{"id":8291,"date":"2022-11-28T16:50:40","date_gmt":"2022-11-28T15:50:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=8291"},"modified":"2022-11-28T16:51:01","modified_gmt":"2022-11-28T15:51:01","slug":"alumnus-im-fokus-andreas-eggertsberger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2022\/11\/28\/alumnus-im-fokus-andreas-eggertsberger\/","title":{"rendered":"Alumnus im Fokus: Andreas Eggertsberger"},"content":{"rendered":"Der mdw-Absolvent startet bereits mit sieben Jahren seine Karriere als Pianist. Als Jugendlicher bemerkt er erste Schwierigkeiten in der Motorik seiner linken Hand. Mit 32 Jahren erh\u00e4lt er schlie\u00dflich die Diagnose \u201efokale Dystonie\u201c.<\/p>\n<blockquote><p>Gerade wenn ein Problem auftaucht, \u00fcbt man ja noch mehr, um es zu beseitigen. Das verst\u00e4rkt die Symptome der fokalen Dystonie allerdings nur noch mehr.<\/p><\/blockquote>\n<figure id=\"attachment_8295\" aria-describedby=\"caption-attachment-8295\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-8295\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image2-13-1024x681.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"565\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image2-13-1024x681.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image2-13-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image2-13-768x511.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image2-13-1536x1022.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image2-13-2048x1363.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image2-13-850x566.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8295\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Fleckenstein<\/figcaption><\/figure>\n<p>Andreas Eggertsberger ist das, was man gemeinhin ein Wunderkind nennt. Mit sieben Jahren beschlie\u00dft er, nachdem er im Musikunterricht der Volksschule das erste Mal Mozart h\u00f6rte, Klavier zu lernen. Bereits ein halbes Jahr sp\u00e4ter beherrscht er den <i>Wilden Reiter<\/i> von Robert Schumann. Er gewinnt aus dem Stand weg den 1. Preis des bundesweiten Wettbewerbs <i>Jugend musiziert<\/i> und erarbeitet mit neun Jahren im Vorbereitungslehrgang der Anton Bruckner Privatuniversit\u00e4t Ludwig van Beethovens Klaviersonate <i>Path\u00e9tique<\/i>. Mit zw\u00f6lf Jahren beginnt er das Konzertfachstudium Klavier in Linz, das er mit f\u00fcnfzehn Jahren als j\u00fcngster Absolvent in der Geschichte der Privatuniversit\u00e4t mit Auszeichnung abschlie\u00dft. Kurze Zeit sp\u00e4ter beginnt sich jedoch das Blatt des talentierten Musikers zu wenden. Andreas Eggertsberger bemerkt erste Schwierigkeiten in der Motorik seiner linken Hand, denen er jedoch zu Beginn keine gro\u00dfe Beachtung schenkt. \u201eIch habe mir gedacht, ich m\u00fcsste nur mehr \u00fcben, denn wenn da wirklich ein Problem w\u00e4re, h\u00e4tte man das ja im Unterricht bemerkt.\u201c Er setzt seine Studien am Mozarteum in Salzburg und anschlie\u00dfend an der mdw fort. Entdeckt wurde die Bewegungsst\u00f6rung schlie\u00dflich von einer Geigenkollegin w\u00e4hrend eines Festivals in Italien. Sie macht Andreas Eggertsberger darauf aufmerksam, dass sich seine linke Hand anders bewegt als die rechte \u2013 der zweite Finger streckt sich, der dritte rollt sich ein \u2013 dadurch werden immer wieder T\u00f6ne \u201everschluckt\u201c. Er wendet sich an die Klavierprofessor_innen des Festivals, wird jedoch beruhigt, dass es sich lediglich um seine Art der K\u00f6rperhaltung handelt. \u201eIch hatte selber immer mehr den Verdacht, dass etwas nicht stimmt, aber meine Lehrenden haben mich vom Gegenteil \u00fcberzeugt.\u201c Auf die Versuche hin, selbst etwas zu \u00e4ndern, verst\u00e4rken sich die Symptome. \u201eIch war v\u00f6llig ratlos. Schlie\u00dflich habe ich zu recherchieren begonnen.\u201c \u00dcber den ber\u00fchmten Pianisten Leon Fleisher, der ebenfalls Probleme mit seiner Hand hatte, findet Eggertsberger heraus, dass es sich um die neurologische Erkrankung fokale Dystonie handeln k\u00f6nnte. Laut <i>\u00d6sterreichischer \u00c4rztezeitung<\/i> (Nr. 10, 25.\u200a5.\u200a2013) werden unter dem Begriff Dystonie Bewegungsst\u00f6rungen mit l\u00e4nger anhaltenden und unwillk\u00fcrlichen Kontraktionen der Muskulatur zusammengefasst. Die h\u00e4ufigste Form ist die fokale Dystonie. Mehrere Tests beim Neurologen best\u00e4tigen schlie\u00dflich die Annahme. Eggertsberger wird an Dr. Eckart Altenm\u00fcller, Professor f\u00fcr Musikphysiologie und Musikermedizin und Leiter der Musiker-Ambulanz an der Hochschule f\u00fcr Musik, Theater und Medien Hannover verwiesen, der ihn dar\u00fcber informiert, dass man der Dystonie mit Retraining entgegenwirken kann. Zwischen dem Auftauchen der Symptome als Jugendlicher und der Diagnose liegen mittlerweile sechszehn Jahre \u2013 mit H\u00f6hen und Tiefen. \u201eEinmal war ich der Hochbegabte und dann gab es wieder St\u00fccke, wo ich nicht entsprochen habe. In solchen Momenten fragt man sich, ob es vielleicht ein Fehler war, als hochbegabt eingestuft worden zu sein. Die Diagnose brachte mir schlie\u00dflich Klarheit und auch Erleichterung.