{"id":9022,"date":"2023-09-01T08:38:02","date_gmt":"2023-09-01T06:38:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=9022"},"modified":"2023-09-28T17:00:53","modified_gmt":"2023-09-28T15:00:53","slug":"reden-wir-ueber-unsere-psyche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2023\/09\/01\/reden-wir-ueber-unsere-psyche\/","title":{"rendered":"Reden wir \u00fcber unsere Psyche!"},"content":{"rendered":"Die Filmbranche ist ein hartes Pflaster. Konkurrenzkampf und Leistungsdruck, Zeitmangel und finanzielle Unsicherheit \u2013 all das kann zur mentalen Belastung werden. Mit ihrer neuen Lehrveranstaltung m\u00f6chte Regisseurin Leni Lauritsch junge Filmschaffende an der Filmakademie Wien besser darauf vorbereiten. Mit ihrem Langfilmdeb\u00fct wagt Filmakademie-Absolventin Leni Lauritsch eine mutige Sci-Fi-Dystopie, die visuell eindr\u00fccklich das Verschwinden der Erde thematisiert. Und sie hat Erfolg \u2013 <i>Rubikon<\/i> (2021) verzeichnet zahlreiche internationale Verk\u00e4ufe und war nicht nur in den heimischen sondern auch in den amerikanischen Kinos zu sehen. Aber die junge Regisseurin verbindet mit <i>Rubikon<\/i> nicht nur Gl\u00fccksgef\u00fchle, denn als Folge von anhaltender \u00dcberforderung und psychischem Druck w\u00e4hrend der Entstehung des Films, erkrankte sie an einem Burnout.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9151\" aria-describedby=\"caption-attachment-9151\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9151 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-14-1024x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"850\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-14-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-14-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-14-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-14-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-14-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-14-2048x2048.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image1-14-850x850.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9151\" class=\"wp-caption-text\">Leni Lauritsch am Set von Rubikon, \u00a9 Samsara Film\/Graf Film\/Philipp Brozsek<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nach ihrer Zeit an der Filmakademie Wien, musste Lauritsch schmerzhaft lernen, wie hart es in der realen Filmbranche, abseits des gesch\u00fctzten Studienalltages, sein kann. \u201eWenn man da nicht ein sehr stabiles Umfeld und eine stabile Lebenssituation hat, kann das sehr stark an die Psyche gehen\u201c, sagt sie im Interview. In der Reha und Therapie lernt sie Psychoedukation kennen, ein therapeutisches Konzept, bei dem der_die Patient_in durch Fachwissen \u00fcber die eigene Erkrankung, \u00fcber wesentliche Therapiema\u00dfnahmen und m\u00f6gliche Selbsthilfestrategien, hin zu einem selbstverantwortlichen Umgang mit der Erkrankung und ihrer erfolgreichen Bew\u00e4ltigung geleitet werden. Lauritsch war verwundert, wie viel anwendbares Wissen es durch die moderne Psychologie bereits gibt. Dieses h\u00e4tte ihr helfen k\u00f6nnen ein Burnout zu verhindern, ist sie \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Um jenes Wissen zug\u00e4nglich zu machen und junge Student_innen zu unterst\u00fctzen, bietet sie seit Oktober eine Lehrveranstaltung zu mentaler Gesundheit an der Filmakademie Wien an. \u201eMein Konzept ist vor allem den neuesten wissenschaftlichen Stand \u00fcber die eigene Psyche zu vermitteln. Denn Wissen ist hier wirklich Macht!\u201c Junge Kunstschaffende seien allgemein sehr gef\u00e4hrdet: \u201eLeider ist unsere Leistungsgesellschaft generell sehr belastend, aber K\u00fcnstler_innen, die sich mit ihren Werken so pers\u00f6nlich exponieren, von Preisen und Festivaleinladungen oder Zuschauer_innenzahlen abh\u00e4ngig sind, zudem aber auch noch unter extremen Konkurrenzkampf und einer meist prek\u00e4ren finanziellen Situation leiden, sind nun mal noch einem viel gr\u00f6\u00dferem Risiko ausgesetzt unter den immer h\u00e4ufiger auftretenden Gesellschaftskrankheiten wie Burnout, Depressionen oder Angstst\u00f6rungen zu erkranken.\u201c<\/p>\n<p>Die prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnisse in der \u00f6sterreichischen Filmbranche gef\u00e4hrden die mentale Gesundheit der Betroffenen, das untermauert auch die Studie <i>\u201eMACHT \u2013 ARBEIT \u2013 KRANK?\u201c<\/i><span id='easy-footnote-1-9022' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2023\/09\/01\/reden-wir-ueber-unsere-psyche\/#easy-footnote-bottom-1-9022' title='Petra Wetzel, Nadja Bergmann, Lisa Danzer, &lt;i&gt;Filmschaffen in \u00d6sterreich: MACHT \u2013 ARBEIT \u2013 KRANK? Executive Summary Juni 2020&lt;\/i&gt;, L&amp;amp;R Sozialforschung im Auftrag des Dachverbandes der \u00f6sterreichischen Filmschaffenden und der Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden (VdFS), Wien 2020.'