{"id":9143,"date":"2023-09-25T18:06:41","date_gmt":"2023-09-25T16:06:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=9143"},"modified":"2023-09-29T10:27:41","modified_gmt":"2023-09-29T08:27:41","slug":"auseinandersetzung-mit-aktuellen-theaterdiskursen-der-unterricht-von-alexandra-althoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2023\/09\/25\/auseinandersetzung-mit-aktuellen-theaterdiskursen-der-unterricht-von-alexandra-althoff\/","title":{"rendered":"Auseinandersetzung mit aktuellen Theaterdiskursen: der Unterricht von Alexandra Althoff"},"content":{"rendered":"\u201eEs ist f\u00fcr mich ein Motor, mit jungen Theatermacher_innen in Austausch zu sein.\u201c Nach ihrer Zeit als stellvertretende k\u00fcnstlerische Direktorin des Burgtheaters war es Alexandra Althoff wichtig, wieder in direkten Kontakt mit dem Theaternachwuchs zu kommen und an das Max Reinhardt Seminar zur\u00fcckzukehren, wo sie bereits von 2013 bis 2018 als Lehrende t\u00e4tig war. Seit dem Wintersemester 2022\/23 unterrichtet sie die F\u00e4cher Inszenierungsanalyse und Angewandte Dramaturgie f\u00fcr Regie- und Schauspielstudierende des ersten Jahrgangs sowie Gasth\u00f6rer_innen aus h\u00f6heren Jahrg\u00e4ngen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9146\" aria-describedby=\"caption-attachment-9146\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9146 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-13-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-13-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-13-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-13-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-13-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-13-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-13-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9146\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Heinz Holzmann<\/figcaption><\/figure>\n<h5>Inszenierungsanalyse<\/h5>\n<p>Mit den Studierenden besucht Althoff aktuelle St\u00fccke, die anschlie\u00dfend im Unterricht analysiert werden. \u201eDie Studierenden lernen Inszenierungen zu beschreiben und zu interpretieren. Beides m\u00f6glichst frei von Geschmacksurteilen und Wertungen. Das ist wichtig f\u00fcr die Entwicklung einer eigenen Sichtweise auf das Gesehene und einer Feedbackkultur, in der unterschiedliche Perspektiven gleichwertig bestehen k\u00f6nnen\u201c, so Althoff. Die Lehrende sucht die zu analysierenden Inszenierungen anhand diskussionsw\u00fcrdiger Themen aus, etwa die Darstellung von Rollenbildern und Gewalt auf der B\u00fchne wie in Florentina Holzingers <i>Ophelia\u2019s Got Talent<\/i>. Im Rahmen des Campusprogramms der <i>Wiener Festwochen<\/i> konnten die Studierenden ausgew\u00e4hlte Produktionen, darunter <i>Pieces of a Woman<\/i>, <i>Drive Your Plow Over the Bones of the Dead <\/i>und <i>Antigone im Amazonas<\/i>, besuchen und analysieren. \u201eDie Wiener Festwochen nehmen die Nachwuchsf\u00f6rderung ernst\u201c, sagt Althoff \u00fcber die wichtige Kooperation. Ein Highlight f\u00fcr die Studierenden war Kata W\u00e9ber, Autorin von <i>Pieces of a Woman<\/i>, nach der Auff\u00fchrung f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch zu treffen. Die lebendige Diskussion zwischen ihnen hat Althoff gefreut: \u201eDas Selbstvertrauen zu haben, der Autorin die eigene Sicht auf eine Szene zu unterbreiten, m\u00f6chte ich bei den Studierenden f\u00f6rdern.\u201c<\/p>\n<h5>Angewandte Dramaturgie<\/h5>\n<p>Die Studierenden setzen sich im Fach mit den aktuellen Diskursen an den Theatern auseinander, denn, so Althoff: \u201eIn den letzten zehn Jahren gab es ein Umdenken in der Theaterpraxis hin zu Diversit\u00e4t, Internationalit\u00e4t und Weltoffenheit, die von vielen B\u00fchnen angestrebt werden. Das bildet sich auch in Ensemblestrukturen und Besetzungen ab.\u201c Darauf m\u00fcssen die Ausbildungsst\u00e4tten reagieren und eine diverse Studierendenschaft f\u00f6rdern. \u201eWerden diverse Ensembles auf den B\u00fchnen sichtbar, wirkt das ermutigend, sodass Bewerber_innen f\u00fcr die Ausbildung diverser werden. Die Aussicht auf Engagements an Theatern sowie in Film und Fernsehen ist erfolgversprechend.