{"id":924,"date":"2017-05-02T11:06:03","date_gmt":"2017-05-02T09:06:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=924"},"modified":"2020-03-10T10:43:01","modified_gmt":"2020-03-10T09:43:01","slug":"oesterreich-dein-herz-ist-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2017\/05\/02\/oesterreich-dein-herz-ist-wien\/","title":{"rendered":"\u00d6sterreich, dein Herz ist Wien"},"content":{"rendered":"<strong>Anl\u00e4sslich des 65-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums des Instituts f\u00fcr Film und Fernsehen \u2013 Filmakademie Wien ist am Institut ein umfangreiches Archivprojekt mit dem Titel <em>Metternichgasse 12. Eine Arch\u00e4ologie<\/em> gestartet, das erstmalig in der Geschichte des Hauses den Anf\u00e4ngen und Entwicklungen der \u00f6sterreichischen Kaderschmiede gewidmet ist.<\/strong><\/p>\n<p>Es ist einer der ersten Filme, den die Archivgruppe der Filmakademie Wien in den letzten Monaten in den Archiven aufgesp\u00fcrt hat: <em>\u00d6sterreich, dein Herz ist Wien<\/em> \u2013 ein in den Jahren 1956\/57 entstandener Kulturfilm, der als Fremdenverkehrsfilm der Stadt Wien am Institut gedreht wurde. Gegr\u00fcndet wurde die Filmakademie Wien im Jahr 1952, den ForscherInnen ist hier also ein ganz besonderer Fund gelungen, der erste Schl\u00fcsse \u00fcber die Anf\u00e4nge der Ausbildungsst\u00e4tte zul\u00e4sst. \u201eDas war ein interessanter Fund f\u00fcr uns, weil er uns gezeigt hat, dass so fr\u00fch schon Filme hergestellt wurden \u2013 wir waren nicht sicher, ab wann an der Filmakademie Wien tats\u00e4chlich praktisch unterrichtet und gearbeitet wurde\u201c, erz\u00e4hlt Kerstin Parth, Filmwissenschaftlerin und gemeinsam mit Claudia Walkensteiner-Preschl, Michaela Scharf und Albert Meisl eine der vier MitarbeiterInnen des Projekts. Solche Filme, die als Zeitdokumente dienen k\u00f6nnen, sind sehr wichtig f\u00fcr das Forschungsprojekt, denn andere\u00a0Dokumente aus der Fr\u00fchzeit der Filmakademie Wien gibt es nur sehr wenige. Daher durchforsten die MitarbeiterInnen auch das Archiv der Universit\u00e4t und sprechen mit ZeitzeugInnen, ehemaligen Studierenden und AbsolventInnen.<\/p>\n<h3>Jenseits einer kanonisierten Filmgeschichtsschreibung<\/h3>\n<figure id=\"attachment_925\" aria-describedby=\"caption-attachment-925\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-925\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Albert_Meisl.jpg\" alt=\"Albert Meisl\" width=\"300\" height=\"323\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Albert_Meisl.jpg 400w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Albert_Meisl-278x300.jpg 278w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-925\" class=\"wp-caption-text\">Albert Meisl \u00a9Lucio<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein weiterer wichtiger Punkt des Archivprojekts ist die Aufarbeitung des Filmbestandes der Filmakademie Wien, der sich nun in den historischen Geb\u00e4uden von Schloss Laxenburg, der Heimat des Filmarchiv Austria befindet. Vor allem Albert Meisl, selbst Studierender der Filmakademie Wien, verbringt viel Zeit mit der Sichtung der fr\u00fchen Filmarbeiten. \u201eWir haben uns die Aufgabe gestellt, Arbeiten zu finden, die in der Regel seit den 1970er\/1980er Jahren nicht mehr vorgef\u00fchrt wurden\u201c, erkl\u00e4rt er. Einige historische Filme von ehemaligen Studierenden und AbsolventInnen, etwa Ulrich Seidl oder G\u00f6tz Spielmann, seien in den letzten Jahren aufgelegt oder gezeigt worden,doch sehr viele Arbeiten schlummerten seitdem im Archiv. \u201eUnser Ziel ist es, jenseits einer kanonisierten Filmgeschichtsschreibung, die sich an gro\u00dfen Regiepers\u00f6nlichkeiten orientiert, in der Fl\u00e4che zu schauen, was \u00fcberhaupt in diesen fr\u00fchen Dekaden an der Filmakademie Wien produziert wurde und wie diese Filme miteinander zusammenh\u00e4ngen oder auch nicht zusammenh\u00e4ngen.\u201c<\/p>\n<p>Neben <em>\u00d6sterreich, dein Herz ist Wien<\/em>, haben die ForscherInnen schon einige weitere Filmsch\u00e4tze aus dem Archiv geholt. Etwa Tamara Eullers Dokumentarfilm <em>Rosa Lila Villa<\/em> aus dem Jahr 1984 \u00fcber die damals neue und vorbildlose schwul-lesbische Einrichtung, aus dem man ablesen kann, dass die Studierenden der Filmakademie Wien aktuelle Themen ihrer Zeit verarbeitet haben.<\/p>\n<p>Oder auch Peter S\u00e4manns <em>All About Nothing<\/em> aus den Jahren 1969\/70, der bei seiner Auff\u00fchrung bei der Werkschau der Filmakademie Wien im Herbst 2016 f\u00fcr tosenden Applaus gesorgt hat. \u201eDas war eine echte Entdeckung f\u00fcr uns, gerade in der experimentellen Umsetzung, und es ist auch einer der fr\u00fchesten Filme, die wir bislang gefunden und gesichtet haben\u201c, so Kerstin Parth.