{"id":7979,"date":"2022-09-27T15:21:29","date_gmt":"2022-09-27T13:21:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=7979"},"modified":"2024-04-17T10:12:12","modified_gmt":"2024-04-17T08:12:12","slug":"risiken-wagen-und-vertrauen-schenken-ira-suessenbach-ueber-ihre-theaterarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2022\/09\/27\/risiken-wagen-und-vertrauen-schenken-ira-suessenbach-ueber-ihre-theaterarbeit\/","title":{"rendered":"Risiken wagen und Vertrauen schenken \u2013 Ira S\u00fcssenbach \u00fcber ihre Theaterarbeit"},"content":{"rendered":"<h5>\u201eEs ist die Quelle meiner Energie und Existenz, ich m\u00f6chte nie etwas anderes machen, auch nicht bei tausend zu w\u00e4hlenden Optionen.\u201c Wenn Ira S\u00fcssenbach von ihrer Arbeit als Theaterregisseurin erz\u00e4hlt, ist die Liebe zum Theater im Raum greifbar. Die Studierende der Theaterregie im 4.\u00a0Jahrgang am Max Reinhardt Seminar spricht im <i>mdw-Magazin <\/i>\u00fcber ihre Diplominszenierung und inwiefern sich ihre berufliche Erfahrung im Finanzwesen f\u00fcr ihre k\u00fcnstlerische Arbeit als gewinnbringend erweist.<\/h5>\n<p>Ira S\u00fcssenbach, 1992 im sibirischen Krasnojarsk geboren, zog mit ihren Eltern im Alter von vier Jahren nach Moskau. Bereits in der Schule, einem Gymnasium mit Fokus auf Deutsch, motivierte sie ihre Mitsch\u00fcler_innen zum Theaterspielen, etwa indem sie selbst geschriebene Texte und Dialoge im Unterricht theatralisch darboten. F\u00fcr S\u00fcssenbach war der Berufswunsch Theaterregisseurin schon im Teenageralter klar, die Eltern w\u00fcnschten sich aber eine Karriere in der Wirtschaft f\u00fcr ihre Tochter. Diesem Wunsch kam sie nach und studierte Wirtschaftswissenschaft in Moskau. Nach ihrem Bachelorabschluss begann sie 2012 das Masterstudium f\u00fcr Finanzmathematik an der Wirtschaftsuniversit\u00e4t Wien. Wien war f\u00fcr sie die logische Wahl, da sie immer eine \u201enicht genau erkl\u00e4rbare Neigung zu Wien\u201c versp\u00fcrte. Sie heuerte im Finanzwesen an und arbeitete sechs Jahre lang als Risikomanagerin. Der Wunsch nach dem Traumberuf Theaterregisseurin lebte w\u00e4hrenddessen aber munter weiter. 2019 schlie\u00dflich, nachdem sie die b\u00fcrokratischen H\u00fcrden f\u00fcr einen Daueraufenthalt in \u00d6sterreich bew\u00e4ltigt hatte, kehrte sie der Bankenwelt den R\u00fccken und machte die Aufnahmepr\u00fcfung am Max Reinhardt Seminar \u2013 und es klappte f\u00fcr sie auf Anhieb. \u201eEs war der richtige Zeitpunkt, um anzufangen. Alle Erfahrungen, die man vor dem Theaterregiestudium gemacht hat, k\u00f6nnen in diesem sehr n\u00fctzlich sein\u201c, so S\u00fcssenbach. Auch ihre Entscheidung, Russland zu verlassen, ist angesichts der politischen Lage und damit einhergehend der Unm\u00f6glichkeit f\u00fcr freies und kritisches Theaterschaffen in Russland eine richtige gewesen: \u201eMir war schon fr\u00fch klar, ich muss entweder gegen das politische System k\u00e4mpfen und werde daf\u00fcr im Gef\u00e4ngnis landen oder das Land verlassen und eine Gesellschaft suchen, die meinen Werten entspricht.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_7982\" aria-describedby=\"caption-attachment-7982\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-7982\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/post-1_image1-10-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/post-1_image1-10-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/post-1_image1-10-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/post-1_image1-10-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/post-1_image1-10-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/post-1_image1-10-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/post-1_image1-10-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/post-1_image1-10.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7982\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Luna Zscharnt<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als St\u00fcck f\u00fcr ihre Diplominszenierung, die im November 2022 stattfindet, hat sie sich <i>Schlachthof<\/i> von S\u0142awomir Mro\u017cek ausgesucht. Der Weg zum idealen Stoff f\u00fcr die Diplominszenierung war lehrreich f\u00fcr sie. Anfangs fiel ihre Wahl auf <i>Verstand schafft Leiden<\/i> von Alexander Gribojedow, die meistgespielte Theaterkom\u00f6die Russlands. F\u00fcr die meisten Theaterregisseur_innen ist es der glanzvolle Schlusspunkt einer Regiekarriere aufgrund des Ausma\u00dfes und der Komplexit\u00e4t des Stoffes. S\u00fcssenbach fertigte eine Strichfassung an. Im Austausch mit ihren Lehrenden gelangte sie aber zu dem Schluss, dass die Fassung f\u00fcr ihre Diplominszenierung nicht geeignet war. Schlie\u00dflich machte sie ihr Dramaturgie-Professor Peter Roessler auf den polnischen Schriftsteller und Dramatiker S\u0142awomir Mro\u017cek (1930\u20132013) aufmerksam. \u201e<i>Schlachthof<\/i> ist ein absurdes Theaterst\u00fcck, das auf Metaphernebene ein Leben in Unfreiheit in einem totalit\u00e4ren Staat zeigt. Diese Unfreiheit beginnt bei Mro\u017cek schon in der Familie\u201c, erkl\u00e4rt S\u00fcssenbach.