{"id":7902,"date":"2022-09-29T11:29:57","date_gmt":"2022-09-29T09:29:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=7902"},"modified":"2022-09-29T11:30:13","modified_gmt":"2022-09-29T09:30:13","slug":"more-studierende-an-der-mdw-perspektiven-fuer-ein-leben-nach-der-flucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2022\/09\/29\/more-studierende-an-der-mdw-perspektiven-fuer-ein-leben-nach-der-flucht\/","title":{"rendered":"MORE-Studierende an der mdw \u2013 Perspektiven f\u00fcr ein Leben nach der Flucht"},"content":{"rendered":"Nicht erst seit der Invasion russischer Truppen in der Ukraine, seit dem j\u00fcngsten Krieg in Europa, ist die mdw bem\u00fcht, gefl\u00fcchteten Menschen ein Studium an unserer Universit\u00e4t zu erm\u00f6glichen. Niederschwelliger Zugang zur Universit\u00e4t kann f\u00fcr Gefl\u00fcchtete enorme Relevanz erlangen. Denn Flucht bedeutet nicht selten auch eine Unterbrechung von Ausbildung und einen erschwerten Zugang zu Bildungsinstitutionen im neuen Aufenthaltsland.<\/p>\n<p>Flucht kann viele Ursachen haben: Krieg und Gewalt, Menschenrechtsverletzungen, Hunger, Klima und nicht zuletzt die Furcht vor Verfolgung aufgrund der eigenen Identit\u00e4t \u2013 all diesen Fluchtgr\u00fcnden gemein ist die Angst um das eigene Leben. Es ist bemerkenswert, wie Flucht heute im medialen und politischen Diskurs kriminalisiert wird, wie das Recht auf das eigene Leben zum Spielball rassistischer Stimmungsmache und politischer Begehrlichkeiten wird. Asyl wird in den letzten Jahren vermehrt als Synonym f\u00fcr \u201aillegale\u2018 Migration wahrgenommen, als Problem und als Gefahr und leider immer seltener als das, was es ist: ein grundlegendes Menschenrecht.<\/p>\n<p>Die mdw hat schon in den 1990er Jahren Studierenden der Musikakademie Sarajevo w\u00e4hrend des Bosnienkrieges die Fortf\u00fchrung ihrer Musikstudien unb\u00fcrokratisch erm\u00f6glicht. Nach dem Sommer 2015 (der sogenannten Fl\u00fcchtlingskrise, die eher eine Krise des europ\u00e4ischen Grenzregimes war) hat sich die mdw wie alle anderen staatlichen \u00f6sterreichischen Universit\u00e4ten der Gefl\u00fcchteteninitiative MORE der \u00d6sterreichischen Universit\u00e4tenkonferenz (Uniko) angeschlossen. MORE-Studierende k\u00f6nnen als au\u00dferordentliche Studierende an Lehrveranstaltungen teilnehmen und so das universit\u00e4re Leben und vor allem die Kunst und Wissenschaft, die an der mdw vermittelt werden, kennenlernen.<\/p>\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte der 2010er Jahre war an der mdw eine \u00fcberschaubare Anzahl an MORE-Studierenden haupts\u00e4chlich aus Syrien, dem Irak und aus Afghanistan inskribiert. Afghanische Studierende waren beispielsweise am Institut f\u00fcr Volksmusikforschung und Ethnomusikologie Teil eines Forschungsprojekts zu afghanischer Musik in Wien \u2013 ihre Sprachkenntnisse und ihr musikalisches Wissen waren in der Forschung zentral. An den meisten \u00f6sterreichischen Universit\u00e4ten, so auch an der mdw, hat der Zulauf zum MORE-Programm in den letzten Jahren abgenommen. Die Uniko und die MORE-Koordinator_innen der Universit\u00e4ten waren sich aber einig: MORE muss weitergef\u00fchrt werden, die Initiative muss unabh\u00e4ngig von aktuellen Fluchtgr\u00fcnden, Kriegen und Katastrophen bestehen. Denn Flucht findet immer statt.<\/p>\n<p>Im Februar 2022 hat das MORE-Programm aus traurigem Anlass wieder an Aktualit\u00e4t gewonnen. Gefl\u00fcchtete aus der Ukraine zeigten gro\u00dfes Interesse an einem Weiterstudium an unserer Universit\u00e4t, um die Studien, die sie aufgrund des Krieges abbrechen mussten, wieder aufzunehmen. Rasch etablierte die MORE-Koordination an der mdw gemeinsam mit dem Vizerektorat f\u00fcr Organisationsentwicklung, Gender und Diversity, dem Vizerektorat f\u00fcr Lehre und dem StudienCenter ein den ukrainischen Studierenden eigens angepasstes Programm. Zentral ist dabei die M\u00f6glichkeit, Kontakt zu den Lehrenden aus den jeweiligen k\u00fcnstlerischen Schwerpunktf\u00e4chern der Studierenden zu kn\u00fcpfen und mitunter auch informell Erfahrungen im k\u00fcnstlerischen Unterricht zu sammeln, der den au\u00dferordentlichen MORE-Studierenden bisher nicht zug\u00e4nglich war. Die Fachvertreter_innen und Institute beraten MORE-Studierende individuell, was insbesondere in Bezug auf die Vorbereitung auf k\u00fcnstlerische Zulassungspr\u00fcfungen sehr wertvoll ist. Die \u00f6sterreichische Nationalbank erm\u00f6glichte mit einer Spende von 25.000 Euro auch Stipendien f\u00fcr MORE-Studierende, die \u00fcber den Verein der Freunde der mdw ausgezahlt wurden.<\/p>\n<p>Ein Ende des Krieges in der Ukraine ist zu Redaktionsschluss kaum einsch\u00e4tzbar. Umso wichtiger scheint MORE als M\u00f6glichkeit, Zugang zur mdw zu finden und die eigenen Lebenstr\u00e4ume auch im Schatten von Krieg und Flucht verfolgen zu k\u00f6nnen. Das MORE-Programm wird von allen Universit\u00e4tsangeh\u00f6rigen getragen und entfaltet seine Wirkung insbesondere in individuellen Unterrichtssituationen, wo Studierende zwischenmenschliche Beziehungen zu Lehrenden und anderen Studierenden aufbauen k\u00f6nnen und ihren k\u00fcnstlerischen Interessen nahe sind. Das ist immens wertvoll \u2013 vor allem im Kontext von Fluchttrauma, Verlust von Familienangeh\u00f6rigen und Freund_innen und der politischen Ungewissheit im Heimatland.<\/p>\n<p>Du interessierst dich f\u00fcr das MORE-Programm? <a href=\"http:\/\/mdw.ac.at\/refugees_mdw\/more\">mdw.ac.at\/refugees_mdw\/more<\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht erst seit der Invasion russischer Truppen in der Ukraine, seit dem j\u00fcngsten Krieg in Europa, ist die mdw bem\u00fcht, gefl\u00fcchteten Menschen ein Studium an unserer Universit\u00e4t zu erm\u00f6glichen. 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