{"id":9153,"date":"2023-09-26T12:20:47","date_gmt":"2023-09-26T10:20:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=9153"},"modified":"2023-09-29T10:30:04","modified_gmt":"2023-09-29T08:30:04","slug":"transkulturalitaet_mdw-music-racism","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2023\/09\/26\/transkulturalitaet_mdw-music-racism\/","title":{"rendered":"Transkulturalit\u00e4t_mdw: Music &#038; Racism"},"content":{"rendered":"Menschen reichen sich tanzend die H\u00e4nde und bewegen sich zwischen Tischen und St\u00fchlen im Raum. An der Spitze der Menschenkette wird ein wei\u00dfes Taschentuch in einer erhobenen Hand im Takt geschwungen. Diese Szene stellt die letzten Augenblicke des zweit\u00e4gigen Symposiums Music &amp; Racism dar, das im Rahmen der Lehrveranstaltungsreihe <i>Trans<\/i>kulturalit\u00e4t_mdw im Mai 2023 im Fanny Hensel-Saal der mdw stattfand. Nach dem gemeinsamen Abendessen im Bankettsaal der mdw folgte die musikalische Performance<i> Carpet Concert <\/i>von Seba Kayan. Das von Kayan gepr\u00e4gte Genre Oriental Techno integriert \u201eokzidentale\u201c und \u201eorientale\u201c Soundelemente in dem Bestreben, einerseits Begrifflichkeiten zu hinterfragen und aufzubrechen, und andererseits neue hybride (Klang-)Identit\u00e4ten hervorzubringen, die westlich gepr\u00e4gte Stereotypisierungen dekonstruieren. In einer erstmaligen musikalischen Kollaboration war auch EsRAP \u2013 das Geschwisterpaar Enes und Esra \u00d6zmen, die in ihrer Kunst Rap und Arabeske vereinen \u2013 Teil der Performance.<\/p>\n<p>Die interdisziplin\u00e4re Ringvorlesung <i>Trans<\/i>kulturalit\u00e4t_mdw ist seit 2019 als geblocktes internationales Symposium konzipiert und findet alle zwei Jahre statt. Nachdem 2021 unter dem Titel <i>Contesting Border Regimes<\/i> Grenzen und Grenzpolitiken interdisziplin\u00e4r betrachtet wurden, fiel heuer das Thema auf Musik- und Tanzpraktiken im Kontext von Rassismus und Racialization. Die Bedeutung von Musik und Tanz sowie Fragen nach ihrem Potenzial als Mittel einer Aufl\u00f6sung von Machtverh\u00e4ltnissen oder positiver Zusammenschl\u00fcsse wurden vor dem Hintergrund kolonialer Geschichte, Migration und gewaltsamer Formen des Othering in k\u00fcnstlerischen und wissenschaftlichen Beitr\u00e4gen verhandelt. Ein \u2013 mitunter selbstkritischer \u2013 Fokus wurde dabei auf Formen der rassistischen Exklusion in institutionellen Bildungsr\u00e4umen gelegt.<\/p>\n<p>In zwei Tagen, f\u00fcnf Vortr\u00e4gen, einer Filmvorf\u00fchrung, einer Podiumsdiskussion und einer musikalischen Doppel-Performance wurden eine Vielzahl an Themen abgedeckt. Carol Silverman sprach in ihrem Vortrag <i>Intersectionality<\/i> <i>and Balkan Romani Activism: Musicians Respond to Xenophobia<\/i> \u00fcber rassistische Ausschl\u00fcsse und musikalisch-aktivistische Praktiken von Roma in der Balkan-Region. Rebecca Snedekers gew\u00e4hrte Einblicke in die 2018 stattgefundenen Wohnzimmerkonzertreihe L\u2019Union Creole, mit der sie dokumentarisches Material von K\u00fcnstler_innen aus New Orleans, die zum gemeinsamen Musizieren zusammenkamen und in oraler Tradition ihre Geschichte weitergaben, teilte.