><sup>1<\/sup><\/a><\/span>, die 2020 ver\u00f6ffentlicht wurde. In einer Online-Befragung, die von Dezember 2019 bis Februar 2020 stattfand, kommen 456 heimische Filmschaffende zu Wort. Die Ergebnisse der Erhebung sind alarmierend, denn laut Bericht erlebten 40 Prozent der Befragten bereits psychische Gewalt. Diese werde durch die Kleinvernetzung der \u00f6sterreichischen Filmszene und die starken Hierarchien beg\u00fcnstigt. Sich gegen die prek\u00e4ren Umst\u00e4nde zu wehren, falle den Betroffenen oft schwer, denn die Angst ausgetauscht zu werden sei gro\u00df. Erschwerend komme hinzu, dass f\u00fcr die meisten in der Branche Erwerbsarbeit mehr als nur blo\u00dfe Existenzsicherung sei. Als Resultat werden schwierige Arbeits- und Besch\u00e4ftigungssituationen viel zu oft in Kauf genommen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9327\" aria-describedby=\"caption-attachment-9327\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-9327 size-full\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image2-10-1024x683-1.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image2-10-1024x683-1.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image2-10-1024x683-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image2-10-1024x683-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/post-1_image2-10-1024x683-1-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9327\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Samsara Film\/Graf Film\/Philipp Brozsek<\/figcaption><\/figure>\n<p>Jan Prazak, Regiestudent an der Filmakademie Wien, kennt die Schattenseiten der Filmbranche: \u201eIch pers\u00f6nlich finde es schwer mit den Unsicherheiten, die der Beruf mit sich bringt, umzugehen. Die eigene Zukunft ist nicht planbar, die Angst, nicht von seinem Job leben zu k\u00f6nnen, ist gro\u00df\u201c. Oft habe er das Gef\u00fchlt gehabt, jeden Job annehmen zu m\u00fcssen, auch wenn die Arbeitsbedingungen prek\u00e4r waren. \u201eDrehen ist mit den 12-Stunden-Tagen ohnehin schon unglaublich anstrengend und wenn dann noch der Umgang am Set nicht passt und Leute respektlos miteinander umgehen, wird es zu viel.\u201c Anders erlebt Prazak die Bedingungen an der Filmakademie: \u201eMan hat viel mehr Zeit zur Verf\u00fcgung, es gibt keinerlei Druck von au\u00dfen. Die Filmakademie war f\u00fcr mich ein Safe Space, der f\u00f6rderlich ist, um kreativ zu arbeiten.\u201c Trotzdem k\u00f6nne der Austausch \u00fcber Arbeitsverh\u00e4ltnisse und die Folgen auf die eigene mentale Gesundheit mehr Raum in der Ausbildung bekommen, meint Prazak. Das Ziel d\u00fcrfe jedoch nicht sein, dass sich einfach jede_r eine \u201edickere Haut\u201c zulegt. \u201eEs m\u00fcssten sich Strukturen innerhalb der Branche ver\u00e4ndern und nicht die Menschen, die in ihr arbeiten\u201c, so Prazak.<\/p>\n<p>F\u00fcr manche beginnen die psychischen Herausforderungen aber auch schon w\u00e4hrend der Ausbildung. Lena Zechner, Produktionsstudentin an der Filmakademie Wien, erz\u00e4hlt im Interview von einem hohen Leistungsdruck und den eigenen Anspr\u00fcchen. \u201eInsbesondere in meinem Fachbereich fallen viele Aufgaben, die in der Branche normalerweise auf mehrere Positionen aufgeteilt sind, auf mich als Nachwuchsproduzentin zur\u00fcck. Das bringt ein hohes Stresslevel und viel Verantwortung mit sich, worauf ich mich oft nicht ausreichend vorbereitet gef\u00fchlt habe.\u201c Deshalb sei es f\u00fcr sie unerl\u00e4sslich neben dem fachlichen Know-How, das sie im Zuge der Ausbildung und ihren Projekten erwirbt, auch das Bewusstsein \u00fcber die eigene mentale Gesundheit und die ihrer Kolleg_innen zu sch\u00e4rfen. W\u00e4hrend einer Co-Produktion mit Studierenden der Filmakademie Baden-W\u00fcrttemberg, nahm Zechner an einem Coaching teil, das fester Bestandteil des dortigen universit\u00e4ren Angebots ist. Unter der gef\u00fchrten Gespr\u00e4chsleitung einer ausgebildeten Coachin sprach Zechner mit ihrem Co-Producer \u00fcber ihr jeweiliges Stress- und Konfliktverhalten. Wertvoll waren die individuellen Tipps, die die Dynamik und die Kommunikation in ihrem Team verbessern sollen, so die Produktions-Studentin: \u201eEin derart individuelles Angebot w\u00e4re an der Filmakademie Wien absolut begr\u00fc\u00dfenswert!\u201c<\/p>\n<p>Dem neuen Lehrveranstaltungs-Angebot an ihrer eigenen Universit\u00e4t steht Zechner positiv gegen\u00fcber: \u201eIch empfinde es als Lichtblick, dass auf institutioneller Ebene nun \u00fcber mentale Gesundheit in der Ausbildung und in der Branche gesprochen wird. Nat\u00fcrlich kann dieses Angebot keine individuelle, auf die jeweiligen Teams und Projekte angepasste Beratung ersetzen \u2013 muss es aber auch nicht, um ein grunds\u00e4tzliches Bewusstsein f\u00fcr die Thematik zu schaffen.\u201c Auch Prazak ist zuversichtlich, dass durch die Lehrveranstaltung mehr Personen lernen ihre Bed\u00fcrfnisse zu kommunizieren und Grenzen zu setzen: \u201eIch finde es toll und mutig, dass Leni ihre eigenen Erfahrungen mit den Studierenden teilt. Es ist ein erster wichtiger Schritt, dass dieses Thema enttabuisiert wird und man das Gef\u00fchl hat, offen dar\u00fcber sprechen zu k\u00f6nnen, wie es einem psychisch in der Arbeit geht.\u201c","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Filmbranche ist ein hartes Pflaster. Konkurrenzkampf und Leistungsdruck, Zeitmangel und finanzielle Unsicherheit \u2013 all das kann zur mentalen Belastung werden. 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