{"id":7572,"date":"2022-04-29T10:35:30","date_gmt":"2022-04-29T08:35:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=7572"},"modified":"2022-04-29T10:35:56","modified_gmt":"2022-04-29T08:35:56","slug":"musik-ist-eine-lebendige-kunst-die-sich-staendig-weiterentwickelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2022\/04\/29\/musik-ist-eine-lebendige-kunst-die-sich-staendig-weiterentwickelt\/","title":{"rendered":"\u201eMusik ist eine lebendige Kunst, die sich st\u00e4ndig weiterentwickelt\u201c"},"content":{"rendered":"<h1>Die Dirigentin Sian Edwards kommt als Professorin an die mdw<\/h1>\n<p>Vielen Wiener Musikinteressierten ist der Name Sian Edwards schon lange Jahre wohlbekannt: durch ihre Zusammenarbeit mit dem Klangforum Wien, dem ORF\u00a0Radio-Symphonieorchester Wien sowie ihr mehrfaches Engagement im Theater an der Wien, wo sie Jake Heggies <i>Dead Man Walking<\/i>, Andr\u00e9 Previns <i>A Streetcar Named Desire (Endstation Sehnsucht)<\/i>, Benjamin Brittens <i>The Rape of Lucretia<\/i> und Giuseppe Verdis<i> La traviata<\/i> dirigierte.<\/p>\n<p>Schon aus dieser Auflistung wird deutlich, dass die 1959 geborene Britin als Spezialistin f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Musik gilt, aber ebenso im klassischen Repertoire zu Hause ist. Nach ihren Studien bei Sir Charles Groves, Timothy Reynish und Norman Del Mar in ihrer Heimat sowie bei Ilja Alexandrowitsch Mussin am Leningrader Konservatorium deb\u00fctierte sie 1986 in Glasgow mit Kurt Weills <i>Mahagonny<\/i>, dirigierte zwei Jahre sp\u00e4ter erstmals am Royal Opera House sowie bei der M\u00fcnchener Biennale.<\/p>\n<p>Seither hat sie international mit praktisch allen wichtigen Orchestern und Opernh\u00e4usern zusammengearbeitet. Nach einer Position als Music Director der English National Opera lehrt sie derzeit als Head of Conducting an der Royal Academy of Music. Inzwischen hat Edwards ein Ruf an die mdw ereilt \u2013 ihre Professur f\u00fcr Dirigieren wird sie mit Beginn des Wintersemesters 2022\/23 antreten. Ein Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Jede Biographie beginnt mit der Geburt. Bei Ihnen nennen manche Quellen den 27.\u00a0Mai, andere den 27.\u00a0August 1959 als Termin. Ich nehme an, Sie feiern Ihren Geburtstag im Sommer? Ist Ihnen bekannt, wie das Missverst\u00e4ndnis entstanden ist?<\/p>\n<p><b>Sian Edwards (SE):<\/b> Ich habe keine Ahnung, warum mein Geburtstag im <i>Grove<\/i> (<i>The Grove Dictionary of Music and Musicians, Anm.<\/i>) falsch ist\u00a0\u2013 was nat\u00fcrlich zu viel Verwirrung f\u00fchrt. Laut meinen Eltern wurde ich definitiv am 27.\u00a0August geboren!<\/p>\n<p>Immerhin sind Sie in bester Gesellschaft, gilt doch auch Beethovens Geburtsdatum als ein R\u00e4tsel. Sie haben mit vier Jahren Klavier zu lernen begonnen. War das Ihre eigene Initiative? Waren Sie ein Wunderkind?<\/p>\n<p><b>SE: <\/b>In meinem Elternhaus stand ein kleiner Fl\u00fcgel\u00a0\u2013 ein Relikt aus der Familie meiner Mutter\u00a0\u2013, und ich wollte einfach darauf spielen! Ich war kein Wunderkind, aber ich hatte den enormen Wunsch, Musik zu machen, und so bekam ich ab meinem sechsten Lebensjahr Klavierunterricht.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter lernten Sie auch noch Horn. Was bewegte Sie dann zu Ihrer Entscheidung, sich ganz dem Dirigieren zu widmen?