{"id":7503,"date":"2022-04-05T17:01:04","date_gmt":"2022-04-05T15:01:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=7503"},"modified":"2022-04-06T09:55:57","modified_gmt":"2022-04-06T07:55:57","slug":"xenakis-2022-back-to-the-roots","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2022\/04\/05\/xenakis-2022-back-to-the-roots\/","title":{"rendered":"Xenakis 2022: Back to the Roots"},"content":{"rendered":"Anl\u00e4sslich des hundertsten Geburtstags des griechisch-franz\u00f6sischen Komponisten Iannis Xenakis veranstalten das Institut f\u00fcr Musikwissenschaft und Interpretationsforschung (IMI) und der Lehrgang f\u00fcr elektroakustische und experimentelle Musik (ELAK) an der mdw in Zusammenarbeit mit den <em>Wiener Festwochen<\/em> von 19.\u201321.\u00a0Mai 2022 ein Symposium zu Xenakis\u2019 elektroakustischem \u0152uvre. Im daf\u00fcr pr\u00e4destinierten neuen Klangtheater des Future Art Lab der mdw wird an den drei Symposiumstagen das elektroakustische Gesamtwerk von Iannis Xenakis mittels Vielkanal-Audioprojektion aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Gerade in seinen elektroakustischen Werken bot sich dem Komponisten die Gelegenheit, Ideen und Konzepte, aber auch Kl\u00e4nge und Kompositionsmodelle in gro\u00dfer Radikalit\u00e4t zu entwickeln: Zum einen war Xenakis nicht an instrumentale Grenzen und Auff\u00fchrungskonventionen gebunden, zum anderen nutzte er insbesondere seine multimedialen Konzeptionen dazu, musikalische Werke zu schaffen, die an L\u00e4nge und Intensit\u00e4t alle seine Instrumentalwerke \u00fcbertreffen. Exemplarisch seien hier <em>La L\u00e9gende d\u2019Eer<\/em> (ca. 45\u00a0Min.) und <em>Persepolis<\/em> (ca. 54\u00a0Min.) genannt. Nur wenige seiner 13 elektroakustischen St\u00fccke entstanden als rein musikalische Werke\u00a0\u2013 meist waren sie mit anderen Medien wie Film, Lichtdesign etc. verbunden und f\u00fcr konkrete Orte und Architekturen konzipiert.<\/p>\n<p>Diese Gemengelage und Xenakis\u2019 Anspruch, sein elektroakustisches Material selbst mithilfe ausgekl\u00fcgelter Verfahren (multiplikative Tonbandtechniken, stochastische Synthese, Granulation) zu disponieren, brachten nicht nur ein umfangreiches Korpus an Quellen hervor, das Einblicke in den Kompositionsprozess erm\u00f6glicht, sondern zeigen durchaus auch die experimentellen, ja mitunter fast widerspr\u00fcchlichen Vorgangsweisen seines Komponierens. Philologische Untersuchungen des heterogenen Materials sind vor diesem Hintergrund nicht nur unverzichtbar, sondern k\u00f6nnen \u00fcberdies anhand der signifikanten Quellensituation auch f\u00fcr weitere Werke elektroakustischer Musik fruchtbar gemacht werden. Das Symposium fokussiert daher nicht nur auf die elektroakustische Musik von Xenakis allein, sondern nimmt dar\u00fcber hinaus die theoretische Fundierung einer Philologie elektroakustischer Musik in den Blick. Aufgeworfen werden sollen daher auch weitergehende Fragen wie beispielsweise: In welchem Sinne k\u00f6nnen elektroakustische Aufzeichnungen als Text betrachtet werden? Was bedeuten in diesem Kontext komparative Methoden? Was bedeuten <em>Original<\/em> oder <em>Authentizit\u00e4t<\/em>, und welche Konsequenzen ergeben sich f\u00fcr Auff\u00fchrung und Interpretation elektroakustischer Musiken?<\/p>\n<figure id=\"attachment_7505\" aria-describedby=\"caption-attachment-7505\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7505 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/260-IX-Indiana-Universite\u0301-72-courtesy-of-Indiana-UniversityArchives-\u00a9-The-Trustees-of-Indiana-University_-Famille-I-Xenakis-1024x805.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"668\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/260-IX-Indiana-Universite\u0301-72-courtesy-of-Indiana-UniversityArchives-\u00a9-The-Trustees-of-Indiana-University_-Famille-I-Xenakis-1024x805.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/260-IX-Indiana-Universite\u0301-72-courtesy-of-Indiana-UniversityArchives-\u00a9-The-Trustees-of-Indiana-University_-Famille-I-Xenakis-300x236.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/260-IX-Indiana-Universite\u0301-72-courtesy-of-Indiana-UniversityArchives-\u00a9-The-Trustees-of-Indiana-University_-Famille-I-Xenakis-768x604.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/260-IX-Indiana-Universite\u0301-72-courtesy-of-Indiana-UniversityArchives-\u00a9-The-Trustees-of-Indiana-University_-Famille-I-Xenakis-1536x1208.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/260-IX-Indiana-Universite\u0301-72-courtesy-of-Indiana-UniversityArchives-\u00a9-The-Trustees-of-Indiana-University_-Famille-I-Xenakis-2048x1611.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/260-IX-Indiana-Universite\u0301-72-courtesy-of-Indiana-UniversityArchives-\u00a9-The-Trustees-of-Indiana-University_-Famille-I-Xenakis-850x668.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-7505\" class=\"wp-caption-text\">260 IX, Indiana University, 72 courtesy of Indiana University Archives \u00a9 The Trustees of Indiana University, Famillie I. Xenakis<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aufgrund der spezifischen materiellen Situation der Quellen elektroakustischer Musik ist philologische Grundlagenforschung dringend geboten: Tonb\u00e4nder sind zunehmend dem physischen Zerfall ausgesetzt, unsystematische Digitalisierungen verwischen musikalische Spuren, manche Maschinen zur Wiedergabe elektroakustischer Musik sind l\u00e4ngst aussortiert und verschwunden. Und nicht zuletzt bedarf auch das Wissen, wie diese Maschinen zu bedienen und die medialen Tr\u00e4ger zu lesen sind, dringend der Sicherung.