{"id":9137,"date":"2023-09-27T15:06:42","date_gmt":"2023-09-27T13:06:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=9137"},"modified":"2023-09-29T10:33:40","modified_gmt":"2023-09-29T08:33:40","slug":"the-life-and-times-of-ethel-smyth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2023\/09\/27\/the-life-and-times-of-ethel-smyth\/","title":{"rendered":"The Life and Times of Ethel Smyth"},"content":{"rendered":"1858 geboren verbrachte Ethel Smyth ihre Kindheit in den l\u00e4ndlichen Vororten Londons. Sie galt als schwer erziehbares Kind und interessierte sich vor allem f\u00fcrs Klettern, Jagen und Rudern. \u2013 T\u00e4tigkeiten, die sich f\u00fcr eine junge Frau ihres Standes nicht ziemten. Gem\u00e4\u00df dem b\u00fcrgerlichen Ideal genoss sie privaten Musikunterricht. Daraus entwickelte sich eine gro\u00dfe Leidenschaft und sie fasste den \u00e4u\u00dferst ungew\u00f6hnlichen Entschluss, Komponistin zu werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9140\" aria-describedby=\"caption-attachment-9140\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9140 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-12-1024x587.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"487\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-12-1024x587.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-12-300x172.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-12-768x440.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-12-1536x880.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-12-384x220.jpg 384w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-12-850x487.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-12.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9140\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 John Singer Sargent, National Portrait Gallery (London)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Alter von 19 Jahren setzte sie sich gegen massive famili\u00e4re Widerst\u00e4nde durch und reiste 1877 nach Leipzig, um dort Komposition zu studieren. Bald nahm sie auch Privatunterricht beim bekannten Komponisten Heinrich von Herzogenberg (1843\u20131900) und schrieb in dieser Zeit vor allem Kammermusik. Im von Heinrichs Ehefrau Elisabeth von Herzogenberg gef\u00fchrten Salon wurde sie in eines der wichtigsten K\u00fcnstler_innennetzwerke ihrer Zeit eingef\u00fchrt und lernte unter anderem Johannes Brahms, Clara Schumann, Edvard Grieg und Pjotr Iljitsch Tschaikowski kennen. Elisabeth von Herzogenberg und Ethel Smyth verband auch eine Liebesbeziehung. 1890 kamen im Rahmen der ber\u00fchmten Konzertreihe von August Manns ihre ersten Orchesterwerke zur Urauff\u00fchrung. Ihr royales Netzwerk, zu dem auch Queen Victoria z\u00e4hlte, unterst\u00fctzte sie 1893 bei der Realisierung ihrer <i>Mass in D<\/i> in der Royal Albert Hall und den Auff\u00fchrungen ihrer ersten Opern. 1903 wurde ihr in der Berliner Hofoper uraufgef\u00fchrtes Musikdrama <i>Der Wald <\/i>schlie\u00dflich als erste Oper einer Komponistin an der Metropolitan Opera New York aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Smyth engagierte sich bei der Frauenwahlrechtsbewegung und verbrachte nach Demonstrationen auch einige Wochen im Londoner Holloway-Gef\u00e4ngnis. 1914 wurden bereits vertraglich zugesicherte Opernauff\u00fchrungen in M\u00fcnchen und Frankfurt unter Bruno Walter durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhindert. W\u00e4hrend der Kriegsjahre arbeitete Smyth als R\u00f6ntgenassistentin in Frankreich und begann mit der Niederschrift ihrer Memorien. Neben zahlreichen Musikpublikationen ver\u00f6ffentlichte sie auch zehn B\u00fccher. 1922 erhielt sie den Ehrentitel D.B.E. (Dame Commander, Order of the British Empire) und war als einzige Komponistin bei der Gr\u00fcndung der Internationalen Gesellschaft f\u00fcr Neue Musik in Salzburg anwesend. Am Ende ihres Lebens verschlimmerte sich Smyths Geh\u00f6rleiden und f\u00fchrte 1939 schlie\u00dflich zur v\u00f6lligen Ertaubung. Sie verstarb 1944 in Woking (England).<\/p>\n<figure id=\"attachment_9141\" aria-describedby=\"caption-attachment-9141\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9141 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image2-7-1024x560.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"465\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image2-7-1024x560.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image2-7-300x164.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image2-7-768x420.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image2-7-1536x840.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image2-7-2048x1120.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image2-7-850x465.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9141\" class=\"wp-caption-text\">Smyth bei der Gr\u00fcndung der Internationalen Gesellschaft f\u00fcr Neue Musik in Salzburg (1922) \u00a9 King\u2019s College Cambridge Archive<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im vergangenen Sommersemester widmeten sich Studierende des Joseph Haydn Institut f\u00fcr Kammermusik und Neue\u00a0Musik sowie Studierende des Max Reinhardt Seminars mit <i>The Life and Times of Ethel Smyth<\/i> einen Abend lang dem Leben und Wirken der englischen Ausnahme-Komponistin. Die Idee und das Konzept f\u00fcr den Konzertabend <i>The Life and Times of Ethel Smyth<\/i> stammten von Stefan Mendl, der im folgenden Interview einen Einblick in die Planung und Entstehung der multimedialen Show gibt. F\u00fcr die wissenschaftliche Beratung war Angelika Silberbauer zust\u00e4ndig, f\u00fcr die Einstudierung des Schauspiels Annett Matzke.