<\/p>\n<p><b>SE: <\/b>Meine fr\u00fchen Jahre waren im l\u00e4ndlichen Sussex, in einer Schule mit sehr wenig Musik. Als mein Vater den Job wechselte und die Familie nach Oxford zog, fing ich an, Horn zu lernen, und spielte in allen Orchestern und Ensembles, wo ich konnte. In Gro\u00dfbritannien haben wir eine lebhafte Tradition des Amateurmusizierens, und als ich noch zur Schule ging, organisierten meine Musikerfreunde und ich unsere eigenen Konzerte\u00a0\u2013 ich spielte in ihren und sie spielten in meinen Veranstaltungen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7574\" aria-describedby=\"caption-attachment-7574\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-7574\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image0-11-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image0-11-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image0-11-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image0-11-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image0-11-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image0-11-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image0-11-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image0-11.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7574\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Katie Vandyck<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sie haben in England und St.\u00a0Petersburg studiert: Was waren f\u00fcr Sie die wesentlichen Impulse aus der west- und osteurop\u00e4ischen Musikkultur?<\/p>\n<p><b>SE: <\/b>In Gro\u00dfbritannien habe ich am Royal Northern College of Music in Manchester studiert. Ich bin dorthin gegangen, weil mein Hornlehrer pl\u00f6tzlich verk\u00fcndete, er unterrichte nicht mehr in London. Ich habe w\u00e4hrend meines Hornstudiums viel dirigiert und dann ein Stipendium gewonnen, um als Dirigentin weiterzumachen. Vielleicht, weil es im 18. und 19.\u00a0Jahrhundert keine sehr starke eigene britische Musikkultur gab, nahm das Publikum Musik aus dem Ausland an\u00a0\u2013 und diese Offenheit h\u00e4lt an\u00a0\u2013, somit war es v\u00f6llig nat\u00fcrlich, Dvo\u0159\u00e1k, Tschaikowski und Sibelius zu h\u00f6ren und zu lieben.<\/p>\n<p>In Ihrem Repertoire hat neue Musik immer eine gro\u00dfe Rolle gespielt. Wie sehen Sie Ihre Schwerpunkte im Gro\u00dfen und Ganzen?<\/p>\n<p><b>SE: <\/b>Ich denke, es ist sehr wichtig, dass Musik als lebendige Kunst gesehen, geh\u00f6rt und verstanden wird\u00a0\u2013 etwas, das sich st\u00e4ndig weiterentwickelt, sei es durch neue Werke oder die Entwicklung neuer Ideen zu alten Werken. Das Studium der \u201egro\u00dfen\u201c Werke ist eine lebenslange Besch\u00e4ftigung, aber es ist wichtig, sich auch Zeit f\u00fcr neue oder neuere Musik zu nehmen.<\/p>\n<p>Ist der Eindruck richtig, dass Sie einen besonderen Hang zur Oper haben? Wenn Sie sich entscheiden m\u00fcssten, nur noch Oper oder Konzert zu dirigieren, was w\u00fcrden Sie w\u00e4hlen?<\/p>\n<p><b>SE:<\/b> Ich k\u00f6nnte niemals eines davon w\u00e4hlen! Aber die Zusammenarbeit mit S\u00e4nger_innen und Regisseur_innen als Teil eines Teams, das eine Opernproduktion kreiert, ist schon wunderbar.<\/p>\n<p>Ihre ersten gro\u00dfen Auftritte waren in den 1980er Jahren in England und Deutschland. F\u00fchlten Sie sich als Pionierin als weibliche Dirigentin? Haben Sie Widerst\u00e4nde gesp\u00fcrt?<\/p>\n<p><b>SE: <\/b>Ich glaube nicht, dass ich mich selbst mehr als \u201eweibliche\u201c Dirigentin betrachtet habe, als Sie sich selbst als \u201em\u00e4nnlichen\u201c Autor sehen! Aber nat\u00fcrlich gab es Menschen, die es sehr schwer fanden, eine Frau auf dem Podium zu akzeptieren, besonders eine junge Frau. Aber Dirigieren ist immer eine gro\u00dfe Herausforderung, wenn man unerfahren ist, und es ist schwierig, objektiv zu analysieren, warum etwas funktioniert oder nicht funktioniert.