{"id":7562,"date":"2022-04-29T10:07:13","date_gmt":"2022-04-29T08:07:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=7562"},"modified":"2022-04-29T10:07:37","modified_gmt":"2022-04-29T08:07:37","slug":"starke-persoenlichkeiten-mit-musikalischer-vision-entwickeln-dirigieren-studieren-an-der-mdw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2022\/04\/29\/starke-persoenlichkeiten-mit-musikalischer-vision-entwickeln-dirigieren-studieren-an-der-mdw\/","title":{"rendered":"Starke Pers\u00f6nlichkeiten mit musikalischer Vision entwickeln \u2013 Dirigieren studieren an der mdw"},"content":{"rendered":"<h5>\u201eDas, was wir vom Dirigenten, von der Dirigentin am Pult sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs. Darunter befindet sich eine wahre Kompetenzpyramide aus musikalischen Fertigkeiten bis hin zu Managementf\u00e4higkeiten\u201c, sagt Alois Gla\u00dfner, Leiter des Instituts f\u00fcr Musikleitung an der mdw. Das <i>mdw-Magazin <\/i>sprach mit ihm \u00fcber die umfassende Dirigierausbildung, das Studium und ein Berufsbild im Wandel sowie die Pl\u00e4ne des Instituts.<\/h5>\n<p>Im Diplomstudium Dirigieren kann man aus drei Studienzweigen w\u00e4hlen: Orchesterdirigieren, Chordirigieren und Opernkorrepetition. Um ins Studium aufgenommen zu werden, muss man sich erst mit 50\u201380\u00a0Mitbewerber_innen messen und eine mehrteilige Zulassungspr\u00fcfung bestehen, um einen der etwa zehn Studienpl\u00e4tze zu ergattern. Die Bewerber_innen m\u00fcssen bereits \u00fcber umfangreiche Kenntnisse in Musiktheorie, Formanalyse und Geh\u00f6rbildung verf\u00fcgen, technische Voraussetzungen am Klavier, im Gesang und Dirigieren erf\u00fcllen und sich auch gut vor einem Vokal- oder Instrumentalensemble pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen. Daher haben Studieninteressierte oft schon andere Studien absolviert, wie Instrumental-, Kompositions- oder P\u00e4dagogikstudien. Es gibt aber auch jene, die sich unmittelbar nach der Matura oder schon w\u00e4hrend der letzten Schuljahre bewerben und die Pr\u00fcfung schaffen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7565\" aria-describedby=\"caption-attachment-7565\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7565\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image1-8-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image1-8-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image1-8-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image1-8-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image1-8-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image1-8-850x1275.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image1-8.jpg 1067w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7565\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Alois Gla\u00dfner<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Studium selbst ist umfassend und fordernd, um die Studierenden so gut wie m\u00f6glich auf ihr sp\u00e4teres Berufsleben vorzubereiten. Die Arbeit des Dirigenten, der Dirigentin am Pult beim Konzert oder in der Oper ist der f\u00fcr das Publikum sichtbare Teil. Neben den n\u00f6tigen musikalischen Fertigkeiten und dem fachlichen Wissen spielen aber auch die pers\u00f6nlichen \u201eSoft Skills\u201c eine gro\u00dfe Rolle. Leitungs- und F\u00fchrungskompetenz und damit verbundene kommunikative F\u00e4higkeiten sind zentrale Studieninhalte. Das Bild des dem Orchester gegen\u00fcber autorit\u00e4r auftretenden Dirigenten ist nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. \u201eHeute ist eher ein partnerschaftlicher Zugang zur Arbeit gefragt, der Dirigent\/die Dirigentin leitet als primus inter pares. Daher gibt es auch F\u00e4cher wie Kommunikative Kompetenz im Studienplan\u201c, erkl\u00e4rt Gla\u00dfner. \u201eDie Studierenden m\u00fcssen sich zutrauen, die leitende Rolle anzunehmen, und sich darin zurechtfinden, ohne von oben herab zu agieren. Gelingt es dem Dirigenten, der Dirigentin, die Musiker_innen oder S\u00e4nger_innen f\u00fcr die eigene Interpretation zu gewinnen, entstehen f\u00fcr das Publikum magische Momente\u201c, ist Gla\u00dfner \u00fcberzeugt. Durch die breitgef\u00e4cherten Inhalte des Studiums qualifizieren sich Studierende auch f\u00fcr andere Bet\u00e4tigungsfelder als das der Musikleitung. Absolvent_innen, aber auch jene, die nur einen Teil des Studiums absolviert haben, profitieren von den erworbenen Leitungs- und Kommunikationskompetenzen und fassen dadurch beispielsweise im Musikmanagement oder bei K\u00fcnstleragenturen Fu\u00df. Andere arbeiten in der Lehre in verschiedenen musikalischen F\u00e4chern an Universit\u00e4ten und Konservatorien. \u201eDirigieren ist im Kern auch eine p\u00e4dagogische T\u00e4tigkeit\u201c, so Gla\u00dfner. \u201eDirigieren ist wie eine Sprache, die nonverbal mit Gesten funktioniert. Wie beim Sprechen sollte man auch beim Dirigieren