{"id":8217,"date":"2022-11-29T13:23:01","date_gmt":"2022-11-29T12:23:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=8217"},"modified":"2022-11-29T13:23:20","modified_gmt":"2022-11-29T12:23:20","slug":"kunst-und-gesundheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2022\/11\/29\/kunst-und-gesundheit\/","title":{"rendered":"Kunst und Gesundheit"},"content":{"rendered":"<h5>Eine Gespr\u00e4chsrunde \u00fcber die gesunde Kunstaus\u00fcbung, die Situation im Berufsalltag und M\u00f6glichkeiten der Bewusstseinsschaffung mit Gerda M\u00fcller, Vizerektorin f\u00fcr Organisationsentwicklung, Gender &amp; Diversity, Bernhard Riebl, Leiter der Abteilung Musikphysiologie am Institut f\u00fcr Musik- und Bewegungsp\u00e4dagogik\/Rhythmik sowie Musikphysiologie und Eva Maria Riedl-Buschan, der neuen Professorin f\u00fcr Gesang am Institut f\u00fcr Gesang und Musiktheater.<\/h5>\n<p>In ihrem Projekt <i>Kunst und Gesundheit<\/i> stellt die mdw das k\u00f6rperliche wie auch das seelische Wohlbefinden aller Angeh\u00f6rigen der Universit\u00e4t in den Mittelpunkt. Worum geht es dabei?<\/p>\n<figure id=\"attachment_8219\" aria-describedby=\"caption-attachment-8219\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8219\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-7-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-7-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-7-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-7-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-7-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-7-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-7-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image0-7.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8219\" class=\"wp-caption-text\">Bernhard Riebl \u00a9 Daniel Willinger<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Bernhard Riebl (BR):<\/b> Das Grundanliegen von <i>Kunst und Gesundheit<\/i> ist ein Bewusstsein daf\u00fcr zu schaffen, dass es in der Ausbildung und dem Arbeitsalltag nicht nur um Leistung geht, sondern auch darum, wie wir diese erforderliche Leistung mit Gesundheit und Wohlbefinden in Einklang bringen k\u00f6nnen. F\u00fcr diese Fragestellung m\u00f6chte die mdw ein Forum schaffen. Das Angebot von <i>Kunst und Gesundheit<\/i> richtet sich dabei an alle Angeh\u00f6rigen der Universit\u00e4t \u2013 Lehrende, Studierende (hier geht es in erster Linie um Kunstaus\u00fcbung) und das Verwaltungspersonal.<\/p>\n<p><b>Gerda M\u00fcller (GM): <\/b>Der mdw ist wichtig, die Gesundheit der Menschen, die hier arbeiten und studieren, zu erhalten. Daf\u00fcr m\u00f6chten wir die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. Wir besch\u00e4ftigen uns mit der Frage, was gesunde Kunstaus\u00fcbung hei\u00dft, und was es daf\u00fcr braucht. Auf der anderen Seite stehen die Bed\u00fcrfnisse der Mitarbeiter_innen der Verwaltung. Diese Bereiche haben wir mit der Projektgruppe <i>Kunst und Gesundheit<\/i> sehr gut institutionalisiert und \u00fcber verschiedene Projekte, Schwerpunkte und Initiativen weiterentwickelt.<\/p>\n<blockquote><p>Die mdw steht gro\u00dfartig da, was die individuelle Betreuung der Studierenden betrifft, und das ist von unsch\u00e4tzbarem Wert.<\/p>\n<p>Bernhard Riebl<\/p><\/blockquote>\n<p>K\u00f6nnen Sie ein paar Beispiele nennen?<\/p>\n<figure id=\"attachment_8222\" aria-describedby=\"caption-attachment-8222\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8222\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image3-3-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image3-3-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image3-3-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image3-3-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image3-3-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image3-3-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image3-3-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image3-3.