{"id":9025,"date":"2023-09-21T14:33:43","date_gmt":"2023-09-21T12:33:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=9025"},"modified":"2023-09-22T13:05:16","modified_gmt":"2023-09-22T11:05:16","slug":"turning-social-ueber-die-sozial-transformative-kraft-der-musikvermittlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2023\/09\/21\/turning-social-ueber-die-sozial-transformative-kraft-der-musikvermittlung\/","title":{"rendered":"Turning Social \u2013 \u00fcber die sozial-transformative Kraft der Musikvermittlung"},"content":{"rendered":"Stellen Sie sich f\u00fcr einen kurzen Moment vor, Sie k\u00f6nnten mit Musik und Musikvermittlungsangeboten unsere Gesellschaft zum Besseren ver\u00e4ndern. Wie w\u00fcrden Sie es anlegen? Mit einem offenen Opernprojekt f\u00fcr alle? Mit musikalischen Begegnungen von jungen Erwachsenen in einem abgeschiedenen Bergdorf im Tessin? In der Arbeit mit straff\u00e4llig gewordenen Jugendlichen oder mit einer Jugendoper als Escape-Room-Experience f\u00fcr Heimatlose und -suchende? Mit Bach f\u00fcr Sterbende im Hospiz oder mit einer \u201eimprophonie\u201c als neuem Konzertformat?<\/p>\n<p>All diese Ideen und Umsetzungen wurden bei der von Sarah Chaker vom Institut f\u00fcr Musiksoziologie und Axel Petri-Preis vom Institut f\u00fcr musikp\u00e4dagogische Forschung, Musikdidaktik und Elementares Musizieren (IMP) organisierten und konzipierten internationalen Konferenz <em>Turning Social \u2013 On the Social-Transformative Potential of Music Mediation<\/em> vorgestellt, die am 15. und 16. Juni 2023 an der mdw stattfand. Dar\u00fcber hinaus wurde in Vortr\u00e4gen, Workshops, Podiumsdiskussionen und Roundtables \u00fcber Themen wie kulturelle Demokratie, Dekolonialisierung von Wissen \u00fcber Musikvermittlung, Artistic Citizenship und die Zukunft der universit\u00e4ren Aus- und Weiterbildung f\u00fcr Musiker_innen und Musikvermittler_innen nachgedacht und diskutiert.<\/p>\n<p>Unmittelbar sp\u00fcrbar war die kommunikative und begegnungsstiftende Kraft von Musik f\u00fcr die Teilnehmer_innen gleich zu Beginn der Konferenz mit einem Auftritt des Duo David e Mia, bestehend aus den mdw-Studierenden Maike Clemens und David Volkmer.<\/p>\n<figure style=\"width: 2560px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/turningsocial_c-stp_print-012-3922-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Duo David e Mia, \u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>In ihren Begr\u00fc\u00dfungsworten betonten Rektorin Ulrike Sych und Arne Forke, Referent von Wiens Kulturstadtr\u00e4tin Veronica Kaup-Hasler, die au\u00dferordentliche Kraft, die der Musikvermittlung inne wohnt und noch lange nicht ausgesch\u00f6pft ist, da mit Musik Begegnungen zwischen Menschen gezielt angeregt und so gesellschaftliche Ver\u00e4nderungsprozesse angesto\u00dfen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure style=\"width: 1707px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Axel-Petri-Preis-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"1707\" height=\"2560\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Axel Petri-Preis, \u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Organisator_innen Sarah Chaker und Axel Petri-Preis warfen in ihren Er\u00f6ffnungsworten zur Konferenz Fragen auf, die im Laufe der beiden Tage erhellend beantwortet wurden oder weitere Impulse lieferten. Der Fokus lag dabei auf Fragestellungen nach der Beheimatung des Sozialen in der Musik, nach der Verantwortung der Musikvermittlung, etwa zu Dekolonialisierungsprozessen in einer pluralen Gesellschaft beizutragen, auf dem H\u00f6rbar-Machen von Ungeh\u00f6rtem und Ungeh\u00f6rten sowie auf der generellen Frage nach der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung f\u00fcreinander und unseren gemeinsamen Lebensraum.