{"id":8752,"date":"2023-04-25T13:24:11","date_gmt":"2023-04-25T11:24:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=8752"},"modified":"2023-04-27T10:17:45","modified_gmt":"2023-04-27T08:17:45","slug":"wege-zu-einem-safen-set","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2023\/04\/25\/wege-zu-einem-safen-set\/","title":{"rendered":"Wege zu einem safen Set"},"content":{"rendered":"<h1>Studienassistentin und Produktions-Studentin Lena Zechner im Gespr\u00e4ch \u00fcber den ersten Intimacy-Coordination-Workshop an der Filmakademie Wien<\/h1>\n<p>Die MeToo-Bewegung und speziell die im Vorjahr in \u00d6sterreich aufgekommenen Debatten um Machtmissbrauch an Filmsets haben ein noch neues, bislang wenig bekanntes Berufsbild in den Fokus ger\u00fcckt: das der Intimacy Coordination (IC), f\u00fcr das es inzwischen auf EU-Ebene anerkannte Ausbildungsm\u00f6glichkeiten gibt. Die Filmakademie Wien veranstaltete im Wintersemester 2022\/23 einen mehrstufigen Workshop mit der \u00f6sterreichischen Stunt- und Intimit\u00e4tskoordinatorin Cornelia Dworak, um Hintergr\u00fcnde und Arbeitsweise der IC n\u00e4her kennenzulernen und erste Praxiserfahrung zu sammeln. Intimacy-Koordinator_innen \u00fcbernehmen an Filmsets eine Vermittler_innenrolle, begleiten die Arbeit von Schauspieler_innen und Regisseur_innen insbesondere in der Entwicklung von Szenen, in denen Sexualit\u00e4t oder Gewalt dargestellt werden.<\/p>\n<p>\u201eIntimit\u00e4ts- und Kampfkoordination haben sehr viel gemein\u201c, sagt Dworak. \u201eEine einvernehmlich erstellte Kampfchoreografie, die im Rahmen der M\u00f6glichkeiten der Darsteller_innen liegt, ist unerl\u00e4sslich f\u00fcr deren Sicherheit und spart Zeit durch die Wiederholbarkeit. Als Koordinatorin bin ich Bindeglied zwischen verschiedenen Departments, Choreografin, Vertrauensperson und trage dazu bei, die Vision der Regie bestm\u00f6glich in visuell ber\u00fchrende Bilder zu verwandeln.\u201c Es sei an der Zeit, an intime Szenen \u201emit derselben Professionalit\u00e4t heranzugehen und die k\u00f6rperlichen und mentalen Grenzen der Schauspieler_innen zu wahren\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr Lena Zechner, Studienassistentin der Filmakademie und Studentin des Fachs Produktion im 3.\u00a0Jahr, sind strukturelle Ver\u00e4nderungen in der Filmbranche unausweichlich, der Workshop sei ein wichtiger Schritt gewesen, um eine reflektierte Arbeitsweise zu erleben: \u201eMan h\u00f6rt zu viele Geschichten davon, wie es nicht ablaufen soll \u2013 von verbalen und sexuellen \u00dcbergriffen am Set, die eine junge Generation, wir als Studierende, einfach nicht mehr hinnehmen. So wollen wir nicht arbeiten.\u201c F\u00fcr den IC-Workshop hat eine Drehbuchstudentin der Filmakademie eine kurze erotische Szene geschrieben, die von zwei Schauspielerinnen und einer Regisseurin gemeinsam mit der Intimacy-Koordinatorin Dworak erarbeitet wurde. \u201eIn unserer Beobachtung hat der Ablauf zun\u00e4chst sehr technisch gewirkt\u201c, erz\u00e4hlt Zechner, \u201eeine Choreografie, die fast wie ein Tanz einstudiert wird. Das hat etwas Technisches, Wiederholbares, aber dadurch auch klar Definiertes. Beim Screening war ich dann \u00fcberrascht, dass man davon nichts mehr gemerkt hat.\u201c Blo\u00df weil Abl\u00e4ufe klar definiert und abgesprochen sind, bedeute das nicht, dass das Ergebnis k\u00fcnstlerisch weniger wertvoll sei. \u201eIst eine heikle Szene pr\u00e4zise einstudiert, wirkt sie deshalb im Film nicht zwingend ,k\u00fcnstlich\u2018\u201c , sagt Zechner. \u201eDer g\u00e4ngige Vorwurf von Kritiker_innen, dass durch die Einbindung von IC am Set die Spontaneit\u00e4t, die ,Wahrheit\u2018 am Spiel verloren geht, kann in der Praxis leicht entkr\u00e4ftet werden.\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr die Zukunft w\u00fcnscht sich Zechner, dass der Einsatz von Intimacy Coordination an Sets zur fixen Gewohnheit wird. Ist man diesbez\u00fcglich derzeit noch auf den Goodwill einzelner Produzent_innen angewiesen, hofft die Studentin, dass sich auch durch entsprechende Angebote im Zuge der Grundausbildung ein Bewusstsein f\u00fcr den Wert eines Safe Producing entwickelt: \u201eWenn ich an der Filmakademie von Beginn an lerne mit IC zu arbeiten, wird es mich sp\u00e4ter irritieren, wenn diese Person am Set fehlt.\u201c Wichtig ist Lena Zechner, dass es dabei um eine grunds\u00e4tzliche Ver\u00e4nderung von \u2013 in den vergangenen Monaten vielseitig und kritisch diskutierten \u2013 Arbeitsstrukturen geht und nicht um eine Vermeidung von \u00dcbergriffen. \u201eEs geht darum, ein Arbeitsklima \u2013 f\u00fcr das ich als Produzentin ja auch zust\u00e4ndig bin \u2013 zu schaffen, in dem sich die Projektbeteiligten wohlf\u00fchlen. Das betrifft vor allem Szenen, die unangenehm oder schwierig zu drehen sind, aber auch generell die Arbeit mit Kindern oder Personen mit Einschr\u00e4nkungen am Set.\u201c Zechner hofft, dass die ersten nun an der Filmakademie gesammelten Erfahrungen zu Nachfolgeprojekten f\u00fchren, in der Ausbildung verst\u00e4rkt integriert werden und so auch an j\u00fcngere Jahrg\u00e4nge weitergegeben werden. Sie selbst m\u00f6chte in ihren zuk\u00fcnftigen eigenen Filmprojekten die professionelle Vermittlungsarbeit von Intimacy Coordinators einsetzen und damit weitere Erfahrungswerte f\u00fcr andere Filmschaffende erzeugen, denn: \u201eWir schaffen den Umschwung zu einem saferen Set nur, wenn allen Beteiligten auch bewusst ist, dass sie das einfordern d\u00fcrfen, wenn sie es brauchen.\u201c","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die MeToo-Bewegung und speziell die im Vorjahr in \u00d6sterreich aufgekommenen Debatten um Machtmissbrauch an Filmsets haben ein noch neues, bislang wenig bekanntes Berufsbild in den Fokus ger\u00fcckt: das der Intimacy Coordination (IC), f\u00fcr das es inzwischen auf EU-Ebene anerkannte Ausbildungsm\u00f6glichkeiten gibt.<\/p>\n","protected":false},"author":165,"featured_media":8754,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[1362,1052,1385],"class_list":["post-8752","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-film","tag-2023-2","tag-filmakademiewien","tag-intimacycoordination"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8752","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/165"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8752"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8752\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8878,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8752\/revisions\/8878"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8754"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8752"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8752"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8752"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}