\u201c Andreas Eggertsberger befindet sich im k\u00fcnstlerischen Doktoratsstudium an der University of Michigan, als die Dystonie diagnostiziert wird. Er informiert seinen Professor, wird jedoch dazu angehalten, weiter an seinen Dissertationskonzerten zu \u00fcben. Als es ihm schlussendlich nicht einmal mehr gelingt, den Abstand zwischen den Tasten zu sp\u00fcren, bricht er den Unterricht ab. Schlie\u00dflich verkrampft sich seine linke Hand und l\u00e4sst sich nicht mehr \u00f6ffnen. Einfachste Bewegungen im Alltag, wie das Binden der Schuhe, k\u00f6nnen nicht mehr bew\u00e4ltigt werden. Er entschlie\u00dft sich, wie von Dr. Altenm\u00fcller empfohlen, mit dem Retraining bei Laurent Boullet in Berlin zu beginnen. Bereits in der ersten Sitzung wird festgestellt, dass die Finger eine Instabilit\u00e4t der Hand kompensieren. Mit physiotherapeutischen \u00dcbungen gelingt es ihm schlie\u00dflich, seine Dissertationskonzerte zu spielen und das Doktorat abzuschlie\u00dfen. \u201e\u00dcber zwei Jahre hinweg habe ich Boullet alle zwei bis vier Monate besucht. Meine Hand wurde immer wieder analysiert und ich habe verschiedene \u00dcbungen gelernt.\u201c Durch das Retraining hat Andreas Eggertsberger sein eigenes \u00dcbeverhalten angepasst. Im Fokus stehen nun die Effizienz der Bewegung, die K\u00f6rperhaltung und die Tonerzeugung ohne gro\u00dfe Kraftaufwendung. Das Klavierspiel wird f\u00fcr ihn dadurch weniger anstrengend und verschafft ihm Sicherheit in der Konzertsituation.<\/p>\n<blockquote><p>Nach zwei Jahren Physiotherapie war ich auf einem guten Weg und habe sogar selbst Ideen f\u00fcr \u00dcbungen entwickelt.<\/p><\/blockquote>\n<figure id=\"attachment_8293\" aria-describedby=\"caption-attachment-8293\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-8293\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-17-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-17-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-17-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-17-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-17-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-17-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-17-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-17.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8293\" class=\"wp-caption-text\">F\u00fcnf Jahre nach seiner Diagnose kehrt Andreas Eggertsberger ans Konzertpodium zur\u00fcck. F\u00fcr seine Deb\u00fct-CD Dystonia nimmt er die Kreisleriana, op. 16 von Robert Schumann und die Sonate A-Dur, D 959 von Franz Schubert auf. \u00a9 Ela Cerna<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcnf Jahre nach der Diagnose kehrt der Linzer Pianist erfolgreich ans Konzertpodium zur\u00fcck, 2023 gibt er unter anderem sein Deb\u00fct im Rudolfinum in Prag. Heute m\u00f6chte der engagierte Pianist Bewusstsein f\u00fcr die Erkrankung schaffen, sieht er doch sein enormes \u00dcbepensum, gepaart mit einer f\u00fcr ihn unpassenden Technik als Trigger seiner Dystonie. \u201eIch habe im Sommer mitunter zehn bis elf Stunden am Instrument verbracht. Empfohlen w\u00e4ren vier bis f\u00fcnf Stunden. Zu dieser extremen Belastung kommt dann noch die Fehlhaltung.\u201c Gerade in fr\u00fchen Stadien kann die P\u00e4dagogik ansetzen und fr\u00fchzeitig intervenieren, berichtet die \u00d6sterreichische Dystonie Gesellschaft (<a>dystonie.at<\/a>). \u201eOft sieht man, dass sich Sch\u00fcler_innen unnat\u00fcrlich bewegen und verspannt sind \u2013 aber das Ergebnis stimmt. Die Verf\u00fchrung ist dann gro\u00df, weiterzumachen wie bisher, weil es ja funktioniert. Jedoch wird nicht bedacht, wie es in zwanzig Jahren aussieht\u201c, erkl\u00e4rt Andreas Eggertsberger. Gerade deswegen ist es f\u00fcr den engagierten Musiker so wichtig seine Geschichte zu erz\u00e4hlen und auf die neurologische Bewegungsst\u00f6rung aufmerksam zu machen, sei es \u00fcber Blogbeitr\u00e4ge, Vortr\u00e4ge oder seine 2019 ver\u00f6ffentlichte Deb\u00fct-CD <i>Dystonia<\/i>. Angehenden Pianist_innen ein Fundament f\u00fcr eine gesunde Technik zu legen, ist ihm dabei besonders wichtig. \u201eIch empfehle das Buch<i> Fit 4 Piano<\/i> von Rae de Lisle. In ihrem Buch beschreibt die Pianistin, wie Kinder spielerisch ein verletzungsvermeidendes Klavierspiel lernen.\u201c<\/p>\n<blockquote><p>Es ist wichtig, dass Lehrende ihre Sch\u00fcler_innen genau beobachten und zu einem in Bezug auf Bewegungsst\u00f6rungen kompetenten Arzt schicken, wenn ihnen etwas Ungew\u00f6hnliches auff\u00e4llt.<\/p><\/blockquote>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der mdw-Absolvent startet bereits mit sieben Jahren seine Karriere als Pianist. Als Jugendlicher bemerkt er erste Schwierigkeiten in der Motorik seiner linken Hand. 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