\"caption-attachment-9367\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9367 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/1_DSCF6542-\u252c\u00ae-Lauge-Dideriksen-1024x683.jpg\" alt=\"\u00a9 Lauge Dideriksen\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/1_DSCF6542-\u252c\u00ae-Lauge-Dideriksen-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/1_DSCF6542-\u252c\u00ae-Lauge-Dideriksen-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/1_DSCF6542-\u252c\u00ae-Lauge-Dideriksen-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/1_DSCF6542-\u252c\u00ae-Lauge-Dideriksen-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/1_DSCF6542-\u252c\u00ae-Lauge-Dideriksen-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/1_DSCF6542-\u252c\u00ae-Lauge-Dideriksen-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9367\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Lauge Dideriksen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Einige der Vertreter_innen dieser wichtigen Institutionen konnten f\u00fcr den Studientag an der mdw eingeladen werden und haben \u00fcber die Musikinstitute, ihre aktuelle Lage und die Musikszene insgesamt referiert und diskutiert. Bilal Asify gab Einblick in die Situation der wichtigsten Musikschule Afghanistans (ANIM), die sich mittlerweile in Portugal im Exil befindet und dort, wenn auch mit einigen Hindernissen, einer neuen Zukunft entgegensieht. Wahedullah Saghar, ehemals Leiter des Musikdepartments der Kabul University, referierte \u00fcber die einzige akademische Musikeinrichtung des Landes, ihre Rolle in der afghanischen Gesellschaft und die derzeitige Situation \u2013 im August 2021 musste er das Land verlassen und das Musikdepartment wurde seitdem vollst\u00e4ndig geschlossen. Der Musikwissenschaftler Mirwaiss Sidiqi lieferte einen \u00dcberblick \u00fcber Afghanistans Musik, die \u201egoldenen Zeiten\u201c in den 1960er-Jahren und seine Mitwirkung am Aufbau einer Musikausbildung im Rahmen von AKMI. Die erste in diesem Programm ausgebildete Rubab-Spielerin des Landes, Fazila Zamir, sprach \u00fcber die Rolle von Frauen in der Musikgeschichte Afghanistans, die gesellschaftlichen H\u00fcrden, mit denen sie sich konfrontiert sahen und wie sie ihren eigenen musikalischen Weg gefunden hat. Die Bedeutung des staatlichen Rundfunksenders Radio Television Afghanistan (RTA) und dessen historisch einzigartigem Musikarchiv wurden im Gespr\u00e4ch mit Abdul Wahab Sarwary und Mohammad Sediq Zarifyar deutlich. Das RTA-Musikarchiv befindet sich noch immer in der Hauptstadt Kabul und ist damit in akuter Gefahr vor willk\u00fcrlicher Zerst\u00f6rung durch die neuen Machthaber.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9369\" aria-describedby=\"caption-attachment-9369\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9369 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/5_IMG_7761-\u252c\u00ae-Peter-Lell-1024x768.jpg\" alt=\"\u00a9 Peter Lell\" width=\"850\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/5_IMG_7761-\u252c\u00ae-Peter-Lell-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/5_IMG_7761-\u252c\u00ae-Peter-Lell-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/5_IMG_7761-\u252c\u00ae-Peter-Lell-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/5_IMG_7761-\u252c\u00ae-Peter-Lell-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/5_IMG_7761-\u252c\u00ae-Peter-Lell-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/5_IMG_7761-\u252c\u00ae-Peter-Lell-850x638.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9369\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Peter Lell<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die vielf\u00e4ltigen Themen des Studientages wurden stets aus der aktuellen politischen Situation beleuchtet und themen\u00fcbergreifend diskutiert. Der \u00f6sterreichisch-afghanische Journalist Emran Feroz nahm sich der vermittelnden Rolle an und leitete den Studientag mit einer sehr pers\u00f6nlichen Einf\u00fchrung ein und beendete ihn mit der Moderation der abschlie\u00dfenden Paneldiskussion. Diese er\u00f6ffnete als H\u00f6hepunkt des Studientages einen Austausch zwischen allen eingeladenen Expert_innen \u00fcber die aktuelle Lage und M\u00f6glichkeiten zur Unterst\u00fctzung der Musiker_innen und der Musikszene des Landes. Insbesondere die Folgen der erzwungenen Vertreibung vieler Akteur_innen in weit verstreute L\u00e4nder wurden als gro\u00dfes Hindernis f\u00fcr den Aufbau einer aktiven Musikszene diagnostiziert und das dringende Bed\u00fcrfnis nach einer Vernetzung und Kooperation \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg diskutiert.<\/p>\n<p>Nach einem gemeinsamen Abendessen mit afghanischen Spezialit\u00e4ten fand der Studientag mit dem Konzert zweier Meistermusiker Afghanistans, Ustad Ghulam Hussein auf der Rubab und Ustad Latif Sharifi auf der Dhol, seinen k\u00fcnstlerischen H\u00f6hepunkt. Die musikalische Darbietung der beiden Meister wurde vom Publikum im prall gef\u00fcllten Bankettsaal mit tosendem Applaus und stehendem Beifall zelebriert.<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen:<\/strong><br \/>\nAusgew\u00e4hlte Beitr\u00e4ge und das abschlie\u00dfende Konzert \u201eTraditional Music of Afghanistan\u201c zum Nachh\u00f6ren auf <a href=\"https:\/\/www.fro.at\/ive-study-day-afghan-music-in-exile\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Radio FRO<\/a>.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Studientag zur Musik Afghanistans Der Studientag brachte am 2. Juni ein dringendes Thema an die mdw. Afghan Music in Exile. 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