<\/p>\n<p>Neben Ihrer Funktion in der Royal Academy of Music leiten Sie auch das Sorrell Women\u2019s Conducting Programme. Brauchen Dirigentinnen andere F\u00e4higkeiten als M\u00e4nner? Kommunizieren sie anders?<\/p>\n<p><b>SE: <\/b>Wir haben viele Frauen, die sich f\u00fcr ein Dirigierstudium an der Royal Academy bewerben, aber oft konkurrieren sie nicht auf dem gleichen Niveau wie ihre m\u00e4nnlichen Kollegen um die begrenzte Anzahl von Pl\u00e4tzen, die wir haben. Das Sorrell-Programm ist ein kurzer Kurs\u00a0\u2013 vier Wochenenden\u00a0\u2013, der darauf abzielt, Dirigentinnen zu ermutigen und sie herauszufordern, ihre musikalisch-technischen F\u00e4higkeiten zu vervollkommnen.<\/p>\n<p>Was ist Ihnen generell bei Ihrer p\u00e4dagogischen Arbeit, dem Unterricht im Dirigieren, wichtig?<\/p>\n<p><b>SE: <\/b>Das Wichtigste in meinem Unterricht ist die Kombination musikalischer Ideen und des Wunsches, sie zu kommunizieren, mit den technischen F\u00e4higkeiten, die diese Kommunikation erm\u00f6glichen, um effektiv zu sein.<\/p>\n<p>Was erwarten Sie sich von Ihrer Arbeit als Professorin an der mdw? Welche Schwerpunkte m\u00f6chten Sie setzen?<\/p>\n<p><b>SE: <\/b>Ich freue mich sehr \u00fcber die Einladung, an der mdw zu arbeiten, die selbst eine gro\u00dfe Geschichte hat. Die Lehrenden und Studierenden dort sind allesamt inspirierende Musiker_innen, und ich freue mich darauf, Teil des Teams zu sein und dabei zu helfen, die n\u00e4chste Generation von Dirigentinnen und Dirigenten heranzubilden.<\/p>\n<p>Was verbinden Sie mit Wien?<\/p>\n<p><b>SE: <\/b>Ich habe in Wien wunderbare musikalische Erfahrungen gemacht, insbesondere mit dem ORF Radio-Symphonieorchester, dem Klangforum Wien und den Produktionen, an denen ich am Theater an der Wien mitgewirkt habe. Und nat\u00fcrlich gibt es wunderbare Konzerts\u00e4le\u00a0\u2013 allesamt Teil der unglaublichen Musik- und Kulturgeschichte dieser sch\u00f6nen Stadt.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielen Wiener Musikinteressierten ist der Name Sian Edwards schon lange Jahre wohlbekannt: durch ihre Zusammenarbeit mit dem Klangforum Wien, dem ORF\u00a0Radio-Symphonieorchester Wien sowie ihr mehrfaches Engagement im Theater an der Wien, wo sie Jake Heggies Dead Man Walking, Andr\u00e9 Previns A Streetcar Named Desire (Endstation Sehnsucht), Benjamin Brittens The Rape of Lucretia und Giuseppe Verdis La traviata dirigierte.<\/p>\n","protected":false},"author":60,"featured_media":7575,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[1258,1184,1282,854],"class_list":["post-7572","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2022-2","tag-dirigieren","tag-sianedwards","tag-special"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7572","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/60"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7572"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7572\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7762,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7572\/revisions\/7762"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7575"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7572"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7572"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7572"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}