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8222\" class=\"wp-caption-text\">Gerda M\u00fcller \u00a9 Daniel Willinger<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>GM:<\/b> Etwa der j\u00e4hrlich stattfindende Gesundheitstag, der sich an alle mdw-Angeh\u00f6rigen richtet, unser Zentrum f\u00fcr Weiterbildung, das sich im Rahmen des Weiterbildungsprogramms der mdw mit <i>Kunst und Gesundheit<\/i> abstimmt, aber auch Lehrveranstaltungen, die ganz tief in die curriculare Entwicklung hineingehen. Wir m\u00f6chten Rahmenbedingungen schaffen und die entsprechenden Instrumente in die Hand geben, um gut auf den eigenen K\u00f6rper achten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wie stark ist das Bewusstsein f\u00fcr dieses Thema unter den Studierenden und Lehrenden? Wird das Angebot angenommen?<\/p>\n<p><b>BR: <\/b>Bei den Studierenden ist die Akzeptanz sehr hoch. Ein grunds\u00e4tzliches Thema ist jedoch, dass viele Studierende von klein auf daran gew\u00f6hnt sind, nur auf den kurzfristigen Erfolg zu achten und oft genug geh\u00f6rt haben, sie m\u00fcssten einfach nur mehr \u00fcben, oder dass Schmerz normal sei. In diesem Bereich konnten wir durch Pflichtfachvorlesungen schon viel Bewusstsein schaffen. In vielen weiteren Lehrveranstaltungen der Abteilung Musikphysiologie k\u00f6nnen die Studierenden dann umsetzen, wie es auch anders gehen kann.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8223\" aria-describedby=\"caption-attachment-8223\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-8223\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image4-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image4-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image4-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image4-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image4-1-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image4-1-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image4-1-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8223\" class=\"wp-caption-text\">Eva Maria Riedl-Buschan \u00a9 Daniel Willinger<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Eva Maria Riedl-Buschan (ERB):<\/b> Ich bin begeistert davon, was die mdw hier an Angebot auf die Beine gestellt hat. Ich bin selbst Absolventin der mdw und habe mich bereits w\u00e4hrend meines Studiums sehr daf\u00fcr interessiert, wie der K\u00f6rper funktioniert und was das f\u00fcr unsere Berufsaus\u00fcbung bedeutet. In Wahrheit ist unser Beruf Hochleistungssport und im Idealfall hat man ein Team, das einen unterst\u00fctzt. Jemanden, der einen k\u00f6rperlich und mental betreut. F\u00fcr Sportler_innen ist es ganz normal, dass sie Mental-Trainer_innen und \u00c4rzt_innen haben, die sie durchchecken. Das w\u00fcrde ich mir auch f\u00fcr den Kunstbereich w\u00fcnschen.<\/p>\n<blockquote><p>Corona hat gezeigt, wie viel Leidenschaft die Studierenden und Lehrenden f\u00fcr die Ausbildung an der mdw aufbringen.<\/p>\n<p>Gerda M\u00fcller<\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00fcrden Sie sagen, dass es auch Ihre Aufgabe als Lehrende ist, Studierende auf dieses Thema aufmerksam zu machen?<\/p>\n<p><b>ERB: <\/b>Ja, allerdings. Mit 17 bzw. 18 Jahren hat man dieses Thema einfach noch nicht so im Blick und hier kann man als Lehrende_r ansetzen. Vor allem m\u00f6chte ich dazu ermutigen, die Angebote des Ausbilders in Anspruch zu nehmen. Die Erfahrung zeigt mir, dass sich im Berufsleben niemand darum k\u00fcmmert. Man hat eine Eigenverantwortung, sich seine Gesundheit zu bewahren, denn fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wird man als K\u00fcnstler_in mit diesem Thema konfrontiert. In unserem Bereich werden minuti\u00f6se H\u00f6chstleistungen abgefragt und das hat einen gro\u00dfen Einfluss auf unseren Organismus, allein durch die Stresshormone. Eine befreundete \u00c4rztin hat mir einmal erkl\u00e4rt, dass wir eigentlich nach jeder Vorstellung noch mindestens eine halbe Stunde Sport betreiben m\u00fcssten, um das Cortisol im K\u00f6rper abzubauen.