{"id":767,"date":"2017-03-01T10:16:30","date_gmt":"2017-03-01T09:16:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=767"},"modified":"2017-12-11T14:57:24","modified_gmt":"2017-12-11T13:57:24","slug":"fc-gloria","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2017\/03\/01\/fc-gloria\/","title":{"rendered":"FC Gloria: Ein Frauennetzwerk mit Durchsetzungskraft in der Filmbranche"},"content":{"rendered":"<strong>Seit der Gr\u00fcndung 2010 setzt sich FC Gloria f\u00fcr die Wahrnehmung der Interessen von Frauen in der \u00f6sterreichischen Filmbranche ein, um so zu einer geschlechtergerechten Zukunft im Berufsfeld Film beizutragen.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_768\" aria-describedby=\"caption-attachment-768\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-768\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/fc_gloria_beitragsbild.jpg\" alt=\"Maik\u00e4fer flieg\" width=\"1000\" height=\"573\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/fc_gloria_beitragsbild.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/fc_gloria_beitragsbild-300x172.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/fc_gloria_beitragsbild-768x440.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/fc_gloria_beitragsbild-384x220.jpg 384w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/fc_gloria_beitragsbild-850x487.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-768\" class=\"wp-caption-text\">Maik\u00e4fer flieg! \u00a9Oliver Oppitz<\/figcaption><\/figure>\n<p>Seit vielen Jahren liegt der Frauenanteil unter den Studierenden an der Filmakademie bei etwa 40 %. Aber nach der Ausbildung schaffen weniger Frauen als M\u00e4nner den Schritt ins professionelle, mittel bis gut budgetierte Filmschaffen. Die Unterrepr\u00e4sentanz ist in allen Berufsverb\u00e4nden eklatant. Berechnungen von FC Gloria zeigen auf, dass Frauen im Schnitt maximal 25 % der vergebenen Mittel im Kinobereich erhalten. Bei Fernsehproduktionen ist der Frauenanteil hinter der Kamera sogar verschwindend gering.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind komplex und tief in unserer Gesellschaft, ihrer geschichtlichen Entwicklung und den gewachsenen Strukturen verankert, weshalb auch die L\u00f6sungsans\u00e4tze vielf\u00e4ltig und l\u00e4ngerfristig zu denken sind. Fehlende Role Models f\u00fcr junge Frauen schon an der Universit\u00e4t, Strukturen im F\u00f6rder- und Produktionsprozess, die\u00a0unhinterfragt bleiben, bis hin zu immer noch wirkm\u00e4chtigen Frauen- und M\u00e4nnerbildern, die nicht zuletzt durch Fernsehen und Film \u2013 insbesondere seit den 90er Jahren \u2013 immer wieder best\u00e4tigt werden.<\/p>\n<p>Nach einem Aufbruch in den 70er Jahren, der mit New Hollywood auch in die teuren amerikanischen Mainstreamproduktionen Eingang gefunden hatte, kam es gleichzeitig mit dem Aufschwung der neoliberalen Ideologie zu einem Backlash im Filmschaffen, der unter anderem Frauenrollen und ihre Funktion in dramaturgischen Strukturen betraf. Man k\u00f6nnte sagen, dass Role Models nicht nur in Ausbildung und Branche fehlen, sondern auch in den g\u00e4ngigen Narrativen.<\/p>\n<p>FC Gloria setzt viele Ma\u00dfnahmen, um dieses Ungleichgewicht aufzuzeigen und zu ver\u00e4ndern. Es gibt ein Mentorinnen-Programm, regelm\u00e4\u00dfig stattfindende Kinosalons, um die Aufmerksamkeit auf das Werk weiblicher Filmschaffender zu richten, ein Fortbildungsprogramm f\u00fcr Produzentinnen, Diskussionsveranstaltungen zu Genderthemen, j\u00e4hrlich erscheinen in Kooperation mit der Diagonale FC-Gloria-Bierdeckel, auf denen die erhobenen Fakten zum Status quo des Geschlechterverh\u00e4ltnisses in der \u00f6sterreichischen und internationalen Filmwelt pr\u00e4sentiert werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_769\" aria-describedby=\"caption-attachment-769\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-769\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/maikaeferflieg.jpg\" alt=\"Maik\u00e4fer flieg!\" width=\"1000\" height=\"419\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/maikaeferflieg.