<\/p>\n<p>Wir freuen uns, dass Curtis Roads (University of California, Santa Barbara) und Michel Chion (Universit\u00e9 Paris III) Impulsvortr\u00e4ge zugesagt haben. Der renommierte Xenakis-Spezialist James Harley (University of Guelph, Kanada) wird \u00fcber die Verbindung von Xenakis\u2019 Elektroakustik mit seiner Instrumentalmusik sprechen\u00a0\u2013 ein Thema, das auch Marko Slav\u00ed\u010dek (Technische Universit\u00e4t Berlin) in seinem Vortrag <em>Orchestrating Noise<\/em> besch\u00e4ftigt. Laura Zattra (Konservatorium Bologna), Michelle Ziegler (Paul-Sacher-Stiftung Basel) und Elena Minetti (mdw) werden anhand der spezifischen Materialit\u00e4t elektroakustischer Musik philologische Grundlagenfragen er\u00f6rtern, da Ton- und Lochb\u00e4nder, Software, Aufnahme- und Wiedergabemaschinen, technische Assistenten usw. neben Aspekten der Notation respektive Aufzeichnung in den Blick genommen werden m\u00fcssen. Reinhold Friedl (mdw) wird einen \u00dcberblick \u00fcber die Situation der Xenakis-Archive geben und nach den wenig bekannten musikethnologischen Quellen in Xenakis\u2019 elektroakustischer Musik fragen.<\/p>\n<p>Als Alternative zum urspr\u00fcnglich philologischen Textvergleich pr\u00e4sentiert Thomas Grill (mdw) audiobasierte komparative Methoden aus dem Feld der Music Information Research (MIR). Marcin Pietruszewski (Northumbria University, Newcastle) diskutiert seine Software-Simulationen des Xenakis\u2019schen elektronischen Sp\u00e4twerks, und Pierre Carr\u00e9 (IRCAM Paris) pr\u00e4sentiert die Rekonstruktion des St\u00fcckes <em>Polytope de Cluny<\/em> (das er auch im Rahmen der Konzerte spielen wird). Peter Nelson (University of Edinburgh), der selbst mit Xenakis am UPIC-Synthesesystem arbeitete, diskutiert die Verwandtschaft dessen spezifischer Klanglichkeit mit der menschlichen Stimme.<\/p>\n<p>An den Abenden der drei Symposiumstage stellen wir das elektroakustische Gesamtwerk von Iannis Xenakis im neuen Klangtheater des Future Art Lab vor. Die Klangregie insbesondere der Mehrkanalst\u00fccke wird mit Unterst\u00fctzung von Wolfgang Musil, Thomas Grill und Reinhold Friedl genauestens vorbereitet, kritische Quellenstudien und historisch informierte Auff\u00fchrungspraktiken liegen den Interpretationen zugrunde. Studierende und Lehrende des ELAK-Lehrgangs werden neben G\u00e4sten wie Pierre Carr\u00e9 die Klangregie \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Eine besondere Herausforderung besteht in der Unterschiedlichkeit der Werke, von monophon bis achtkanalig, von Tonbandkompositionen hin zu computergenerierter Synthese, und auch deren verschiedenartigen Auff\u00fchrungskonzepten. Neben dem derzeit 21.2-kanaligen periphonen Lautsprechersystem in hemisph\u00e4rischer Anordnung des Klangtheaters nutzen wir deshalb zus\u00e4tzliche charakteristische Lautsprecher im Saal, um das Spektrum an Klangfarbe und R\u00e4umlichkeit noch weiter auszudehnen.<\/p>\n<p>Diese Auff\u00fchrungen schlagen eine Br\u00fccke: Am 18.\u00a0Juni 2022 werden im Belvedere21 zum Abschluss der diesj\u00e4hrigen <em>Wiener Festwochen<\/em> die elektroakustischen Hauptwerke von Iannis Xenakis im Rahmen einer langen Konzertnacht in alternativer Klangprojektion f\u00fcr gr\u00f6\u00dferes Publikum erklingen und mit au\u00dfereurop\u00e4ischer Musik, die Xenakis inspirierte, und aktuellen Musikformen unter dem Xenakis\u2019schen Motto \u201eWir tragen das Licht der Erde\u201c zu einer gro\u00dfen Geburtstagsparty kulminieren.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/mdw.ac.at\/imi\/xenakis\">mdw.ac.at\/imi\/xenakis<\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des hundertsten Geburtstags des griechisch-franz\u00f6sischen Komponisten Iannis Xenakis veranstalten das Institut f\u00fcr Musikwissenschaft und Interpretationsforschung (IMI) und der Lehrgang f\u00fcr elektroakustische und experimentelle Musik (ELAK) an der mdw in Zusammenarbeit mit den Wiener Festwochen von 19.\u201321.\u00a0Mai 2022 ein Symposium zu Xenakis\u2019 elektroakustischem \u0152uvre.<\/p>\n","protected":false},"author":278,"featured_media":7505,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[1258,1058,1259,1261,33,314],"class_list":["post-7503","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-research","tag-2022-2","tag-elak","tag-wienerfestwochen","tag-xenakis","tag-research","tag-symposium"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7503","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/278"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7503"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7503\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7510,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7503\/revisions\/7510"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7505"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7503"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7503"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7503"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}