<\/p>\n<p>Bereits im zweiten Semester beginnen Regiestudierende des Max Reinhardt Seminars zu inszenieren. Im Rahmen von Regiepraktika, Vordiplom und Kooperationen mit Theatern wie dem Burgtheater schaffen die Studierenden das n\u00f6tige Netzwerk, um ihr Team f\u00fcr die Inszenierungen zu formen. Die Besetzung erfolgt aus den Schauspielstudierenden des Max Reinhardt Seminars, dazu kommen die Teammitglieder f\u00fcr B\u00fchnenbild, Kost\u00fcm, Ton, Licht, Dramaturgie und Regieassistenz. \u201eEs ist eine gro\u00dfe St\u00e4rke der Ausbildung am Max Reinhardt Seminar, dass man durch das aufbauende Studium das Know-how \u00fcber die Abl\u00e4ufe erh\u00e4lt, um sich bei der Diplominszenierung souver\u00e4n f\u00fchlen zu k\u00f6nnen\u201c, so die Studierende. Den Gestaltungsspielraum im Studium und die Unterst\u00fctzung durch Lehrende beschreibt S\u00fcssenbach als individuell: \u201eStudierende k\u00f6nnen selbst das Ausma\u00df der Betreuung durch Lehrende bestimmen. An der Regieklasse von Anna Maria Krassnigg sch\u00e4tzte ich, dass sie durch ihr wertvolles Feedback die Selbstentfaltung der Studierenden f\u00f6rdert. Auch als Frau von einer Frau in diesem m\u00e4nnerdominierten Berufsfeld betreut zu werden, ist f\u00fcr mich eine pr\u00e4gende Erfahrung.\u201c<\/p>\n<p>Weitere Erfahrungen konnte die junge Theaterregisseurin bei der Inszenierung von<i> Erdbeben-Concerto <\/i>im Rahmen der isa\u00a0\u2013 Internationale Sommerakademie der mdw sammeln. Das St\u00fcck von George Tabori wurde im August 2022 im Gerhardthof in Reichenau an der Rax mit Schauspieler_innen des Max Reinhardt Seminars und dem aus isa-Studierenden bestehenden Rubik Quartet aufgef\u00fchrt. \u201eDer Stoff behandelt seelische Abgr\u00fcnde und existenziellen Schmerz. Zugleich ist es eine heitere Kom\u00f6die. Dieses Lachen, das wehtut, ist f\u00fcr mich \u00e4u\u00dferst interessant bei einem St\u00fcck\u201c, sagt S\u00fcssenbach.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7984\" aria-describedby=\"caption-attachment-7984\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-7984\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/post-1_image3-3-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/post-1_image3-3-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/post-1_image3-3-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/post-1_image3-3-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/post-1_image3-3-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/post-1_image3-3-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/post-1_image3-3-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7984\" class=\"wp-caption-text\">Erdbeben-Concerto im Rahmen der isa22 \u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>In ihrer Arbeit beherzigt sie den Tipp ihrer Regielehrenden: \u201eDu musst deinem Team Liebe und Vertrauen schenken!\u201c Den Schauspieler_innen die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Freiheit anstatt genauer Anweisungen zu geben, ist nat\u00fcrlich auch mit einem Risiko verbunden. Das sieht sie jedoch als Vorteil: \u201eAls ehemalige Risikomanagerin wei\u00df ich: Mehr Risiko erm\u00f6glicht mehr Profit.\u201c Vorrangig f\u00fcr sie ist, f\u00fcr ihr Team einen Rahmen zu schaffen, in dem alle m\u00f6glichst frei agieren k\u00f6nnen. Schlussendlich ist sie als Regisseurin aber daf\u00fcr verantwortlich, was auf die B\u00fchne kommt. \u201eIch habe keine Scheu davor, Konflikte entstehen zu lassen und mit dem Team auszuverhandeln. Gelingen kann das nur mit gewaltfreier Kommunikation auf Augenh\u00f6he\u201c, ist die junge Regisseurin \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Nach der Diplominszenierung wird sie die Zeit am Max Reinhardt Seminar noch nutzen, um noch m\u00f6glichst viel zu inszenieren und sich als Theaterregisseurin f\u00fcr kommende Angebote zu positionieren. \u201eIch m\u00f6chte im deutschsprachigen Raum und international arbeiten und bin offen f\u00fcr Projekte an Theatern sowie in der freien Szene\u201c, hofft sie auf eine arbeitsreiche Zukunft. Denn: \u201eIm Theater habe ich die einzigartige M\u00f6glichkeit, Menschen in einem Raum zu versammeln, damit sie den Botschaften zuh\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p>Premiere der Diplominszenierung am 26.\u00a0November 2022, weitere Auff\u00fchrungen am 28., 29., 30.\u00a0November 2022.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maxreinhardtseminar.at\">maxreinhardtseminar.at<\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs ist die Quelle meiner Energie und Existenz, ich m\u00f6chte nie etwas anderes machen, auch nicht bei tausend zu w\u00e4hlenden Optionen.\u201c Wenn Ira S\u00fcssenbach von ihrer Arbeit als Theaterregisseurin erz\u00e4hlt, ist die Liebe zum Theater im Raum greifbar. 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