<\/p>\n<p>Ebenfalls in New Orleans findet sich die Tradition der Baby Dolls, die in subversiver Aneignung karnevaleske Ausdrucksformen in den Stra\u00dfenfestlichkeiten des Mardi Gras Day (dt. \u201eFaschingsdienstag\u201c) praktizieren. Kim Vaz-Deville erz\u00e4hlte von dieser Maskeradenpraxis Schwarzer Frauen und erkl\u00e4rte die Bedeutung der improvisierten Choreografien und der kreativen Kost\u00fcmierung in ihrem Beitrag <i>,Coming Out the Door\u2018: Baby Dolls and Triumphal Entry on Mardi Gras Day<\/i>. Diljeet Kaur Bhachu addressierte in <i>I Thought It Was Normal to Be the Only One: On Becoming Aware of Racism<\/i> die Unterrepr\u00e4sentation britisch-asiatischer Studierender in der musikalischen Hochschulbildung in Gro\u00dfbritannien und reflektierte die Rolle der Musik in einem kritischen Zugang zu rassistischen und kolonialen Machtstrukturen. Den Auftakt der Veranstaltung bildete der Vortrag <i>Music and Colonial Modernity<\/i> von Sinthujan Varatharajah. In diesem analysierte Varatharajah Todd Fields den kontrovers diskutierten Film <i>T\u00e1r<\/i> (2022) durch eine postkoloniale Linse. Im Anschluss fanden sich die Teilnehmenden im Future Art Lab ein, wo der Film <i>A\u015fk, Mark ve \u00d6l\u00fcm<\/i> (Liebe, D-Mark und Tod, 2022) gezeigt wurde. Mit knalligen Bildern, stilistisch wirkungsvollen Rhythmus sowie eindringlicher akustischer Untermalung rekonstruiert Regisseur Cem Kaya in seinem Dokumentarfilm das 1961 abgeschlossene Anwerbeabkommen mit der T\u00fcrkei und erz\u00e4hlt in ber\u00fchrender, tragisch-komischer Manier, wie mit Gastarbeiter_innen auch deren Musik nach Deutschland kam.<\/p>\n<p>Unter dem gezielt provokanten Titel <i>Diversity WTF. Forms of Exclusion in Music and Art Universities<\/i> versammelten sich Musicians of Colour zur Podiumsdiskussion unter der Moderation von Marko K\u00f6lbl, Leiter des Institut f\u00fcr Volksmusikforschung und Ethnomusikologie, auf der B\u00fchne, um \u00fcber die Frage nach rassistischer Exklusion an h\u00f6heren Bildungseinrichtungen zu diskutieren. Diljeet Kaur Bhachu, Shanti Suki Osman, Seba Kayan und Esra \u00d6zmen verhandelten unter Einbezug des Publikums, wie Ver\u00e4nderung aussehen muss\/kann\/soll, um Barrieren und Limitierungen aufzubrechen. Die Stellung der Universit\u00e4t, die exklusive Validierung durch westlich-akademische Parameter sowie au\u00dfer-universit\u00e4re R\u00e4ume der Wissensproduktion kamen unter verschiedenen kritischen Perspektiven zur Diskussion. Essenzielle Aspekte wie Klassismus und Elitismus, Fragen nach Verantwortung, engagierter P\u00e4dagogik, antidiskriminatorischer Lehre sowie epistemische Autorit\u00e4t wurden dabei nicht ausgelassen.<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen:<\/strong><\/p>\n<p>Alle Vortr\u00e4ge sowie die Podiumsdiskussion sind in der <a href=\"https:\/\/mdw.vhx.tv\/symposium-transkulturalitat-2023\">mdwMediathek<\/a> abrufbar. Informationen \u00fcber die Veranstaltung sowie \u00fcber vergangene Formate sind auf der <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/ive\/transculturality\/\">Website<\/a> des Instituts f\u00fcr Volksmusikforschung und Ethnomusikologie zu finden.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die interdisziplin\u00e4re Ringvorlesung Transkulturalit\u00e4t_mdw ist seit 2019 als geblocktes internationales Symposium konzipiert und findet alle zwei Jahre statt. 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