<\/p>\n<p><b>BR:<\/b> Spannend ist, dass fr\u00fcher das Interesse bei den P\u00e4dagogik-Studierenden deutlich gr\u00f6\u00dfer war als bei den Studierenden aus dem Instrumentalstudium, in den letzten Jahren haben aber die Instrumental-Studierenden hier gleichgezogen. Ich vermute, weil es sich herumgesprochen hat, dass die Performance besser wird, wenn man achtsamer mit seinem K\u00f6rper umgeht. Zudem wird dadurch das Studium effizienter. Bei den Lehrenden ist es etwas anders, hier gibt es jene, die unglaublich viel Know-how besitzen, die sich seit Jahren sehr f\u00fcr dieses Thema interessieren. Dann gibt es aber auch Lehrende, die kaum Interesse zeigen. Aber auch hier kann man sagen, dass sich das Blatt gerade wendet.<\/p>\n<p>Wie kommt es zu diesem Wandel?<\/p>\n<p><b>BR: <\/b>Ich denke, dass unser Projekt <i>Kunst und Gesundheit<\/i> einiges dazu beigetragen hat. Wie auch der bereits erw\u00e4hnte Gesundheitstag, den mittlerweile alle kennen. Dort gibt es sowohl f\u00fcr Lehrende als auch f\u00fcr Studierende hochqualitative Schnupper-Angebote aus dem Bereich Musikphysiologie und Musikpsychologie. Einen Beitrag leisten vor allem auch die Lehrveranstaltungen f\u00fcr die Studierenden, wo Lehrende oft erleben, dass die Entwicklung ihrer Studierenden von musikphysiologischen Ans\u00e4tzen gef\u00f6rdert wird. Die Lehrenden haben, sobald das Interesse erwacht ist, heutzutage auch viel mehr M\u00f6glichkeiten der Fort- und Weiterbildung als fr\u00fcher.<\/p>\n<p><b>GM: <\/b>Den Vergleich mit den Spitzensportler_innen finde ich sehr treffend und die Frage ist, welchen Support brauche ich, um diese H\u00f6chstleistungen m\u00f6glichst lange erbringen zu k\u00f6nnen? Meiner Ansicht nach hat es hier in den letzten Jahren eine Bewusstseinssteigerung gegeben. Es ist klar geworden, dass psychische und physische Gesundheit essenziell sind, um auf der B\u00fchne mit der enormen Stresssituation gut umgehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<blockquote><p>Ich achte bei meinen Studierenden besonders auf K\u00f6rperhaltung und Atemtechniken. Es ist immer wieder faszinierend, wie sich der Klang entwickelt, wenn man am K\u00f6rper nur eine Kleinigkeit ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Eva Maria Riedl-Buschan<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie greift die mdw dieses Thema auf?<\/p>\n<p><b>GM: <\/b>Wir bieten ein sehr vielf\u00e4ltiges Programm an. Es geht vor allem um die ganzheitliche Betrachtung des K\u00f6rpers, um das, was ich brauche, um gut arbeiten und Kunst aus\u00fcben zu k\u00f6nnen. Die psychische Gesundheit ist ein ganz wesentlicher Bestandteil davon. Wir haben etwa eine Ringvorlesung initiiert, die sich mit dem Umgang mit Stress, Auftritts\u00e4ngsten und Panikzust\u00e4nden besch\u00e4ftigt hat. Wir haben eine psychosoziale Beratungsstelle f\u00fcr die Studierenden eingerichtet, um niederschwellig \u00fcber diese Dinge sprechen zu k\u00f6nnen. Ich denke, dass das Bild gereift ist, dass es mehr braucht, um seine k\u00fcnstlerische Performance abliefern zu k\u00f6nnen, als zu \u00fcben. Und ich meine, dass es uns gelungen ist, dieses Thema st\u00e4rker im System sichtbar zu machen und mehr Bewusstsein zu schaffen.<\/p>\n<p><b>BR:<\/b> Ich m\u00f6chte hier auch noch einmal unterstreichen, dass Lehrveranstaltungen installiert wurden, wie etwa Konzentrationspraxis oder Auftrittscoaching, die sehr konzentriert mit dieser Thematik arbeiten und ansprechen, dass es nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, immer gut abzuliefern. Das Auftrittscoaching hat in den letzten zehn Jahren einen gro\u00dfen Zulauf bekommen und reicht in viele Lehrveranstaltungen hinein.