<\/p>\n<figure style=\"width: 1707px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Sarah-Chaker-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"1707\" height=\"2560\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Sarah Chaker, \u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit der der ersten Keynote der Tagung von Fran\u00e7ois Matarasso begann nun eine vielf\u00e4ltige und spannende interprofessionelle Konferenz-Reise \u2013 lassen Sie sich mitnehmen auf diese Entdeckungsreise in 13 Szenen, Sie werden Ithaka erreichen!<\/p>\n<p><strong>Szene 1: Kunst f\u00fcr alle <\/strong><\/p>\n<p>Der Community-Artist, Schriftsteller und Forscher Fran\u00e7ois Matarasso konstatierte in seiner Keynote die Notwendigkeit, im Sinne einer kulturellen Demokratie von einer \u201eUs &amp; Them\u201c-Dichotomie in der Kunst zu einem \u201eWe\u201c zu gelangen. Dazu sei aber noch ein weiter Weg zu gehen. Ziel sei eine Ent-Kategorisierung von Kunst, damit sie von, f\u00fcr und mit allen Menschen erm\u00f6glicht wird. Eine ver\u00e4ndernde gesellschaftliche Wirkung, so seine zentrale These, k\u00f6nne nicht allein durch Kunst-Angebote, sondern durch die Teilhabe an Kulturprogrammen entstehen, vor allem mit dem Anspruch der Ko-Kreation von professionellen und nicht professionellen K\u00fcnstler_innen. Bedeutsam dabei ist, dass alle Stimmen geh\u00f6rt werden, um zusammen etwas zu kreieren, das alleine nicht m\u00f6glich ist. So nannte Matarasso als Prinzipien von Ko-Kreation Bewusstheit, Gleichberechtigung, Aufrichtigkeit, Aufgeschlossenheit und Zuversicht, und empfahl, bei allen Freiheiten, die wir genie\u00dfen k\u00f6nnen, uns immer wieder aufs Neue mit unseren Lebens-Umfeldern auseinanderzusetzen.<\/p>\n<figure style=\"width: 2560px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/Francois-Matarasso-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Fran\u00e7ois Matarasso, \u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Szene 2: Befreiter Dialog<\/strong><\/p>\n<p>Annette Ziegenmeyer und Julia Peters von der Musikhochschule L\u00fcbeck waren online zugeschaltet. Unter dem Titel <em>P<\/em><em>erspektivenwechsel \u2013 gesellschaftliche Transformation<\/em> stellten sie einen musikp\u00e4dagogischen Songwriting-Workshop vor, in dem Studierende im Rahmen einer Lehrveranstaltung mit arrestierten Jugendlichen in einer Justizanstalt arbeiteten. Sie zeigten Schl\u00fcsselmomente wie etwa die Konfrontation mit anderen Lebenswelten und das Entdecken von Talenten der beteiligten Jugendlichen auf. Der angesprochene Perspektivenwechsel entstand etwa durch Vertrauensbildung zwischen Studierenden und Jugendlichen, durch die Notwendigkeit, mit den Jugendlichen gemeinsam die Workshop-Einheiten zu gestalten, die Leitungsrolle zwischendurch an die jugendlichen Expert_innen abzugeben, und den Mut, sich in offene Prozesse transformativen Lernens hineinzubegeben. Die anschlie\u00dfende Diskussion f\u00fchrte zu Fragen, wie transformative Lernprozesse beispielsweise auch in Schulen hineingetragen werden k\u00f6nnen und wie ein Dialog und Austausch zwischen allen beteiligten Institutionen intensiviert werden kann.