<\/p>\n<blockquote><p>I feel I must fight for my music, because I want women to turn their minds to big and difficult jobs; not just to go on hugging the shore, afraid to put out to sea.<\/p>\n<p>Ethel Smyth<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit <i>The Life and Times of Ethel Smyth<\/i> wurde eine Komponistin gew\u00fcrdigt, deren Werk selten zu h\u00f6ren ist. Wie kommt man \u00fcberhaupt auf Ethel Smyth?<\/p>\n<p><b>Stefan Mendl (SM):<\/b> \u201eEthel Smyth \u2013 nie geh\u00f6rt. Muss man die kennen?\u201c \u2013 So, oder \u00e4hnlich waren die Reaktionen, wenn ich, vor etwas mehr als einem Jahr, meiner Begeisterung f\u00fcr dieses Projekt Ausdruck verleihen wollte. Ich selbst war, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, noch einige Monate davor genauso verbl\u00fcfft, als mir meine damalige Studentin Tiziana Columbro er\u00f6ffnete, dass sie die Violinsonate einer gewissen Ethel Smyth zu ihrer Diplompr\u00fcfung spielen, und auch eine schriftliche Arbeit \u00fcber das Werk schreiben wolle. Bald darauf h\u00f6rte ich das St\u00fcck zum ersten Mal und war begeistert und beeindruckt von der Musik.<\/p>\n<p>Wie kam es nach dem Impuls der Studierenden zu einem Abend mit Musik ausschlie\u00dflich von Ethel Smyth?<\/p>\n<p><b>SM:<\/b> Da mich die Musik sofort fasziniert hatte, wollte ich mehr \u00fcber die Komponistin erfahren. Schnell stellte ich fest, Ethel Smyth war und ist bis heute nicht nur eine bedeutende Komponistin, sondern war dar\u00fcber hinaus eine faszinierende historisch-politische Pers\u00f6nlichkeit und eine hervorragende Schriftstellerin.<\/p>\n<p>Was erf\u00e4hrt man bei der Lekt\u00fcre von Smyths B\u00fcchern?<\/p>\n<p><b>SM:<\/b> In ihrer umfassenden Autobiografie erweist sie sich nicht nur als witzige und sprachgewandte Autorin, sondern auch als wichtige Zeitzeugin einer Epoche, die vom viktorianischen England bis hin zum Zweiten Weltkrieg reicht. Wie war es etwa m\u00f6glich, dass ein M\u00e4dchen, das in eine erzkonservative britische Offiziersfamilie hineingeboren wurde, eine derartige Passion und Begabung f\u00fcr Musik entwickeln konnte? Oder wie waren ihre Begegnungen mit ber\u00fchmten K\u00fcnstler_innen? All diese Fragen und mehr beantwortet sie in brillanter Weise in ihren Schriften.<\/p>\n<p><i>The Life and Times of Ethel Smyth<\/i> zeigte Smyths Leben und Werk um 1900. Wie darf man sich das vorstellen?<\/p>\n<p><b>SM:<\/b> Mir war nat\u00fcrlich wichtig, dem Publikum auch ein Gef\u00fchl von jener Epoche zu vermitteln, in der Smyth lebte und wirkte. Das Wesentliche f\u00fcr mich aber war im Vorfeld die Besch\u00e4ftigung mit der Musik Smyths. Fasziniert von ihren Opern, Orchester- und Chorwerken, war es f\u00fcr mich nat\u00fcrlich auch ihre Kammermusik, die ich als \u00fcberaus vielf\u00e4ltig und inspiriert erlebt habe. Es war ein gro\u00dfes Vergn\u00fcgen, anhand dieser Werke gemeinsam mit den Studierenden einen Eindruck von der k\u00fcnstlerischen und stilistischen Entwicklung dieser bedeutenden Komponistin zu bekommen und zu vermitteln. Angefangen von der Violinsonate (1887), \u00fcber das Streichquartett (1902\/12), bis hin zu den Liedern (1913) und den Variationen f\u00fcr Fl\u00f6te, Oboe und Klavier (1925\/27) haben die Studierenden an diesem Abend Ausschnitte aus dem Werk Smyths pr\u00e4sentiert. Um auch die Schriftstellerin Smyth zu Wort kommen zu lassen, wurden Originalzitate aus ihrer Autobiografie und ihren zahllosen Briefen im englischen Original von Studierenden des Max Reinhardt Seminars gelesen. Biografische Abrisse, Interviews mit der Komponistin aus den 1930er-Jahren und Tonzuspielungen rundeten das Bild ab. Es ist hoch an der Zeit, eine gro\u00dfe Frau und K\u00fcnstlerin wiederzuentdecken, die uns als Komponistin bleibende Werke hinterlassen hat, und als Pers\u00f6nlichkeit gezeigt hat, was alles gegen gro\u00dfe gesellschaftliche und pers\u00f6nliche Widerst\u00e4nde erreicht werden kann.<\/p>\n<p><em>The Life and Time of Ethel Smyth<\/em> ist in der <a href=\"https:\/\/mdw.vhx.tv\/videos\/the-life-and-times-of-ethel-smyth\">mdwMediathek<\/a> abrufbar.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im vergangenen Sommersemester widmeten sich Studierende des Joseph Haydn Institut f\u00fcr Kammermusik und Neue\u00a0Musik sowie Studierende des Max Reinhardt Seminars mit The Life and Times of Ethel Smyth einen Abend lang dem Leben und Wirken der englischen Ausnahme-Komponistin.<\/p>\n","protected":false},"author":333,"featured_media":9140,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[1365,1410],"class_list":["post-9137","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-music","tag-2023-3","tag-ethelsmyth"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9137","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/333"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9137"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9137\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9265,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9137\/revisions\/9265"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9140"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9137"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9137"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9137"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}