{"id":8245,"date":"2022-11-29T15:00:33","date_gmt":"2022-11-29T14:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=8245"},"modified":"2022-11-29T15:37:37","modified_gmt":"2022-11-29T14:37:37","slug":"zawinul-90-eine-trilogie-am-institut-fuer-popularmusik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2022\/11\/29\/zawinul-90-eine-trilogie-am-institut-fuer-popularmusik\/","title":{"rendered":"Zawinul 90: Eine Trilogie am Institut f\u00fcr Popularmusik"},"content":{"rendered":"Am 7. Juli 1932 wurde Joe Zawinul (\u2020\u20092007) in Wien geboren und wuchs unweit des mdw-Campus im 3. Wiener Gemeindebezirk auf. Er z\u00e4hlt heute zu den einflussreichsten Jazz-Musikern des 20. Jahrhunderts. Seinen 90. Geburtstag nahm die big.mdw.band (Leitung: Markus Geiselhart), die Big Band der mdw am Institut f\u00fcr Popularmusik, zum Anlass, sich in einer Trilogie \u00fcber drei Semester lang mit der Musik und dem Wirken von Joe Zawinul zu besch\u00e4ftigen. Die Trilogie folgt allerdings nicht der chronologischen Entwicklung von Zawinuls Karriere, sondern dem Lehrplan der big.mdw.band, welcher im Wintersemester ein traditionelles und im Sommersemester ein modernes Programm vorsieht.<\/p>\n<h5>Sommersemester 2022: Zawinul 90 \u2013 The Music of Weather Report<\/h5>\n<p>Im Dezember 1970 gr\u00fcndete Joe Zawinul gemeinsam mit dem amerikanischen Saxophonisten Wayne Shorter und dem tschechischen Bassisten Miroslav Vitou\u0161 die Band Weather Report. Bis zur Aufl\u00f6sung der Band 1986 spielten bei Weather Report Musikerpers\u00f6nlichkeiten wie Jaco Pastorius, Peter Erskine, Alphonse Mouzon oder Victor Bailey. Weather Report gilt als eine der k\u00fcnstlerisch bedeutendsten und kommerziell erfolgreichsten Jazz- und Fusion-Bands der 1970er- und 1980er-Jahre und beeinflusst bis heute viele Musiker_innen verschiedener Stilrichtungen.<\/p>\n<p>Die Big-Band-Arrangements f\u00fcr dieses Programm stammen teilweise aus der Feder des amerikanischen Arrangeurs Vince Mendoza. Sie wurden im Oktober 2005 von Joe Zawinul und der WDR Big Band in Joe Zawinuls Birdland in Wien live aufgenommen und sind 2006 auf der CD <i>Brown Street<\/i> erschienen. Das Arrangement von Joe Zawinuls Komposition <i>Man in the Green Shirt<\/i> wurde von dem Saxophonisten Hans Salomon f\u00fcr die ORF Big Band geschrieben und liegt im ORF-Big-Band-Archiv, das vor f\u00fcnf Jahren vom ORF an die mdw als Schenkung \u00fcbergeben wurde. Seit dem Fr\u00fchjahr 2022 ist dieses Archiv nun komplett im Katalog der mdw-Bibliothek erfasst.<\/p>\n<p>Die Bearbeitung der Wayne-Shorter-Komposition <i>Palladium<\/i> ist von dem Amerikaner Mike Tomaro. Das Arrangement von <i>Procession<\/i> stammt von Joe Zawinul selbst und wurde von mir f\u00fcr die big.mdw.band eingerichtet. Weiters verfasste ich ein Arrangement des Titels <i>Can it be done<\/i>, der auf dem Weather-Report-Album <i>Domino Theory<\/i> 1984 erschienen ist, f\u00fcr Big Band und Vocal-Ensemble. Mit dem vierstimmig besetzen Vocal-Ensemble (Sopran, Alt, Tenor, Bass) des Instituts f\u00fcr Popularmusik steht auch eine Version der Zawinul-Komposition <i>Birdland<\/i> auf dem Programm. Das Arrangement des australischen Komponisten und Posaunisten Daryl McKenzie vereint die Birdland-Versionen von Manhattan Transfer mit dem Big-Band-Arrangement der Maynard Ferguson Big Band. <i>Birdland<\/i> wurde \u00fcbrigens in drei verschiedenen Versionen f\u00fcr einen Grammy ausgezeichnet: auf dem Album <i>Heavy Weather<\/i> (1977) von Weather Report, auf dem Album <i>Extensions<\/i> (1980) von Manhattan Transfer sowie in der Version von Quincy Jones.