{"id":8537,"date":"2023-02-27T10:38:00","date_gmt":"2023-02-27T09:38:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=8537"},"modified":"2023-02-27T10:38:32","modified_gmt":"2023-02-27T09:38:32","slug":"vitamin-a-k-und-soziale-einbindung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2023\/02\/27\/vitamin-a-k-und-soziale-einbindung\/","title":{"rendered":"Vitamin A, K und soziale Einbindung?"},"content":{"rendered":"<h5>mdw-Studierende Kathrin Fabian gibt Einblick in ihre musikp\u00e4dagogische Masterarbeit <i>Konzeption eines musikbasierten p\u00e4dagogisch-psychologischen Programms auf Basis der Selbstbestimmungstheorie zur F\u00f6rderung von Autonomie, Kompetenz und sozialer Einbindung im inklusiven Musizieren<\/i> (2022).<\/h5>\n<p>Schon einmal etwas von den Bed\u00fcrfnissen nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Einbindung geh\u00f6rt? Nein? Dann m\u00f6chte ich sie Ihnen jetzt kurz n\u00e4herbringen, denn sie sind laut Selbstbestimmungstheorie (SDT, Deci &amp; Ryan, 1985, 2000) universelle psychologische Basisbed\u00fcrfnisse, die essenziell f\u00fcr menschliche Motivation, Wohlbefinden und eine optimale psychische Entwicklung sind.<\/p>\n<p>Was genau sind nun diese psychischen \u201eWundervitamine\u201c? Ich habe mich im Rahmen meiner Masterarbeit mit den psychologischen Basisbed\u00fcrfnissen der Selbstbestimmungstheorie auseinandergesetzt und m\u00f6chte sie hier kurz vorstellen.<\/p>\n<div class=\"bdaia-separator se-shadow\" style=\"margin-top:30px !important;margin-bottom:30px !important;\"><\/div>\n<p>SDT forwards the proposition that there are specifiable psychological and social nutrients which, when satisfied within the interpersonal and cultural contexts of an individual\u2019s development, facilitate growth, integrity, and well-being. (Ryan &amp; Deci 2017)<\/p>\n<p>To be self-determined or autonomous in their actions, people must (1) be aware of the needs, processes, feelings, cognitions, and relationships that make up their true or integrated sense of who they are and (2) act in accordance with that integrated sense of self. To a large extent, this involves people allowing their basic needs to emerge and behaving in ways that satisfy those needs. (Ryan &amp; Deci, 2017)<\/p>\n<div class=\"bdaia-separator se-shadow\" style=\"margin-top:30px !important;margin-bottom:30px !important;\"><\/div>\n<p>Autonomie ist selbstbestimmtes Handeln. Aber was genau bedeutet \u201eselbstbestimmt\u201c, wenn ich beispielsweise von einer inneren Stimme im Hintergrund \u201eermahnt\u201c werde, ich solle doch so oder so sein oder dies oder jenes tun?<\/p>\n<p>Die Selbstbestimmungstheorie geht dann von introjiziertem Handeln aus, das wenig selbstbestimmt ist. Introjekte, innere Repr\u00e4sentation \u00e4u\u00dferer Personen beispielsweise, kennen Sie vielleicht aus der Psychologie: Die inneren Eltern, der innere Kritiker und so weiter. Die Selbstbestimmungstheorie hebt hervor, wie wichtig es ist, selbstreflexiv zu handeln: Ist das wirklich, was ich will? Sind das wirklich meine Werte und Ziele? Woran habe ich wirklich Freude? Sich diese Fragen zu stellen, kann zu tats\u00e4chlich autonomem und selbstbestimmtem Handeln f\u00fchren.<\/p>\n<p>Insbesondere Kinder zeigen ihre autonome Motivation noch h\u00e4ufig in intrinsisch motiviertem Tun. Im Laufe der Sozialisation verliere diese jedoch an Bedeutung, k\u00f6nne aber durch Verhalten, das pers\u00f6nliche Ziele und Interessen widerspiegelt, erg\u00e4nzt werden. Jedoch mahnt die Theorie zur Vorsicht: Viele Menschen h\u00e4tten den Kontakt mit sich selbst und ihren eigentlichen Bed\u00fcrfnissen verloren und w\u00fcrden ihr Handeln so auf sogenannte extrinsische Ziele hin orientieren, jene, die nicht mit der Erf\u00fcllung psychologischer Basisbed\u00fcrfnisse in direkter Verbindung stehen. Daher wird in der Selbstbestimmungstheorie auch zwischen der Pers\u00f6nlichkeit und dem Selbst eines Menschen unterschieden.