\u201c Im Fach Angewandte Dramaturgie versucht Althoff neue Dramatik mit aktuellen Theaterdiskursen zu verbinden, etwa anhand des Burgtheaterst\u00fccks <i>Die \u00c4rztin<\/i> von Robert Icke, frei nach <i>Professor Bernhardi<\/i> von Arthur Schnitzler. \u201eDarin muss jede_r Schauspieler_in mindestens eine Differenz zur gespielten Figur in Bezug auf Gender, Race oder Colour aufweisen. Es ist spannend zu diskutieren, welche Herausforderungen so ein Konzept mit sich bringt\u201c, erl\u00e4utert Althoff. F\u00fcr die Lehrende steht fest: \u201eNicht nur f\u00fcr die Inszenierung, sondern f\u00fcr jede St\u00fcckauswahl und Besetzung tragen Theatermacher_innen Verantwortung und m\u00fcssen sich der verwendeten Zeichen und ihren Kontexten bewusst sein. Im Rahmen der Kunst kann man provozieren, sich aber nicht naiv oder gar ignorant gegen\u00fcber Bedeutungen geben.\u201c Das kann in Unsicherheit oder dem Wunsch \u201ealles richtig zu machen\u201c resultieren. Jedoch, so betont Althoff: \u201eKunst ist nicht der Raum, wo nur das Sch\u00f6ne und politisch Korrekte verhandelt werden soll. Es geht im Prozess um die Auseinandersetzung auch mit unangenehmen Themen, Ausnahmesituationen oder menschlichen Abgr\u00fcnden und das Erproben dessen, was verhandelt werden soll. Zentral ist, mit welchen Mitteln etwas dargestellt wird.\u201c<\/p>\n<h5>Der Weg und die Liebe zum Theater<\/h5>\n<p>F\u00fcr Althoff begann die Liebe zum Theater in der Schule, auch dank engagierter Lehrer_innen. Bereits im Schultheater merkte sie, dass sie gerne den Prozess mitanleitet, statt selbst auf der B\u00fchne zu stehen. In Gie\u00dfen studierte sie zun\u00e4chst Angewandte Theaterwissenschaft, wechselte dann nach Leipzig, um Dramaturgie zu studieren und widmete sich danach in einem postgradualen Studium in Amsterdam dem Film. An mehreren Theatern arbeitete sie als Dramaturgin, ein Beruf, der \u201eNeugierde, Stressresistenz und diplomatisches Geschick erfordert. Dramaturg_innen bauen die Br\u00fccke von der Theaterleitung zur Produktion\u201c, sagt Althoff. Die Aufgaben k\u00f6nnen weit gefasst sein, wie Programmgestaltung, Auswahl von Regieteams und Aufbau des Ensembles, Entwicklung und Umsetzung des Vermittlungsprogramm sowie von Strategien zur Erschlie\u00dfung neuer Publikumsschichten, kurzum: \u201eDramaturg_innen pr\u00e4gen die Identit\u00e4t des Theaters und sind die Thinktanks.\u201c \u00dcber ihre produktionsbezogene dramaturgische Arbeit meint Althoff: \u201eIch versuche Partnerin im Prozess zu sein, nicht nur die kritische Instanz.\u201c<\/p>\n<p>In den letzten Jahren konzentrierte sie sich auf andere T\u00e4tigkeiten. Von 2019 bis 2022 war sie stellvertretende k\u00fcnstlerische Direktorin am Burgtheater. Mit ihrer Theatergruppe Raum+Zeit erarbeitete sie erfolgreiche Projekte, wie <i>Antigone :: Comeback <\/i>(Premiere 2019, Theater Chur, eingeladen zum Schweizer Theatertreffen). Besucher_innen wandern dabei einzeln und zuweilen auch unter Einsatz von VR-Brillen durch das Theater und begeben sich auf eine virtuelle Zeitreise zu Proben von Brechts Bearbeitung von <i>Antigone<\/i>. Das Projekt <i>Berlau :: K\u00f6nigreich der Geister<\/i>, ebenso mit VR-Technik, gewann 2022 den Friedrich-Luft-Preis als beste Berliner Auff\u00fchrung. Aktuell konzipiert Raum+Zeit ein weiteres Projekt, angesiedelt an der Schnittstelle Rauminstallation, bildender Kunst, Live-Theater und Virtual Reality f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes Publikum. \u201eIch habe den Eindruck, es ist noch viel Innovation m\u00f6glich mit der Anwendung von Virtual Reality im Theater\u201c, so Althoff. Keineswegs m\u00f6chte sie sich aber nur mit diesem Medium besch\u00e4ftigen: \u201eIch liebe das Theater als Kunst im Hier und Jetzt mit seiner materiellen Fl\u00fcchtigkeit.\u201c","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach ihrer Zeit als stellvertretende k\u00fcnstlerische Direktorin des Burgtheaters war es Alexandra Althoff wichtig, wieder in direkten Kontakt mit dem Theaternachwuchs zu kommen und an das Max Reinhardt Seminar zur\u00fcckzukehren, wo sie bereits von 2013 bis 2018 als Lehrende t\u00e4tig war.<\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":9145,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[1365,1409,283],"class_list":["post-9143","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-drama","tag-2023-3","tag-alexandraalthoff","tag-drama"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9143","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/34"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9143"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9143\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9254,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9143\/revisions\/9254"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9145"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9143"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9143"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9143"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}