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/maikaeferflieg-300x126.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/maikaeferflieg-768x322.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/maikaeferflieg-850x356.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/maikaeferflieg-618x260.jpg 618w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-769\" class=\"wp-caption-text\">In &#8222;Maik\u00e4fer flieg!&#8220; von Mirjam Unger waren die Head-Departements Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt und Produktion ausschlie\u00dflich von Frauen besetzt.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Diese und weitere Aktionen von FC Gloria haben in den vergangenen sechs Jahren viele Diskussionen und Bewusstseinsprozesse ausgel\u00f6st. Der gr\u00f6\u00dfte politische Erfolg bisher konnte Ende letzten Jahres verbucht werden. Im November 2016 wurde ein Entschlie\u00dfungsantrag von SP\u00d6, \u00d6VP und\u00a0den Gr\u00fcnen im Parlament angenommen, der Bundesminister Thomas Drozda auffordert, ein Ma\u00dfnahmenpaket zu installieren, das l\u00e4ngerfristig zu einem verbesserten Geschlechterverh\u00e4ltnis innerhalb der Filmbranche f\u00fchren soll. Dieser Entschlie\u00dfungsantrag beinhaltet viele der von<br \/>\nFC Gloria in den vergangenen Jahren aufgestellten Forderungen, wie eine transparente Evaluierung der F\u00f6rdermittel im Hinblick auf das Geschlechterverh\u00e4ltnis, ein Anreizmodell, das die Beteiligung von Frauen bei Einreichungen erh\u00f6hen soll, sowie die Aufnahme von Gespr\u00e4chen mit dem ORF \u00fcber die dortige Situation betreffend Gender Budgeting und Unterrepr\u00e4sentanz von Frauen.<\/p>\n<p>Der Aufsichtsrat des \u00d6sterreichischen Filminstituts, der gr\u00f6\u00dften Filmf\u00f6rdereinrichtung des Landes, hat in der Folge einen Ma\u00dfnahmenkatalog zur verst\u00e4rkten Besch\u00e4ftigung weiblicher Filmschaffender beschlossen, der seit 1. 1. 2017 in Kraft ist. Alle diese Ma\u00dfnahmen sind ein erster Schritt, um zu erreichen, dass in Zukunft M\u00e4nner und Frauen in etwa gleich stark an der Arbeit hinter der Kamera beteiligt sein werden.<\/p>\n<p>Film ist ein machtvolles, meinungs- und kulturbildendes Medium und die Diversit\u00e4t der Gesellschaft sollte auch hinter der Kamera abgebildet sein. Es spielt eine gro\u00dfe Rolle, ob Medieninhalte von M\u00e4nnern oder Frauen, Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergr\u00fcnden oder Erfahrungswelten kreiert werden. Welcher gesellschaftlichen Gruppe wir angeh\u00f6ren, ist stark ausschlaggebend daf\u00fcr, welche Erfahrungen wir machen, welche Sichtweisen, Gedanken und Ideen wir im Laufe des Lebens entwickeln. Das Filmemachen sollte daher im Sinne des Austauschs zwischen Kunst und Gesellschaft f\u00fcr viele unterschiedliche Menschen zug\u00e4nglich sein.<\/p>\n<p>FC Gloria befasst sich bisher zwar vornehmlich mit dem Thema der Geschlechterverh\u00e4ltnisse, jedoch ist die Schieflage zwischen den Geschlechtern im Filmbereich nur ein Aspekt eines gr\u00f6\u00dferen Problems, n\u00e4mlich mangelnder Diversit\u00e4t. W\u00fcnschenswert w\u00e4re ein breiter Diskurs \u00fcber die Beschaffenheit der Gesellschaft und der Filmbranche als Ausschnitt davon, um diskriminierende Strukturen sichtbar zu machen.<\/p>\n<p><strong>Sandra Bohle \/ Kathrin Resetarits<\/strong><\/p>\n<p>Sandra Bohle und Kathrin Resetarits sind als Senior Lecturer im Fachbereich Buch und Dramaturgie am Institut f\u00fcr Film und Fernsehen \u2013 Filmakademie Wien t\u00e4tig. Sandra Bohle ist zudem Gr\u00fcndungsmitglied von FC Gloria.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.fc-gloria.at\/\" target=\"_blank\">www.fc-gloria.at<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der Gr\u00fcndung 2010 setzt sich FC Gloria f\u00fcr die Wahrnehmung der Interessen von Frauen in der \u00f6sterreichischen Filmbranche ein, um so zu einer geschlechtergerechten Zukunft im Berufsfeld Film beizutragen. Seit vielen Jahren liegt der Frauenanteil unter den Studierenden an der Filmakademie bei etwa 40 %. 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