<\/p>\n<p><strong>Szene 3: Gefunden: Lost Place als Kulturdorf<\/strong><\/p>\n<p>Barbara Balba Weber von der Hochschule der K\u00fcnste Bern stellte am Nachmittag des ersten Konferenztages ein sehr pers\u00f6nliches Praxisprojekt vor. In Pandemiezeiten lebte sie ein halbes Jahr in einem verlassenen Dorf im Tessin (Schweiz) und gr\u00fcndete dort infolge ihrer eigenen Erfahrung und Vision mit einer Gruppe engagierter Musikvermittler_innen ein Kulturdorf, das afghanischen und schweizerischen jungen Erwachsenen die M\u00f6glichkeit gab, an einem gesch\u00fctzten Ort mit Gruppen von Gleichaltrigen und genug Zeit, Kultur zu schaffen, Musik zu machen, Geschichten zu erz\u00e4hlen, Filme zu drehen und B\u00fccher zu schreiben. Das angeleitete und begleitete Projekt zeitigte beeindruckende Ergebnisse und stellte unter Beweis, dass das Schaffen von Beziehungen Kultur schafft. Die unber\u00fchrte Natur und die Abgeschiedenheit des Ortes bieten fast paradiesische Voraussetzungen f\u00fcr ein produktives und solidarisches Miteinander.<\/p>\n<p><strong>Szene 4: Othering als Unort <\/strong><\/p>\n<p>In ihrem Vortrag zu <em>Othering-Mechanismen vs Empowerment<\/em> gibt Lisa Gaupp, Professorin f\u00fcr Cultural Institutions Studies am Institut f\u00fcr Kulturmanagement und Gender Studies (IKM) der mdw, \u00a0einen umfassenden Einblick in den Stand der dekolonialen Forschung sowie in die Schwierigkeit, nicht wieder in die Fallen der \u201eFremd-Machung\u201c zu tappen und in die M\u00f6glich- und Notwendigkeit Mechanismen von Exklusion zu entlarven. In der anschlie\u00dfenden Diskussion wurden selbstkritische Fragen aufgeworfen, wie z.B. welche Musikrichtungen an der mdw vertreten sind und wie die mdw sich als gesellschaftlich h\u00f6chst relevante und machtvolle Institution f\u00fcr mehr soziale Durchl\u00e4ssigkeit und dekoloniale Strukturen, beispielsweise im Zusammenhang mit Zulassungspr\u00fcfungen, einsetzen kann.<\/p>\n<p><strong>Szene 5: Ein Ton zur Transformation<\/strong><\/p>\n<p>Die sich an die Vortr\u00e4ge anschlie\u00dfenden Workshops von Studierenden unter der Leitung von Komponist und Interaktionsk\u00fcnstler Bernhard K\u00f6nig wurden von einem \u201eSt\u00fcckchen Transformation\u201c eingeleitet mit dem zum gemeinsamen Klingen und Schwingen gebrachten Text:<\/p>\n<blockquote><p>Musik, was z\u00e4hlt das schon \u2013 ein Ton ist nur ein Ton \u2013 doch viele T\u00f6ne vereint \u2013 auch wenn es nicht so scheint \u2013 sind ein St\u00fcckchen Transformation.<\/p><\/blockquote>\n<p>In verschiedenen Gruppen von Studierenden geleitet und moderiert konnten sich die Teilnehmer_innen \u00fcber die psychischen Auswirkungen der Klimakrise, \u00fcber das Erreichen neuer Zielgruppen und \u00fcber die gesamtgesellschaftliche Perspektive auf eine Transformation hin zu einer klimagerechteren Welt austauschen.