{"id":7554,"date":"2022-04-29T08:22:27","date_gmt":"2022-04-29T06:22:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=7554"},"modified":"2022-04-29T11:45:30","modified_gmt":"2022-04-29T09:45:30","slug":"fritz-kreisler-ein-kosmopolit-im-exil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2022\/04\/29\/fritz-kreisler-ein-kosmopolit-im-exil\/","title":{"rendered":"Fritz Kreisler \u2013 Ein Kosmopolit im Exil"},"content":{"rendered":"<h1>Vom Wunderkind zum \u201eK\u00f6nig der Geiger\u201c<\/h1>\n<p>Fritz Kreisler (* 1875 in Wien, \u2020 1962 in New York) wurde zuerst von seinem Vater Samuel Kreisler unterrichtet, einem j\u00fcdischen Arzt, zu dessen Patient_innen auch Sigmund Freud z\u00e4hlte. 1882 begann er am Conservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien (heute mdw) sein Studium bei Joseph Hellmesberger jun. und Anton Bruckner. Im Alter von sieben Jahren war er das j\u00fcngste Wunderkind an dieser Ausbildungsst\u00e4tte und erhielt nach drei Jahren bereits die Goldmedaille des Conservatoriums. Nach dem Studium am Pariser Konservatorium errang er 1887 den \u201ePremier Grand Prix\u201c an dieser angesehenen Institution. 1888 ging er zusammen mit dem Pianisten Moriz Rosenthal auf eine erfolgreiche Amerikatournee.<\/p>\n<p>Nach seiner R\u00fcckkehr aus den USA beendete er seine Schulzeit mit der Matura, begann Medizin zu studieren und war kurze Zeit in der Armee. Ein Probespiel bei den Wiener Philharmonikern verlief erfolglos, trotzdem wurde er als Solist eingeladen, mit dem Orchester zu musizieren. Weitere Erfolge verzeichnete er unter anderen mit den Berliner Philharmonikern unter Arthur (Art\u00far) Nikisch. Damit begann eine der brillantesten und lukrativsten Solistenkarrieren der damaligen Zeit. 1910 hob Kreisler das ihm gewidmete Violinkonzert von Edward Elgar aus der Taufe. Die Teilnahme als Soldat im Ersten Weltkrieg bewirkte einen kurzfristigen Boykott seiner Auftritte in den USA.<\/p>\n<figure id=\"attachment_7557\" aria-describedby=\"caption-attachment-7557\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-7557\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image1-7-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image1-7-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image1-7-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image1-7-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image1-7-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image1-7-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image1-7-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/post-1_image1-7.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7557\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Library of Congress<\/figcaption><\/figure>\n<p>Seine Frau, die Amerikanerin Harriet Lies, die durchaus ein gutes Verh\u00e4ltnis zum NS-Regime pflegte, managte ihn\u00a0\u2013 sie besa\u00dfen von 1924 bis 1934 ein Haus in Berlin. Diese Aufgabe war wohl eine zeitintensive Herausforderung, die sie mit gro\u00dfem Eifer und Erfolg erf\u00fcllte. Sein Konzertkalender war voll ausgelastet, und auch der Vertrag mit der Schallplattenfirma Victor Company verpflichtete ihn zu vielen Aufnahmen. In dieser Zeit erntete er mit seinen sogenannten <i>Klassischen Manuskripten<\/i> viel Bewunderung, aber nach Bekanntwerden der Tatsache, dass es sich vielmehr um Eigenkompositionen handelte, auch viel Kritik.<\/p>\n<p>Ab 1933 lehnte es Fritz Kreisler aus Solidarit\u00e4t mit Dirigenten wie Fritz Busch und Bruno Walter ab, im \u201eDeutschen Reich\u201c aufzutreten. 1935 wurde Kreisler anl\u00e4sslich seines 60.\u00a0Geburtstages mit dem Ehrenring der Stadt Wien ausgezeichnet, weltweit wurden ihm gewidmete Sendungen ausgestrahlt. Nur in Deutschland wurde er totgeschwiegen. Aufgrund seiner j\u00fcdischen Herkunft verboten die Nazis 1938 alle seine Aufnahmen und Auftritte. Er erhielt die franz\u00f6sische Staatsb\u00fcrgerschaft, die anfangs von Deutschland nicht anerkannt wurde, emigrierte aber gemeinsam mit seiner Frau 1939 nach Amerika. 