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8248\" aria-describedby=\"caption-attachment-8248\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-8248\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image1-11-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image1-11-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image1-11-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image1-11-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image1-11-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image1-11-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image1-11-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8248\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Sabine Geiselhart<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Konzert der big.mdw.band vom 29. Juni 2022 im Schlosstheater Sch\u00f6nbrunn ist in der <a href=\"http:\/\/mediathek.mdw.ac.at\/big.mdw.band22\">mdwMediathek<\/a> abrufbar.<\/p>\n<h5>Wintersemester 2022\/23: Zawinul 90 \u2013 From Vienna, With Love<\/h5>\n<p>In diesem Semester steht die Anfangszeit der Karriere von Joe Zawinul im Mittelpunkt und somit befasst sich auch ein Teil des Programms mit der Wiener Jazzszene der 1950er-Jahre.<\/p>\n<p>Im Jahr 1955 gr\u00fcndete Johannes Fehring (eigentlich Johannes Fernbach) in Wien das Orchester Joannes Fehring, in dem auch der junge Joe Zawinul \u2013 u.\u2009a. neben dem Posaunisten Erich Kleinschuster oder dem Saxophonisten Hans Salomon Mitglied \u2013 war. Aus dem Orchester Johannes Fehring gr\u00fcndete sich dann 1971 die ORF Big Band, die bis zu ihrer Aufl\u00f6sung 1982 bestand. Aus dem ORF Big Band-Archiv haben wir f\u00fcr dieses Programm beispielsweise Hans Salomons Komposition <i>Salute to Miles<\/i>, die er f\u00fcr das Orchester Johannes Fehring geschrieben hat, entnommen. Bekanntheit erlangte diese Komposition allerdings durch eine Aufnahme der deutschen Max Greger Big Band, die das St\u00fcck 1965 auf dem Album <i>Maximum<\/i> ver\u00f6ffentlichte. Etwa 1954, also kurz vor der Gr\u00fcndung des Orchester Joahnnes Fehring, formierte der Schlagzeuger Viktor Plasil die Combo Austrian All Stars, welcher neben Joe Zawinul am Klavier, auch Hans Salomon am Altsaxophon, Karl Drewo am Tenorsaxophon und Rudolf Hansen am Bass angeh\u00f6rten. Ab 1955 kam der Trompeter Dick Murphay dazu. Sp\u00e4ter spielte in dieser Combo auch zeitweise der Pianist Friedrich Gulda. Ein von dieser Combo h\u00e4ufig gespielter Titel ist das schwedische Volkslied <i>Ack, V\u00e4rmeland, du sk\u00f6na<\/i> (Nachdem der amerikanische Saxophonist Stan Getz dieses Lied f\u00fcr Konzerte in Schweden bearbeitet hat, wurde es unter dem Titel <i>Dear old Stockholm<\/i> zum Jazzstandard).<i> <\/i>Auch von diesem Titel kommt ein Arrangement von Hans Salomon aus dem ORF-Big-Band-Archiv zur Auff\u00fchrung. Der Titel <i>From Vienna, With Love<\/i>, der diesem Semester das Motto verleiht, wurde von Joe Zawinul 1968 auf dem Album <i>The Rise and Fall of the Third Stream<\/i> ver\u00f6ffentlicht. Vermutlich handelt es sich dabei allerdings um eine Komposition von Friedrich Gulda, der dieses St\u00fcck im Rahmen seiner Golowin-Lieder auf dem Album <i>Wann i geh\u2019<\/i> unter dem Titel <i>Du und i<\/i> ver\u00f6ffentlichte. Aus