{"id":8260,"date":"2022-11-29T14:25:58","date_gmt":"2022-11-29T13:25:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=8260"},"modified":"2022-11-29T15:38:13","modified_gmt":"2022-11-29T14:38:13","slug":"bilder-sprechen-mit-inneren-bildern-zu-einer-lebendigen-sprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2022\/11\/29\/bilder-sprechen-mit-inneren-bildern-zu-einer-lebendigen-sprache\/","title":{"rendered":"Bilder sprechen: Mit inneren Bildern zu einer lebendigen Sprache"},"content":{"rendered":"Es gibt Menschen, denen k\u00f6nnten wir ewig beim Sprechen zuh\u00f6ren \u2013 fast unabh\u00e4ngig davon, was sie sagen. Es ber\u00fchrt uns in irgendeiner Form und rei\u00dft uns mit. Anderen wiederum k\u00f6nnen wir kaum folgen \u2013 wir werden in der Theatervorstellung unruhig oder k\u00f6nnen Gesagtes in einem Vortrag nicht richtig aufnehmen. Doch woran liegt das?<\/p>\n<figure id=\"attachment_8262\" aria-describedby=\"caption-attachment-8262\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8262\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-13-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-13-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-13-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-13-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-13-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-13-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-13-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-13.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8262\" class=\"wp-caption-text\">Florian Reiners \u00a9 Marcus Gaertner<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine Frage, die auch Florian Reiners, Professor f\u00fcr Sprachgestaltung am Max Reinhardt Seminar im Zuge seines Unterrichts, aber auch in der Praxis an zahlreichen Theatern immer wieder besch\u00e4ftigt hat. Obwohl Schauspieler_innen einen Text sinngem\u00e4\u00df sprechen und auch interpretieren, kommt dieser nicht richtig beim Publikum an. \u201eGemeinsam mit meinen Studierenden fand ich heraus, dass in so einem Fall in der Textvermittlung die inneren Bilder der Sprecher_innen fehlten, die die Worte zu den Zuh\u00f6rer_innen transportieren und in ihnen wiederum ihre Bilder vom Inhalt entstehen lassen\u201c, so Florian Reiners. \u201eUm die passenden Bilder zu einer Textinterpretation zu finden, entwickelte ich die Methode <i>Bilder sprechen<\/i>, ein bisher noch nicht beschriebenes kreativ-visuelles Instrument, mit dem Ziel, dem individuell gesprochenen Wort zu Lebendigkeit, Spontaneit\u00e4t und Unmittelbarkeit zu verhelfen. Das funktionierte so gut, dass ich es seit vielen Jahren zum festen Bestandteil meiner Lehre gemacht habe.\u201c Weil Studierende immer wieder danach fragten, ob man die Methode irgendwo nachlesen k\u00f6nne, schrieb Reiners seine Hypothesen nieder und gab sie seiner Kollegin Susanne Altweger, die selbst am Max Reinhardt Seminar studiert hatte, um diese aus psychologischer Sicht zu beurteilen. \u201eIch kannte die Arbeit am Text sowohl als Schauspielerin als auch als Regisseurin. Au\u00dferdem hatte ich berufsbegleitend Psychologie studiert und bin als Kommunikationstrainerin ebenfalls mit dem Thema befasst. Durch meine Zusatzausbildung im katathymen Bilderleben war ich es au\u00dferdem gewohnt, mit Bildern zu arbeiten\u201c, erkl\u00e4rt sie. Die von Reiners empirisch erprobten Erfahrungen aus dem Unterrichtsalltag konnten somit aus Sicht der Psychologin erkl\u00e4rt werden \u2013 die Basis f\u00fcr das Buch <i>Das gesprochene Bild. Die Methode \u201eBilder sprechen\u201c zur k\u00fcnstlerischen Sprachgestaltung<\/i> war geschaffen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8263\" aria-describedby=\"caption-attachment-8263\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8263\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image1-13-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image1-13-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image1-13-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image1-13-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image1-13-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image1-13-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image1-13-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image1-13.