{"id":8747,"date":"2023-04-25T13:15:23","date_gmt":"2023-04-25T11:15:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=8747"},"modified":"2023-04-27T10:18:52","modified_gmt":"2023-04-27T08:18:52","slug":"themen-mit-schmerzpotenzial-und-humor-die-arbeiten-von-olivia-scheucher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2023\/04\/25\/themen-mit-schmerzpotenzial-und-humor-die-arbeiten-von-olivia-scheucher\/","title":{"rendered":"Themen mit Schmerzpotenzial und Humor \u2013 die Arbeiten von Olivia Scheucher"},"content":{"rendered":"Der Schauplatz der Diplominszenierung von Olivia Scheucher am Max Reinhardt Seminar ist das \u00f6sterreichische Bundesheer. F\u00fcr die Absolvent_in der Theaterregie kein ungew\u00f6hnlicher Ort. Auch sonst setzt dey deren<span id='easy-footnote-1-8747' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2023\/04\/25\/themen-mit-schmerzpotenzial-und-humor-die-arbeiten-von-olivia-scheucher\/#easy-footnote-bottom-1-8747' title='In der Beschreibung von Olivia Scheucher wird das nicht-bin\u00e4re Pronomen \u201edey\u201c statt \u201esie\u201c oder \u201eer\u201c sowie \u201ederen\u201c statt \u201eihre\u201c oder \u201eseine\u201c verwendet. Es bietet eine M\u00f6glichkeit, \u00fcber nicht-bin\u00e4re, geschlechterdiverse, trans oder inter* Personen oder Personen, deren Geschlechtsidentit\u00e4t uns nicht bekannt ist, zu sprechen\/schreiben.'><sup>1<\/sup><\/a><\/span> Figuren und sich selbst als Performer_in in spannende Settings an der Schnittstelle von analogem und digitalem Theaterraum.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8749\" aria-describedby=\"caption-attachment-8749\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-8749\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/post-1_image0-10-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/post-1_image0-10-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/post-1_image0-10-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/post-1_image0-10-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/post-1_image0-10-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/post-1_image0-10-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/post-1_image0-10-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/post-1_image0-10.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8749\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Luna Zscharnt<\/figcaption><\/figure>\n<h5>Highway of Heroes<\/h5>\n<p>Laura macht beim Jagdkommando, der Spezialeinheit des Bundesheeres, die Aufnahmepr\u00fcfung. Olivia Scheucher zeigt in der Diplominszenierung <i>Highway of Heroes <\/i>(Auff\u00fchrung im J\u00e4nner 2023 am Max Reinhardt Seminar) eine Hauptfigur auf dem Weg ins Milit\u00e4r und zur eigenen Entfaltung. Scheucher hat das St\u00fcck selbst geschrieben. Das Bundesheermilieu kennt dey aus deren Familie. Deren Bruder hat sein Know-how in die Inszenierung eingebracht und war Teil des Teams. Mit den Darsteller_innen \u00fcbte er milit\u00e4rische Bewegungsabl\u00e4ufe, wie das Exerzieren (allerdings ohne Waffen, sie wurden im St\u00fcck nicht gezeigt) und Kampfszenarien im Garten des Max Reinhardt Seminars. F\u00fcr Scheucher ist das Heer ein Schauplatz, der viel \u00fcber unsere Gesellschaft aussagt. \u201eIch sehe die Strukturen des Heeres als Zuspitzung der Strukturen, in denen wir alle uns bewegen\u201c, sagt die:r Regisseur:in. \u201eDas St\u00fcck ist f\u00fcr mich ein Versuch, in Kommunikation mit einer pers\u00f6nlichen Vaterfigur zu treten. Gleichzeitig aber auch mit einer \u00fcbergeordneten Vaterfigur, die f\u00fcr strukturelle Machtverh\u00e4ltnisse steht.\u201c In der Inszenierung werden geschlechtliche Zuschreibungen thematisiert. Die Hauptfigur wird vom Heer weiblich gelesen, outet sich aber als nicht-bin\u00e4r und erlebt die Reaktionen von Kameraden und Vorgesetzen darauf.<\/p>\n<h5>Der Weg an das Max Reinhardt Seminar<\/h5>\n<p>Olivia Scheucher wurde 1995 in Wien geboren. F\u00fcr dey selbst war eine Karriere beim Milit\u00e4r nie relevant. Nach dem BWL-Studium machte Olivia ein Praktikum in einer Galerie in Berlin. Die Ankn\u00fcpfungspunkte zur Kultur waren immer da, dey schaute viel Theater. Einer von Scheuchers besten Freunden, der selbst Schauspiel am Max Reinhardt Seminar studierte, motivierte dey zur Bewerbung f\u00fcr Theaterregie. Kurzentschlossen bewarb Olivia sich und es klappte auf Anhieb.<\/p>\n<h5>Regie und Performance am Volkstheater<\/h5>\n<p>Olivia Scheucher f\u00fchrt nicht nur Regie, sondern performt auch selbst. Aktuell in <i>Fugue Four: Response<\/i> am Wiener Volkstheater. Gemeinsam mit Volkstheater-Schauspieler Nick Romeo Reimann wurde die Performance 2021 f\u00fcr das <i>Porn Film Festival Vienna<\/i> als deren allererste Arbeit entwickelt und f\u00fcr das Volkstheater adaptiert. Neben Scheucher und Reimann spielen Thea Ehre (hat den Silbernen B\u00e4ren bei der diesj\u00e4hrigen <i>Berlinale<\/i> gewonnen) und Luca Bonamore. \u201eIn <i>Fugue Four: Response<\/i> wird thematisiert, wie wir unsere Sexualit\u00e4t kapitalistischen Funktionsweisen unterwerfen und uns dabei an der Mainstream-Pornografie orientieren\u201c, erkl\u00e4rt Scheucher. Die Figuren in der Performance werden weder sexualisiert noch zeigen sie sexuelle Handlungen. \u201eEs geht darum aufzudr\u00f6seln, unter welchen Bedingungen wir Sex haben. Wir bedienen uns im St\u00fcck der Sprache der Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist\u201c, so Scheucher. Humor spielt in dieser Arbeit eine Rolle, denn: \u201eDie Unf\u00e4higkeit mit dem eigenen K\u00f6rper umzugehen ist ein Angebot f\u00fcr gemeinsames Lachen.