diesem Grund verfasste ich von diesem Titel zwei Arrangements: eine instrumentale Version als Opener f\u00fcr das Programm und eine Vocal-Version, die als Zugabe gespielt wird. Weiters stehen Titel aus dem Repertoire von Dinah Washington, die Zawinul engagierte und damit eine der ersten wichtigen Stationen von Joe Zawinul in Amerika schuf, auf dem Programm. Und auch Kompositionen, die Joe Zawinul f\u00fcr das Cannonball Adderly Quintet verfasst hat. Jener Band, in der er in Amerika endg\u00fcltig zum Jazzstar reifte.<\/p>\n<h5>Sommersemester 2023: Zawinul 90 \u2013 The Syndicate<\/h5>\n<p>Zum Abschluss der Zawinul-Trilogie steht die Musik von Zawinuls Syndicate im Mittelpunkt.<\/p>\n<p>The Zawinul Syndicate bestand von 1988 bis zu seinem Tod am 11. September 2007. Mit diesem Ensemble hat Zawinul eine Art des Musizierens entwickelt, die sich grunds\u00e4tzlich von \u00fcblichen Konzepten der Jazz-, Pop- und Rockmusik abhebt. Die St\u00fccke haben oft \u201esuitenartigen\u201c Charakter, werden durch einen mehr oder weniger offenen Ablauf von Melodien und Wechsel der Tonalit\u00e4t strukturiert. Im Zentrum stehen starke Grooves, fast jedes St\u00fcck basiert auf einer eigenen rhythmischen Komposition, die Gitarre, Bass, Percussion, Drums und Keyboard zu einem unverwechselbaren polyphonen Geflecht zusammenf\u00fchrt. Aus den vorhandenen Bausteinen werden die Arrangements und formalen Abl\u00e4ufe spontan gestaltet. Die zweite S\u00e4ule sind pers\u00f6nliche Solospots, \u00e4hnlich einer Kadenz im klassischen Sinn, welche jede_r Musiker_in des Ensembles v\u00f6llig frei gestalten kann. Dadurch stellen sich die Musiker_innen sozusagen musikalisch vor. Diese Spots k\u00f6nnen zwischen zwei St\u00fccken oder auch innerhalb eines St\u00fcckes zwischen zwei Teilen platziert werden. Dieser Teil der Trilogie beginnt bereits im Wintersemester in Zusammenarbeit mit der Lehrveranstaltung <i>Pop &amp; Jazz Bandprojekt<\/i> von Paul Urbanek. Hier wird mit einer Syndicate-Besetzung (Keyboard, Bass, Gitarre, Schlagzeug, Percussion) mit Notenmaterial gestartet, das die oben beschriebenen, sp\u00e4ter noch freier gestalteten Abl\u00e4ufe simuliert, und somit eine gute Mischung aus formalem Ger\u00fcst und freien Gestaltungsr\u00e4umen darstellt. Der erste Schritt wird das gemeinsame Erarbeiten der Grundstrukturen, Grooves, Riffs und Melodien sein. Dann wird mit der formalen Gestaltung experimentiert, so dass diese auch spontan ver\u00e4ndert werden kann.<\/p>\n<p>Im Sommersemester wird diese Besetzung dann zur Rhythmusgruppe der big.mdw.band und das im Wintersemester erarbeitete Material wird mit der kompletten Big Band in neuen Arrangements zusammengef\u00fchrt, ohne dabei die Spontaneit\u00e4t der Syndicate-St\u00fccke zu verlieren.<\/p>\n<p>Speziell f\u00fcr die Rhythmusgruppe stellt dieser Arbeitsprozess eine wichtige Erfahrung in der musikalischen Entwicklung dar, ein bereits bekanntes Programm in einer anderen musikalischen Umgebung neu zu interpretieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Solist_innen der big.mdw.band bietet die erstmalige Zusammenarbeit der Lehrveranstaltungen <i>Big Band<\/i> und <i>Pop &amp; Jazz Bandprojekt<\/i> wesentlich mehr Raum und Zeit f\u00fcr die solistische Entwicklung und das Experimentieren mit der Soloperformance.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 7. 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