1943 wurde er amerikanischer Staatsb\u00fcrger. Aufgrund eines Autounfalls 1941 musste Kreisler seine Auftritte drastisch reduzieren. Kreislers letzter \u00f6ffentlicher Auftritt fand 1947 statt. Der gro\u00dfartige Solist erblindete zusehends und starb 1962 in New York.<\/p>\n<p>Yehudi Menuhin sagte \u00fcber ihn: \u201eDer typische Kreisler-Klang war subtil und eindringlich, unter der Oberfl\u00e4che erf\u00fcllt von Regungen und Impulsen, von Hinweisen, die aufzufangen die damalige primitive Aufnahmetechnik und ich uns nach Kr\u00e4ften bem\u00fchten.\u201c Und er erg\u00e4nzte: \u201eIch sehne mich gl\u00fchend danach, <i>Sch\u00f6n Rosmarin <\/i>und <i>Caprice viennois <\/i>mit einer so raffinierten Eleganz zu spielen\u201c (Yehudi Menuhin, <i>Unvollendete Reise. Lebenserinnerungen<\/i>, M\u00fcnchen 1979, S.\u00a068).<\/p>\n<p>Eine Ausstellung des Exilarte-Zentrums f\u00fcr verfolgte Musik an der mdw mit zahlreichen Bildern, Notenmaterialien und Lebensdokumenten sowie der parallel erscheinende Katalog werden sich im Fritz-Kreisler-Gedenkjahr u.\u2009a. mit Kreislers Familiengeschichte, seiner Wiener Zeit sowie seiner besonderen F\u00e4higkeit, mit den Medien zu kommunizieren (Plattenfirmen, Zeitungen, Rundfunk), besch\u00e4ftigen. Auch sein Geigenstil (in Zusammenhang mit den gro\u00dfen Konzerten und den Beethoven-Sonaten) wird thematisiert, wie auch seine Bearbeitungen und seine Kompositionsweise. Interessant sind auch seine \u00fcber ein Dutzend Stradivaris, Guarneris und andere Spitzeninstrumente, die er sein Eigen nannte (auch die heutigen Besitzer_innen werden genannt). Ebenso wird die historische Komponente der auf \u201erassischen\u201c Gr\u00fcnden beruhenden Ausweisung durch den NS-Staat aufgezeigt und\u00a0\u2013 wie dies bei Exilarte-Ausstellungen schon Tradition ist\u00a0\u2013 die Einbeziehung von weiteren vertriebenen und verfemten Geigenvirtuos_innen und Streichquartetten jener Zeit (Alma und Arnold Ros\u00e9, Carl Flesch, Bronis\u0142aw Huberman, Ferdinand Adler, Busch-Quartett, Rostal-Quartett etc.) betrachtet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Fritz Kreisler \u2013 Ein Kosmopolit im Exil<br \/>\n<\/b>Er\u00f6ffnung 16. September 2022, bis Mai 2023<br \/>\nExilarte \u2013 Zentrum f\u00fcr verfolgte Musik<br \/>\nLothringerstra\u00dfe 18, 1030 Wien<br \/>\n<a href=\"http:\/\/exilarte.org\">exilarte.org<\/a><\/p>\n<p><b>Tipp:<br \/>\n<\/b>Der 10. Internationale Fritz Kreisler Violinwettbewerb findet zwischen 17. und 25.\u00a0September 2022 in Wien statt.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/fritzkreisler.com\">fritzkreisler.com<\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Ausstellung des Exilarte-Zentrums f\u00fcr verfolgte Musik an der mdw mit zahlreichen Bildern, Notenmaterialien und Lebensdokumenten sowie der parallel erscheinende Katalog werden sich im Fritz-Kreisler-Gedenkjahr u.\u2009a. mit Kreislers Familiengeschichte, seiner Wiener Zeit sowie seiner besonderen F\u00e4higkeit, mit den Medien zu kommunizieren (Plattenfirmen, Zeitungen, Rundfunk), besch\u00e4ftigen.<\/p>\n","protected":false},"author":209,"featured_media":7556,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[1258,1271,952],"class_list":["post-7554","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-report","tag-2022-2","tag-fritzkreisler","tag-exilarte"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7554","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/209"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7554"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7554\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7733,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7554\/revisions\/7733"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7556"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7554"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7554"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7554"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}