\u201c Scheuchers Doppelrolle in Regie und Performance war weniger eine k\u00fcnstlerische Entscheidung, als eine vom knappen Budget bedingte. Jedoch hat dey viel f\u00fcr die Regiearbeit gelernt. \u201eAus der Regieposition ist es oft schwierig nachzuvollziehen, was Spieler_innen brauchen, damit die Szene spielbar wird. Ich habe viel \u00fcber Schauspielf\u00fchrung durch das selber Spielen gelernt.\u201c Vor allem wenn es darum geht, nackt zu performen, wei\u00df dey aus eigener Erfahrung, was wichtig ist. Schon vor dem Arbeitsprozess kl\u00e4rt dey mit den Performer_innen im Einzelgespr\u00e4ch, worum es im St\u00fcck geht und welche Grenzen die Performer_innen haben. \u201eAuf der Probe oder am Set vor vielen Anwesenden von der Regie aufgefordert zu werden sich nun auszuziehen, ist nicht konsensual. Ich lasse keinen Druck auf die Spieler_innen f\u00fcr die Entscheidungen, die sie treffen, entstehen\u201c, betont Scheucher. Im Team ist es vor allem wichtig, dass jede_r offen sprechen kann und Verst\u00e4ndnis bekommt. \u201eMeine Themen bergen ein gro\u00dfes Schmerzpotenzial, daher erwarte ich Solidarit\u00e4t unter den Mitarbeitenden im Umgang damit.\u201c Von deren Team bekommt dey daf\u00fcr positives Feedback.<\/p>\n<h5>Digitales Theater<\/h5>\n<p>F\u00fcr die Vordiplominszenierung <i>Metareverse<\/i> im Juni 2022 w\u00e4hlte Scheucher ein rein digitales Format. Zum Teil war dies noch der Pandemie geschuldet, aber vor allem aus Interesse am Ergr\u00fcnden des digitalen Raums. Zuseher_innen konnten \u00fcber einen Link in die live gestreamte Inszenierung einsteigen und in Form eines gew\u00e4hlten Avatars dabei sein. Wie bei einer Reality-TV-Show traten die Schauspieler_innen digital gegeneinander an, mit dem Ziel in das sogenannte Metareverse \u201eupgeloadet\u201c zu werden. Die:r Regisseur:in beschreibt sich selbst als gar nicht so internetaffin, jedoch: \u201eMich interessiert, welche M\u00f6glichkeiten es f\u00fcr queere Menschen und marginalisierte Gruppen gibt, online Communitys zu bilden und fluide Identit\u00e4ten auszudr\u00fccken.\u201c Dabei geht es Scheucher aber nicht darum, das Theater g\u00e4nzlich in den digitalen Raum zu verlegen, sondern digitale Mittel sinnvoll in Inszenierungen zu integrieren. \u201eWir bewegen uns die ganze Zeit digital. Die Frage ist, wie diese Ebene auf der B\u00fchne miterz\u00e4hlt werden kann, ohne dass es fremdartig oder ablenkend wirkt.\u201c Voraussetzung sei aber, dass Techniker_innen und Theaterleute zusammenfinden. Oft herrschen Ber\u00fchrungs\u00e4ngste und Unverst\u00e4ndnis. Die:r Absolvent:in sieht das Potenzial, diese Gruppen zusammenzuf\u00fchren.<\/p>\n<h5>Freie Szene<\/h5>\n<p>F\u00fcr k\u00fcnftige Projekte ist Scheucher im Gespr\u00e4ch mit Theatern, auch im Kunst- und Performancebereich bleibt dey aktiv mit einer Ausstellung im Kunstverein Baden im Juni und einer geplanten Performance beim <i>Ars-Electronica-Festival<\/i> im September. Die Diplominszenierung <i>Highways of Heroes <\/i>wird im Juni auf dem <i>K\u00f6rber Festival<\/i> in Hamburg gezeigt. In Zukunft sieht sich Olivia Scheucher auch in der freien Szene: \u201eIch will frei sein in den Stoffen, die ich bearbeite, und ich habe ein Team, mit dem ich weiterarbeiten m\u00f6chte.\u201c","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Schauplatz der Diplominszenierung von Olivia Scheucher am Max Reinhardt Seminar ist das \u00f6sterreichische Bundesheer. F\u00fcr die Absolvent_in der Theaterregie kein ungew\u00f6hnlicher Ort.<\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":8750,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[1362,1384,810],"class_list":["post-8747","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-drama","tag-2023-2","tag-theaterregie","tag-maxreinhardtseminar"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8747","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/34"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8747"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8747\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8875,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8747\/revisions\/8875"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8750"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8747"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8747"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8747"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}