inhaltlich etwas zu sagen haben und sich verst\u00e4ndlich mittels einer sauberen Schlagtechnik ausdr\u00fccken\u201c, erl\u00e4utert Gla\u00dfner. Musikleitende Arbeit findet immer auf drei Ebenen statt, beginnend mit der Werkerschlie\u00dfung \u2013 dem Erlernen des St\u00fccks durch Studieren der Partitur, Spielen auf dem Klavier sowie Einlesen in die Entstehungsgeschichte. Im n\u00e4chsten Schritt beginnt die Probenarbeit: Das angeeignete Werk wird in der eigenen Interpretation dem Chor oder Orchester vermittelt. Schlie\u00dflich der finale Schritt: das Leiten des Orchesters oder Chores bei der Konzert- oder Opernauff\u00fchrung. Im Dirigierunterricht sind die drei Ebenen stets pr\u00e4sent. Bei der Werkerschlie\u00dfung lernen die Studierenden in Kleingruppen unter Anleitung der Lehrenden am Klavier ein St\u00fcck. Probenarbeit wird an der mdw haupts\u00e4chlich mit den \u00dcbungsklangk\u00f6rpern Pro Arte Orchester und WebernStudioChor ge\u00fcbt. Unter Feedback der Lehrenden proben die Studierenden die zuvor erarbeiteten St\u00fccke und f\u00fchren diese immer wieder auch in Studienkonzerten auf. Das ist ein wichtiger Teil der Dirigierausbildung, da Dirigent_innen ihr \u201eInstrument\u201c nicht wie etwa Instrumentalist_innen zu Hause \u00fcben k\u00f6nnen. \u201eDas Instrument des Dirigenten, der Dirigentin besteht aus Menschen. Er oder sie muss das Kollektiv so inspirieren und anleiten, dass es die Musik macht, die seiner oder ihrer Vision entspricht, aber auch die Expertise und Kompetenz des Chores oder Orchesters ber\u00fccksichtigen\u201c, betont der Institutsleiter.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund w\u00fcnscht sich Gla\u00dfner Kooperationen mit professionellen Klangk\u00f6rpern, die angehenden Dirigent_innen regelm\u00e4\u00dfige Dirigierpraktika erm\u00f6glichen. \u201eDadurch k\u00f6nnten nicht nur Studierende wertvolle Erfahrungen sammeln, auch f\u00fcr die Klangk\u00f6rper w\u00e4re es eine Bereicherung, wenn sie sich dem Nachwuchs \u00f6ffnen. Erfahrene Dirigent_innen fallen nicht vom Himmel\u201c, meint Gla\u00dfner. Den Anforderungen des Berufsbildes gerecht zu werden, erfordert eine stetige Weiterentwicklung des Studiums. Die n\u00e4chste Reform steht 2024 mit der Umstellung des Diplomstudiums auf Bachelor- und Masterstudium bevor. Dazu Gla\u00dfner: \u201eDirigierausbildungen stehen heute im internationalen Vergleich und Studierende sind oft sehr mobil. Wir m\u00f6chten gerne unseren eigenen, aber auch hochqualifizierten Studierenden, die anderswo einen Bachelor gemacht haben, mit einem Masterstudium ein attraktives Angebot machen.\u201c Ein zentrales Anliegen von Gla\u00dfner ist es, am Institut ein noch vielf\u00e4ltigeres Lehrangebot zu bieten. Ein Beitrag dazu sind die ab Wintersemester 2022 startenden Professuren von Andr\u00e9s Orozco-Estrada und Sian Edwards (siehe Interview S.\u00a026 und Gespr\u00e4ch auf S. 29), die ihre internationale Erfahrung und Expertise am Institut einbringen werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt f\u00fcr Gla\u00dfner sind fortlaufende \u00dcberlegungen, wie noch mehr Frauen f\u00fcr das Dirigierstudium motiviert und zur erfolgreichen Zulassung gebracht werden k\u00f6nnen. Die Dirigentin und versierte P\u00e4dagogin Sian Edwards kann hierzu wertvolle Impulse geben.<\/p>\n<p>Alois Gla\u00dfner selbst hat an der mdw Orgel, Kirchenmusik, Komposition, Dirigieren und Gesangsp\u00e4dagogik studiert. Seit 1991 lehrt er an der mdw, 2004 wurde er als Professor f\u00fcr Dirigieren ans Anton Bruckner Institut berufen, im Herbst 2018 \u00fcbernahm er die Professur f\u00fcr Chordirigieren am Institut f\u00fcr Musikleitung, dem er seit Juli 2021 vorsteht. \u201eIn meiner Studienzeit an der damaligen Musikhochschule habe ich ein profundes Ausbildungsangebot f\u00fcr Chordirigieren vermisst, daher freut es mich besonders, jetzt auch mit der Entwicklung und dem Ausbau dieses Bereichs betraut zu sein\u201c, so Gla\u00dfner.<\/p>\n<p>Die Frage, was noch weiter zu tun sei, um Absolvent_innen noch besser auf die Berufswelt vorzubereiten, treibt ihn und die Lehrenden am Institut stetig an. Jedoch r\u00e4umt er ein: \u201eIm Studium kann man nicht alles vorwegnehmen, was sich im Laufe des durchaus harten Lebens im Dirigierbereich ergeben wird. Aber wir helfen den Studierenden, eine starke musikalisch-leitende Pers\u00f6nlichkeit zu entwickeln, die den kommenden St\u00fcrmen im Leben standhalten kann.\u201c","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDas, was wir vom Dirigenten, von der Dirigentin am Pult sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs. Darunter befindet sich eine wahre Kompetenzpyramide aus musikalischen Fertigkeiten bis hin zu Managementf\u00e4higkeiten\u201c, sagt Alois Gla\u00dfner, Leiter des Instituts f\u00fcr Musikleitung an der mdw. 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