<\/p>\n<p><b>GM: <\/b>Entscheidend ist auch, dass die Universit\u00e4tsleitung erkannt hat, dass es sich hier um ein sehr wichtiges Thema handelt, dass wir diese Lehre erm\u00f6glichen und die Ressourcen zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8221\" aria-describedby=\"caption-attachment-8221\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-8221\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image2-6-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image2-6-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image2-6-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image2-6-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image2-6-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image2-6-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/post-1_image2-6-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8221\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Daniel Willinger<\/figcaption><\/figure>\n<p>Frau Riedl-Buschan, wird diesem Thema in der tats\u00e4chlichen Berufsaus\u00fcbung bzw. im beruflichen Alltag genug Aufmerksamkeit geschenkt?<\/p>\n<p><b>ERB:<\/b> Wenn man als Absolvent_in im Job angekommen ist, wird einem schnell klar gemacht, dass man abliefern muss. Es interessiert niemanden, wie es einem geht oder ob man gestresst ist. Ich habe mich fr\u00fch mit diesem Thema besch\u00e4ftigt, weil ich vermutet habe, dass H\u00f6chstleistung nicht zuf\u00e4llig, sondern aufgrund des Zusammenspiels vieler k\u00f6rperlicher Faktoren passiert. Mit Anfang 20 habe ich den Lehrgang <i>Atem, Stimme, Bewegung<\/i> an der mdw absolviert, mich mehr und mehr eingelesen und wertvollen Input von Expert_innen auf diesem Gebiet bekommen. Was ich daher mit Sicherheit und aus Erfahrung als S\u00e4ngerin und P\u00e4dagogin wei\u00df: Wenn es im Einklang mit dem eigenen K\u00f6rper und Geist geht, dann f\u00fchlt es sich auch leicht an. Im Berufsleben, das musste ich lernen, gibt es kaum Platz daf\u00fcr. Einerseits aus zeitlichen Gr\u00fcnden, andererseits weil es vielen einfach nicht wichtig genug ist. Ich wei\u00df, dass einige Theater- und Opernh\u00e4user zumindest Betriebspsycholog_innen anbieten, um den psychischen Stress abzufedern, nur wird dieses Angebot kaum genutzt.<\/p>\n<blockquote><p>Ich w\u00fcnsche mir, dass diese Themen ernst genommen werden. Es gibt hier die Expert_innen, die daf\u00fcr da sind, die Angeh\u00f6rigen der mdw zu begleiten.<\/p>\n<p>Gerda M\u00fcller<\/p><\/blockquote>\n<p>Das klingt nach einer Tabuisierung \u2026<\/p>\n<p><b>ERB:<\/b> Zu meiner Zeit war das auf jeden Fall so.<\/p>\n<p><b>GM: <\/b>Wir sind eine Exzellenzuniversit\u00e4t. Sobald man Defizite aufweist, etwa k\u00f6rperliche Beschwerden, steht das mit der Exzellenz in Widerspruch. Das aufzubrechen ist f\u00fcr die Weiterentwicklung der Institution unglaublich wichtig. Wir m\u00f6chten aufzeigen, dass es sehr belastend sein kann, wenn man mit Beschwerden auf diesem Niveau Leistung abrufen m\u00f6chte. Das hemmt und im Grunde kann man daran zerbrechen. Wir m\u00f6chten, dass bereits die Studierenden wahrnehmen, dass es hier Angebote gibt, die unterst\u00fctzen und helfen, und dass es in Ordnung und normal ist, sie in Anspruch zu nehmen.<\/p>\n<p><b>ERB: <\/b>K\u00fcnstlerische Studien waren nie einfach, wenn man den Wettbewerb betrachtet. Aber es hat sich in den letzten zehn Jahren noch einmal sehr zugespitzt. Es ist h\u00e4rter geworden. Als ich mit 24 Jahren meine professionelle Karriere begonnen habe, war ich als Mezzosopranistin ein \u201eK\u00fcken\u201c, was mir an den Theatern auch immer so vermittelt wurde. \u00c4ltere, erfahrenere Kolleg_innen haben mich unter ihre Fittiche genommen. Heute scheint mir, liegt der Schwerpunkt mehr und mehr auf den jungen K\u00fcnstler_innen, was zur Folge hat, dass die \u00e4lteren und erfahrenen Kolleg_innen immer \u00f6fter ausfallen. Aber gerade die Expertise und Erfahrungswerte dar\u00fcber, wie man die Probenarbeit und Auftritte gut bew\u00e4ltigen kann, sind damit leider weniger geworden. Deswegen ist die Arbeit der mdw von so gro\u00dfer Bedeutung.