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8263\" class=\"wp-caption-text\">Susanne Altweger \u00a9 Studioline D\u00fcsseldorf<\/figcaption><\/figure>\n<p>Doch wie funktioniert das nun genau? \u201eUm Spontaneit\u00e4t und Lebendigkeit auf zu reproduzierende Autorentexte zu \u00fcbertragen, nutze ich verinnerlichte Bilder der Sprecher_innen. Diese entstehen zuerst durch Anreichern, also durch die intensive Besch\u00e4ftigung mit dem Text, den Autor_innen und der Zeit, in der der Text entstanden ist. Anschlie\u00dfend wird dieser sinnhaft eingeteilt und durch Verkn\u00fcpfen mit inneren Bildern verf\u00fcgbar. Das Besondere daran ist, dass der Text in kleine Abschnitte aufgeteilt wird, und man sich Teilfiguren \u00fcberlegt, die oft erstmal nur Eigenschaften entsprechen (z.\u2009B. die W\u00fctende, der Zwanghafte etc.). Dann suchen wir dazu passende Signalbilder, zum Beispiel Personen aus Filmszenen oder dem eigenen Alltag und verkn\u00fcpfen diese spielerisch mit den Teilfiguren. F\u00fcr das Interpretieren der Texte werden diese Teilfiguren dann wiederum mit den passenden Textstellen verkn\u00fcpft, sodass die Signalbilder jederzeit abrufbar sind. Die Sprecher_innen erlangen so Spontaneit\u00e4t und Interpretationsfreiheit im Sprechvorgang\u201c, erkl\u00e4rt Florian Reiners seine Technik. Wichtig ist, dass bei dieser Methode nicht auf eigene Erinnerungen oder Eigenschaften zur\u00fcckgegriffen wird, sondern auf jene von \u201egeliehenen\u201c Figuren, wie Reiners es beschreibt. Das hat den Vorteil, dass auf der B\u00fchne keine privaten Erlebnisse und Gef\u00fchle abgerufen werden (m\u00fcssen), was mitunter schwierig sein kann.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8265\" aria-describedby=\"caption-attachment-8265\" style=\"width: 186px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/shop.falter.at\/das-gesprochene-bild.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8265 size-medium\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image3-7-186x300.jpg\" alt=\"\" width=\"186\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image3-7-186x300.jpg 186w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image3-7-635x1024.jpg 635w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image3-7-768x1239.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image3-7-952x1536.jpg 952w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image3-7-850x1371.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image3-7.jpg 1067w\" sizes=\"auto, (max-width: 186px) 100vw, 186px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-8265\" class=\"wp-caption-text\">Das gesprochene Bild. Die Methode \u201eBilder sprechen\u201c zur k\u00fcnstlerischen Sprachgestaltung ist im Falter Verlag erschienen \u00a9 Falter Verlag<\/figcaption><\/figure>\n<p>Warum die Technik so gut funktioniert, erkl\u00e4rt Altweger so: \u201eLange vor dem Spracherwerb nehmen wir die Welt visuell wahr. Bilder sind sehr wirkm\u00e4chtig und das k\u00f6nnen wir hier nutzen. Wir haben es mit einem iterativen Prozess zu tun: Durch die beschriebenen Anreicherungen wird das Ergebnis \u2013 in diesem Fall eine mitrei\u00dfende Umsetzung des Textes durch Sprache und innere Bilder \u2013 so lange weiterentwickelt, bis das Ergebnis h\u00f6rbar stimmig von dem\/der Sprecher_in erachtet wird.\u201c<\/p>\n<p>Texte werden also mit emotionalen Inhalten und Bildern verkn\u00fcpft und mehrfach wiederholt, um eine stimmige Assoziation abzuspeichern und abrufbar zu machen, um schlie\u00dflich einen lebendigen Text zu haben. \u201eEs gibt viele Arten einen Satz zu sprechen und am Ende einer gelungenen Textarbeit doch nur eine. Wir hoffen, dass <i>Bilder Sprechen<\/i> auf diesem Weg alle Sprecher_innen inspiriert, auf ihrer Forschungsreise ihr <i>gesprochenes Bild <\/i>zu finden\u201c, so Florian Reiners.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt Menschen, denen k\u00f6nnten wir ewig beim Sprechen zuh\u00f6ren \u2013 fast unabh\u00e4ngig davon, was sie sagen. 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