<\/p>\n<p><strong>Szene 6: Poseidon-Escape oder vom richtigen Weg<\/strong><\/p>\n<p>Fortgesetzt wurde die Konferenz in der Ankerbrotfabrik, einer historischen St\u00e4tte im 10. Wiener Gemeindebezirk, die ihre eigene Transformation von der Brotfabrik zur Kulturst\u00e4tte durchlebt hat, aber immer n\u00e4hrend geblieben ist. Dort gab Krysztina Winkel von der Wiener Staatsoper Einblick in die Probenarbeit und den Entwicklungsprozess des Opernlabors der Wiener Staatsoper sowie in die aktuelle Produktion <em>Die Kaugummi-G\u00f6ttin<\/em>. In Anlehnung an die Monteverdi-Oper <em>Il ritorno d&#8217;Ulisse in patria<\/em> erarbeiteten 26 Jugendliche eine Escape-Room-Performance zu den Themen \u201eHeimat\u201c und \u201eIdentit\u00e4t\u201c. Bei der anschlie\u00dfenden Auff\u00fchrung wurden die Teilnehmer_innen vom Erfolg dieses partizipativen Prozesses \u00fcberzeugt und die entstandenen Eindr\u00fccke noch bei einem gemeinsamen Abendessen in der Community K\u00fcche geteilt.<\/p>\n<p><strong>Szene 7: Nah-Tod-Musik<\/strong><\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Konferenztag startete musikalisch mit dem Rubik Quartet. mdw-Vizerektor Johannes Meissl berichtete im Anschluss \u00fcber das Konzept Musethica, ein von Avri Levitan und Carmen Marcuello ins Leben gerufenes p\u00e4dagogisches Programm, das es Musikstudierenden erm\u00f6glicht, sich mit intensiver Performance-Erfahrung au\u00dferhalb traditioneller Konzerts\u00e4le auseinanderzusetzen. Konzerte werden demnach in Fl\u00fcchtlingslagern, Gef\u00e4ngnissen, Hospiz-Einrichtungen und vielen weiteren Pl\u00e4tzen und Orten organisiert. Mit einem klaren Bekenntnis zum sozialen Engagement, sollen Darbietungen von h\u00f6chster Qualit\u00e4t f\u00fcr vom traditionellen Konzertbetrieb exkludierte Gesellschaftsgruppen erm\u00f6glicht werden. Die Erfahrungen bei diesen speziellen Auff\u00fchrungen erweitern wiederum den Blick und Horizont der Musizierenden. Davon \u00fcberzeugte die Teilnehmer_innen \u00a0Janay Tulenova, die von einer beeindruckenden Erfahrung in einem Hospiz erz\u00e4hlte: Eine im Sterben liegende Frau w\u00fcnschte sich ein St\u00fcck von Johann Sebastian Bach als letztes musikalisches Ereignis vor ihrem Tod. In diesem Bewusstsein zu spielen und Musik zu schenken, ver\u00e4nderte f\u00fcr die junge Musikerin die Sichtweise auf ihre bisherige Auff\u00fchrungspraxis.<\/p>\n<p><strong>Szene 8: Musiker_innen als \u201eChange Agents\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Maria Westvall, Professorin am Rhythmic Music Conservatory in Kopenhagen, ging in ihrer Keynote <em>Artistic citizenship \u2013 who gets to participate?<\/em> darauf ein, wie eine \u00a0\u201eArtistic Citizenship\u201c konkret gelebt und gesellschaftsver\u00e4ndernd wirken kann. Wenn K\u00fcnstler_innen und Musiker_innen \u201echange agents\u201c sein sollen, was hei\u00dft das dann f\u00fcr Ausbildungen, Zug\u00e4nge und Verantwortlichkeiten? Geht es darum, Musik f\u00fcr einen sozialen Wandel zust\u00e4ndig zu erkl\u00e4ren? Und wenn ja, welchen Wandel wollen wir und in welche Richtung soll es denn eigentlich gehen? Und wer darf mitmachen, wer f\u00fchlt sich angesprochen und wer ist gemeint? Manche Fragen d\u00fcrfen und m\u00fcssen offenbleiben, aber dass das In-Beziehung-Treten von Menschen und Musiken im Prozess des \u201emusicking\u201c (Christopher Small) und die Verbindung von musikalischem Tun und sozialen Ver\u00e4nderungsprozessen von Bedeutung sind, steht au\u00dfer Frage. Was bleibt und bleiben wird, ist Musik als soziale Praxis mit Verantwortung f\u00fcr das Gemeinwohl, mit allen damit einhergehenden neuen Herausforderungen und Chancen.