<\/p>\n<p>Wenn Sie jetzt verunsichert sind und denken: \u201eJa, wie kann ich denn nun wissen, ob mein Verhalten selbstbestimmt ist?\u201c Die Theorie empfiehlt Achtsamkeit und Selbstreflexion, denn: Was Ihre wahren pers\u00f6nlichen Werte, Ziele und Interessen sind, wissen Sie selbst am besten.<\/p>\n<p>Wie steht es um die anderen zwei Bed\u00fcrfnisse? Kompetenz betrifft nicht Ihr bereits erlerntes pers\u00f6nliches K\u00f6nnen, sondern Erfahrungen, in denen Ihnen etwas gelungen ist, in denen Sie intentionale Effekte erzielen konnten und Aufgaben Ihrem pers\u00f6nlichen Schwierigkeitsniveau entsprachen. Das bedeutet: Um das Bed\u00fcrfnis nach Kompetenz zu erf\u00fcllen, ist es notwendig, die M\u00f6glichkeit zu haben, sich pers\u00f6nlich weiterzuentwickeln und Erfahrungen des Gelingens zu machen.<\/p>\n<p>Die Erf\u00fcllung des Bed\u00fcrfnisses nach sozialer Einbindung schlie\u00dflich ist das Gegenteil der Erfahrung sozialer Entfremdung und emotional unbefriedigender Beziehungen. Wenn Sie sich nach \u201eechten\u201c emotionalen Bindungen sehnen, in denen Sie Ihr wahres Selbst sein k\u00f6nnen, unterst\u00fctzt werden und F\u00fcrsorge erfahren, sind Sie in Kontakt mit dem menschlichen Basisbed\u00fcrfnis nach sozialer Einbindung, das nicht durch oberfl\u00e4chliche Kontakte oder Beziehungen rein transaktionaler Natur erf\u00fcllt werden kann.<\/p>\n<p>Im Einklang mit Ryan &amp; Deci (2017) \u2013 \u201e[\u2026] for we cannot conclude a treatise on self-determination by looking wholly to environments to improve the human condition\u201c \u2013 habe ich in meiner Masterarbeit ein Programm entworfen, das Teilnehmende dabei unterst\u00fctzen soll, sich ihre psychologischen Basisbed\u00fcrfnisse besser zu erf\u00fcllen; selbst unter Umst\u00e4nden eines widrigen Umfelds, das ihre Erf\u00fcllung nicht unterst\u00fctzt. Darin erlernen die Teilnehmenden beispielsweise F\u00e4higkeiten der Selbstreflexion und Achtsamkeit, lernen interessef\u00f6rdernde Strategien kennen und unterst\u00fctzen sich gegenseitig in der Erf\u00fcllung psychologischer Basisbed\u00fcrfnisse. Das Programm soll so zu einer verbesserten Wahrnehmung der Bed\u00fcrfnisse bei sich selbst und anderen beitragen und neue Handlungsm\u00f6glichkeiten in Bezug auf die Verwirklichung von Bed\u00fcrfniserf\u00fcllung er\u00f6ffnen. Auf diese Art k\u00f6nnen die Inhalte des Programms auf vielseitige Weise in musikp\u00e4dagogische Settings und Bez\u00fcge eingebunden werden und diese bereichern. Neben inklusiv musizierenden Gruppen bietet sich sein Einsatz beispielsweise in Schulklassen, elementaren Musiziergruppen sowie Musik- und Bewegungsgruppen an.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mdw-Studierende Kathrin Fabian gibt Einblick in ihre musikp\u00e4dagogische Masterarbeit Konzeption eines musikbasierten p\u00e4dagogisch-psychologischen Programms auf Basis der Selbstbestimmungstheorie zur F\u00f6rderung von Autonomie, Kompetenz und sozialer Einbindung im inklusiven Musizieren (2022)\ufeff\ufeff\ufeff.<\/p>\n","protected":false},"author":312,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[1340,1346,53,185,33],"class_list":["post-8537","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-research","tag-2023-1","tag-abschlussarbeiten","tag-forschung","tag-musikpaedagogik","tag-research"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/312"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8537"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8537\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8605,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8537\/revisions\/8605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8537"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}