<\/p>\n<p>Welche Strategie verfolgt die mdw, um noch mehr Bewusstsein f\u00fcr dieses Thema zu schaffen?<\/p>\n<p><b>BR: <\/b>Um die Lehrenden immer mehr in diese Thematik einzubinden, setzt die mdw besonders auch bei den neu eintretenden Lehrenden an: Daher ist die Musikphysiologie im Startmodul f\u00fcr neue Lehrende vertreten. Ich denke aber, dass das Bewusstsein f\u00fcr dieses Thema auch eine Generationenfrage ist. Ich bin sehr optimistisch, dass, wenn man diese Themen an der mdw gut im Auge beh\u00e4lt, das Bewusstsein stetig steigen wird. Ansonsten liegt es naturgem\u00e4\u00df in der Verantwortlichkeit der Studienkommissionen, den Studierenden auch in Bezug auf musikphysiologische Hilfestellungen die bestm\u00f6gliche Bildung anzubieten.<\/p>\n<p><b>GM: <\/b>Die mdw hat als Universit\u00e4t eine Vorbildfunktion. Wir haben den Anspruch, ein humanistisches Wertebild zu vermitteln. Und deswegen ist es so wichtig, dass wir auf die Aspekte, die einen dann im Beruf erwarten, gut vorbereiten. Damit die Absolvent_innen hinausgehen und mit dem Wissen ausgestattet sind, wo sie sich im Bedarfsfall hinwenden k\u00f6nnen. Und man darf auch die Verwobenheit der mdw mit den Kulturbetrieben nicht untersch\u00e4tzen. Wenn Studierende mit ihrem Wissen ins Engagement gehen und es weitertransportieren, k\u00f6nnen sie f\u00fcr unser Thema Multiplikator_innen sein. Aber daf\u00fcr brauchen sie eine gute Ausbildung.<\/p>\n<p><b>BR: <\/b>Das ist mein Stichwort. Das Institut f\u00fcr Musik- und Bewegungsp\u00e4dagogik\/Rhythmik sowie Musikphysiologie bietet einen Zertifizierungslehrgang zu diesem Thema an, wo K\u00fcnstler_innen, die bereits im Berufsleben stehen, gewisse Ausbildungsschritte nachholen k\u00f6nnen. In dem umfangreichen Lehrgang werden sowohl Musikpsychologische als auch -physiologische Themen behandelt. Die Teilnehmer_innen, darunter K\u00fcnstler_innen, die den Abschluss teilweise schon vor vielen Jahren gemacht haben, bringen gro\u00dfe Berufserfahrung mit. Sie integrieren das neu erworbene Wissen in ihren beruflichen Alltag, tragen aber auch umgekehrt zur Entwicklung des Lehrganges bei, weil die Praxisrelevanz st\u00e4ndig reevaluiert werden kann.<\/p>\n<blockquote><p>In Wahrheit ist unser Beruf Hochleistungssport. F\u00fcr Sportler_innen ist es ganz normal, dass sie Mental-Trainer_innen und \u00c4rzt_innen haben, die sie durchchecken. Das w\u00fcrde ich mir auch f\u00fcr den Kunst-Bereich w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Eva Maria Riedl-Buschan<\/p><\/blockquote>\n<p>Vizerektorin M\u00fcller, welche Themen k\u00f6nnten die mdw Ihrer Ansicht nach in den n\u00e4chsten Jahren besch\u00e4ftigen?<\/p>\n<p><b>GM: <\/b>Die Studierenden und Mitarbeiter_innen der Universit\u00e4t haben Corona gut bew\u00e4ltigt \u2013 mit sehr viel Kraft, Energie und Engagement. Man kommt aber aus diesem Krisenmodus nicht heraus. Ein ganz wesentlicher Aspekt in Zeiten wie diesen ist, Stabilit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten und nicht zu vernachl\u00e4ssigen, dass diese Situation der Unsicherheit die Menschen beeinflusst. Ich glaube, das wird die gro\u00dfe Herausforderung der n\u00e4chsten Jahre sein. Hier zu unterst\u00fctzen und den jungen Menschen eine Perspektive geben. Es sind derzeit sicher nicht die einfachsten Rahmenbedingungen, um eine gute k\u00fcnstlerische Ausbildung sicherzustellen. Corona hat sehr schnell gezeigt, welchen Stellenwert die Kunst in Krisensituationen hat.