<\/p>\n<p><strong>Szene 9: Mount Stupid statt Orchestergraben<\/strong><\/p>\n<p>Im Anschluss wurde das Stegreif Orchester als improvisierendes Symphonieorchester mit einem Hang zum Experimentieren von Immanuel de Gilde und Lorenz Blaumer in einer Praxisreflexion n\u00e4her vorgestellt. Fokus lag dabei auf das f\u00fcr das Orchester typische Zusammenspiel von Interpretation, Rekomposition, Improvisation und Staging Idealismus. Kombiniert mit einer aktiven Gestaltung, f\u00fchrt diese Mischung zu Formaten wie den KlimaCampWorkshops oder einer Change-Symphonie und endet oder beginnt manchmal auch am \u201eMount Stupid\u201c, einem Ort, an dem das Nicht-Wissen um all das, was nicht geht, eine gro\u00dfe und produktive Kraft entfalten kann. Mit gro\u00dfer Authentizit\u00e4t wurde \u00fcber Engagement, Wirkungen von Mut und Mut zum Scheitern gesprochen und so die M\u00f6glichkeitsform von Musikvermittlung gedanklich und praktisch ausgedehnt.<\/p>\n<p><strong>Szene 10: \u201cIt\u00b4s hard to survive in a jungle if you were trained in a zoo\u201d <\/strong><\/p>\n<p>In ihrem Vortrag <em>Transforming higher music education \u2013 Systems learning through counternarratives of Finnish socially engaged musicians<\/em> gaben Heidi Westerlund und Sari Karttunen von der Sibelius-Akademie in Helsinki Einblicke in eine Studie. Dieser zugrunde liegt die Forschungsfrage, wie Musiker_innen mit Hochschulbildung ihre Erfahrungen und ihr Lernen in sozial-engagierter Arbeit reflektieren, und wie diese \u00dcberlegungen die traditionelle professionelle Musikausbildung beeinflussen k\u00f6nnen. Dabei wurde von den Studienteilnehmer_innen vermerkt, wie gut es sein kann bei sozial-musikalischer Arbeit, einmal vom hohen Ross herunterzusteigen, sich auf weniger reglementiertes Terrain zu begeben und als Musiker_in zur gleichrangigen Ansprechperson f\u00fcr verschiedenste soziale Gruppen und zum\/zur Lernenden zu werden.<\/p>\n<p><strong>Szene 11: Ausbildung statt Einbildung<\/strong><\/p>\n<p>Wie Studienergebnisse und Praxiserfahrungen konkret in die traditionelle professionelle Musikausbildung einflie\u00dfen k\u00f6nnen, war auch Thema der anschlie\u00dfenden Podiumsdiskussion zur Ausbildungssituation von Musikvermittler_innen und Musiker_innen. Lydia Gr\u00fcn, Pr\u00e4sidentin der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater in M\u00fcnchen, Sean Gregory, Vice-Principal und Director of Innovation and Engagement an der Guildhall School of <em>Music<\/em> &amp; Drama in London, und mdw-Rektorin Ulrike Sych stellten sich den Fragen von Sarah Chaker und Axel Petri-Preis.<\/p>\n<p>Dabei wurden die Beitr\u00e4ge der Musikhochschulen und Universit\u00e4ten zu einer gerechteren und solidarischeren Welt, Grenzen der universit\u00e4ren und k\u00fcnstlerischen Verantwortung, die Infragestellung des \u201eExzellenz-Begriffes\u201c, insbesondere im Hinblick auf K\u00fcnstliche Intelligenz und die Bewusstmachung der eigenen privilegierten Ausgangslage, durchaus kontrovers diskutiert. \u00dcber Videoeinspielungen kamen internationale Musikstudierende zu Wort, die ihre aktuellen Erfahrungen in der universit\u00e4ren Musikausbildung kritisch reflektierten und kommentierten.<\/p>\n<p>Den letzten Teil der Konferenz l\u00e4utete, besser gesagt, zupfte und streichte die Kanun-Spielerin Sofia Labropoulou ein. Sie pr\u00e4sentierte den Song <em>No beauty without freedom<\/em> und betonte im anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4ch, dass das Kanun eine gro\u00dfartige, traditionsreiche Soundbox sei. In ihrer Perfomance wurde das Potential des Instrumentes deutlich, als sie durch erweiterte Spieltechniken dem Saiteninstrument eine Vielzahl an Klangfacetten entlockte.