<\/p>\n<h3>Begegnungen<\/h3>\n<figure id=\"attachment_926\" aria-describedby=\"caption-attachment-926\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-926\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Kerstin_Parth.jpg\" alt=\"Kerstin Parth\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Kerstin_Parth.jpg 400w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Kerstin_Parth-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-926\" class=\"wp-caption-text\">Kerstin Parth \u00a9Florian Schulte<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bei den meisten Filmen im Archiv kann man davon ausgehen, dass sie nach ihrer Entstehung gar nicht oder kaum mehr gezeigt wurden. Im Rahmen der ORF-Sendung <em>Metternichgasse 12<\/em> wurden zwar ab den 1970er Jahren Kurzfilme aus der Filmakademie Wien gezeigt, wodurch die Arbeit der Studierenden einer breiteren \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht wurde, doch nicht alle Filme gelangten hier zur Auff\u00fchrung. Viele der FilmemacherInnen, mit denen die Forschungsgruppe sich nun im Rahmen des Projekts austauscht, haben ihre eigenen Filme schon viele Jahre nicht mehr gesehen und vielleicht auch gar nicht mehr damit gerechnet, sie noch einmal zu Gesicht zu bekommen. Denn die auf 16 oder 35 mm gedrehten analogen Filme sind noch vor Zeiten der VHS-Kassette, DVD oder des Internets entstanden. Dass die FilmemacherInnen sich \u00fcber die Aufmerksamkeit f\u00fcr ihre fr\u00fchen Filme freuen, das schildert Albert Meisl, der schon mit einigen von ihnen intensive Gespr\u00e4che gef\u00fchrt hat: \u201eManchmal sind sie auch irritiert oder erschreckt, weil sie teilweise die Filme seither nicht gesehen haben. Das kann dann auch den Charakter einer Konfrontation haben. Aber es \u00fcberwiegt die Freude.\u201c<\/p>\n<h3>Teamgeist<\/h3>\n<p>Die Begegnung der FilmemacherInnen mit ihren fr\u00fchen Werken ist auch Teil des Oral-History-Projekts, das im Rahmen der Forschungen durchgef\u00fchrt wird. Zusammen mit Studierenden werden die Filme einer\/eines FilmemacherIn\/Filmemachers gesichtet und in mehrst\u00fcndigen Interviews mit diesen besprochen. Eine der InterviewpartnerInnen war Regisseurin Barbara Albert, die sich, wie Kerstin Parth erz\u00e4hlt, in einer Art Zeitreise sehr lebendig an ihre Studienzeit zur\u00fcckerinnerte, in der sie \u201edie k\u00fcnstlerische Freiheit, die es am Haus damals gab, sehr genossen und f\u00fcr sich produktiv gemacht hat\u201c. Dar\u00fcber hinaus formierte sich in Barbara Alberts Studienzeit eine Gruppe von Studierenden, die auch heute noch in Form der coop99 h\u00f6chst erfolgreich zusammenarbeiten.<\/p>\n<p>Es ist auch dieser Teamgeist, der sich als eines der ersten Ergebnisse des Archivprojektes schon erkennen l\u00e4sst. \u201eDie Zusammenarbeit der Studierenden w\u00e4hrend des Studiums ist etwas, was sich sp\u00e4ter auch oft im Berufsleben fortsetzt\u201c, schildert Albert Meisl, \u201ees geh\u00f6rt zur guten Tradition der Filmakademie Wien, dass sich dort Menschen kennenlernen, finden und diese Arbeitsbeziehungen dann ins professionelle Filmschaffen \u00fcberf\u00fchren k\u00f6nnen.\u201c Die f\u00e4cher\u00fcbergreifende Zusammenarbeit der einzelnen Studienrichtungen Buch, Regie, Schnitt, Kamera und Produktion, die im Studienplan verankert ist, f\u00fchrt au\u00dferdem dazu, dass zahlreiche AbsolventInnen des Hauses heute in anderen Filmberufen t\u00e4tig sind, als in denen, die sie urspr\u00fcnglich studiert haben. \u201eDas Erlernen von filmischem Arbeiten macht sich nicht nur an einer Einteilung in eine Studienrichtung fest. Auch das kann zur Tradition der Filmakademie Wien gez\u00e4hlt werden\u201c, sagt Albert Meisl.<\/p>\n<p>Im Laufe der n\u00e4chsten Monate wird die ForscherInnengruppe noch weitere wichtige Erkenntnisse aus dem Archivprojekt gewinnen k\u00f6nnen, aber eines steht heute schon fest: War die Filmakademie Wien in ihren Anf\u00e4ngen noch eine Ausbildungsst\u00e4tte, die zu Beginn konventionelle Kulturfilme wie <em>\u00d6sterreich, dein Herz ist Wien<\/em> herstellte, hat sie sich in den letzten 65 Jahren zu einer experimentierfreudigen und weltweit anerkannten Ausbildungsinstitution entwickelt.<\/p>\n<ul>\n<li>Am <a href=\"http:\/\/stadtkinowien.at\/programm\/150\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Fr, den 9. Juni <\/a>zeigt die Filmakademie Wien im Stadtkino im K\u00fcnstlerhaus ab 20.00 Uhr Archivklassiker der Filmakademie Wien.<\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des 65-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums des Instituts f\u00fcr Film und Fernsehen \u2013 Filmakademie Wien ist am Institut ein umfangreiches Archivprojekt mit dem Titel Metternichgasse 12. Eine Arch\u00e4ologie gestartet, das erstmalig in der Geschichte des Hauses den Anf\u00e4ngen und Entwicklungen der \u00f6sterreichischen Kaderschmiede gewidmet ist. 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