<\/p>\n<p>Haben Sie zum Abschluss Tipps, was jede_r selbst zum Erhalt seiner\/ihrer Gesundheit beitragen kann?<\/p>\n<p><b>ERB:<\/b> Auf jeden Fall Sport, viel Bewegung. Ich glaube auch, dass es wichtig ist, Entspannungstechniken zu beherrschen \u2013 in welcher Form auch immer. Seit einiger Zeit unterst\u00fctze ich Kolleg_innen vor wichtigen Auftritten beispielsweise mit verschiedenen Mentaltechniken. Pers\u00f6nlich mache ich gerne Yoga, aber es gibt auch viele andere M\u00f6glichkeiten. Und als Hochleistungssportler_innen, die wir sind, ist auch die Ern\u00e4hrung ein Thema. Wir haben einen anderen, individuellen N\u00e4hrstoffbedarf, der von einem Arzt oder einer \u00c4rztin bestimmt werden sollte.<\/p>\n<p><b>BR: <\/b>Wenn ich nur ein einziges Wort sagen d\u00fcrfte, w\u00fcrde ich auch sofort Sport sagen, keine Frage. Ich finde es aber auch besonders wichtig, wenn Menschen lernen, fr\u00fch auf sich zu h\u00f6ren, nicht erst wenn sie Probleme oder Schmerzen haben. Dass man die F\u00e4higkeit entwickelt, wahrzunehmen, wann es mir in den Anforderungen meines Lebens nicht mehr gut geht, und darauf auch reagieren kann. Wenn man daran arbeitet, l\u00e4sst sich hier viel erreichen.<\/p>\n<p><b>GM: <\/b>Neben all den genannten Tipps, die auch ich zu hundert Prozent unterschreibe, w\u00fcnsche ich mir, dass die Angebote, die es gibt, auch wahrgenommen werden. Auch im Wissen um die vorher besprochene Exzellenz. Ich m\u00f6chte an dieser Stelle die Studierenden dazu ermutigen, Hilfe und Unterst\u00fctzung anzunehmen. Ich w\u00fcnsche mir, dass diese Themen ernst genommen werden. Es gibt hier die Expert_innen, die daf\u00fcr da sind, die Angeh\u00f6rigen der mdw zu begleiten.<\/p>\n<blockquote><p>Ich finde es besonders wichtig, wenn Menschen lernen, fr\u00fch auf sich zu h\u00f6ren, nicht erst wenn sie Probleme oder Schmerzen haben.<\/p>\n<p>Bernhard Riebl<\/p><\/blockquote>\n<p><b>Projekt <\/b><i>Kunst und Gesundheit<br \/>\n<\/i><a href=\"http:\/\/mdw.ac.at\/kunstundgesundheit\">mdw.ac.at\/kunstundgesundheit<\/a><\/p>\n<p><b>Personalentwicklung \u2013 Zentrum f\u00fcr Weiterbildung<br \/>\n<\/b><a href=\"http:\/\/mdw.ac.at\/zfw\">mdw.ac.at\/zfw<\/a><\/p>\n<p><b>Abteilung Musikphysiologie<br \/>\n<\/b><a href=\"http:\/\/mdw.ac.at\/mrm\/iasbs\">mdw.ac.at\/mrm\/iasbs<\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Gespr\u00e4chsrunde \u00fcber die gesunde Kunstaus\u00fcbung, die Situation im Berufsalltag und M\u00f6glichkeiten der Bewusstseinsschaffung mit Gerda M\u00fcller, Vizerektorin f\u00fcr Organisationsentwicklung, Gender &amp; Diversity, Bernhard Riebl, Leiter der Abteilung Musikphysiologie am Institut f\u00fcr Musik- und Bewegungsp\u00e4dagogik\/Rhythmik sowie Musikphysiologie und Eva Maria Riedl-Buschan, der neuen Professorin f\u00fcr Gesang\ufeff am Institut f\u00fcr Gesang und Musiktheater.<\/p>\n","protected":false},"author":86,"featured_media":8220,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[1317,1336,1337,89,196,854],"class_list":["post-8217","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2022-4","tag-kunst","tag-kunstundgesundheit","tag-gesundheit","tag-interview","tag-special"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8217","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/86"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8217"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8217\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8403,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8217\/revisions\/8403"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/8220"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8217"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8217"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8217"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}