<\/p>\n<p><strong>Szene 12: Gestaltungswille<\/strong><\/p>\n<p>Im abschlie\u00dfenden, von Axel Petri-Preis und Sarah Chaker moderierten Round Table Zukunft gestalten stellten sich Annette Ziegenmeyer (Musikhochschule L\u00fcbeck), Annemarie Mitterb\u00e4ck (Music*Scapes) und Sabine Reiter (mica &#8211; music austria) der Frage, was und wie Musikvermittlung zum Musikleben und zur Gesellschaft von morgen beitragen kann. Annemarie Mitterb\u00e4ck stellte ihren Verein Music*Scapes in Wien vor, einen Experimentierraum mit immer wieder neuen Projekten, die sich einer neuen transkulturellen Musiksprache verschreiben und jenseits institutioneller Kontexte machtkritische Aspekte in Community Music Projekte einbringen.<\/p>\n<p>Sabine Reiter, gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Direktorin bei mica &#8211; music austria, berichtete als Beobachterin und Mitgestalterin, wie sich die Szene der Musikvermittler_innen aktuell entwickelt. Sie gab einen \u00dcberblick \u00fcber Musikvermittlung in \u00d6sterreich und berichtete, dass Aus- und Weiterbildung in der Community brennende Themen waren, bevor Aspekte der Vernetzung in den Vordergrund r\u00fcckten. Als Erfolg ist sicherlich zu verzeichnen, dass nun auch F\u00f6rdergelder f\u00fcr Vermittlungsprojekte ausgesch\u00fcttet werden. Sie unterstrich die Relevanz und das Potenzial von Community Music, Ko-Kreation und Musikvermittlung.<\/p>\n<p>Annette Ziegenmeyer erz\u00e4hlte, wie in ihrer eigenen Ausbildung und der fachlichen Orientierung des Studiums der Blick auf die Menschen fehlte und berichtete von der Neugierde, \u00fcber den Tellerrand zu blicken. Ziegenmeyer hob die Bedeutung von Community Music in ihrer Lehre hervor und wie sie die Frage umtreibt, welche gesellschaftliche Relevanz und Verantwortung mit schulischer Musikvermittlung verbunden ist. Abgerundet wurde der Round Table durch Statements aus dem Publikum und dem Wunsch, lustvoll in Musik- und Kunstvermittlung wirksam zu sein.<\/p>\n<p><strong>Szene 13: Ithaka als neuer Ausgangsort<\/strong><\/p>\n<p>Am Ende der Konferenz wurde Sarah Chaker und Axel Petri-Preis f\u00fcr die Konzeption und Durchf\u00fchrung mit einem herzlichen Applaus gedankt. Was bei den Teilnehmer_innen dieser Konferenz im Ged\u00e4chtnis bleibt, ist der Eindruck einer vielf\u00e4ltigen gemeinsamen Reise an sehr inspirierende Orte mit innovativen Ideen, immer der M\u00f6glichkeit und Notwendigkeit treu bleibend, Musik und Musikvermittlung als Kraft und Ort der gesellschaftlichen Verantwortung und Ver\u00e4nderung zu sehen und wahrzunehmen. Ithaka ist erreicht. Hier wissen wir, dass die Reise nicht vorbei ist, sondern immer neu beginnt.<\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Turning Social im <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/index.php\/2023\/04\/24\/turning-social\/\">mdw-Magazin<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/mdw.ac.at\/turningsocial\">mdw.ac.at\/turningsocial<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellen Sie sich f\u00fcr einen kurzen Moment vor, Sie k\u00f6nnten mit Musik und Musikvermittlungsangeboten unsere Gesellschaft zum Besseren ver\u00e4ndern. Wie w\u00fcrden Sie es anlegen? 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